Zisterzienserabtei Pforta

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Zisterzienserabtei Pforta
Kirchenfassade
Kirchenfassade
Lage DeutschlandDeutschland Deutschland
Sachsen-Anhalt
Koordinaten: 51° 9′ N, 11° 45′ OKoordinaten: 51° 8′ 32″ N, 11° 45′ 10″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
60
Patrozinium Mariä Himmelfahrt,
Johannes der Täufer
Gründungsjahr 1132
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1540
Mutterkloster Kloster Walkenried
Primarabtei Kloster Morimond

Tochterklöster

Kloster Altzella
Kloster Stolpe
Kloster Leubus
Kloster Daugavgrīva
Kloster Kärkna

Das Kloster Pforta (Sancta Maria ad Portam) ist eine ehemalige Zisterzienserabtei im Ortsteil Schulpforte des nach Naumburg (Saale) eingemeindeten Bad Kösen in Sachsen-Anhalt in Deutschland. Das Kloster ist eine Station an der Straße der Romanik.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Bruno im Pleißengau (nach wissenschaftlichen Erkenntnissen von 2003 ein fiktiver Graf, ebenso erfunden wie die vermeintliche Urkunde von angeblich 1140[1][2]) gründete 1127 in Schmölln ein Benediktinerkloster, das 1132 mit Zisterziensern aus Kloster Walkenried aus der Filiation der Primarabtei Morimond besetzt wurde. Bischof Udo I. von Naumburg verlegte 1137 das Kloster an die Saale und gab ihm den Namen claustrum apud Portam (Kloster zu der Pforten) oder Sanctae Mariae ad Portam (St. Marien zur Pforte). Die Mönche kultivierten das Land um das Kloster und machten es so zu einem der reichsten Klöster Ostthüringens. Die Klosterkirche aus der Zeit um 1140 wurde von 1251 bis 1320 umgebaut. Schon 1209 werden als dem Kloster, das unter besonderem Schutz der sächsischen Herzöge stand, 27 Orte gehörig genannt mit einer Gesamtanzahl von 163 Hufen, zuzüglich von Waldungen und Wiesen. Später wurde das Kloster durch Erbschaften, Schenkungen und Kauf einer der größten Grundbesitzer im nördlichen Thüringen.

Nach der Reformation wurde in der ersten Kirchenvisitation 1537 dem Kloster zugehörig gerechnet: Hassenhausen, Spielberg, Rehehausen, Obermöllern, Lißdorf, Kleinjena, Mertendorf, Leutenthal, Sachsenhausen, Neuengönna, Henschleben, Gößnitz.

Nach der Klosteraufhebung 1540 gründete der sächsische Herzog Moritz dort am 21. Mai 1543 eine der drei sächsischen Fürstenschulen, in deren Tradition die in den ehemaligen Klostergebäuden untergebrachte heute noch bestehende Landesschule Pforta steht (zur weiteren Geschichte siehe diesen Hauptartikel). Die Klostergüter wurden dabei im „Schulamt Pforta“ zusammengefasst, dessen Amtmann zugleich die Wirtschaftsangelegenheiten der Schule verwaltete.

Abtskapelle
Blick durch das Längsschiff der Klosterkirche mit Chor im Hintergrund
Chorgewölbe
Hölzernes Triumphkreuz im Mittelschiff
Zweischiffiger südlicher Kreuzgangsflügel, Blick nach Osten
Romanisches Kapitell einer Säule im Kreuzgang

Anlage und Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der mit einer weitgehend mittelalterlichen Mauer umgebenen Anlage sind die turmlose Klosterkirche, die Klausur, die sogenannte Abtskapelle, das kurfürstliche „Haus“, der ehemalige Torbau und Wirtschaftsgebäude erhalten.

Ehemalige Klosterkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonderbriefmarke der Deutschen Bundespost 1993: 450 Jahre Schulpforta - mit der Klosterkirche als Bild-Motiv

Die Kirche war ursprünglich (1137–1150) eine kreuzförmige romanische Pfeilerbasilika mit einem vierjochigen Mittelschiff und zwei niedrigen Seitenschiffen, mit einer flachen Balkendecke unmittelbar über acht Rundbogenfenstern über den Arkaden zu beiden Seiten des Mittelschiffs, „für Deutschland das älteste Beispiel einer Zisterzienser-Kirche von schon ausgeprägtem Typus“ (Georg Dehio), aus großquadrigem Mauerwerk. Der Innenraum war durch einen einfachen Lettner in Höhe des ersten Jochpfeilers des Langhauses in den Chorus monachorum (Mönchchor) und den Chorus conversorum geteilt. Verschiedene Zugänge gingen vom Kreuzgang direkt in die Kirche, die von außen so nicht zugänglich war. In den Ostteilen war die Kirche nach sächsischen Gewohnheiten errichtet. Links und rechts neben der Apsis befanden sich zwei kleinere Tonnengewölbe. Die beiden linken zum Kreuzgang hin gelegenen sind erhalten und tragen die Inschrift: „Patroni sunt St. Petrus…“, weshalb sie Peter- und Paulskapelle genannt werden.[3] Von dieser alten Basilika sind heute noch die Nordwand der Kirche und die beiden genannten Gewölbe erhalten.

Die Kirche wurde um 1170 durch Erhöhung der Querhausarme und Abbruch und Neubau der Apsiden und um 1240 durch nochmalige Erhöhung der Querhausarme und Einfügung von Kreuzrippengewölben erweitert.

Der spätere, 1251 begonnene und 1268 vollendete gotische Neubau verwendete große Teile des romanischen Baus und behielt dessen Grundriss bei. Das Mittelschiff wurde um zwei und das südliche Seitenschiff um vier Joche (im gebundenen System) verlängert, die Kirche wurde insgesamt um sieben Meter erhöht und mit neuen Kreuzrippengewölben versehen. Es erhielt außerdem dreiteilige Spitzbogenfenster. Der aufwändig gestaltete Chor, der Anklänge an den Westchor des Naumburger Doms zeigt, erhielt zwei querrechteckige Joche und ein Chorpolygon mit 5/8-Schluss und sieben hohen, schmalen gotischen Fenstern. Er wird von je zwei Tonnengewölben auf beiden Seiten flankiert, über denen jeweils eine kreuzrippengewölbte weitere Kapelle (Trinitatiskapelle und Margaretenkapelle) liegt. Das südliche Seitenschiff wurde verbreitert und um das Querhaus herum weitergeführt. Um diesem Bau Halt zu geben, wurden an die Südwand Strebepfeiler angebaut, bei der Nordwand und dem Mittelschiff war das auf Grund des Platzmangels nur möglich, indem sie in den bestehenden Klosterbau eingezogen wurden. Die Pfeiler, die das aufgestockte Mittelschiff abstützen sollten, sind vom Klosterhof aus noch sichtbar. Im Inneren waren die Rundbögen nicht mehr stark genug, weshalb ausgeschweifte Zwischenpfeiler eingesetzt wurden. Da diese Zwischenpfeiler viel schmaler waren als die romanischen und die Kapitelle unterschiedlich hoch lagen, fehlte es dem Bau allerdings an Ästhetik. Die Kirche erhielt zugleich eine neue Fassade, die um 1300 vollendet war.

Am 2. Oktober 1268 wurde die Kirche, deren Bau zum größten Teil aus Ablässen finanziert worden war[4] eingeweiht und neben der Hl. Maria auch Johannes dem Täufer als Schutzheiligen unterstellt. 1450 zerstörte ein Feuer das Dachgestühl und einen Teil der Nebengebäude. Für den darauf folgenden Wiederaufbau musste der Abt einen Teil des Grundbesitzes an das Kloster Paulinzella verkaufen.

Weitere Kapellen (Evangelistenkapelle und Moritzkapelle) wurden angefügt. Renovierungen erfolgten ab 1854, ab 1959 und seit 1989.

An der als repräsentatives Eingangsportal ausgestalteten, von zwei weit vorspringenden Strebepfeilern eingerahmten Westfassade, die eine den Zisterziensern fremde Schmuckfreudigkeit zeigt, und auf deren Giebel sich eine große Kreuzblume befindet, sind insgesamt vier Themen zu sehen. Der Sündenfall, vertreten durch Adam und Eva, das Gesetz des Volks Israel, vertreten durch Moses, die Kreuzigung und die Lehre der Evangelien. Zentral im Sattelgiebel ist die Kreuzigungsgruppe zu sehen, die Christus mit schrägem Kopf und Lendenschurz zeigt. Unter den Kreuzesarmen stehen die Hl. Maria und der Jünger Johannes, sowie Maria Magdalena und Maria Kleophas, die Salbennäpfe tragen. Links und rechts sieht man noch zwei gekreuzigte Sünder, der eine reuig, der andere verstockt. Ihre Arme verschwinden in der Wand, wodurch sie von der Szene abgesondert werden. Hinter dieser Gruppe waren die Reliquien verschiedener Heiliger eingemauert.[5] Am Portal selbst sind die vier Evangelisten abgebildet. Über dem Portal sind als figürlicher Schmuck die Apostel Petrus, Paulus, Jakobus und Johannes angebracht. Auf der Konsole zwischen ihnen war früher eine Marienkrönung zu sehen. Das Portal entstand während des Umbaus und wurde später nach dem Anbau des Baptisteriums neu ausgestaltet, wobei Elemente des alten Portals wiederverwendet wurden. Schon der große Umbau war durch großangelegte Ablässe und Pilgerfahrten finanziert worden. Die wichtige Funktion als Pilgerort setzte sich danach offensichtlich fort und zeigt sich in der Ausgestaltung der großen, im 19. Jahrhundert stark überarbeiteten Westfassade.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altarbild von Friedrich Wilhelm von Schadow (1824): Christus der Auferstandene zwischen den Evangelisten Johannes und Matthäus

Über dem Lettner der romanischen Basilika hing ein hölzernes, beidseitig bemaltes Triumphkreuz aus dem 13. Jahrhundert, das heute auf der Höhe des dritten Jochs im Hauptschiff aufgehängt ist.

Aus der Zeit des ersten Umbaus sind einige Schlusssteine erhalten, vor allem im südlichen Seitenschiff. In der sogenannten Evangelistenkapelle, einer Fortsetzung des südlichen Seitenschiffs, finden sich als Abbildungen auf den Schlusssteinen die vier Evangelisten mit den ihnen zugeordneten Tieren. Jedes trägt eine Rolle mit dem Anfang des Evangeliums und ist mit einem Heiligenschein dargestellt. Der letzte dieser Steine, der schon zum Seitenschiff gehört, zeigt einen geflügelten Löwen, der das Evangelium des Markus trägt. Die Evangelistenkapelle wurde als Begräbniskapelle genutzt.

Im südlichen Seitenschiff sind weiterhin eine Taube als Sinnbild für den Heiligen Geist und ein Lamm mit einer Fahne als Sinnbild für Christus zu sehen. Im Mittelschiff gibt es einen Schlussstein, auf dem der auferstandene Christus mit Nägelmalen und zwei Engeln abgebildet ist. Im nördlichen Seitenschiff zeigt der einzig erhaltene Schlussstein einen Mönch, man nimmt an, dass es sich um den Baumeister der Kirche handelt. Ansonsten ist der Schmuck eher schlicht, wie es bei den Zisterziensern üblich war, und beschränkt sich auf sehr detailliertes Blattwerk.

Die Statuen im Chor, je zwei rechts und links neben dem Altar, stellen Udo von Naumburg auf der einen Seite und die Schutzheiligen der Kirche die Hl. Maria und Johannes den Täufer dar.

In der Zeit zwischen 1945 und 1989 gingen von den Einrichtungsgegenständen unter anderem die Orgel, die Kanzel und das Gestühl verloren. Auch konnte man von der ursprünglichen Wandbemalung, die teilweise die Äbte des Klosters dargestellt haben soll, nichts mehr wiederfinden. Im Jahr 1998 wurden im Chor die rekonstruierten Glasfenster aus der gotischen Periode eingesetzt.

Klausur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Torhaus

Der Kreuzgang liegt nördlich (links von) der Kirche (vergleiche zum Beispiel Kloster Maulbronn). Er weist etwa die Länge des romanischen Kirchenschiffs auf. Der westliche, nördliche und südliche Trakt stammen im Wesentlichen noch aus dem 12. Jahrhundert. Der an die Kirche angrenzende südliche Kreuzgangflügel ist zweischiffig (vgl. Kloster Walkenried). Vom Kapitelsaal ursprünglich an der Ostseite sind das Portal und zwei vermauerte Triforien seitlich erhalten. Um 1725 wurden alle Klausurgebäude umgestaltet. Das Refektorium im Nordtrakt erhielt 1802 eine Balkendecke.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1905 gab es damals drei Kirchenglocken; zwei aus dem Jahr 1439 - eine mit 136 Zentimeter Durchmesser und der Aufschrift Quando maria sonat, die andere mit 98 Zentimeter Durchmesser und der Aufschrift O protege domine - und eine undatierte mit 55 Zentimeter Durchmesser und der Aufschrift hilf got maria berot. [6]

Weitere Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fürstenhaus wurde um 1570 auf der ehemaligen Infirmitur errichtet. Die frühgotische Abtskapelle war ursprünglich die Kapelle der Infirmitur. Das Torhaus wurde 1854 bis 1860 unter Einbeziehung älterer Bauteile errichtet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gefälschte Urkunde zur Klostergründung (Memento vom 17. April 2013 im Internet Archive)
  2. Holger Kunde: Das Zisterzienserkloster Pforte, Die Urkundenfälschung und die frühe Geschichte bis 1236, Verlag Böhlau, 2003, ISBN 3-412-14601-3.
  3. Wilhelm Paul Corrsen, Über die klösterlichen Bauwerke der königlichen Landesschule Pforta, 1865, S. 218.
  4. Robert Pahnke Schulpforte, 1956, Leipzig, S. 68–69.
  5. Wilhelm Paul Corrsen, Über die klösterlichen Bauwerke der königlichen Landesschule Pforta, 1865, S. 258.
  6. Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen von 1905, pdf-Format, abgerufen am 19. Juli 2017, S. 239

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio (Begr.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen-Anhalt II: Regierungsbezirke Dessau und Halle, München, Berlin: Dt. Kunstverlag, 1999, S. 767–779, ISBN 3-422-03065-4;
  • Peter Pfister: Klosterführer aller Zisterzienserklöster im deutschsprachigen Raum, Strasbourg: Éditions du Signe, 2. Aufl. 1998, S. 466–467, ISBN 2-87718-596-6;

weitere Literatur im Hauptartikel Schulpforte nachgewiesen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zisterzienserabtei Pforta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien