Jacques Chaban-Delmas

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Jacques Chaban-Delmas in den 1980er Jahren
Bronzestatue des Bürgermeisters Chaban-Delmas in Bordeaux (2012)

Jacques Chaban-Delmas (* 7. März 1915 in Paris; † 10. November 2000 in Paris) war ein französischer Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chaban-Delmas entstammt einer bürgerlichen Familie und studierte Jura und Politik. Nach seinem Studium absolvierte er den Militärdienst und war für kurze Zeit als Journalist tätig. 1941 arbeitete er im Ministerium für Industrieproduktion des Vichy-Regimes. Zwei Jahre später gehörte er zum exklusiven Kader der Finanzinspektoren, fungierte jedoch gleichzeitig unter dem Decknamen „Chaban“ als Verbindungsmann der Résistance zu Charles de Gaulle in London und später in Algier. Als Leiter der militärischen Widerstandsaktionen des Comité français de la libération nationale beteiligte sich Chaban-Delmas am Widerstand, wurde als 29-Jähriger bereits zum Brigadegeneral der französischen Armee ernannt und zog im August 1944 nach einwöchigem Kampf bei der Befreiung von Paris mit in die Stadt ein. Im gleichen Jahr gehörte er dem Kabinett des Kriegsministers an.

Als Gaullist der ersten Stunde schloss er sich nach dem Krieg der gaullistischen Bewegung an. 1945 wurde er Generalsekretär des Informationsministeriums. Ein Jahr später gehörte Chaban-Delmas als Abgeordneter der Radikalen Partei der Nationalversammlung an, wechselte aber kurze Zeit später zum gaullistischen Rassemblement du peuple français (RPF).

Von 1947 bis 1995 war Chaban-Delmas Bürgermeister von Bordeaux. 1954 wurde er in die Regierung Pierre Mendès France als Minister für öffentliche Arbeiten berufen; die Regierung amtierte vom 18. Juni 1954 bis zum 5. Februar 1955. Im Kabinett des Sozialisten Guy Mollet (1. Februar 1956 bis 21. Mai 1957) war er ab dem 21. Februar 1956 einer der Staatsminister. In der Regierung Félix Gaillard (6. November 1957 bis 15. April 1958) war er Verteidigungsminister. Mit der Gründung der neuen gaullistischen Partei Union pour la Nouvelle République kandidierte Chaban-Delmas erneut erfolgreich für die Nationalversammlung (Wahl am 23. und 30. November 1958), deren Präsident er gegen den Willen de Gaulles wurde. Dieses Amt behielt er bis 1969. Nach der Wahl von Georges Pompidou zum Präsidenten wurde er am 20. Juni 1969 französischer Premierminister und blieb es bis zum 5. Juli 1972. Danach ernannte Pompidou die Regierung Pierre Messmer I.

Nach dem Tode Pompidous 1974 trat Chaban-Delmas als Kandidat der gaullistischen UDR bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl 1974 an. Er erhielt 15,11 Prozent der Stimmen; François Mitterrand (PS) und Valéry Giscard d’Estaing kamen in die Stichwahl. 1978 bis 1981 gelang ihm die Rückkehr in das Amt des Präsidenten der Nationalversammlung, ebenso 1986 bis 1988.

Darüber hinaus bekleidete er noch weitere politische Ämter auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene, darunter auch das des Präsidenten des Regionalrates von Aquitaine. Von 1957 bis 1960 war er der erste Präsident der Ständigen Konferenz der Gemeinden und Regionen, der Vorgängerorganisation des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarates.[1] Chaban-Delmas wurde als unabhängiger Kopf und ausgleichender Faktor in der französischen Innenpolitik charakterisiert, während er in der Außenpolitik entschieden nationale Interessen Frankreichs im europäischen Einigungsprozess vertrat.

Das Rugbystadion in Bordeaux trägt seit 2001 den Namen Stade Jacques-Chaban-Delmas.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jacques Chaban-Delmas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verfechter der Gemeinde- und Regionaldemokratie seit 50 Jahren, S. 2 in: Broschüre des Kongresses der Gemeinden und Regionen des Europarates (PDF)
VorgängerAmtNachfolger
André MoriceVerteidigungsminister von Frankreich
6. November 1957–14. Mai 1958
Pierre de Chevigné


André Le Troquer
Edgar Faure
Louis Mermaz
Präsidenten der französischen Nationalversammlung
9. Dezember 1958–25. Juni 1969
3. April 1978–2. Juli 1981
2. April 1986–23. Juni 1988


Achille Peretti
Louis Mermaz
Laurent Fabius