Laffenau

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Laffenau
Stadt Heideck
Koordinaten: 49° 9′ 41″ N, 11° 7′ 33″ O
Höhe: 385 m
Einwohner: 88 (2012)
Eingemeindung: 1. April 1971
Postleitzahl: 91180
Vorwahl: 09177
Laffenau (Bayern)
Laffenau

Lage von Laffenau in Bayern

Laffenau ist ein Gemeindeteil der Stadt Heideck im mittelfränkischen Landkreis Roth in Bayern.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt nördlich von Heideck an der Kreisstraße RH 34 in einer unbewaldeten Senke im ausgedehnten Laffenauer Wald. Südlich fließt in West-Ost-Richtung der Schweinszuchtbach. Circa 800 Meter nördlich von Laffenau liegt an der RH 34 der Laffenauer Weiher, an dem südlich in West-Ost-Richtung der Hardgraben vorbeiführt. Die Flurgröße beträgt 125 Hektar.

Ortsnamendeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laffenau ist ein Waldlichtungsname.[1] Nach Kugler bedeutet der Ortsname „Wiesenland auf dem /am Hügel“.[2] Eine andere Deutung lautet auf „an einem Bach im Walde“.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Ersterwähnung aus dem 13. Jahrhundert ist unsicher.[4] 1489 ist der Ort in einem Eichstätter Verzeichnis als „Loffenaw“ aufgeführt.[5]

1472 kam das Amt Heideck und damit Laffenau an Bayern und nach dem Landshuter Erbfolgekrieg 1505 zum neu errichteten Fürstentum Pfalz-Neuburg.[6] Als das pfalz-neuburgische Pflegamt Heideck und damit auch Laffenau mit seinen zehn Untertanen-Anwesen[7] 1542 zusammen mit den Ämtern Allersberg und Hilpoltstein auf 36 Jahre an die Reichsstadt Nürnberg verpfändet wurde, führte Nürnberg noch im gleichen Jahr die Reformation ein.[8] 1585 wurden das Amt Heideck und damit auch die zehn Untertanen in Laffenau von Pfalz-Neuburg wieder eingelöst.[9] Die Wiedereinführung der katholischen Religionsausübung im Amt Heideck und damit auch in Laffenau erfolgte allerdings erst mit der Rekatholisierung von Neuburg-Pfalz unter dem zur alten Kirche zurückgekehrten Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm ab dem Jahr 1627 durch eine Jesuitenstation in Heideck.[10]

Am Ende des Alten Reiches, um 1800, gab es in Laffenau 14 Untertanen-Anwesen des pfalz-neuburgischen Landrichteramtes Heideck als Grundherrschaft. Hoch- und niedergerichtlich unterstand das Dorf dem pfalz-neuburgischen Pflegamt Heideck. Kirchlich gehörte der Ort zur Filialkirche St. Georg in Selingstadt der katholischen Pfarrei Heideck.[11]

Im neuen Königreich Bayern (1806) kam Laffenau zum Steuerdistrikt Heideck und bildete mit der Fichtenmühle, dem Weiler Höfen, der Seiboldsmühle und der Einöde Waldhaus eine eigene Gemeinde im Gerichtsbezirk und Rentamt (später Bezirksamt und Amtsgericht) Hilpoltstein.[12]

1818 und 1829 gab es 17, 1903/04 und 1950/52 20 Anwesen im Dorf.[13][14] 1875 standen dort zwei Pferde und 80 Stück Rindvieh.[15] 1937 wohnten in Laffenau 51 Katholiken und 40 Protestanten; die Katholiken waren und sind in die Stadtpfarrei Heideck, die Protestanten nach Wallesau gepfarrt.[16] 1961 hatte die Gemeinde Laffenau mit ihren fünf Orten insgesamt 377 Einwohner und war 414,78 Hektar groß.[17]

Mit der Gebietsreform in Bayern wurde die Gemeinde Laffenau aufgelöst und die Gemeindeteile zum 1. April 1971 in die Stadt Heideck im Landkreis Roth eingemeindet; Waldhaus wurde in der Folgezeit nicht mehr als eigener Ort benannt.[18] Letzter 1. Bürgermeister von Laffenau war Hans Bauernfeind.[19]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1818: 67 (17 „Feuerstellen“ = Haushalte, 17 Familien)[20]
  • 1829: 70[21]
  • 1875: 118 (38 Gebäude)[15]
  • 1900: 95 (20 Wohngebäude)[22]
  • 1937: 91[23]
  • 1950: 150 (20 Anwesen)[14]
  • 1961: 88 (19 Wohngebäude)[17]
  • 1973: 92[24]
  • 1987: 98 (23 Gebäude mit Wohnraum; 28 Wohnungen)[25]
  • 2012: 88[26]

Katholische Maria Hilf-Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle mit Dachreiter, Sakristei und Vorhalle steht im Nordwesten des Dorfes. Sie wurde 1925/26 nach Entwürfen von Professor Otto Schulz aus Nürnberg erbaut und misst 8,20 × 4,60 Meter. Unter anderem ist sie mit einer Muttergottes-Statue und zwei Bischofsfiguren aus dem frühen 18. Jahrhundert ausgestattet. Im Dachreiter hängt eine Glocke des Glockengießers Hamm aus Regensburg aus dem Jahr 1926. Den Altar schuf ein gewisser Hench aus Roth. In der Kapelle wird viermal im Jahr (Stand 1937) die Messe gelesen.[27] Die Kapelle gilt als Baudenkmal.

Weitere Baudenkmäler[28][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bildstock aus dem 19. Jahrhundert neben der Kapelle
  • Fachwerkscheune aus der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts, zu Haus Nr. 3 gehörend

Siehe auch Liste der Baudenkmäler in Heideck#Laffenau

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Dorfmuseum Laffenau befinden sich Ausstellungsstücke vom landwirtschaftlichen Anwesen der Gründerfamilie Betz sowie von aufgelassenen Bauernhöfen der Umgebung.[29]
  • Etwa drei Kilometer westlich von Laffenau unterhielt die US-Armee bis 1997 eine Bunkeranlage (Korpsdepot 272), die „Laffenau Ammu Storage Area (ASA)“.[30]
  • Der Radwanderweg „Fränkischer Seenlandweg“ von Ornbau nach Allersberg führt über Laffenau.[31]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Xaver Buchner: Das Bistum Eichstätt. I. Band: Eichstätt 1937, II. Band: Eichstätt 1938
  • Laffenau. In: Felix Mader (Bearb.): Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Mittelfranken. III. Bezirksamt Hilpoltstein, München 1929, Nachdruck München/Wien 1983, S. 212
  • Hans Wolfram Lübbeke und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern. Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München 1986
  • Wolfgang Wiessner: Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken, Reihe I, Heft 24: Hilpoltstein. München 1978
  • Dieter Deeg: Heideck. Stadt und Landschaft, Nürnberg 1971
  • Ernst Betz: Zur Geschichte von Laffenau – Tatsachen und Vermutungen, Heideck 2006
  • Ernst Betz: Laffenau – das Leben in einem fränkischen Dorf in den dreißiger Jahren, Bremen 1990
  • Ernst Betz: Laffenauer Wege. In: Bayerische Blätter für Volkskunde 22 (1996) 2, 3, 23

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deeg, S. 36
  2. Karl Kugler: Erklärung von tausend Ortsnamen der Altmühlalp und ihres Umkreises. Ein Versuch. Eichstätt 1873: Verlag der Krüll’schen Buchhandlung, S. 184
  3. Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 46/47 (1931/32), S. 68
  4. Histor. Atlas, S. 33
  5. Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 46/47 (1931/32), S. 68
  6. Buchner, S. 467
  7. Histor. Atlas, S. 33; Deeg, S. 49
  8. Deeg, S. 42; Buchner II, S. 467
  9. Histor. Atlas, S. 177; Deeg, S. 49
  10. Histor. Atlas, S. 179; Buchner II, S. 468
  11. Histor. Atlas, S. 221
  12. Histor. Atlas, S. 254
  13. Histor. Atlas, S. 33; Deeg, S. 54
  14. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1084 (Digitalisat).
  15. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Koenigreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarr-, Schul- u. Postzugehörigkeit. ... mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt, Sp. 889, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  16. Buchner II, S. 471
  17. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 796 (Digitalisat).
  18. Histor. Atlas, S. 254
  19. Deeg, S. 56 f
  20. Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise … enthaltenen Ortschaften, Ansbach 1818, S. 51
  21. Deeg, S. 54
  22. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1219 (Digitalisat).
  23. Buchner II, S. 471
  24. Histor. Atlas, S. 254, 262
  25. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 348 (Digitalisat).
  26. Müllers Großes Deutsches Ortsbuch 2012, Berlin/Boston 2012, S. 787
  27. Mader, S. 212; Buchner II, S. 473; Gemeinsam unterwegs. Kirchen und Pfarreien im Landkreis Roth und in der Stadt Schwabach, Schwabach/Roth o. J. [2000], S. 94
  28. Hans Wolfram Lübbeke und Otto Braasch: Denkmäler in Bayern. Mittelfranken: Ensembles, Baudenkmäler, archäologische Geländedenkmäler, München 1986, S. 463
  29. [1] Landratsamt Roth: Dorfmuseum Laffenau
  30. nbg-mil-com.de: Storage Areas in the Nuernberg Area
  31. seenlandtourist.de: Fränkischer Seenlandweg
  32. [2]Feuerwehrenverzeichnis Landkreis Roth
  33. [3] Vereinswebsite