Ligue Internationale Contre le Racisme et l’Antisémitisme

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Die Ligue internationale Contre le Racisme et l’Antisémitisme (LICRA) oder früher LICA (Ligue internationale Contre l'Antisémitisme) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die sich dem Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus verschrieben hat. Sie wurde 1927 in Frankreich gegründet, wo sie noch heute ihren Aktivitäts-Schwerpunkt hat und politisch sehr einflussreich ist.

Organisation und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Liga arbeitet in Frankreich in neun Kommissionen. Beispielsweise kritisieren sie öffentlich die Presse für ihrer Meinung nach rassistische oder antisemitische Zeitungsartikel, Rundfunk- oder Fernsehbeiträge und gehen auch gegen Journalisten und Publikationsorgane juristisch vor, mit einer eigenen juristischen Kommission.

Sie organisieren juristische und psychologische Unterstützung für Opfer rassistischer Übergriffe und sind auch politisch sehr aktiv. Sie arbeiteten maßgeblich daraufhin, antisemitische und rassistische Angriffe in Frankreich unter Strafe zu stellen und dürfen, seit 1972, auch diese Opfer, als Nebenkläger, vor Gericht vertreten. 2000 klagten sie z. B. gegen die US-amerikanische Internet-Plattform Yahoo in Paris, da diese geduldet hatten, dass Nazi-Andenken auf Online-Auktionen versteigert wurden. Deren Ausstellung oder Tragen ist aber in Frankreich (auch auf Initiative der Liga) strafrechtlich verboten. LICRA war mit ihrer Klage vor dem französischen Gericht erfolgreich.

LICRA wurde mehrfach von staatlicher Seite in Frankreich als Berater und Vermittler in Fragen der Diskriminierung eingeschaltet und ihre Vertreter waren in mehreren Menschenrechtskommissionen der französischen Regierung. Die Liga hat auch eine historische Abteilung (Commission Mémoire, Histoire et Droits de l’Homme, 1986 gegründet), die Expertisen bereitstellt und in Schulen aufklärt. In diesem Rahmen unterstützen sie auch z. B. die Arbeit des Ehepaars Serge und Beate Klarsfeld und waren beim Prozess gegen Klaus Barbie engagiert. Sie haben eine Sportkommission, die französische Vertretung der FARE (Football against Racism). Außerdem sind sie für den Frieden und gegen nationalistische Tendenzen engagiert.

Ableger der LICRA gibt es in Belgien, Deutschland, Österreich, der Schweiz (1971 in Genf gegründet), Luxemburg, Portugal, Québec in Kanada, der Republik Kongo. Die Liga wird getragen von der Arbeit zahlreicher Freiwilliger. Seit 1932 geben sie in Frankreich eine eigene Zeitschrift „Le Droit de Vivre“ (Das Recht zu leben) heraus, die an alle Mitglieder ausgegeben wird.

Präsident war von 1927 bis 1969 Bernard Lecache (1895–1961), dann bis 1993 Jean-Pierre Bloch (1905–1999), gefolgt vom sozialistischen Politiker Pierre Aidenbaum (* 1942) und ab 1999 vom Europaabgeordneten Patrick Gaubert (* 1948). Unter ihm hat die Liga ihren Arbeitsbereich erheblich ausgedehnt wie etwa zu Fragen der Staatsbürgerschaft, Diskriminierung am Arbeitsplatz, Jugendliche aus vernachlässigten Milieus. Seit 2010 ist der Anwalt Alain Jakubowicz (* 1953) Präsident.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Liga entstand 1927 in Paris, als der Journalist und aktive Sozialist[1] Bernard Lecache Unterstützung für Scholom Schwartzbard organisierte, der am 25. Mai 1926 den ukrainischen Politiker Symon Petljura (Petlura) erschossen hatte, den er für Judenverfolgung (Pogrome) in seiner Heimat der Ukraine verantwortlich machte, denen auch seine Familie zum Opfer fiel. Lecache war selbst Sohn jüdischer Einwanderer aus der Ukraine und sollte im Auftrag seiner Zeitung „Le Quotidien“ über den Prozess berichten. Schwartzbard wurde von dem bekannten Anwalt Henri Torrés vertreten, den Lecache ihm vermittelt hatte, und im Oktober 1927 freigesprochen. Aus der „Ligue contre les Pogromes“ wurde danach 1928 die „Ligue internationale contre l’antisémitisme“ (LICA). Sie wurde damals von einflussreichen Persönlichkeiten wie Victor Basch (Mitgründer der Ligue des Droits de l’Homme), den Physikern Paul Langevin und Albert Einstein, der Feministin und anarchistischen Journalistin Séverine, Léon Blum, der Comtesse de Noailles, den Schriftstellern Edmond Fleg, Joseph Kessel, Romain Rolland und Maxim Gorki unterstützt. Viele der Unterstützer waren ehemalige Aktivisten in der Dreyfus-Affäre. 1931 hatte sie bereits 10.000 Mitglieder in ganz Frankreich. 1932 erhielt die Liga ihren heutigen Namen, was sich aber erst seit 1979 in ihrem 33. Nationalen Kongress offiziell in ihrem Signum ausdrückte, als Ausdruck ihrer nochmals bekräftigten Entschlossenheit gegen jede Form von Rassismus vorzugehen. Die Liga war in den 1930er Jahren an der Bekämpfung des aufflackernden Antisemitismus in Frankreich und dessen Kolonien (Algerien) beteiligt und engagierte sich für Flüchtlinge aus dem nationalsozialistischen Deutschland und gegen die Verharmlosung des NS-Regimes in Frankreich.

Besetzung eines Büros der LICA durch die Kollaborationspartei Rassemblement national populaire (April 1941)

Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg wurde sie durch das Vichy-Regime verboten und musste in den Untergrund gehen. Sie verhalf zahlreichen Juden zur Flucht ins Ausland, besorgte falsche Pässe und Verstecke in der Provinz. Viele Mitglieder, wie Bernard Lecache, Jean-Pierre Bloch oder Joséphine Baker, waren in der Résistance, einige, wie Gaston Bergery oder Jean-Marie Balestre, unterstützten das Vichy-Regime.[2][3][4]

Ehrenmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean-Pierre Allali, Richard Séréro: Contre le racisme, les combats de la LICRA, 2002
  • Patrick Gaubert: Combattre l’obscurantisme, 2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Er wurde 1923 aus der kommunistischen Partei gedrängt, da er sich weigerte seine Freimaurer-Mitgliedschaft aufzugeben, blieb aber kommunistischen Idealen verhaftet
  2. Simon Epstein Les Dreyfusards sous l’occupation, Albin Michel 2001
  3. Paradoxe Biographien - Wirre politische Seitenwechsel im Frankreich der 30er Jahre von Alexander Emanuely, Context XXI, 7/2002
  4. Simon Epstein Un paradoxe français. Antiracistes dans la Collaboration, antisémites dans la Résistance, Albin Michel, 2008