Wißmar

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Dieser Artikel behandelt den hessischen Ort Wißmar. Für die gleichlautende Stadt in Mecklenburg-Vorpommern siehe Wismar.
Wißmar
Gemeinde Wettenberg
Koordinaten: 50° 38′ 10″ N, 8° 40′ 26″ O
Höhe: 184 m ü. NHN
Fläche: 14,12 km²[1]
Einwohner: 5000 ca.
Bevölkerungsdichte: 354 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Eingemeindet nach: Lahn
Postleitzahl: 35435
Vorwahl: 06406
Wißmar aus westlicher Richtung. Im Hintergrund v.l.n.r das Lahntal flussaufwärts, der Ort Lollar und der Lollarer Kopf
Wißmar aus westlicher Richtung. Im Hintergrund v.l.n.r das Lahntal flussaufwärts, der Ort Lollar und der Lollarer Kopf
Die Langgasse von der Bahnhofstraße

Wißmar ist ein Ortsteil von Wettenberg im Landkreis Gießen in Hessen. Der Ort hat ca. 5000 Einwohner und liegt etwa 7 km nördlich der Stadt Gießen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wißmar liegt am östlichen Rand des Gleiberger Landes und westlich der Lahn. Im Nordwesten des Ortsteils beginnt der Krofdorfer Forst, einem Teil des Naturraums Krofdorf-Königsberger Forst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Lorscher Codex wurde Wißmar mit der Datierung 778 erstmals urkundlich erwähnt. Am 1. Januar 1977 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde im Zuge der hessischen Gebietsreform ein Teil des Stadtbezirks Wettenberg der neugegründeten Stadt Lahn. Bei deren Auflösung wurde Wettenberg am 1. August 1979 zur eigenständigen Gemeinde im Landkreis Gießen.[2]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Wißmar unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[3]

  • Widmare marca, in (778) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3121 = 3696b, S. 190]
  • Widmaremarca, in (778) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3121 = 3696b, S. 190]
  • Wisemare, de (788/789) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3709d, S. 200]
  • Wisemare marca, in (788/789) [2. Hälfte XII Jh., Codex Laureshamensis III, Nr. 3709d, S. 200]
  • Wisumera (780–802) [Kopiar um 1160, Codex Eberhardi 1 154 va und rb]
  • Wisomaren, in (780–802) [Kopiar um 1160, Codex Eberhardi 1 154 va und rb, S. 266, = Dronke, Traditiones, S. 35 Capitulum 6, Nr. 23 und 25 = Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 420 und 422]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Wißmar unterstand im Überblick:[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[3]

  • 1834: 728 evangelische Einwohner, 150 Häuser
  • 1885: 1047 Einwohner
  • 1925: 1693 Einwohner
  • 1939: 2077 Einwohner
  • 1950: 2867 Einwohner
  • 1961: 3257 Einwohner
  • 1970: 3741 Einwohner
Wißmar: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
728
1840
  
744
1846
  
803
1852
  
837
1858
  
879
1864
  
872
1871
  
874
1875
  
963
1885
  
1.047
1895
  
1.188
1905
  
1.433
1910
  
1.592
1925
  
1.693
1939
  
2.077
1946
  
2.674
1950
  
2.867
1956
  
3.043
1961
  
3.257
1967
  
3.601
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen in Wißmar
Wißmar Evangelische Kirche.jpg
evangelische Pfarrkirche
Kath. St. Raphaelkirche in Wißmar.JPG
Kath. St. Raphaelkirche


Die Evangelische Pfarrkirche in der Ortsmitte wurde 1827–1830 an Stelle der baufällig gewordenen gotischen Dorfkirche nach den Plänen und unter Leitung des preußischen Architekten Friedrich Louis Simon errichtet. Das spät-klassizistische Gebäude ist als Querkirche konzipiert, d. h. der Altar steht an der Längsseite, quer zum Kirchenschiff. Die Fassade ist klar und zurückhaltend durch hohe Rundbogenfenster und horizontale Gesimsbänder strukturiert, die Hauptseite im Osten wird durch einen Mittelrisaliten betont.

Der Turm wurde ursprünglich kürzer und mit einem flachen, abgestumpften Dach erbaut; 1863/64 wurde er um eine achteckige Turmpyramide mit verschiefertem Fachwerkaufsatz ergänzt. Der Innenraum der Kirche überrascht mit einer prächtigen Ausstattung; er ist zweigeschossig mit einer umlaufenden Empore, die von 20 hölzernen tuskanischen Säulen getragen wird. Die Kassettendecke ist nach antikem Vorbild mit goldenen Sternen auf blauem Grund verziert. Den Höhepunkt des Raumes bildet die reich verzierte Kanzel auf der Westseite der Empore gegenüber der Orgel.

Im Jahr 1992/93 wurde der Innenraum der Kirche aufwändig restauriert.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hessisches Holz + Technikmuseum an der Lahn

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Hessische Holz + Technikmuseum bietet Informationen rund um das Thema Holz und Holzverarbeitung und orientiert sich in seiner Gestaltung an der ehemaligen Wißmarer Zimmerei Kurt und Otto Winter. Zahlreiche Gerätschaften aus der Zimmerei sind im Museum zu besichtigen und werden zu besonderen Anlässen vorgeführt.[5]

Naturräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erholungsgebiet Wißmarer See mit seinem Dauercampingplatz.[6]
  • Nördlich des Ortes liegt die kleine Siedlung Erlental mit einer Gaststätte, die an Wochenenden gerne von Spaziergängern und Radfahrern angesteuert wird. Dort beginnt ein Waldgebiet mit Fischteichen, das zum Wandern und Radfahren einlädt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jedes Jahr am zweiten August-Wochenende die Wißmarer Kirmes
  • Am Himmelfahrtstag der jährliche Krämer- und Märchenmarkt

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wißmar ist eine aus einem älteren Ortskern und einem Neubaugebiet bestehende Wohngemeinde; ergänzt durch ein kleines Gewerbegebiet südlich des Ortes Richtung Gießen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dehio: Hessen. München 1982, S. 341f.
  • Christian Kaufmann: Eine Bühne für das Wort: Die evangelische Kirche in Wißmar. In: Die Geschichte eines Dorfes an der Lahn. Wißmar 778 – 2003, hrg. von Günter Hans, 2003. ISBN 3-9808830-2-7

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Zahlen und Daten“ im Internetauftritt der Gemeinde Wettenberg
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 346.
  3. a b Wißmar, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 29. November 2016)
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Hessisches Holztechnikmuseum www.holztechnikmuseum.de
  6. Erholungsgebiet Wißmarer See

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wißmar (Wettenberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien