Krasiejów

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Krasiejów
Krasiejów führt kein Wappen
Krasiejów (Polen)
Krasiejów
Krasiejów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Powiat: Opole
Gmina: Ozimek
Geographische Lage: 50° 40′ N, 18° 15′ OKoordinaten: 50° 40′ 5″ N, 18° 14′ 48″ O
Einwohner: 2050
Postleitzahl: 46-040
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OPO
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Zawadzkie–Opole



Krasiejów [kra'ɕɛuf ] (deutsch: Krascheow oder Crascheow) ist eine kleine Ortschaft in Oberschlesien. Sie gehört zur Gemeinde Ozimek (Malapane) im Powiat Opolski in der polnischen Woiwodschaft Opole.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krasiejów liegt im nordöstlichen Zipfel (Równina Opolska, Oppelner Ebene) der Nizina Śląska (Schlesische Tiefebene) am linken Ufer der Mała Panew (Malapane), drei Kilometer östlich des Gemeindesitzes Ozimek (Malapane) und 23 Kilometer östlich der Kreisstadt und Woiwodschaftshauptstadt Opole (Oppeln).

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte von Krasiejów sind im Westen Ozimek, im Osten Staniszcze Małe (Klein Stanisch) und Kolonowskie (Colonnowska), im Südosten Spórok (Carmerau) und im Südwesten Krzyżowa Dolina (Kreuzthal).

Geologie, Fossillagerstätte und Dinopark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionale Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krasiejów befindet sich rund 70 Kilometer nordwestlich des Nordwestrandes des Grundgebirgs­aufbruches der Sudeten, relativ zentral im mesozoischen Tafelland Oberschlesiens im Ausbiss obertriassischer Sedimentgesteine. Die entsprechende Schichtenfolge wird in Mitteleuropa allgemein als Keuper bezeichnet und besteht überwiegend aus terrestrisch bis randmarin abgelagerten, meist sehr feinkörnigen Siliziklastika.

Fossillagerstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lebend­rekonstruktion des gigantischen Sauropoden Amphicoelias im JuraPark Krasiejów mit kleinen Coeluriden im Vordergrund und Stegosauriern im Hintergrund
Dreisprachige Informationstafel (Polnisch, Englisch, Deutsch) in der Freiluft­ausstellung des JuraParks

Im Untergrund des Raums Krasiejów stehen rötliche, kalk­haltige (mergelige), schwach verfestigte und daher besonders erosions­anfällige siltige Tonsteine an, die spätestens seit dem frühen 20. Jahrhundert zu verschiedenen Zwecken abgebaut wurden, seit 1974 in einem großen Tagebau (siehe Geschichte). Diese Tonsteine werden, mit einer gewissen Unsicherheit, mit den Lehrberg-Bänken (Weser-Formation oder Oberer Gipskeuper) Deutschlands korreliert, die ins jüngste Karnium gestellt werden.[1][2] Alternativ wurde eine Korrelation mit der etwas jüngeren Arnstadt-Formation (Steinmergelkeuper, Norium) vorgeschlagen.[2] Die roten Tonsteine von Krasiejów sind demnach zwischen 230 und 210 Millionen Jahre alt.[3] Sie enthalten, konzentriert in zwei Horizonten, eine typische Landwirbeltier­fauna der älteren Obertrias, die vor allem aus großen Temnospondylen sowie aus großen basalen Crurotarsiern besteht. Näher bestimmbare Temnospondylen sind der häufig vertretene Metoposauroide Metoposaurus und der weniger häufige Capitosaurier Cyclotosaurus. Näher bestimmbare Crurotarsierreste stammen vor allem von dem Phytosaurier Paleorhinus, in geringerem Umfang von dem Aetosaurier Stagonolepis und auch von dem „RauisuchierPolonosuchus.[1][4][2][5] Weitere Reste von Amnioten stammen von Sphenodontiern (frühen Verwandten der heutigen Brückenechsen)[2] und von einem eigenartigen Reptil mit relativ langem Hals, einem vom bauchseitigen (ventralen) Teil des Schultergürtels gebildeten „Brustschild“ und langen, dünnen Extremitätenknochen, das unter dem Namen Ozimek volans beschrieben und als enger Verwandter von Sharovipteryx eingestuft wurde.[6]

Die „Matrix“ des unteren, mächtigeren (bis 1,5 m) und lateral weiter aushaltenden der beiden fossilreichen Horizonte besteht zu 45 % aus Tonmineralen, zu 40 % aus Quarz­partikeln und zu 10 % aus Calcit­partikeln. Die Feinkörnigkeit der „Matrix“, die Dominanz von aquatischen Vertretern in der Landwirbeltierfauna und überdies die Anwesenheit von fossilen Resten von Fischen („Ganoiden“ und Lungenfische), Muscheln, Conchostraken und von Characeen-Oogonien im Tonstein deuten bei dieser Schicht auf ein limnisch-deltaisches Ablagerungsmilieu hin, das heißt, das Sediment wurde in einem See oder im landwärtigen, von stehenden salzarmen Gewässern geprägten Teil eines Flussdeltas abgesetzt.[1][2] In dieser Schicht kommen auch Pflanzenfossilien vor, von denen einzelne Schuppen von Koniferen­zapfen das meiste identifizierbare Material ausmachen. Vergesellschaftet mit den Pflanzenresten sind Deckflügel (Elytren) von Käfern.[2] Wesentlich reicher an Wirbeltierresten ist der obere, linsenartig ausgebildete Horizont (laterale Erstreckung ca. 15 m). Ebenfalls tonig, wird er als Ablagerung eines Flusses interpretiert.[2]

Paläontologischer Pavillon im Jahr 2008. In der Böschung im Vordergrund stehen die roten Keupertone an. Aufgrund deren geringer Erosionsresistenz weist der Hang charakteristische Erosionsrillen (Spülrinnen) auf.

Silesaurus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ganz besondere Funde in der großen Tongrube Krasiejów, in der erst seit 1993 paläontologische Ausgrabungen durchgeführt werden, stellen mehrere 2001 im oberen Horizont entdeckte, weitgehend vollständige Skelette einer bis dahin unbekannten Archosaurier-Spezies dar. Sie wurde 2003 vom polnischen Paläontologen Jerzy Dzik (* 1950) unter dem Namen Silesaurus opolensis beschrieben. Silesaurus wird als sehr enger Verwandter der Dinosaurier betrachtet und gilt als eine Art „Missing Link“ zwischen den ersten „echten“ Dinosauriern wie Herrerasaurus und Eoraptor und ursprünglicheren, geologisch älteren Archosauriern aus der „Stammgruppe“ der Dinosaurier wie Marasuchus und Lagosuchus. Zwar brachten nachfolgende Untersuchungen an dem Fossilmaterial den Erstbeschreiber zu dem Schluss, dass es sich bei Silesaurus opolensis tatsächlich um einen echten Dinosaurier, nämlich um einen primitiven Vertreter der Ornithischia handelt, [2] und schon vor 2001 waren Einzelknochen und Knochenfragmente dieser Spezies gefunden und als Reste von sehr frühen, wenn nicht den frühesten echten Dinosauriern gedeutet worden,[4] aber mehrere kladistische Analysen ergaben, dass Silesaurus wahrscheinlich doch außerhalb der Dinosaurier steht.[7][8][9]

Dinopark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konservierte Grabungsfläche mit zahlreichen fossilen Knochen von Temnospondylen im Paläontologischen Pavillon

Infolge der Erstbeschreibung von Silesaurus wurde 2005 das Paläontologische Museum in Krasiejów als Außenstelle der Universität Opole eröffnet. 2006 folgte die Eröffnung des Paläontologischen Pavillons des Paläontologischen Museums, der über einer der Ausgrabungsstätten errichtet wurde und in dem unter anderem Nachbildungen der Silesaurus-Skelette sowie Original-Fossilien von Temnospondylen in situ ausgestellt sind. Am 1. Juni 2010 wurde schließlich der JuraPark Krasiejów eröffnet, dessen Kernstück eine Freilichtausstellung ist, in der dreidimensionale lebensgroße Ganzkörperrekonstruktionen von zahlreichen mesozoischen Landwirbeltieren gezeigt werden, insbesondere von Dinosauriern aus aller Welt, aber auch von jenen Arten, die in der Tongrube gefunden wurden (siehe oben). Daneben umfasst der Park ein „Paläo-Ozeanarium“ mit Lebendrekonstruktionen mesozoischer Meerestiere, ein 5D-Kino, einen kleinen Freizeitpark sowie verschiedene gastronomische Einrichtungen und einen großen Abenteuerspielplatz. Zudem befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft des eigentlichen Parks ein Neubau, der eine interaktive, futuristisch gestaltete Ausstellung zum Thema Evolution beherbergt (Parku Nauki i Ewolucji Człowieka). Die Umgestaltung des Tongrubengeländes kostete rund 28 Millionen Złoty (ca. 7 Millionen Euro). Der JuraPark Krasiejów ist der jüngste von insgesamt drei JuraParks in Polen.[10]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Margareta-von-Antiochia-Kirche in Krasiejów, erbaut von 1911 bis 1913 in neobarockem Stil.

Der Ort wurde 1292 erstmals urkundlich als Crasseow erwähnt.[11] Um 1770 soll in Krascheow Raseneisenerz abgebaut und zu Eisen verhüttet worden sein, die Erzvorkommen seien jedoch nach wenigen Jahrzehnten erschöpft gewesen.[12] Noch im Jahre 1860 soll eine Eisenhütte im Ort bestanden haben. Außerdem wird für diese Zeit eine Gewehrfabrik erwähnt und die Einwohnerzahl wird mit 1.083 angegeben.[13] 1896 wurde das Klostergebäude erbaut. 1910 wurde der Grundstein für die neue neobarocke Kirche gelegt, die von 1911 bis 1913 gebaut wurde.[11]

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten 452 Wahlberechtigte für einen Verbleib im Deutschen Reich und 433 für einen Beitritt zur Rzeczpospolita.[14] 1933 lebten im Ort 1.675 Einwohner. Am 10. August 1936 wurde Krascheow in Schönhorst umbenannt. 1939 hatte der Ort 1.864 Einwohner. Bis 1945 blieb Schönhorst im Landkreis Oppeln.

1945 kam der Ort unter polnische Verwaltung und wurde in Krasiejów umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. 1950 kam der Ort zur Woiwodschaft Oppeln. Nachdem bereits von 1910 bis 1967 rote mergelige Keupertone (siehe Geologie und Fossillagerstätte) für die Herstellung von Ziegelsteinen abgebaut worden waren,[12] wurde 1974[4] eine große Tongrube in Krasiejów aufgefahren, in der Ton als Rohstoff für die 2004 geschlossene[15] Zementfabrik in Strzelce Opolskie gewonnen wurde. 1999 kam der Ort zum wiedergegründeten Powiat Opolski.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Krasiejów gibt es eine Ortsgruppe des Deutschen Freundschaftskreises (DFK) sowie den Fußballverein KS Krasiejów, der aktuell (Stand 2017/18) in der Staffel der Woiwodschaft Opole der 5. polnischen Liga (IV liga) spielt.[16]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Reitor (1919–2013), Offizier, Maschinenbauingenieur, Hochschullehrer sowie Fach- und Sachbuchautor

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krasiejów war 2003 Schauplatz der Folge Zu Tisch in… Schlesien (Folge 40) in der vom ZDF produzierten ARTE-Reihe Zu Tisch in… .[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Krascheow, mein Geburtsort – arm und klein, aber nicht unbedeutend. In: Georg Reitor: Vom Lager zum Lehrstuhl. Von unten nach oben und allem daneben. Book on Demand, Norderstedt / Gummersbach 2001, ISBN 3-8311-0244-9, S. 123–139.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krasiejów – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Dinopark Krasiejów – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Jerzy Dzik: A beaked herbivorous archosaur with dinosaur affinities from the early Late Triassic of Poland. Journal of Vertebrate Paleontology. Bd. 23, Nr. 3, 2003, S. 556–574, doi:10.1671/A1097 (alternativer Volltextzugriff: ING PAN).
  2. a b c d e f g h Jerzy Dzik, Tomasz Sulej: A review of the early Late Triassic Krasiejów biota from Silesia, Poland. Palaeontologia Polonica. Bd. 64, 2007, S. 3–27 (online).
  3. vgl. James G. Ogg: Triassic. S. 681–730 in: Felix M. Gradstein, James G. Ogg, Mark Schmitz, Gabi Ogg (Hrsg.): The Geologic Time Scale 2012. Elsevier B.V., 2012, ISBN 978-0-444-59425-9.
  4. a b c Jerzy Dzik, Tomasz Sulej, Andrzej Kaim, Robert Niedźwiedzki: Późnotriasowe cmentarzysko kręgowców lądowych w Krasiejowie na Śląsku Opolskim. Przeglądzie Geologicznym. Bd. 48, Nr. 3, 2000, S. 226–235 (HTML-Version auf der Webpräsenz der Instituts für Paläontologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften).
  5. Der Krasiejów-Rauisuchier wurde ursprünglich in die Gattung Teratosaurus gestellt, vgl. Stephen L. Brusatte, Richard J. Butler, Tomasz Sulej, Grzegorz Niedźwiedzki: The taxonomy and anatomy of rauisuchian archosaurs from the Late Triassic of Germany and Poland. Acta Palaeontologica Polonica. Bd. 54, Nr. 2, 2009, S. 221–230, doi:10.4202/app.2008.0065.
  6. Jerzy Dzik, Tomasz Sulej: An early Late Triassic long-necked reptile with a bony pectoral shield and gracile appendages. Acta Palaeontologica Polonica. Bd. 61, Nr. 4, 2016, S. 805–823, doi:10.4202/app.2008.0065.
  7. Martín D. Ezcurra: A review of the systematic position of the dinosauriform archosaur Eucoelophysis baldwini Sullivan & Lucas, 1999 from the upper Triassic of New Mexico, USA. Geodiversitas. Bd. 28, Nr. 4, 2006, S. 649-684 (online)
  8. Sterling J. Nesbitt, Christian A. Sidor, Randall B. Irmis, Kenneth D. Angielczyk, Roger M. H. Smith, Linda A. Tsuji: Ecologically distinct dinosaurian sister group shows early diversification of Ornithodira. Nature. Bd. 464, 2010, S. 95–98, doi:10.1038/nature08718.
  9. Sterling J. Nesbitt: The early evolution of archosaurs: relationships and the origin of major clades. Bulletin of the American Museum of Natural History. Nr. 352, 2011 (online), S. 49 u. a.
  10. JuraPark Krasiejów. Undatierter Beitrag auf Aktualnosci Turystyczne (polnisch), abgerufen am 3. Januar 2017
  11. a b Vgl. Internetseite des Ortes
  12. a b Robert Niedźwiedzki: Od żelaza do silezaura. Historia górnictwa i odkrycia kręgowców triasowych w Krasiejowie. S.  6–27 in: Elena Jagt-Yazykova, John W. M. Jagt, Adam Bodzioch, Dorota Konietzko-Meier (Hrsg.): Krasiejów – inspiracje paleontologiczne. Zakład Poligraficzno-Wydawniczy „Plik”, Bytom 2012, ISBN 978-83-916841-8-4 (polnisch mit englischer Zusammenfassung; online auf ResearchGate [gesamter Band]).
  13. Krascheow in Pierer's Universal-Lexikon. Band 9. Altenburg 1860, S. 771 (HTML-Version auf zeno.org mit Link zum Digitalisat).
  14. Ergebnisse der Volksabstimmung in Oberschlesien von 1921 auf der Webpräsenz der Landsmannschaft der Oberschlesier, Landesverband Baden-Württemberg e.V.
  15. Będzie wielkie wyburzanie – Koniec cementowni Strzelce Opolskie. Zakład za półtora roku zniknie z powierzchni ziemi. Nowa Trybuna Opolska, 22. Juni 2005 (polnisch)
  16. Datenblatt des KS Krasiejów auf 90minut.pl (polnisch)
  17. Zu Tisch in… Schlesien. Kurzbeschreibung der Folge auf fernsehen.de, abgerufen am 4. Januar 2017