Kirche Zur Heimat

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Kirche Zur Heimat

Die evangelische Kirche Zur Heimat, von Peter Lehrecke mit seinem Vater Wilhelm 1956 im Architekturstil der Nachkriegsmoderne entworfen, steht in der Heimat 24 im Berliner Ortsteil Zehlendorf des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Sie gehört zum unter Denkmalschutz stehenden Bauensemble der ehemaligen Kirchlichen Hochschule, das heute von der Evangelischen Hochschule Berlin genutzt wird. Die am 2. Juni 1957 eingeweihte Saalkirche ist mit dem freistehenden Glockenturm über eine gedeckte Pergola verbunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1920er Jahren entwickelte sich die Bautätigkeit in Zehlendorf südlich der Eisenbahnstrecke der Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn so stark, dass die Paulus-Kirchengemeinde nach einem Grundstück suchte, um darauf eine Kirche und ein Pfarrhaus für eine neue Gemeinde in Zehlendorf-Süd zu bauen. Im Mai 1928 wurde ein Grundstück von fast 14.000 m² für rund 96.000 Mark gekauft. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Grundstück für militärische Zwecke beschlagnahmt und darauf neun Baracken errichtet, von denen nach Kriegsende zwei noch stehende Baracken für den kirchlichen Gebrauch gesichert wurden. Bereits am 17. Juni 1945 fand der erste Gottesdienst statt. Die beiden gemieteten Baracken wurden später vom Magistrat von Berlin für 10.000 Mark gekauft.

Am 7. September 1948 wurden von der Paulus-Kirchengemeinde die drei Tochtergemeinden Ernst-Moritz-Arndt, Schlachtensee und Zehlendorf-Süd abgespalten. Sie blieben aber nach wie vor unter einer gemeinsamen Verwaltung. In Anlehnung an die benachbarte Straße Heimat beschloss 1951 der Gemeindekirchenrat Zehlendorf-Süd, der Gemeinde den Namen Kirchengemeinde Zur Heimat zu geben. Sie gehört zum Evangelischen Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Architekten knüpfen erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg an die Neue Sachlichkeit der 1920er Jahre an. Der im Jahr der Interbau vollendete kubische Bau ist puristisch, was Peter Lehrecke als „Bekenntnis zum Sakralen im Kirchenbau“ bezeichnet. Der Grundriss ist, abgesehen vom eingeschossigen Anbau an der Westseite für die Sakristei, die Küsterei und einen Andachtsraum, in traditioneller Weise längsrechteckig. Allerdings entspricht der Stahlbetonbau sowohl in der Ansicht als auch in der Konstruktion und Konzeption der zeitgenössischen modernen Sakralarchitektur, bei der in Berlin seit den 1950er Jahren zunehmend die Wandflächen geöffnet werden, um die Wirkung des Kirchraumes zu erhöhen.

Die beiden Gebäudeteile, der kurze Eingangsbereich und der lange Kirchraum, sind quergelagert und mit gegeneinander gestellten Pultdächern bedeckt, die von den Dachtraufen des niedrigen Eingangsbereichs und der hohen Altarwand aus ansteigen. Wo sie an den Firsten zusammentreffen befindet sich über die gesamte Breite und Höhe ein versprosstes Fenster aus Klarglas, das dem Kirchraum wie bei einem Sheddach auch von rückwärts viel Licht gibt. In Verbindung mit der Altarwand, ebenfalls aus Klarglas, mit Ausblick auf das anschließende Waldgelände, wird ein heller Gottesdienstraum geschaffen. Vor dem rückwärtigen Klarglasfenster hängt ein Glasgemälde von Hans Jaenisch. Die Seitenwände des Stahlbetonbaus sind fensterlos. An ihnen sind aus Beton gegossene Reliefs angebracht, die von Waldemar Otto stammen, der auch das König-David-Relief auf der Orgelempore schuf. Der Kirchraum ist trotz des seitlich versetzten Eingangs axial angelegt. Zwei kleinere Räume, die mit dem Kirchraum verbunden werden können, liegen neben dem Vorraum hinter dem Eingang.

Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dem Eingangsbereich vorgelagerte gedeckte Pergola führt in klassischer Zuordnung zum Campanile, in dem vier Gussstahlglocken der Erdinger Glockengießerei hängen.

Gießjahr Schlag­ton Gewicht
(kg)
Durch­messer
(cm)
Höhe
(cm)
Inschrift
1957 fis' 464 102 80 ICH RUFE ZUR HEIMAT.
1957 a' 272 102 80 ICH GRÜSSE TELTOW.
1957 h' 193 076 60 PAUL GERHARDT (1607–1957).
1960 cis" 129 066 51 KIRCHLICHE HOCHSCHULE (1935–1960).

Ursprünglich war noch eine Glocke aus Hartguss vom Berliner Eisenwerk Franz Weeren vorhanden, die an eine Patengemeinde in Südafrika abgegeben wurde.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel mit 25 Registern, verteilt auf 2 Manuale und Pedal, wurde 1968 von Willi Peter gebaut.[1]

Mehrfachnutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche mit rund 360 Sitzplätzen dient nicht nur dem Gottesdienst und Veranstaltungen der Kirchengemeinde, sondern ist auch Auditorium maximum der Kirchlichen Hochschule. Diese Mehrfachnutzung wird dadurch ermöglicht, dass sich die Prinzipalien und die Bestuhlung flexibel aufstellen lassen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin: Berlin und seine Bauten. Teil 6. Sakralbauten, Berlin 1997.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Band Berlin, München/Berlin 2006.
  • Christine Goetz, Matthias Hoffmann-Tauschwitz: Kirchen Berlin Potsdam, Berlin 2003.
  • Jan Peter Grevel: Mit Gott im Grünen. Eine Praktische Theologie der Naturerfahrung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, S. 306.
  • Johannes Hünig: Blick ins Paradies. Transparenz und Naturbezug im modernen Kirchenbau, Hamburg 2011.
  • Barbara Kahle: Deutsche Kirchenbaukunst des 20. Jahrhunderts, Darmstadt 1991, S. 144.
  • Günther Kühne, Elisabeth Stephanie: Evangelische Kirchen in Berlin, Berlin 1978.
  • Peter Lehrecke: Eine neue Kirche für Berlin-Zehlendorf und die Frage nach der Kirchenbaukunst unserer Zeit. In: Bauwelt 15/1956, S. 339.
  • Gerhard Langmaack: Evangelischer Kirchenbau im 19. und 20. Jahrhundert. Geschichte, Dokumentation, Synopse, Kassel 1971, S. 85.
  • Bernhard Schulz: … in die Jahre gekommen. Kirche Zur Heimat in Berlin-Zehlendorf. In: Deutsche Bauzeitung, Jg. 145, Nr. 11, 2011, S. 52–57.
  • Wolfgang Jean Stock (Hrsg.): Europäischer Kirchenbau 1950–2000, München 2003, S. 216.
  • Wolfgang Jean Stock: Architekturführer Christliche Sakralbauten in Europa seit 1950, München 2004, S. 69.
  • Klaus-Dieter Wille: Die Glocken von Berlin (West). Geschichte und Inventar, Berlin 1987.
  • Kerstin Wittmann-Englert: Zelt, Schiff und Wohnung. Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne, Lindenberg im Allgäu 2006, S. 119.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kirche zur Heimat (Berlin-Zehlendorf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 25′ 23,2″ N, 13° 15′ 40,9″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Information zur Orgel