Wahl zum Senat der Vereinigten Staaten 2018

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Prognose für die Sitzverteilung
    
Insgesamt 100 Sitze
  • Dem.: 45
  • Unabh. (Dem): 2
  • noch nicht entschieden: 1
  • GOP: 52
Gehaltener Sitz für Republikaner
Zugewinn für Republikaner
Gehaltener Sitz für Demokraten
Zugewinn für Demokraten
Parteiloser Mandatsinhaber bestätigt
Wahlsieger steht noch nicht fest
keine Senatswahl im Jahr 2018
Karte der US-Bundesstaaten:
Republikanischer Mandatsinhaber kandidiert
Republikanischer Mandatsinhaber kandidiert nicht wieder
Demokratischer Mandatsinhaber kandidiert
Parteiloser Mandatsinhaber kandidiert
keine Senatswahl im Jahr 2018
Die außerordentlichen Nachwahlen sind durch zusätzliche Rechtecke gekennzeichnet.

Die Wahl zum Senat der Vereinigten Staaten 2018 fand am 6. November statt. Es standen alle 33 Sitze der Klasse eins zur Wahl, etwa ein Drittel des Senats. Gewählt wurden die Senatoren per Direktwahl auf sechs Jahre von den wahlberechtigten Bürgern jeweils des Bundesstaates, den sie im Senat repräsentieren. In seiner neuen Zusammensetzung tritt der Senat erstmals am 3. Januar 2019 zusammen.

Die Republikaner konnten ihre Mehrheit (bisher: 51 Sitze) mindestens um einen Sitz auf 52 ausbauen, wahrscheinlich aber um zwei auf 53, was von der ausstehenden Stichwahl bei der Nachwahl in Mississippi abhängt.[1]

Ablauf und Kandidaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen März und September 2018 fanden die parteiinternen Vorwahlen zur Bestimmung der jeweiligen Kandidaten für die Hauptwahl statt. Die Wahlen werden je nach Bundesstaatsrecht nach unterschiedlichen Verfahren abgehalten.

Der aktuelle Senat bestand bis zur Amtsübernahme der aus den Wahlen von 2018 hervorgegangenen Senatoren aus 51 Republikanern und 47 Demokraten. Zwei Senatoren (Angus King aus Maine und Bernie Sanders aus Vermont) waren als Unabhängige gewählt worden, gehören aber der demokratischen Fraktion im Senat an. Daher brauchten die Demokraten mindestens zwei neu hinzu gewonnene Senatssitze, um die Mehrheit im 116. Kongress der Vereinigten Staaten zu erlangen, die sie nach der Wahl 2014 verloren hatten und auch durch die Wahl 2016 nicht wiedererlangen konnten. Alle 23 demokratischen Senatoren dieser Klasse traten 2018 zur Wiederwahl an. Bei den Republikanern stellten sich fünf von acht Mandatsinhabern der Wiederwahl, während die Senatoren aus Tennessee, Arizona und UtahBob Corker, Jeff Flake und Orrin Hatch – nicht wieder antraten.

Zusätzlich fanden am selben Tag in Minnesota und Mississippi außerordentliche Nachwahlen statt (Rücktritte der Mandatsinhaber Al Franken und Thad Cochran). In beiden Bundesstaaten traten die jeweils von den Gouverneuren ernannten Interimssenatoren, Tina Smith in Minnesota und Cindy Hyde-Smith in Mississippi, zur Nachwahl an.

Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die strukturellen Voraussetzungen waren ungünstig für die Demokraten, da sie deutlich mehr Mandate verteidigen mussten als die Republikaner (23 zu 8 und je eine Nachwahl). Zehn der Demokraten stellten sich in Bundesstaaten zur Wahl, die 2016 an den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gegangen waren, während nur einer der republikanischen Senatoren (Dean Heller, Nevada) in einem Bundesstaat antrat, den die demokratische Kandidatin Hillary Clinton gewonnen hatte. Im April 2018 hatten alle zehn bedrohten Demokraten an Wahlkampfspenden jeweils einen deutlichen Vorsprung vor ihren republikanischen Herausforderern, während demokratische Herausforderer in vier Staaten mit bisher republikanischen Senatoren (Nevada, Texas, Arizona, Tennessee) über so gute Spendeneinnahmen verfügten, dass sie dort konkurrieren konnten.[2]

Zudem gab es in keinem der elf Staaten, die von den Republikanern als Angriffsziele ausgemacht wurden, eine ernsthafte Herausforderung des jeweiligen demokratischen Favoriten durch den linken Parteiflügel, was nach der gespaltenen Präsidentschaftsvorwahl 2016 zwischen der Establishmentkandidatin Hillary Clinton und dem linken Herausforderer Bernie Sanders erwartet worden war. Eine Analyse von McClatchy DC führte das darauf zurück, dass die Senatoren der Demokraten nach den Wahlen 2016 in allen wesentlichen Sachfragen, insbesondere der Erhaltung der Gesundheitsreform Obamacare und der Ablehnung der Steuerreform der Republikaner, geschlossen geblieben waren.[3]

Zur Wahl stehende Senatssitze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Staat Mandatsträger Partei Wahlergebnis 2012
Kandidaten (nach den Vorwahlen)[4] Bemerkungen
Arizona Jeff Flake (R) Republikaner 49 % R Martha McSally (R)

Kyrsten Sinema (D)

Mandatsträger tritt nicht wieder an.
Kalifornien Dianne Feinstein (D) Demokraten 63 % D Dianne Feinstein (D)

Kevin de León (D)

Wegen des besonderen Wahlsystems („Jungle Primary“) treten in der Hauptwahl die beiden Bestplatzierten der parteiübergreifenden, allgemeinen Vorwahl gegeneinander an, in diesem Fall zwei Demokraten.
Connecticut Chris Murphy (D) Demokraten 55 % D Chris Murphy (D)

Matthew Corey (R)

Delaware Tom Carper (D) Demokraten 66 % D Tom Carper (D)

Robert Arlett (R)

Florida Bill Nelson (D) Demokraten 55 % D Bill Nelson (D)

Rick Scott (R)

Hawaii Mazie Hirono (D) Demokraten 63 % D Mazie Hirono (D)

Ron Curtis (R)

Indiana Joe Donnelly (D) Demokraten 50 % D Joe Donnelly (D)

Mike Braun (R)

Maine Angus King (I) Unabhängig 53 % I Angus King (I)

Eric Brakey (R)

Zak Ringelstein (D)

Maryland Ben Cardin (D) Demokraten 55 % D Ben Cardin (D)

Tony Campbell (R)

Massachusetts Elizabeth Warren (D) Demokraten 54 % D Elizabeth Warren (D)

Geoff Diehl (R)

Michigan Debbie Stabenow (D) Demokraten 59 % D Debbie Stabenow (D)

John James (R)

Minnesota Amy Klobuchar (D) Demokraten 65 % D Amy Klobuchar (D)

Jim Newberger (R)

Minnesota
(Nachwahl)
Tina Smith (D) Demokraten 53 % D* Tina Smith (D)

Karin Housley (R)

Tina Smith wurde für den zurückgetretenen Al Franken ernannt.
Mississippi Roger Wicker (R) Republikaner 57 % R Roger Wicker (R)

David Baria (D)

Mississippi
(Nachwahl)
Cindy Hyde-Smith (R) Republikaner 60 % R* Cindy Hyde-Smith (R)

Chris McDaniel (R)

Mike Espy (D)

Cindy Hyde-Smith wurde für den zurückgetretenen Thad Cochran ernannt.

Am 6. November treten zunächst alle Kandidaten in der parteiübergreifenden, allgemeinen Vorwahl („Jungle Primary“) gegeneinander an. Am 27. November folgt (wenn nötig) die Stichwahl der beiden Bestplatzierten. Anders als bei ordentlichen Wahlen wird bei Nachwahlen in Mississippi die Parteimitgliedschaft der jeweiligen Kandidaten auf dem Wahlzettel nicht angegeben.

Missouri Claire McCaskill (D) Demokraten 55 % D Claire McCaskill (D)

Josh Hawley (R)

Montana Jon Tester (D) Demokraten 49 % D Jon Tester (D)

Matt Rosendale (R)

Nebraska Deb Fischer (R) Republikaner 56 % R Deb Fischer (R)

Jane Raybould (D)

Nevada Dean Heller (R) Republikaner 46 % R Dean Heller (R)

Jacky Rosen (D)

New Jersey Bob Menendez (D) Demokraten 59 % D Bob Menendez (D)

Bob Hugin (R)

New Mexico Martin Heinrich (D) Demokraten 51 % D Martin Heinrich (D)

Mick Rich (R)

Gary Johnson (I)

New York Kirsten Gillibrand (D) Demokraten 72 % D Kirsten Gillibrand (D)

Chele Farley (R)

North Dakota Heidi Heitkamp (D) Demokraten 50 % D Heidi Heitkamp (D)

Kevin Cramer (R)

Ohio Sherrod Brown (D) Demokraten 51 % D Sherrod Brown (D)

Jim Renacci (R)

Pennsylvania Bob Casey Jr. (D) Demokraten 54 % D Bob Casey Jr. (D)

Lou Barletta (R)

Rhode Island Sheldon Whitehouse (D) Demokraten 64 % D Sheldon Whitehouse (D)

Robert Flanders (R)

Tennessee Bob Corker (R) Republikaner 65 % R Marsha Blackburn (R)

Phil Bredesen (D)

Mandatsträger tritt nicht wieder an.
Texas Ted Cruz (R) Republikaner 57 % R Ted Cruz (R)

Beto O’Rourke (D)

Utah Orrin Hatch (R)
Republikaner 65 % R Mitt Romney (R)

Jenny Wilson (D)

Mandatsträger tritt nicht wieder an.
Vermont Bernie Sanders (I) Unabhängig 71 % I Bernie Sanders (I)

Brooke Paige (R)

Virginia Tim Kaine (D) Demokraten 53 % D Tim Kaine (D)

Corey Stewart (R)

Washington Maria Cantwell (D) Demokraten 61 % D Maria Cantwell (D)

Susan Hutchison (R)

West Virginia Joe Manchin (D) Demokraten 61 % D Joe Manchin (D)

Patrick Morrisey (R)

Wisconsin Tammy Baldwin (D) Demokraten 51 % D Tammy Baldwin (D)

Leah Vukmir (R)

Wyoming John Barrasso (R) Republikaner 76 % R John Barrasso (R)

Gary Trauner (D)

* Wahlergebnis von 2012 für Al Franken bzw. Thad Cochran.

Ergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten bisherigen Senatoren wurden wiedergewählt. Die Republikaner gewannen mindestens drei Sitze von bisherigen Mandatsinhabern der Demokraten hinzu, nämlich in Indiana, Missouri und North Dakota, während die Demokraten mindestens zwei Sitze bisheriger republikanischer Mandatsinhaber gewannen, nämlich in Nevada und Arizona. Nach den Prognosen würden die Republikaner zusätzlich in Florida einen demokratischen Mandatsinhaber ablösen. Die Auszählung in Florida ergab einen so knappen Vorsprung des Republikaners Rick Scott, dass Nachzählungen durch Maschinen und anschließend von Hand angeordnet wurden. Scott siegte schließlich mit etwa 10.000 Stimmen Vorsprung bei 8,3 Millionen insgesamt abgegebenen Stimmen, was 0,12 Prozent entspricht.[5] Am 27. November 2018 kommt es in Mississippi zu einer Stichwahl zwischen der republikanischen Mandatsinhaberin Cindy Hyde-Smith und dem demokratischen Herausforderer Mike Espy. Keiner von beiden hatte beim ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit erreicht (Hyde-Smith: 41,5 Prozent, Espy: 40,6 Prozent).[6]

Die Republikaner konnten ihre bisherige Mehrheit von 51 Sitzen im Senat (insgesamt 100 Sitze) leicht auf vorläufig 52 Sitze ausbauen.[7] Je nach Ergebnis der noch abzuhaltenden Stichwahl bei der Nachwahl in Mississippi können die Republikaner mit 53 Sitzen rechnen.

Das für die Demokraten enttäuschende Wahlergebnis wurde von Analysten unterschiedlich bewertet. Harry Enten wies bei CNN.com darauf hin, dass die Demokraten 69 Prozent der Senatswahlen 2018 für sich entschieden und damit einen höheren Siegesanteil erreichten als bei allen außer 5 der 27 Senatswahlen seit Einführung der Volkswahl 1914 und einen leicht höheren Anteil erhielten als bei der besonders erfolgreichen Senatswahl 1974 (68 Prozent); bei den republikanischen wave elections 2010 und 2014 gewannen deren Kandidaten 65 und 67 Prozent der zur Wahl stehenden Senatssitze. Wenn man die Ergebnisse der Senatswahlen seit 1982 in Beziehung setze zu den nach den Präsidentschaftswahlergebnissen in den jeweiligen Bundesstaaten zu erwartenden Ergebnissen, schnitten demnach die Demokraten 7 Prozentpunkte besser ab.[8] Auf der anderen Seite wies Sean Trende bei RealClearPolitics darauf hin, dass es erstmals seit 1934 der Partei des Präsidenten bei Halbzeitwahlen gelungen sei, vier Mandatsinhaber der Oppositionspartei zu besiegen.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Niko Kommenda, Seán Clarke, Josh Holder, Sam Morris, Antonio Voce, Peter Andringa: Results. The Guardian, 7. November 2018, abgerufen am 14. November 2018.
  2. Cameron Joseph: Senate Dems Still Crushing Their GOP Rivals In Fundraising. In: Talking Points Memo, 23. April 2018.
  3. Alex Roarty: Somehow, Senate Dems united as election year begins. In: McClatchy DC, 2. Januar 2018.
  4. United States Senate Republican Party primaries, 2018 - Ballotpedia. (ballotpedia.org [abgerufen am 10. Mai 2018]). United States Senate Democratic Party primaries, 2018 - Ballotpedia. (ballotpedia.org [abgerufen am 10. Mai 2018]).
  5. Gregory Krieg, Ryan Nobles, Ellie Kaufman, Dan Merica: Florida recounts begin as tensions escalate across state. In: CNN.com, 10. November 2018; Dan Merica, Gregory Krieg: Bill Nelson concedes Florida Senate race to Rick Scott. In: CNN.com, 18. November 2018.
  6. Mississippi U.S. Senate Special Election Results. In: The New York Times, 7. November 2018.
  7. Griffin Connolly: It’s Thursday — 14 House Races, 3 Senate Races Yet Unresolved. In: Roll Call, 8. November 2018.
  8. Harry Enten: Even in the Senate, 2018 looks like other wave years for Democrats. In: CNN.com, 13. November 2018.
  9. Sean Trende: So, Was It A Wave? In: RealClearPolitics, 16. November 2018.