Konrad Kyeser

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Portrait von Konrad Kyeser im Autograph des Bellifortis

Konrad Kyeser (auch Kieser; * 28. August 1366 in Eichstätt; † nach 1405) war ein deutscher Kriegstechniker und Fachschriftsteller im spätmittelalterlichen Europa. Er verfasste die erste deutsche kriegstechnische Bilderhandschrift, den sogenannten Bellifortis (lat. der Kampfstarke), gleichzeitig das erste umfangreichere Kompendium technischer Zeichnungen seit den Skizzen Villard de Honnecourts aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildung einer Blide im Bellifortis
Zeichnung eines Keuschheitsgürtels (Bayerische Staatsbibliothek, Clm 30150)

Konrad Kyeser entstammte einer bürgerlichen Familie aus Eichstätt und lernte im dortigen Dominikanerkloster Medizin. 1389 zog er mit einem bayerischen Söldnerheer nach Italien. Dort sammelte er nicht nur Kriegserfahrungen, sondern kam auch in Kontakt mit dem italienischen Renaissance-Humanismus. Seit 1394 nahm er an den Kreuzzügen König Sigismunds von Ungarn gegen die Osmanen teil, für deren Scheitern er Sigismund in seinem Bellifortis verantwortlich macht. 1402 befand er sich am Hof König Wenzels. Von Sigismund auf die Burg Žebrák verbannt, begann er die Niederschrift seines Bellifortis, den er 1405 mit Malern des königlichen Hofs zu einer reich bebilderten Prachthandschrift erweiterte.

Der Bellifortis fasst handbuchartig Maschinen und Geräte vor allem zu Kriegszwecken zusammen, die dem Autor aus antiken Texten oder eigenen Erfahrungen bekannt waren. Die Geräte sind technisch nicht immer korrekt wiedergegeben, bei Geräten die ihm aus eigener Anschauung bekannt waren, erreicht Kyeser allerdings zum Teil einen außerordentlichen Detailreichtum. Einige der Geräte sind in Kyesers Handschrift erstmals bildlich dargestellt. Dazu gehört die erste eindeutige mittelalterliche Abbildung einer Archimedischen Schraube aber auch die älteste bekannte Zeichnung eines Keuschheitsgürtels. Zum Teil beschreibt er unpraktikable Versuche. Entsprechend dem humanistischen Verständnis von Naturwissenschaft, mit denen Kyeser als Arzt vertraut war, nahm er auch alchemistische und astrologische Praktiken in seinen Bellifortis auf.

Die Schrift Kyesers gelangte in weiten Umlauf und wurde, auch im Manufakturbetrieb, in mehreren verschiedenen Redaktionen verbreitet. Inzwischen sind 45 erhaltene Handschriften bekannt, die in Umfang, Text und Bild mitunter stark vom Original abweichen. Das Ruprecht von der Pfalz gewidmete Autograph Kyesers befindet sich im Bestand der Universitätsbibliothek Göttingen.

Seine Heimatstadt Eichstätt ehrt ihn durch eine Konrad-Kieser-Straße.

Handschriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 2o Cod. Ms. philos. 63
  • Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 2o Cod. Ms. philos. 64
  • Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 4o Cod. Ms. philos. 64a
  • Köln, Historisches Archiv der Stadt, Best. 7020 [W*] 232
  • New York, Public Library, Spencer Collection, Ms. 58
  • New York, Public Library, Spencer Collection, Ms. 104 (früher Schloß Hollwinkel bei Lübbecke, Freiherr von der Horst)
  • Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Cod. Pal. lat. 1888
  • Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Cod. Pal. lat. 1889
  • Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Cod. Pal. lat. 1986
  • Frankfurt, Universitätsbibliothek, Ms. germ. qu. 15 (früher Stadtbibliothek, o. N.)[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Maria Feldhaus: Kyeser, Conrad. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 52, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 768 f.
  • Friedrich Klemm: Kyeser, Conrad. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. 355 f. (Digitalisat).
  • Conrad Kyeser aus Eichstädt, Bellifortis, 2 Bde. (Faksimile, Transkription und Übersetzung), hg. v. Götz Quarg, Düsseldorf 1967.
  • Rainer Leng: Ars belli. Deutsche taktische und kriegstechnische Bilderhandschriften und Traktate im 15. und 16. Jahrhundert. 2. Band, Wiesbaden 2002, S. 423–440.
  • Lynn Townsend White: Kyeser's Bellifortis. The First Technological Treatise of the Fifteenth Century, in: Technology and culture 10 (1969), S. 436–441.
  • Regina Cermann: Der ‚Bellifortis’ des Konrad Kyeser (= Codices Manuscripti & Impressi, Supplementum 8). Purkersdorf 2013.
  • Regina Cermann: Astantes stolidos sic immutabo stultos - Von nachlässigen Schreibern und verständigen Buchmalern. Zum Zusammenspiel von Text und Bild in Konrad Kyesers Bellifortis. In: Wege zum illuminierten Buch. Herstellungsbedingungen für Buchmalerei in Mittelalter und früher Neuzeit. Wien 2014, S. 148-176, ISBN 978-3-205-79491-2, Online: https://e-book.fwf.ac.at/detail_object/o:521

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Konrad Kyeser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Digitalisat der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main