Lantz’scher Park

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Torhaus am Parkeingang (2006)
Anlage als englischer Garten, Blick von Westen auf das Herrenhaus (2006)
Begräbniskapelle, erbaut 1878–1879 (2020)
Fritz von Wille: Kapelle im Lantz’schen Park, Gemälde von 1885
Perseus mit dem Haupt der Medusa, Ludwig Vordermayer, 1900 (2020)
Südlich des Herrenhauses die Skulptur eines Großwesirs (2020)

Der Lantz’sche Park ist eine 14,5 ha große Grünanlage im Düsseldorfer Stadtteil Lohausen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1804 erwarb Heinrich Balthasar Lantz (1762–1828) den Rittersitz Lohausen von Ferdinand Freiherr von Calcum genannt Lohausen. Lantz war ein mit Handel in den Kolonien wohlhabend gewordener Kaufmann. Vermutlich 1805–1806 wurde das Herrenhaus der Familie Lantz auf den Fundamenten der alten Wasserburg errichtet. 1878–1879 folgte der Bau der Begräbniskapelle der Familie Lantz im Zentrum der Parkanlage. Veranlasst hatte den Bau der Kapelle Heinrich Victor Lantz in Angedenken an seine Frau Mathilde Lantz (1834–1878), eine geborene Ulrich aus Bredelar, die im Alter von 44 Jahren verstorben war.[1]

Der Park entstand in drei zeitlichen Abschnitten. Der mittlere Teil ging aus einer alten forstlichen Parzelle hervor, die schon in einer Karte von 1702 eingetragen ist („Belagerung von Kaiserswerth“ 1702, Lithographie von Bouffard, aus: Lamigue, Histoire du Prince d’Orange et de Nassau, Leeuwarden 1715, Kupferstich, Stadtmuseum Düsseldorf, Inventur IV 284).

Die Parkanlage im vorderen Bereich rund um das Herrenhaus entstand nach einem Plan von Joseph Clemens Weyhe von 1858 im Stil des englischen Landschaftsgartens. Auf dem Rasenstück nahe dem Herrenhaus steht eine von zwei verwitterten Schmuckvasen aus Sandstein, deren Herkunft unbekannt ist. Vermutet wird, dass diese aus dem ersten Hofgarten stammen könnten. Auf dem Plan des alten Hofgartens in Düsseldorf von 1775 von Hofbaumeister Johann Caspar Nosthofen sind zwei solcher Vasen hinter dem Hofgärtnerhaus (B) eingezeichnet. Die zweite Schmuckvase wurde 2010 von Vandalen umgestoßen, deren Posament befindet sich auf dem Rasenstück an der Südseite der Villa.

Bildnisbüsten von Regenten aller Länder waren in einer Gruppe nahe dem Herrenhaus aufgestellt. Ein Türkischer Großwesir aus Hartblei-Guss steht heute auf der Wiese an der Südseite des Herrenhauses. Vereinzelte Sockel, ohne Figuren, befinden sich auf dem Parkgelände. Eine Büste der Maria Theresia wurde im Gartenamt eingelagert.

Der hintere Parkteil rund um die Kapelle wurde von Julius Bouché 1880 im Stil des Historismus geplant. Die Idee einer dominierenden Achse mit beidseitigen Doppelbaumreihen, der Lindenallee, im hinteren Parkteil und einem Rundweg durch den Park entstammten seiner Planung.

Seit wann die Nachbildung des „Perseus mit dem Haupt der Medusa“, gefertigt vom Bildhauer Ludwig Vordermayer im Jahre 1900, im Lantz’schen Park steht ist nicht bekannt.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden 1944 am Parkeingang Heiligenweg, dem Zugang von Stockum, Befehls- und Nachrichtenbunker für Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar Friedrich Karl Florian gebaut. Im Januar 1945 hatte General der Waffen-SS Karl Gutenberger hier sein Quartier. Teile der Bunkeranlage sind heute noch vorhanden. 1945 wurde der Park, insbesondere der Bouché-Teil, durch Artilleriebeschuss stark in Mitleidenschaft gezogen und auch der Baumbestand durch Brennholznuzung stark dezimiert.

Die Familie Lantz bewohnte die Anlage in fünf Generationen. Nach dem Tod des unverheirateten Ulanen-Rittmeisters Ludwig Lantz (1885–1969) ging der gesamte Besitz in die Hände von Benedikta Dyckman, Nichte des Verstorbenen, über. Diese verkaufte Anwesen und Park zusammen mit umgebenden Ländereien im Juni 1972 an die Stadt Düsseldorf mit der Auflage, für die Erhaltung des Parks über 100 Jahre Sorge zu tragen und ihn für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten. Auf ehemaligen Gutsflächen entstanden angrenzend an den Park die Autobahn A 44, eine Kleingartenanlage, Sportanlagen. 1974–1978 erfolgte eine Teil-Sanierung des Parks auf der Basis des Parkpflegewerks von Franz Joseph Greub. Seit 1978 ist der Park öffentlich zugänglich und wird seit 1982 von der Unteren Denkmalbehörde als gärtnerisches Kulturgut geschützt.

Lantz’sches Herrenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Galerist Alfred Schmela (1918–1980) bezog 1979 das spätklassizistische Herrenhaus und errichtete einen Skulpturenpark. Es folgte als Mieter der Bildhauer und Objektkünstler Meuser bis 2008. 2009 standen noch vier moderne Kunstwerke im Park. Nach zehn Jahre Leerstand ging das Herrenhaus 2018 an das Textilunternehmen der Pongs Group, die dort ihre Verkaufs- und Kreativ-Abteilung mit Showroom einrichteten. Das Haus wurde aufwändig renoviert und so prangt die Inschrift „pax intrantibus“ (Friede den Eintretenden) an der Hauptfassade wieder in goldenen Lettern.

Skulpturenpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2019 stellte zur Eröffnung der Villa der Lohausener Bildhauer Peter Schwickerath eine Stahlskulptur auf und aus. Dies geschah auf Initiative des Direktors der Kunsthalle Düsseldorf Gregor Jansen, und so wurde die Idee und Fortführung eines internationalen Skulpturenparks der „Kunstkommission Düsseldorf“[3] Ende 2019 vorgestellt. Die klassisch installierten und teilweise für den Park neu konzipierten Werke werden durch ein wöchentliches Aktionsprogramm im Juli und August 2020 ergänzt. Das offene Konzept beruht auf Skulpturen und Aktionen, die temporär im Park im Dialog mit der Natur und den Menschen ein besonderes Erlebnis von Natur und Kultur ermöglichen.[4]

Internationaler Skulpturenpark 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2020: Internationaler Lantz´scher Skulkpturenpark Lohausen

und Peter Schwickerath: "Dreiteilige Vertikale", 2014

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beißner: Ausflug nach Lohausen. In: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, Nr. 13 (1904), S. 131f. (Jahresversammlung, Ausflüge)
  • Guntram Fischer: Lohausen und Stockum. Geschichte und Geschichten. (hrsg. vom Heimat- und Bürger-Verein Düsseldorf-Lohausen e.V.) Düsseldorf 1989.
  • Franz Joseph Greub: Restaurierung Park Lantz, Düsseldorf-Lohausen. Erläuterungsbericht zur Grundlagenforschung. Als Motivation und Basis der Restaurierung. Düsseldorf 1977. (Exemplar beim Gartenamt der Stadt Düsseldorf; Exemplar im Stadtarchiv Düsseldorf, Signatur XXII L 36)
  • Franz Joseph Greub: Bericht über die Restaurierungsarbeiten an einem Park der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts. In: Vroni Heinrich, Gerd Peschken (Hrsg.): Gustav Meyer zum 100. Todestag (27. Mai 1977). Die Vorträge der Gedenkveranstaltung des Instituts für Landschafts- und Freiraumplanung der Technischen Universität Berlin, des Fachbereichs Landespflege und Gartenbau der Technischen Fachhochschule Berlin und der Bücherei des Deutschen Gartenbaus e.V. Berlin 1978, ISBN 3-79830614-1.
  • Franz Joseph Greub, Jutta Schmidt-Heckscher: Der Park Lantz zu Lohausen. Zur Übergabe an die Bürger am 10. September 1978. In: Mitteilungsblatt des Heimat- und Bürger-Vereins Düsseldorf-Lohausen, Sonderausgabe 1978.
  • Franz Joseph Greub: Grüne Lunge, „Plüsch“-Park Lantz in Lohausen. In: Das Tor, 45. Jahrgang 1979, Heft 8, S. 159–163.
  • August Kugelmeier: Kleine Pfarrchronik von Düsseldorf-Lohausen. Düsseldorf-Lohausen 1953. (als PDF-Datei auf www.flughafen-forum.de)
  • Park und Haus Lantz in Lohausen. In: Das Tor, 40. Jahrgang 1974, S. 124–126.
  • Susanne Weisser: Lantz’scher Park Düsseldorf-Lohausen. Parkpflegewerk. 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lantz’scher Park – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marmortafel in der Kapelle: „Diese Kapelle Gott zur Ehre und zur Erinnerung an die am 1ten Januar 1834 geborene, und am 25ten Mai des Jahres 1878 gestorbene. Frau Mathilde Lantz, geb. Ulrich von Bredelar, erbaut durch den durch diesen Verlust schwer betroffenen Gatten Heinrich Victor Lantz auf Haus Lohausen, sammt seinen beiden Kindern Theodor und Isabella. Die theure Verklärte lebte als wahres Vorbild einer einfachen, thätigen, treuen Gattin und Mutter, und sollen spätere Generationen beim Besuche dieses Kirchleins stets ihrer eingedenk sein, als einer Perle ihres Geschlechtes und Zierde der Familie. R.I.P.“
  2. Meuser: Dumme Kiste (2002), Stahl, Ölfarbe. Standort: Lohausen, Lantzscher Park., auf SkulpTour Düsseldorf, abgerufen am 6. Juli 2020
  3. Website der Kunstkommission
  4. http://www.lantzscherskulpturenpark.de/ abgerufen am 13. Juli 2020

Koordinaten: 51° 16′ 19″ N, 6° 44′ 6″ O