Kosilenzien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lage von Kosilenzien innerhalb der Stadt Bad Liebenwerda
Blick in die Dorfstraße

Kosilenzien ist ein Ortsteil der Stadt Bad Liebenwerda im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg und liegt etwa 15 km südlich der Stadt unweit der Grenze zu Sachsen am Rande des Ziegrams, einem einstigen rund 1000 Hektar großen Moor-, Sumpf- und Torfgebiet. Im Westen des Ortes ist das Waldgebiet Grüne Heide zufinden.

Der Ort besitzt derzeit 233 Einwohner[1] und wurde 1992 eingemeindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platz vor dem Burgwall bei Kosilenzien
Weg durch den Burgwall
Sport- und Spielplatz

Entwicklung des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort hatte im Laufe der Geschichte verschiedene Ortsnamen und Schreibweisen,

1408 Kasselow[2] 1422 Koselbitz 1443 Kaselwitz 1457 Kosilwitz 1501 Caselitz, Caselentz 1529 Kas(s)elentz, Koselentz 1550 Casilentz, Kasilenttzchen 1575 Koselentz, Koselentzigen 1590 Koselentzgen 1602 Cosilenzien. [3]

In der Vielfalt der Schreibweisen bleibt die Grundform Kozlov-ici, „Leute des Kozel“ klar erkennbar. Kozol (Niedersorbisch, Westslawisch), Kòzol - der Ziegenbock.

Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit zwischen später Bronzezeit und früher Eisenzeit entstand in der Nähe des Ortes ein Burgwall als Flieh- oder Schutzburg. Diese Erdburg maß ungefähr 400 Meter im Oval. Den Burgwall nutzten in späterer Zeit germanische und slawische Stämme. Am Rande des jetzigen Dorfes befindet sich außerdem ein Gräberfeld mit Urnen und Beigefäßen.

Der Ort entstand ungefähr um 1400 als Straßendorf. 1597 erfolgte der Bau der ersten Kirche im Ort. Während der Napoleonischen Kriege litten 1812 die Bauern unter ständigen Einquartierungen durchziehender Truppen. Am 16. April des gleichen Jahres vernichtete ein Großbrand mehrere Gehöfte, die Schule und die alte Kirche. Der anschließende Neubau der Kirche stürzte 1816 noch unvollendet ein. 1817 begann der Bau der heutigen Kirche, in welcher 1870 eine große und eine kleine Glocke im Kirchturm angebracht wurden. 1918 wurde die kleine Glocke zu Kriegszwecken abgenommen.

1921 erfolgte die Aufhängung einer neuen kleinen Glocke und 1939 wird die neu erbaute Schule bezogen. 1942 wurde die große Glocke für Kriegszwecke verwendet.

Später erfolgten weitere Baumaßnahmen im Ort. So restaurierte man 1955 den Innenraum der Kirche, installierte 1956 eine neue große Glocke, baute 1963 ein Feuerwehrhaus. 1972 erfolgte der Bau der ersten Stallanlage sowie die Errichtung der Burgwallhütte. 1975 wurde ein neues Konsumgebäude errichtet, welches heute den Jugendclub beherbergt, und 1988 entstand ein Mehrzweckgebäudes als Dorfgemeinschaftshaus.

Nach der Wende erfolgten in Kosilenzien zahlreiche Umbauten. Es wurden die Dorfstraße, die Gehwege und die Dorfbeleuchtung erneuert sowie Wasser- und Abwasserleitungen verlegt.

Weitere historische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kosilenzien besaß 1835 49 Wohnhäuser mit 299 Einwohnern 54 Pferde, 232 Stück Rindvieh, 380 Schafe, 5 Ziegen und 46 Schweine.[4]
  • Dem Ersten Weltkrieg fielen 16 Einwohner zum Opfer.
  • Dem Zweiten Weltkrieg fielen 18 Einwohner zum Opfer.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kosilenzien war schon immer ein reines Bauerndorf und da früher der Schwarzgraben, die heutige Kleine Röder, noch wild durch den Ziegram floss, besaßen einige Bauern Kähne, die an der Kahngasse festgemacht wurden. Mit Beginn der Industrialisierung fanden die Bewohner des Dorfes Lohn und Brot in Gröditz, Liebenwerda, Mühlberg/Elbe und in der Zuckerfabrik Brottewitz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein vor etwa 3000–4000 Jahren im Ziegram angelegter Burgwall zählt heute zu den Bodendenkmälern im Landkreis Elbe-Elster. Direkt am neu erbauten Radwanderweg gelegen, lädt er zum Verweilen, Entspannen und auch zum Entdecken ein. Hier sind viele seltene Tier- und Pflanzenarten beheimatet.

Seit 1979 gibt es das Burgwallfest am Pfingstwochenende. Alljährlich treffen sich viele Verwandte, Freunde und Bekannte immer zu Pfingsten am Burgwall.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • M. Karl Fitzkow: „Zur älteren Geschichte der Stadt Liebenwerda und ihres Kreisgebietes-Heft 2“. 1961.
  • Wolfgang Eckelmann, Michael Ziehlke: Chronik der Stadt Liebenwerda. Hrsg. v. Verein für Stadtmarketing und Wirtschaft Bad Liebenwerda e.V. Winklerdruck GmbH Gräfenhainichen, Bad Liebenwerda 2007, S. 250 bis 251.
  • Kosilenzien. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 5. Band. Schumann, Zwickau 1818, S. 88 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kosilenzien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung der Stadt Bad Liebenwerda und ihrer Ortsteile in den letzten Jahren. Abgerufen am 26. Juli 2009 (pdf; 68 kB).
  2. Jahr nicht gesichert
  3. Emilia Crome: „Die Ortsnamen des Kreises Bad Liebenwerda“. Akademie-Verlag, Berlin 1968.
  4. „Übersicht der Bevölkerung und des Viehstandes im Jahre 1835“ in „Die Schwarze Elster-Unsere Heimat in Wort und Bild“. Nr. 596. Bad Liebenwerda 1985, S. 8 bis 10.

Koordinaten: 51° 27′ N, 13° 20′ O