Konrad Kyeser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Porträt von Konrad Kyeser im Autograph des Bellifortis

Konrad Kyeser (auch Kieser, lateinisch Conradus Kyeser; * 26. August 1366 in Eichstätt; † nach 1405)[1][2][3] war ein deutscher Kriegstechniker und Fachschriftsteller im spätmittelalterlichen Europa. Er verfasste die erste deutsche kriegstechnische Bilderhandschrift, den sogenannten Bellifortis (lateinisch für „Der Kampfstarke“), eines der Kompendien technischer Zeichnungen nach den Skizzen Villard de Honnecourts aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und Guido da Vigevanos aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abbildung einer Blide im Bellifortis
Zeichnung eines Keuschheitsgürtels in der Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 30150
Vorrichtung zum gewaltsamen Herabholen einer Zugbrücke im Bellifortis. Handschrift Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vaticanus Palatinus lat. 1994, fol. 66v (frühes 15. Jahrhundert)

Konrad Kyeser entstammte einer bürgerlichen Familie aus Eichstätt. Im dortigen Dominikanerkloster studierte er Medizin. 1389 zog er mit einem bayerischen Söldnerheer nach Italien. Dort sammelte er nicht nur Kriegserfahrungen, sondern kam auch in Kontakt mit dem italienischen Renaissance-Humanismus. Seit 1394 nahm er an den Kreuzzügen König Sigismunds von Ungarn gegen die Osmanen teil, für deren Scheitern er Sigismund in seinem Bellifortis verantwortlich macht. 1402 befand er sich am Hof König Wenzels. Von Sigismund auf die Burg Žebrák verbannt, begann er die Niederschrift seines Bellifortis.

Der Bellifortis fasst handbuchartig Maschinen und Geräte vor allem zu Kriegszwecken zusammen, die dem Autor aus antiken Texten oder eigenen Erfahrungen bekannt waren. Die Geräte sind technisch nicht immer korrekt wiedergegeben, bei Geräten die ihm aus eigener Anschauung bekannt waren, erreicht Kyeser allerdings zum Teil einen außerordentlichen Detailreichtum. Einige der Geräte sind in Kyesers Handschrift erstmals bildlich dargestellt. Dazu gehört die erste eindeutige mittelalterliche Abbildung einer Archimedischen Schraube aber auch die älteste bekannte Zeichnung eines Keuschheitsgürtels. Zum Teil beschreibt er unpraktikable Versuche. Entsprechend dem humanistischen Verständnis von Naturwissenschaft, mit denen Kyeser als Arzt vertraut war, nahm er auch alchemistische und astrologische Praktiken in seinen Bellifortis auf.

Die Schrift Kyesers wurde, auch im Manufakturbetrieb, in mehreren verschiedenen Redaktionen verbreitet. Inzwischen sind 45 erhaltene Handschriften bekannt, die in Umfang, Text und Bild mitunter stark vom Original abweichen. Ein 1405 mit Malern des königlichen Hofs zu einer reich bebilderten Prachthandschrift erweitertes und König Ruprecht von der Pfalz gewidmetes Autograph Kyesers befindet sich seit 1773 im Bestand der Universitätsbibliothek Göttingen mit der Signatur 2° Cod. Ms. philos. 63. In diesem Autograph sind neben Kyesers Porträt die Namen seiner Eltern Rüdiger und Elisabeth ebenso wie der 26. August 1366 als sein Geburtsdatum überliefert.[1]

Unklares Geburtsdatum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Kyesers Geburtsdatum gibt es widersprüchliche Angaben. Udo Friedrich liest in der Bildunterschrift der Handschrift der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen 2° Cod. Ms. philos. 63 auf Fol. 139r den 24. August.[4] Nach Franz Maria Feldhaus in der Allgemeinen Deutschen Biographie war es der 25. August.[5] Demgegenüber liest Christoph Graf zu Waldenburg Wolfegg in der Bildunterschrift der Göttinger Handschrift den 26. August,[1] der ebenfalls von Friedrich Klemm in der Neuen Deutschen Biographie[2] und von Rainer Leng[3] genannt wird. Der 28. August wird vom Stadtmuseum Ingolstadt angegeben.[6]

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Heimatstadt Eichstätt ehrt ihn durch eine Konrad-Kieser-Straße. Das Altmühlzentrum in Dollnstein zeigt einige seiner Kriegsmaschinen in verkleinertem Maßstab.

Handschriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod. Ms. philos. 63 (Autograph)
  • Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod. Ms. philos. 64 (Beschreibung)
  • Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 4° Cod. Ms. philos. 64a
  • Köln, Historisches Archiv der Stadt, Best. 7020 [W*] 232
  • München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 30150 (Digitalisat)
  • New York, Public Library, Spencer Collection, Ms. 58
  • New York, Public Library, Spencer Collection, Ms. 104 (früher Schloß Hollwinkel bei Lübbecke, Freiherr von der Horst)
  • Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Cod. Pal. lat. 1888
  • Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Cod. Pal. lat. 1889
  • Rom, Biblioteca Apostolica Vaticana, Cod. Pal. lat. 1986
  • Frankfurt a. M., Universitätsbibliothek, Ms. germ. qu. 15 (früher Stadtbibliothek, o. N.) (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Maria Feldhaus: Kyeser, Conrad. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 52, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 768 f.
  • Friedrich Klemm: Kyeser, Conrad. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. 355 f. (Digitalisat).
  • Götz Quarg (Hrsg.): Conrad Kyeser aus Eichstädt, "Bellifortis". 2 Bände, 1: Faksimile der Handschrift 2° Cod. Ms. philos. 63 der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, 2: Transkription und Übersetzung. Düsseldorf 1967.
  • Udo Friedrich: Konrad Kyeser Bellifortis. Feuerwerkbuch. Farbmikrofiche-Edition der Bilderhandschriften Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod. Ms. philos. 64 und 64a Cim. Edition Helga Lengenfelder, München 1995, ISBN 3-89219-303-7 (omifacsimiles.com [PDF]).
  • Rainer Leng: Ars belli. Deutsche taktische und kriegstechnische Bilderhandschriften und Traktate im 15. und 16. Jahrhundert. Band 2. Reichelt, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-89500-261-8, S. 423–440.
  • Lynn Townsend White: Kyeser’s Bellifortis. The First Technological Treatise of the Fifteenth Century. In: Technology and culture. Nr. 10, 1969, ISSN 0040-165X, S. 436–441 (englisch).
  • Regina Cermann: Der ‚Bellifortis’ des Konrad Kyeser (= Codices Manuscripti & Impressi, Supplementum. Nr. 8). Hollinek, 2013, ISSN 0379-3621.
  • Regina Cermann: Astantes stolidos sic immutabo stultos - Von nachlässigen Schreibern und verständigen Buchmalern. Zum Zusammenspiel von Text und Bild in Konrad Kyesers Bellifortis. In: Christine Beier, Evelyn Theresia Kubina (Hrsg.): Wege zum illuminierten Buch. Herstellungsbedingungen für Buchmalerei in Mittelalter und früher Neuzeit. Böhlau, Wien 2014, ISBN 978-3-205-79491-2, S. 148–176 (fwf.ac.at [PDF; abgerufen am 2. November 2017]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Konrad Kyeser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Christoph Graf zu Waldenburg Wolfegg: Der Münchner >Bellifortis< und sein Autor. In: Kulturstiftung der Länder, Bayerischen Staatsbibliothek (Hrsg.): Konrad Kyeser, Bellifortis: Clm 30150 / Bayerische Staatsbibliothek (= Kulturstiftung der Länder - Patrimonia 137). 2000, ISSN 0941-7036, S. 21.
  2. a b Friedrich Klemm: Kyeser, Conrad. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, ISBN 3-428-00194-X, S. 355 f. (Digitalisat).
  3. a b Rainer Leng: Kyeser, Konrad: Bellifortis auf: Historisches Lexikon Bayerns
  4. Udo Friedrich: Konrad Kyeser Bellifortis. Feuerwerkbuch. Farbmikrofiche-Edition der Bilderhandschriften Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, 2° Cod. Ms. philos. 64 und 64a Cim. Edition Helga Lengenfelder, München 1995, ISBN 3-89219-303-7, S. 13 (omifacsimiles.com [PDF]).
  5. Franz Maria Feldhaus: Kyeser, Conrad. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 52, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 768 f.
  6. Konrad Kyeser – ein bayerischer Leonardo da Vinci. Stadtmuseum Ingolstadt