Kazimierz

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Dieser Artikel beschreibt den Krakauer Stadtteil Kazimierz (deutsch Kasimir). Für das gleichnamige Dorf in Oberschlesien siehe Kazimierz (Głogówek). Siehe auch Kaźmierz, Kazimierz Dolny sowie Kasimir.
Marktplatz mit jüdischem Restaurant in Kazimierz
Krakau mit Kazimierz 1891

Kazimierz [kaˈʑimʲɛʃ] (deutsch Kasimir) ist ein Stadtteil von Krakau in Polen. Er liegt südöstlich der Altstadt am linken Ufer der Weichsel. Kazimierz war bis 1800 eine eigenständige Stadt. Dazu gehörte auch das jüdische Viertel im Osten mit zahlreichen Synagogen.

Heute ist es überwiegend saniert und zu einem Anziehungspunkt für in- und ausländische Besucher geworden.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Paulinerkirche des Heiligen Stanislaus auf dem Felsen (Skałka)

Stadt Kazimierz[Bearbeiten]

Kazimierz wurde von König Kasimir dem Großen gegründet und nach seinem Vornamen Kazimierz benannt. 1335 erhielt es das Stadtrecht nach Magdeburger Recht.

Die Stadt erhielt Wehranlagen und drei Kirchen, die gotische Katharinenkirche, die ebenfalls gotische Fronleichnamskirche sowie die barocke Klosterkirche Skałka, welche an Stelle eines alten slawischen Heiligtums gebaut wurde und die zur Station der Pilgerzüge vor der Königskrönung wurde. Unter Kasimir Jagiello wurde die Fronleichnamskirche den lateranischen Kanonikern übergeben, in deren Besitz sie sich noch immer befindet.

Jüdische Siedlung[Bearbeiten]

1495 wurden nach Pogromen die Juden aus Krakau nach Kazimierz umgesiedelt. Es entstand eine eigene jüdische Siedlung (oppidum Judaeorum) im Osten der Stadt. Diese wurde von einer Mauer umgeben.

Kazimierz wurde zu einer der wichtigsten jüdischen Zentren Polens. 1497 entstand die erste Synagoge. 1521 die erste hebräische Druckerei Polens. Es kamen Gelehrte wie Jakob Pollak und Moses Isserles. 1553 wurde die Remuh-Synagoge gebaut.

1795 kam Kazimierz an die Habsburgermonarchie

Stadtteil von Krakau[Bearbeiten]

Um 1800 wurde es Stadtteil von Krakau.

1822 wurden die Mauern um das Viertel abgetragen. Juden konnten sich in ganz Krakau niederlassen.

Ab den 1860er Jahren wurde das Viertel teilweise umgebaut. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Weichselarm zugeschüttet, der zwischen Kazimierz von Krakau verlief.

Deutsche Besetzung[Bearbeiten]

Die jüdische Gemeinde von Kazimierz wurde während der deutschen Besetzung zunächst in das Krakauer Ghetto umgesiedelt; die Mitglieder der Gemeinde wurden in der Folge fast alle ermordet.

Polen[Bearbeiten]

Jüdisches Restaurant „Ariel“

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verkam Kazimierz zum verrufensten Stadtteil Krakaus und verfiel zu großen Teilen.

Erst durch den Film Schindlers Liste, dessen Handlung teilweise in Kazimierz gedreht wurde, erwachte der Stadtteil zu neuem Leben.

Inzwischen sind viele der Gebäude saniert worden, und in die ehemalige Judenstadt zogen wieder Geschäfte und Restaurants ein. Kazimierz wird heute von vielen Besuchern Krakaus aufgesucht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kazimierz
Rathaus
Hohe Synagoge
Tempel-Synagoge

Christliches Viertel:
1. Das ehemalige Rathaus auf dem Markt wurde im 16. Jahrhundert erbaut und im 19. Jahrhundert umgebaut. Heute beherbergt es das Ethnographische Museum
2. St. Katharinenkirche
3. Fronleichnamskirche
4. Felsenkirche Skałka
5. Industriemuseum

Jüdisches Viertel:
6. Die Alte Synagoge stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts. Nach einem Brand wurde sie 1557 im Stile der Renaissance neu aufgebaut. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kamen der Vorsängersaal und die Weiberschul (Frauengebetsraum) hinzu. Jetzt befindet sich hier die Jüdische Abteilung des Museums für Stadtgeschichte Krakau.
7. Remuh-Synagoge, erbaut 1553 von Israel ben Josef. Sie dient auch heute noch als Gotteshaus.
8. Hohe Synagoge, erbaut 1563 ?
9. Isaak-Synagoge, erbaut 1644
10. Kupa-Synagoge, erbaut 1643
11. Die Tempel-Synagoge ist die jüngste in Kazimierz. Das 1860 durch die Fortschrittlichen Israeliten erbaute Gotteshaus war Zentrum der jüdischen liberalen Intelligenz.
12. Der Alte Friedhof wurde 1551 angelegt und ist der älteste jüdische Friedhof in Krakau. Neben zahlreichen künstlerisch wertvollen Grabsteinen (Mazzeva) liegt hier der Rabbi Moses Isserles begraben, dessen Grab von Juden aus vielen Ländern aufgesucht wird. Seit 1800 wird er nicht mehr für Begräbnisse genutzt.

Außerdem:

  • Die Breite Straße (Ulica Szeroka) war das Zentrum des jüdischen Stadtteils. Hier befanden sich viele Bethäuser, Badehäuser (Mykwaot), Synagogen und der Friedhof.
  • Die Popper-Synagoge stammt von 1620 und ist vom Kaufmann und Bankier Wolf Popper, gestiftet worden. In dem Gebäude ist heute ein Kulturhaus.
  • Das Jüdische Galizien-Museum wurde 2004 eröffnet.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das Jüdische Kulturfestival in Krakau ist der kulturelle Höhepunkt des Jahres im Stadtteil Kazimierz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jehuda L. Stein: Juden in Krakau. Ein geschichtlicher Überblick 1173–1939. Hartung-Gorre, Konstanz 1997, ISBN 3-89649-201-2.
  • Heinz-Dietrich Löwe: Die Juden in Krakau-Kazimierz bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts. In: Michael Graetz (Hrsg.): Schöpferische Momente des europäischen Judentums in der frühen Neuzeit. Winter, Heidelberg 2000, ISBN 3-8253-1053-1, S. 271–320.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

50.05166666666719.944861111111Koordinaten: 50° 3′ 6″ N, 19° 56′ 41″ O