Kreis Altenaer Eisenbahn

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Altena–Lüdenscheid
Streckennummer (DB):92002
Kursbuchstrecke (DB):239d (1951)
Streckenlänge:14,6 km
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
Betriebsstellen und Strecken[1][2]
   
-1,00 Altena-Hünengraben 152 m
   
Ruhr-Sieg-Strecke
   
0,00 Altena (Westf) 158 m
   
0,65 Mittlere Brücke
   
Altenaer Tunnel (55 m)
   
2,10 Steinerne Brücke 160 m
   
2,70 Kronprinz
   
3,10 Städt. Rahmede
   
5,30 Mühlenrahmede
   
6,40 Altroggenrahmede
   
6,95 Zum Hohle
   
7,55 Grünewiese
   
8,70 Dünnebrett
   
9,75 Oberrahmede I
   
10,20 Oberrahmede II
   
10,62 Hardt
   
11,20 Noell
   
12,70 Schafsbrücke
   
12,95 Lüdenscheid Weiche (s.u.)
   
14,60 Lüdenscheid KAE 383 m
Werdohl–Lüdenscheid
Kursbuchstrecke (DB):239e (1957)
Streckenlänge:16,4 km
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
   
-0,45 Werdohl Güterbahnhof 186 m
   
-0,10 Lenne
   
0,00 Werdohl Personenbahnhof
   
1,20 Versevörde
   
2,10 Osmecke
   
3,32 Kleinhammer
   
4,37 Deitenbecke
   
5,16 Eveking I
   
5,26 Eveking II
   
6,42 Altenmühle
   
7,17 Bärenstein
   
7,74 Borbecke
   
9,00 Trempershof I
   
10,15 Augustenthal
   
Fa. Plate, Brüninghausen
   
11,35 Wettringhof
   
12,75 Peddensiepen
   
12,70 Lüdenscheid Worth 406 m
   
15,75
12,95
Lüdenscheid Weiche (s.o.)
   
14,60 Lüdenscheid KAE 383 m
Schalksmühle–Halver
Kursbuchstrecke (DB):240f (1948)
Streckenlänge:9,97 km
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
   
0,0 Schalksmühle 224 m
   
1,4 Schalksmühle Hälver
   
3,5 Steinbach
   
4,2 Karthausen
   
4,7 Deitenbecke
   
5,1 Oeckinghausen
   
8,7 Eichholz
   
9,1 Märkisches Werk
   
9,4 Halver 418 m

Kreis Altenaer Eisenbahn AG (KAE) hieß seit dem 1. Juni 1922 die schon am 21. Juli 1886 als Kreis Altenaer Schmalspur-Eisenbahn-AG gegründete Eisenbahngesellschaft im ehemaligen Landkreis Altena. Am 31. Januar 1976 ist die Gesellschaft erloschen.

Die Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokomotive Carl der KAE am Bahnhof Altena

Etwa die Hälfte des Aktienkapitals wurde von Privatleuten und Gewerbebetrieben aufgebracht, die andere Hälfte vom Preußischen Staat und der Landgemeinde Lüdenscheid, zu einem kleinen Teil auch von der Gemeinde Halver. Ihr Ziel war es die vielfältige Kleineisenindustrie in den Tälern von Rahmede, Verse und Hälver zwischen Lenne- und Ebbegebirge im Sauerland an das Hauptbahnnetz anzuschließen. Den Bau übernahm die Berliner Firma Soenderop & Co, die bis 1. April 1889 auch den Betrieb führte.

Im Laufe der Zeit nahm der Anteil privater Aktionäre ab. Im Jahre 1975 gehörten 99 % des Kapitals der Kraftverkehr Mark-Sauerland GmbH (MS). Diese Gesellschaft war schon am 22. Mai 1925 von der KAE zusammen mit dem Kreis Altena und mehreren Gemeinden gegründet worden. Die MS schloss sich mit der Iserlohner Kreisbahn AG zusammen und übernahm am 14. Januar 1976 die Plettenberger Kleinbahn AG (PKB) und die Kreis Altenaer Eisenbahn AG. Die neue Firma lautete nun „Märkische Eisenbahngesellschaft AG“ (MEG), seit 1981 GmbH. Die MEG ist Teil der Märkischen Verkehrsgesellschaft GmbH (MVG) mit Sitz in Lüdenscheid. Die MEG ist nun vorrangig für den Güterumschlag am Umschlagbahnhof in Plettenberg (ehemals PKB) zuständig und hat dort auch das Büro für den Umschlagbetrieb.

Im Volksmund des Sauerlandes ist auch der Name Schnurre für die Kreis Altenaer Eisenbahn bekannt.

Aufbau des Schienennetzes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Streckennetz der KAE lag vollständig im heutigen Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen. Es handelte sich rechtlich um Eisenbahnen, nicht um Kleinbahnen, obwohl die Spurweite von einem Meter und die gesamte Trassierung und Anlage der Bahn weitgehend auf öffentlichen Straßen dieses vermuten ließe. Der erste Teil des 41 Kilometer langen Netzes entstand in den Jahren 1887/88. Vom Bahnhofsvorplatz in Altena im Lennetal, wo der Anschluss zu der 1860/61 von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft erbauten Ruhr-Sieg-Strecke hergestellt wurde, nahm ab 1. Oktober 1887 die „Rahmedetalbahn“ ihren Ausgang und führte 14 Kilometer talaufwärts bis zum KAE-Bahnhof in Lüdenscheid. Im Zuge dieser Strecke wurde kurz vor dem Bahnhof Steinerne Brücke ein kurzer Eisenbahntunnel mit 55 Metern Länge erbaut, der noch vorhanden ist und heute als Garage genutzt wird.

Die zweite Strecke war 16 Kilometer lang und begann ebenfalls im Lennetal, und zwar an der Station Werdohl der Ruhr-Sieg-Strecke. Sie führte ab 19. November 1887 zunächst mit einer Streckenlänge von 10,59 Kilometern nur bis Augustenthal.[3] Erst am 1. April 1905 wurde die „Versetalbahn“ bis Schafsbrücke Weiche verlängert und mündete dort in die oben genannte Strecke zum KAE-Bahnhof ein.

Eine dritte Strecke, die 9,45 Kilometer lange „Hälvertalbahn“, wurde mit Personen- und Güterverkehr am 5. März 1888 zwischen Halver und Schalksmühle eröffnet[3], sie schloss in Schalksmühle an Staatsbahnstrecken an und lag abseits der anderen beiden Strecken. Halver erhielt 1910 einen Anschluss an die Staatsbahn, in Halver gab es jedoch keine Verbindung zwischen den beiden Bahnen. In Halver gab es einen circa 500 Meter langen, auf eigener Trasse parallel zur Straße "Haus Heide" verlaufenden Gleisanschluss in das Märkische Werk.

Zur Verbindung mit der Staatsbahn in Lüdenscheid diente ab 11. April 1904 die einen Kilometer lange Strecke zwischen Schafsbrücke Weiche und dem Güterbahnhof Wehberg.

Regelmäßiger Lieferant der Kreis Altenaer Schmalspur-Eisenbahnen war um 1908 die Hannoversche Bahnindustrie.[4]

Als letzte Gleisanlage kam am 28. November 1925 eine 2,5 Kilometer lange Anschlussbahn vom Bahnhof Augustenthal zum Werk der Firma Plate in Brüninghausen hinzu.

Verkehrsrückgang und Stilllegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schnurrenweg in Schalksmühle auf der Trasse der ehemaligen Hälvertalbahn

Das Verkehrsaufkommen entwickelte sich entsprechend der allgemeinen Wirtschaftslage und wuchs vor allem vor dem Ersten Weltkrieg stark an. Aber auch danach behielt die KAE mit Ausnahme der Hälvertalbahn ihre Bedeutung im Personen- und Güterverkehr bei. Erst nach der Währungsreform, also in den Jahren 1949/50 ergaben sich immer mehr Probleme. Vor allem die Einnahmen im Personenverkehr ließen zu wünschen übrig, obwohl man sich durch einen sehr dichten Fahrplan den Wünschen der Fahrgäste anpasste. Schwierigkeiten bereitete zunehmend der wachsende Kraftverkehr auf den engen Straßen, die die Bahn mitbenutzte.

So kam es im folgenden Jahrzehnt zunächst zur Einstellung des Personenverkehrs auf der Schiene:

  • Halver–Schalksmühle im Dezember 1949,
  • Werdohl–Lüdenscheid am 22. Mai 1955,
  • Altena–Lüdenscheid am 28. Mai 1961.

Der Güterverkehr folgte entsprechend:

  • Halver–Schalksmühle am 25. Juli 1952,
  • Werdohl–Augustenthal im Herbst 1955,
  • Altena–Lüdenscheid am 14. Februar 1961,
  • Brüninghausen–Augustenthal–Lüdenscheid–Wehberg am 22. Mai 1967.

Bis zur Fusion mit der Kraftverkehr Mark-Sauerland GmbH bestand die KAE noch als Omnibus- und Speditionsbetrieb fort. Die Firma ist am 31. Januar 1976 erloschen.

Der Personenverkehr wird heute (2013) von Bussen der Märkischen Verkehrsgesellschaft GmbH (MVG) bedient.

Fahrzeugpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokomotiven und Triebwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für ihre umfangreichen Beförderungsaufgaben im Personen- und Güterverkehr besaß die KAE einen entsprechenden Bestand an Dampflokomotiven und Eisenbahnwagen. Die Anzahl der Triebfahrzeuge betrug bei der Gründung des Unternehmens neun Lokomotiven und steigerte sich später auf 15. Dabei waren auch die erhaltenen HERMANN und CARL Bedingt durch die bei Lokomotiven üblichen Fluktuation besaß das Unternehmen im Laufe seiner Geschichte insgesamt 26 Dampflokomotiven. Die Lokomotiven Nummer 1 bis 19 trugen, überwiegend männliche, Vornamen, ein Umstand, der sie besonders populär machte.

Im Zeitraum des Überganges vom Dampfbetrieb bis zur völligen Stilllegung des Betriebes wurden zwei Dieseltriebwagen (KAE VT 1 und 2) und eine Diesellokomotive eingesetzt. Die Triebwagen wurden nach der Stilllegung an die Inselbahnen von Juist und Langeoog verkauft, die Diesellokomotive fand einen neuen Eigentümer in Belgien.

Personen- und Güterwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der KAE waren im Laufe der Jahre insgesamt 35 Personenwagen im Einsatz, hinzu kamen sechs Packwagen. Die meisten von ihnen besaßen zwei Drehgestelle mit je zwei Achsen. Hinzu kamen insgesamt bis zu 240 Güterwagen, von denen einige als Spezialwagen wie beispielsweise Kesselwagen verwendet wurden. Wegen der Engstelle des Altenaer Tunnels in der Nähe des Bahnhofs Steinerne Brücke wurde auf der KAE keinerlei Rollwagen- oder Rollbockverkehr durchgeführt.

Vorhandene Überreste der Eisenbahngesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl die Kreis Altenaer Eisenbahn AG ihren Eisenbahnbetrieb schon 1967 einstellte, finden sich zahlreiche Relikte ihres Betriebes:

  • ein ehemaliger Eisenbahntunnel in Altena (in Sichtweite zur Ruhr-Sieg-Strecke, südlich vom Bahnhof Altena, eine Seite zugemauert, Garage),
  • zahlreiche noch erkennbare Gleisanschlüsse der Industrieunternehmen an der Rahmede- und der Versetalbahn,
  • die als Radweg genutzte ehemalige Trasse der Hälvertalbahn in Schalksmühle,
  • der Wanderweg zwischen Halver und dem Hälvertal,
  • das gusseiserne Zierschild vom Kleinbahnhof in Halver befindet sich im Heimatmuseum Halver.
  • die Dampflokomotive Carl war von 1965 bis 2016 in Altena als Denkmal aufgestellt wurde im Herbst 2016 an einen Privatmann verkauft, der sie betriebsfähig aufarbeiten lassen und dann u. a. auf der Sauerländer Kleinbahn einsetzen möchte.[5]
  • ein vollständiger Zug im Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid, bestehend aus der Dampflokomotive 22, zwei Güterwagen und dem Personenwagen 7,
  • eine betriebsfähige Zuggarnitur im niedersächsischen Kleinbahnmuseum Bruchhausen-Vilsen, bestehend aus Lok Hermann, den Personenwagen 3 und 32, den Güterwagen 380, 555, 805 und 1303,
  • mehrere Wagen bei der Sauerländer Kleinbahn in Plettenberg,
  • die beiden Dieseltriebwagen VT 1 und VT 2, heute als 187 011 und 187 013 bei den Harzer Schmalspurbahnen im Einsatz.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Bürnheim, Gerhard Moll: Die Kreis Altenaer Eisenbahn. Eisenbahn Kurier, Freiburg 1983, ISBN 3-88255-541-6.
  • Ludger Kenning: Die Kreis Altenaer Eisenbahn. (= Nebenbahndokumentation, Band 17.) Kenning, Nordhorn 1996, ISBN 3-927587-45-1.
  • Rolf Löttgers: Kleinbahnen im Sauerland. Alba, Düsseldorf 1981, ISBN 3-87094-533-8.
  • Rolf Löttgers: Kummer, Angst und Elend. Vor 50 Jahren: Die KAE feiert 75 jähriges Bestehen. In: Eisenbahngeschichte, Heft 54 (2012), S. 4–7.
  • Christoph Riedel: Kleinbahnen im Sauerland. In: Christoph Riedel: Eisenbahn im Sauerland. Geramond, München 1999, ISBN 3-932785-22-3.
  • Christoph Riedel: Die Kreis Altenaer Eisenbahn. In: Wolf-Dietger Machel (Hrsg.): Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland. München 1994.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  2. Informationen und Bilder zu den Tunneln der Strecke 92002 auf eisenbahn-tunnelportale.de von Lothar Brill
  3. a b Christoph Riedel: Eisenbahn im Sauerland, Schienenwege zwischen Ruhr und Sieg. Verlag Geramond, München 1999, ISBN 3-932785-22-3, Seite 112.
  4. siehe dieses Schreiben der Hannoverschen Bahnindustrie (La/Ro.) an die Colberger Sprudel GmbH, Coburg, Raststraße 8 vom 19. Dezember 1908
  5. Björn Braun: Lokomotive Carl ist abgedampft – Neuer Eigentümer möchte Carl wieder fahren lassen. In: Lokalstimme.de. 11. November 2016 (lokalstimme.de).
  6. Harzer Schmalspurbahnen: Triebwagen 187 011 nach Generalreparatur wieder in Wernigerode eingetroffen