Lincoln Chafee

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Lincoln Chafee

Lincoln Davenport Chafee (* 26. März 1953 in Warwick, Rhode Island) ist ein US-amerikanischer Politiker. Von 1999 bis 2007 war er US-Senator für den Bundesstaat Rhode Island und amtierte 2011 bis 2015 als dessen Gouverneur. Nachdem er bis 2007 Republikaner gewesen war,[1] gehört Chafee seit dem 29. Mai 2013 den Demokraten an[2] und trat 2016 in deren Präsidentschaftsvorwahl an. 2018 erwog er eine erneute Kandidatur für den US-Senat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chafee studierte an der Brown University, wo er 1975 seinen Abschluss erhielt.

Politische Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985 war Chafee Delegierter der Verfassunggebenden Versammlung Rhode Islands. 1992 bis 1999 übte Chafee das Amt des Bürgermeisters seiner Heimatstadt Warwick aus. Zuvor war er dort schon von 1986 bis 1992 Mitglied des Stadtrats gewesen. Chafee legte sein Bürgermeisteramt nieder, als er am 2. November 1999 von Gouverneur Lincoln Almond dazu bestimmt worden war, den vakanten Sitz seines verstorbenen Vaters John Chafee im US-Senat einzunehmen.

US-Senator 1999 bis 2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Senat stimmte Chafee häufig gegen die konservative Mehrheit innerhalb der republikanischen Fraktion und gegen die Politik von Präsident George W. Bush. 2002 gehörte er als einziger Republikaner zu den 23 Senatoren, die gegen die Resolution stimmten, mit der Präsident Bush zum Irakkrieg autorisiert wurde.[1] Da es ihm 2006, anders als 2000, nicht gelang, wiedergewählt zu werden, wurde er am 3. Januar 2007 von dem Demokraten Sheldon Whitehouse als Senator abgelöst. Im Februar 2008 erklärte er seine Unterstützung für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama.[3]

Gouverneur 2011 bis 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2010 trat Chafee als unabhängiger Kandidat bei der Gouverneurswahl an. Er setzte sich mit 36,1 Prozent der Stimmen gegen den Republikaner John Robitaille (33,6 Prozent) sowie den nicht von Präsident Obama unterstützten demokratischen Finanzminister von Rhode Island, Frank T. Caprio (23 Prozent), durch. Somit trat er im Januar 2011 die Nachfolge des aufgrund der verfassungsgemäßen Amtszeitbeschränkung nicht mehr kandidierenden Republikaners Donald Carcieri an.[4] Im September 2013 kündigte Chafee an, bei der Gouverneurswahl im November 2014 nicht erneut zu kandidieren.[5] Am 6. Januar 2015 löste ihn die Demokratin Gina Raimondo ab.

Präsidentschaftskandidatur 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. Juni 2015 verkündete er, sich um die Nominierung als Kandidat der Demokraten bei der Wahl zum US-Präsidenten 2016 zu bewerben. Dort wurden ihm allenfalls Außenseiterchancen auf die Spitzenkandidatur der Partei eingeräumt;[6] er erreichte nie mehr als niedrige einstellige Prozentwerte in den Meinungsumfragen.[7] Am 23. Oktober 2015 zog er seine Bewerbung zurück.[8]

Zurückgezogene Senatskandidatur 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chafees politische Laufbahn sahen viele Beobachter nach seiner Präsidentschaftskandidatur als beendet an. Im Frühjahr 2018 bekundete er Interesse an einer erneuten Kandidatur für seinen früheren Sitz im Senat der Vereinigten Staaten bei der Wahl im November 2018, nachdem Unterstützer des linken Bernie Sanders ihn darum gebeten hatten. Im Mai erklärte Chafee, die Chancen stünden bei 90 Prozent, dass er in der Vorwahl der Demokraten gegen den derzeitigen Senator Sheldon Whitehouse antrete. Whitehouse hatte den damaligen Republikaner Chafee 2006 mit einer linkeren politischen Ausrichtung besiegt, während 2018 Chafee als unabhängigerer und linkerer Kandidat gehandelt wurde – insbesondere in außen- und sicherheitspolitischen Fragen.[9] Ende Mai 2018 verzichtete Chafee auf eine Kandidatur, nachdem seine Forderung nach einer Lockerung der Sanktionen gegen Russland Kritik auf sich gezogen hatte.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Chafee Quietly Wuits the GOP. In: Providence Journal vom 16. September 2007, abgerufen am 28. August 2008.
  2. Lincoln Chafee Switches Affiliation to Democrat. In: Politico vom 29. Mai 2013, abgerufen am 30. Dezember 2013.
  3. Former Rhode Island senator endorses Obama, CNN-Meldung vom 14. Februar 2008, abgerufen am 4. August 2009
  4. 2010 General Election. In: RI.gov, Board of Elections, 17. November 2010 (englisch); Office of Governor-elect Lincoln Chafee Announces Plans for Inaugural. Pressemitteilung. In: RI.gov (englisch).
  5. Governor Chafee of Rhode Island Won’t Run Again. In: The New York Times, 4. September 2013 (englisch).
  6. Lincoln Chafee Enters Democratic Presidential Field. In: Bloomberg.com vom 3. Juni 2015, abgerufen 14. Juni 2015 (englisch)
  7. Laura Reston: Americans Love an Underdog – Just Not Lincoln Chafee, Jim Webb, or Martin O’Malley. In: The New Republic, 14. Oktober 2015 (englisch).
  8. Chafee Withdraws from 2016 Democratic Presidential Race. In: Chafee2016.com, 23. Oktober 2015 (englisch).
  9. Dylan McGuinness: Lincoln Chafee, a political enigma, eyes his old Senate seat. In: The Washington Post, 13. Mai 2018.
  10. John Bowden: Lincoln Chafee rules out primary challenge to Sen. Whitehouse. In: The Hill, 29. Mai 2018.