Klaus Martens (Journalist)

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Klaus Martens (2011)

Klaus Martens (* 18. Mai 1954) in Uedem ist ein deutscher Journalist, Filmemacher und Buchautor.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Martens arbeitet als Redakteur und Autor in der Programmgruppe Inland des WDR in Köln. Nach dem Studium der Politikwissenschaften, Geschichte und Philosophie (M.A.) war seine erste WDR-Station die Sendung Hier und Heute. Anschließend arbeitete Klaus Martens in den Abteilungen Kultur/Geschichte, in der Chefredaktion und der Programmgruppe Ausland.

Martens gehörte zum Gründungsteam des ARD-Morgenmagazins. 2001 wechselte er zur Redaktion Die Story. In seinen Dokumentationen, für die er zahlreiche Auszeichnungen erhielt, beschäftigt er sich schwerpunktmäßig mit Wirtschaftsthemen.

Am 14. Mai 2010 stellte der WDR Martens wegen angeblicher Verstöße gegen Programmgrundsätze des WDR und falscher Angaben gegenüber dem WDR im Zusammenhang mit seinem Feature Heilung unerwünscht (2009, s. u.) und seiner nachfolgenden Buchveröffentlichung vom Dienst frei und leitete arbeitsrechtliche Schritte ein. Im Zusammenhang mit der Dokumentation waren Zweifel an der Unabhängigkeit Martens in dem Fall geäußert worden, die Intendantin warf Martens Vertrauensbruch vor.[1] Das Arbeitsgericht Köln hob die Kündigung jedoch am 20. Januar 2011 auf. Die Vorwürfe gegen Martens stellten sich laut Gerichtsurteil nach Überprüfung zum wesentlichen Teil als nicht zutreffend heraus. Aufgrund der vorher renommierten journalistischen Arbeit von Martens seien die Gründe für eine fristlose Entlassung nicht ausreichend gewesen.[2][3] Das Landesarbeitsgericht regte am 5. Oktober 2011 eine vergleichsweise Streitbeilegung an. Es schlug "nachdrücklich" vor, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen und Martens in einer anderen Redaktion oder einem anderen Aufgabenbereich weiter zu beschäftigen, bevor es selbst in dieser Sache ein Urteil fällen würde.[4] Am 14. Dezember 2011 lautete das Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln (Az. 3 Sa 347/11) dass die fristlose Kündigung unwirksam war und ließ keine Revision zu.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor eines Films zur Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone erhielt Martens 2002 den Medienpreis der Johanna-Quandt-Stiftung. Seine Story Der unsichtbare Dritte wurde 2005 für den Ernst-Schneider-Preis nominiert. Seine Dokumentation Bankgeheimnisse wurde mit dem Helmut-Schmidt-Journalistenpreis 2005[5] und dem Ernst-Schneider-Preis 2006 ausgezeichnet.

Für die Fernsehdokumentation Todesfahrt im Fischerboot erhielt er den Europäischen Civis-Preis 2008 und für Der Störfall den DUH-Umwelt-Medienpreis 2008. Für den einstündigen Film Albtraum im Fischerboot – Afrikas Flüchtlinge und Europas Fischereipolitik erhielt er auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen den Filmpreis des Evangelischen Entwicklungsdienstes 2009 zum Thema Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt.

Dokumentarfilm: Heilung unerwünscht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. Oktober 2009 sendete die ARD Martens' 45-minütige Dokumentation Heilung unerwünscht – Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern. Thema des Films ist die Geschichte einer Vitamin-B12-haltigen Salbe zur Behandlung des Atopischen Ekzems (Neurodermitis) und der Psoriasis (Schuppenflechte) und der vergeblichen Versuche, ein großes Pharmaunternehmen für die Herstellung und Vermarktung der Salbe als Medikament zu gewinnen. Der Film dokumentiert die Geschichte der Erfindung, Entwicklung, Patentierung und Erprobung des Mittels und der ergebnislosen Kontakte zu mehreren Pharmaunternehmen weitgehend durch Interviews und Aussagen der beteiligten Personen. Der Film kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen der Pharmaindustrie sich jahrelang aus strategischen Gründen geweigert hätten, ein preiswertes und wirksames Mittel zu produzieren und zu vermarkten, obwohl sie keine Zweifel daran gehabt hätten, dass es vielen Betroffenen hätte helfen können. Zeitgleich mit der Ausstrahlung des Films wurde ein Buch zum Film angekündigt, das am 5. November 2009 erschien.

Die Dokumentation stieß zunächst auf positives, dann jedoch auch auf ein sehr kritisches Medienecho. Einige Zeitungen, unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ und die Süddeutsche Zeitung, folgten der Aussage, die Siegfried Throm, Geschäftsführer der forschenden Pharma-Unternehmen, in der Sendung Hart aber fair getroffen hatte: Martens betreibe eine PR-Kampagne. Nach Ausstrahlung des Films wurde bekannt, dass der Patentbesitzer in der Schweizer Firma Mavena Health Care AG einen Vertriebspartner gefunden hatte, der die Creme auf den Markt bringen wolle.[6][7] Dass der Patentbesitzer die Creme "auf eigene Faust" auf den Markt bringen wollte, war in dem Film allerdings durchaus Thema gewesen. In einem Interview kam der Vertreter einer Vertriebsfirma aus dem niederrheinischen Kleve zu Wort, der die Markteinführung ankündigte. Kritisiert wurde, dass die durchgeführten Studien zu klein gewesen seien, um, wie im Film behauptet, die Wirksamkeit bei Neurodermitis und Psoriasis zweifelsfrei zu belegen. Auch der Titel "Heilung unerwünscht" wurde als irreführend kritisiert. Tatsächlich gilt Neurodermitis als nicht heilbar. Die Auseinandersetzung um den Film führte zu einem arbeitsrechtlichen Verfahren zwischen Martens und dem WDR, das Martens sowohl in der ersten als auch in der zweiten Instanz vor dem Arbeitsgericht gewann.

Lehrer aus Leidenschaft / Lehrerzimmer – ein Schuljahr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Oktober 2009 wurde in der Reihe Menschen hautnah im WDR-Fernsehen Martens 45-minütiger Film Lehrer aus Leidenschaft[8] ausgestrahlt. Für diese Dokumentation wurden an einem Overather Gymnasium ein Jahr lang 90 Pädagogen beobachtet. Ein großer Teil der Dokumentation zeigt das Geschehen im Lehrerzimmer, gelegentlich kontrastiert mit Zitaten aus Theodor Adornos Tabus über dem Lehrberuf. Eine 60-minütige Fassung unter dem Titel Lehrerzimmer – Ein Schuljahr sendete PHOENIX in einer Erstausstrahlung am 19. Januar 2013.[9]

Wir die Wand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Wir die Wand" ist ein 90-minütiger Dokumentarfilm, den Martens mit einem 50köpfigen Team an einem Tag gedreht hat. Der Film ist eine WDR-Eigenproduktion und porträtiert die Südtribüne im Fußballstadion von Dortmund während des Fußballspiels gegen Mainz am 20. April 2013. Insgesamt 16 Kameras beobachten das Geschehen auf der größten Stehplatztribüne Europas, ohne auch nur eine einzige Spielszene auf dem Fußballfeld selbst zu zeigen. Der Dokumentation liegt die These zugrunde, dass unter den 25.000 auf der Tribüne Menschen aller gesellschaftlichen Schichten zusammenkommen. Elf von ihnen werden mit Eintritt in das Stadion von je einer Kamera begleitet und bis zum Ende des Spiels beobachtet. Die Protagonisten erzählen ihre Geschichten sowohl direkt in die Kamera als auch "aus dem Off". Dazu hat Regisseur Martens seine Protagonisten in langen Interviews vor dem Mikrofon befragt. Die Dokumentation wurde erstmals im September 2013 in deutschen Kinos und im Oktober 2013 im WDR-Fernsehen gezeigt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2001 Auf Biegen und Brechen. Aufstieg und Ende von Mannesmann (WDR 45 Min.)
  • 2002 Der unsichtbare Dritte. Milliardendeal um Mannesmann (WDR 45 Min.)
  • 2003 Die Haffa-Brüder. Von Börsenstars zu Bösewichten (WDR 45 Min.)
  • 2004 Doppeltes Spiel – Der Milliardendeal der Mannesmänner (WDR 45 Min.)
  • 2005 mittendrin oder abgemeldet – mit 50. Eine Dokumentation über das Lebensgefühl mit 50 Jahren (ARD / WDR 45 Min.).
  • 2005 Bankgeheimnisse – der Konkurs eines Computerhändlers (WDR 45 Min.)
  • 2006 Das Superkonto – Der Griff nach den EU-Milliarden. Eine Dokumentation über die Subventionspolitik der Europäischen Union. (ARD/WDR 45 Min)
  • 2007 Der Störfall – Was geschah wirklich in den AKW von Vattenfall? (WDR 45 Min.)
  • 2007 Alptraum im Fischerboot. Afrikas Flüchtlinge und Europas Fischereipolitik (3sat/WDR 60 Min.)
  • 2007 Durchzugsland – Geschichten vom Niederrhein (3sat / WDR 45 Min)
  • 2008 Die Akte Siemens (WDR 45 Min.)
  • 2007 Die Firma. Die Geschäftsmethoden der Siemens AG (Phoenix /3sat /WDR 60 Min.)
  • 2009 Lehrer aus Leidenschaft Eine Dokumentation aus einem Lehrerzimmer (WDR 45 Min.)
  • 2009 Heilung unerwünscht – Wie Pharmakonzerne ein Medikament verhindern (ARD/WDR 45 Min.)
  • 2013 Lehrerzimmer – Ein Schuljahr (Phoenix 60 Min.)
  • 2013 Wir die Wand (WDR 90 Min.)
  • 2015 Count down zu einem Tabubruch – MEIN KAMPF erscheint (ARD/WDR 45/60 Min.)
  • 2016 Schichtwechsel – Die Roboter übernehmen (WDR/arte/ARD 90 Min/45 Min.)
  • 2017 Erzähl es niemandem! (90 Min.im Kinoverleih von realfiction)[10]
  • 2018 WDR-Geschichte(n) – Eine Zeitreise in 14 Interviews. Von Klaus Michael Heinz (8 Interviews à 60 min.) und von Klaus Martens im Gespräch mit Nikolaus Brender, Helga Kirchner, Gabriele Krone-Schmalz, Friedrich Nowottny, Fritz Pleitgen und Sonia Seymour Mikich (6 Interviews à 60 min.)
  • 2019 Erzähl es niemandem! Eine deutsch-norwegische Liebesgeschichte. Deutsche Fernsehpremiere am 26. Oktober 2019 ZDF/PHOENIX um 21.45 Uhr

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martens, Klaus: Heilung unerwünscht. Die dramatische Geschichte eines Medikaments. Dumont Literatur und Kunst Verlag; Auflage: 1. (5. November 2009), ISBN 978-3-8321-9531-1.
  • Martens, Klaus (Hrsg.): Carl Baumann wahr nehmen, (Leben und Werk des Hagener Künstlers C. Baumann), ardenkuverlag Hagen 2010, ISBN 978-3-942184-02-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung des WDR vom 14. Mai 2010 (Memento vom 27. Juni 2012 im Internet Archive)
  2. Aktenzeichen 6 Ca 4641/10 (Memento des Originals vom 6. September 2018 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/juris.de Pressemeldung Arbeitsgericht Köln: Arbeitsgericht Köln: Fristlose Kündigung eines WDR-Redakteurs unwirksam@1@2Vorlage:Toter Link/www.justiz.nrw.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Arbeitsgericht Köln, 6 Ca 4641/10
  4. http://www.lag-koeln.nrw.de/service/sitzungsergebnis/index.php?datum=05.10.2011@1@2Vorlage:Toter Link/www.lag-koeln.nrw.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 12. September 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.helmutschmidtjournalistenpreis.de
  6. Süddeutsche Zeitung: Das große Jucken
  7. Frankfurter Allgemeine: Schuppenflechte-Therapie - Rosarot ist die Hoffnung
  8. Menschen hautnah: Lehrer aus Leidenschaft.
  9. [http://IABotdeadurl.invalid/http://programm.ard.de/TV/Programm/TV-nach-Rubriken/Information/lehrerzimmer/eid_287259295288826?monat=01&jahr=&datum=2013-01-30&list=themenschwerpunkt @1@2Vorlage:Toter Link/programm.ard.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.].
  10. Film Beschreibung auf: realfictionfilme.de