Krofdorf-Gleiberg

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Koordinaten: 50° 37′ 22″ N, 8° 38′ 3″ O

Krofdorf-Gleiberg
Gemeinde Wettenberg
Höhe: 211 m ü. NHN
Fläche: 25,17 km²[1]
Einwohner: 5000 ca.
Bevölkerungsdichte: 199 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Eingemeindet nach: Lahn
Postleitzahl: 35435
Vorwahl: 0641
Ansicht von Gießen, von SO (ca. 2004)

Ansicht von Gießen, von SO (ca. 2004)

Krofdorf-Gleiberg hat ca. 5.000 Einwohner und ist ein Ortsteil der hessischen Gemeinde Wettenberg im Landkreis Gießen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortslage erstreckt sich über Nord- und Osthang des Gleibergs nach Norden bis fast an den Südrand des Krofdorfer Forstes. Im Osten fließt der Gleibach (Kattenbach), im Westen der Fohnbach (Kropbach) am Ort vorbei. Die Siedlungsfläche beträgt ca. 130 ha.

Naturräumlich befindet sich der Ort am Übergangsbereich zwischen Gladenbacher Bergland und Gießener Becken. Die Höhenlage erstreckt sich von 155 m bis 350 m ü. NN. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7,5-8,5 °C, der mittlere Jahresniederschlag etwa 650 mm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krofdorf erstmals im Lorscher Codex erwähnt. Die erste sichere Datierung lässt sich für das Jahr 777 vornehmen.[2] Die Grafen von Gleiberg, die zeitweise die Untergrafschaft Ruchesloh besaßen, bauten auf dem 308 m hohen Basaltkegel Gleiberg die Burg Gleiberg, die heute noch als eine imposante Ruine vorhanden ist. Die Burg Vetzberg, deren Ruine nur etwa 2 km entfernt auf einem Basaltkegel steht, war eine Vogtsburg („Voigtsburg“ = „Vetzberg“) der Gleiberger Grafen.

Früher bestand Krofdorf-Gleiberg aus zwei verschiedenen Dörfern. Die heutige Grenze ist die Kinzenbacherstraße.

Am 1. Januar 1977 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde im Zuge der hessischen Gebietsreform ein Teil des Stadtbezirks Wettenberg der neugegründeten Stadt Lahn. Bei deren Auflösung am 1. August 1979 wurde Wettenberg zur eigenständigen Gemeinde im Landkreis Gießen.[3]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Krofdorf unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

  • Gruphtorph, in villa (771?) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 183 Nr. 3153 = 3687a]
  • Cruftorpher marca, in (771?) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 183 Nr. 3153 = 3687a]
  • Crupftorpf, in villa (777) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 188 Nr. 3152, 3693c]
  • Cruftorph, de (777) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 188 Nr. 3152, 3693c]
  • Gruftorph, in villa (788) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 199 Nr. 3708c = 3154]
  • Cruftorpher marca, in (788) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 199 Nr. 3708c = 3154]
  • Cruftorph, in villa (789) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 200 Nr. 3709b]
  • Cruftorpher marca, in (789) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 200 Nr. 3709b]
  • Cruftorf, in villa (790) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 200 Nr. 3155]
  • Cruftorph, in (817) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, S. 216-217 Nr. 3730a = 3144]
  • Cruftorf, in (780/802) [Kopiar um 1160, Codex Eberhardi 1, S. 267, 154va [29] = Dronke, Traditiones Capitulum 6, S. 29 = Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 425]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Krofdorf-Gleiberg unterstand im Überblick:[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[2]

  • 1834: 1172 Einwohner (mit Gleiberg)
  • 1885: 1800 Einwohner
  • 1925: 2299 Einwohner
  • 1939: 2534 Einwohner
  • 1950: 3491 Einwohner
  • 1961: 3806 Einwohner
  • 1970: 4300 Einwohner
Krofdorf-Gleiberg: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
1.172
1840
  
1.268
1846
  
1.386
1852
  
1.488
1858
  
1.555
1864
  
1.649
1871
  
1.698
1875
  
1.747
1885
  
1.800
1895
  
1.899
1905
  
2.089
1910
  
2.168
1925
  
2.299
1939
  
2.534
1946
  
3.354
1950
  
3.491
1956
  
3.629
1961
  
3.806
1967
  
4.204
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Golden Oldies“, 2009
Katholische Dreifaltigkeitskirche in Krofdorf-Gleiberg

Naturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einer reich strukturierten landwirtschaftlichen Nutzung um die Ortslage wird die Gemarkung von einem hohen Waldanteil (Krofdorfer Forst und Launsbacher Wald) geprägt. Ein Kleinod ist das Naturschutzgebiet Holzwäldchen, das durch Entnahme von Bodenmaterial zum Bau des Autobahndammes der A480 entstand. Das 9 Hektar große Schutzgebiet befindet sich südlich der Ortslage und ist für verschiedene Vogel-, Amphibien- und Insektenarten bedeutsam. Aus Artenschutzsicht herausragend ist der hohe Mehlschwalbenbestand (2006: über 400 Brutpaare, 2007: 350 Brutpaare), der intensiven Schutzbemühungen und dem Bau des Schwalbenhauses zu verdanken ist.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Burg Gleiberg zieht viele Besucher an. Von ihr aus hat man einen Blick bis zum Westerwald im Westen, über das hessische Hinterland im Norden, den Vogelsberg im Osten und in die Wetterau im Süden. Auf der Burg Gleiberg werden diverse Veranstaltungen ausgetragen, die Gastronomie ist überregional bekannt.
  • Die Margarethenkirche Krofdorf erhielt im Jahr 1513 ihre heutige Gestalt. Einzigartig in Hessen ist die gotische Holzpfeilerkonstruktion.
  • Die um 1350 errichtete Katharinenkirche Gleiberg erhielt während des Dreißigjährigen Krieges ihre charakteristische L-Form.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alljährlich findet das Festival "Golden Oldies" in Krofdorf-Gleiberg am letzten Juliwochenende statt, das über 70.000 Besucher aus ganz Deutschland anzieht: Es spielen 50 Bands auf 10 Bühnen, vornehmlich mit Musik aus den 50er und 60er Jahren. Über tausend Automobile vergangener Dekaden sind zu bestaunen. Ferner gibt es einen Petticoat- Wettbewerb und einen großen 50er-Jahre-Markt mit Originalware aus der Zeit.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Krofdorf-Gleiberg verfügt über eine vielfältige und moderne Infrastruktur: In Krofdorf gibt es eine Einkaufsstraße mit Geschäften, die den täglichen Bedarf abdecken.
  • Die direkte Anbindung an den Gießener Ring macht Krofdorf-Gleiberg zu einem attraktiven Wohn- und Gewerbegebiet.
  • In Krofdorf-Gleiberg befindet sich die Gemeindeverwaltung der Gemeinde Wettenberg.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krofdorf Gleiberg verfügt über zwei, an dem Süd- bzw. Nordrand des Ortsgebietes angeschlossene Gewerbegebiete. Ansässige Unternehmen sind unter anderem:

  • Schunk Sonosystems GmbH
  • Schunk Bahn- und Industrietechnik GmbH
  • CONTI Sanitärarmaturen GmbH
  • Kopas Verpackungsmaschinen GmbH
  • Elan Schaltelemente GmbH & Co. KG
  • PVA Tepla AG
  • ibo Beratung und Training GmbH
  • ibo Software GmbH

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dehio: Hessen. München 1982, S. 341f
  • Gemeinde Wettenberg (Hrsg.): Historischer Bildband Wettenberg. 1991
  • Gleibergverein (Hrsg.): Der Gleiberg in Natur und Geschichte. 1929
  • Jürgen Leib: Krofdorf-Gleiberg zwischen Tradition und Fortschritt. Heimatbuch zur 1200-Jahrfeier der Gemeinde Krofdorf-Gleiberg. Gießen 1974
  • Jürgen Leib: Burg und “Thal” Gleiberg. Bilder aus einer tausendjährigen Geschichte. Krofdorf-Gleiberg 1978
  • Deutscher Bund für Vogelschutz - Arbeitskreis Wettenberg: Schützenswerte Lebensräume in Wettenberg. 1989.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Krofdorf-Gleiberg (Wettenberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Zahlen und Daten“ im Internetauftritt der Gemeinde Wettenberg
  2. a b c Krofdorf-Gleiberg, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 30. November 2016)
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 346.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990