Lagerkosten

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Lagerkosten sind im Rechnungswesen die mit der Lagerhaltung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Zwischenprodukten, Halbfabrikaten, Fertigerzeugnissen sowie Ersatzteilen verbundenen Kosten.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie sind zu unterteilen nach:

- Löhne und Gehälter für das Lagerpersonal
- Sozialleistungen für das Lagerpersonal (Krankenversicherung, Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft)
- Sonderleistungen (z. B. Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld)
- Abschreibungen für den Wertverlust der Lagereinrichtung
- Miete
- Verzinsung des investierten Kapitals
- Instandhaltungskosten
- Heizung, Licht, Wasser
- Reinigung
- Versicherungsprämien (Feuerversicherung)
  • Kosten für die gelagerte Ware
- Verzinsung des in den Lagerbeständen investierten Kapitals (Kapitalkosten)
- Verderb, Veralten, Schwund
- Ausschuss infolge unsachgemäßer Behandlung (Bruch, Beschädigung, Diebstahl)
- Versicherungsprämien (Brand-, Diebstahlversicherung)
  • Kosten für die eingesetzten Fördermittel und sonstigen Hilfsmittel
- Abschreibungen für den Wertverlust der Fördermittel
- Wartungskosten
- Reparaturkosten
- Betriebskosten (Strom, Öl)
- Versicherungsprämien
- Verpackungsmaterial
- Büromaterial (Schreibmaterial, Karteien, Belege)

Zudem kann man unterscheiden:

  • Lagerkosten können zudem in fixe und variable Kosten gegliedert werden. Fixkosten entstehen durch die Bereitstellung und Modernisierung der Lagerinfrastruktur und beinhalten z. B. die Kosten für die Einrichtung der Lagerräume und der Lagerinfrastruktur. Variable Lagerkosten entstehen beim Lagerbetrieb und beinhalten etwa Energiekosten.

Betriebswirtschaftliche Fragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als vorratsintensive Betriebe werden jene Unternehmen bezeichnet, bei denen der Anteil der Lagerkosten an den Gesamtkosten oder der Anteil der Lagervorräte an den gesamten Aktiva (Lagerintensität) erheblich ist und mehr als 25 % der Aktiva ausmacht.[1] Hierzu gehören insbesondere der Großhandel und Einzelhandel. Die Lagerintensität errechnet sich wie folgt:

Je höher die Lagerintensität, umso größer muss die Lagerumschlagshäufigkeit sein, damit die Lagerkosten im Umsatzprozess möglichst schnell verdient werden können.

Lagerkosten gehören gemäß § 255 HGB nur dann zu den Herstellungskosten, wenn die Lagerung einen Bestandteil des Produktionsprozesses bildet (etwa bei der Lagerung für die Gärung alkoholischer Getränke); hier stellen die anteiligen Lagerkosten Herstellungskosten dar.[2] Ansonsten gehören Lagerkosten zu den Vertriebskosten, selbst wenn sie mit dem Vertrieb der gelagerten Produkte nur mittelbar in Zusammenhang stehen. Lagerkosten sind nach § 275 Abs. 2 HGB in der Gewinn- und Verlustrechnung beim Gesamtkostenverfahren unter Nr. 8 als „sonstige betriebliche Aufwendungen“ zu berücksichtigen, während sie beim Umsatzkostenverfahren nach § 275 Abs. 3 Nr. 4 HGB den Vertriebskosten zuzurechnen sind.

Ein zu großer Lagerbestand führt zu vermeidbar hohen Lagerkosten und damit über die Preiskalkulation zu höheren Verkaufspreisen. Auch die oben als 'Kosten für gelagerte Ware' zusammengefassten Kosten bzw. Risiken steigen mit der gelagerten Menge. Bei zu kleinem Lagerbestand sind Maschinen und Arbeitskräfte oft nicht ausgelastet. Störungen in der Produktion oder Kundenverluste können eintreten. Rascher, teurer Einkauf wird notwendig. Mengenrabatte können nicht ausgenutzt werden. Dies führt zu Fehlmengenkosten. Zwischen zu kleinem und zu großem Lagerbestand gibt es ein Optimum (siehe auch Trade-off).

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Logistikkosten der deutschen Industrie- und Handelsunternehmen lagen 2004 zwischen 13 % und 22 % der Gesamtkosten und werden zu 50 % durch die Lagerkosten verursacht. Hieraus ergibt sich ein Anteil der Lagerkosten an den Gesamtkosten zwischen 6,5 % und 11 %.[3] Dieser Anteil ist im Groß- und Einzelhandel wesentlich höher und liegt zwischen 60 % und 80 % der Bilanzsumme.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lorenz Wolkersdorf, Wesen und Bedeutung der Anlageintensität im Industriebetrieb, 1956, S. 32
  2. Hartmut Bieg/Heinz Kußmaul/Gerd Waschbusch, Externes Rechnungswesen in Übungen, 2012, S. 82
  3. Stefan Tillenburg, Das Konzept der Ausbalancierten Produktion in Supply Chains, 2008, S. 89