Liste der Stolpersteine in Ibbenbüren

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Die Liste der Stolpersteine in Ibbenbüren enthält alle Stolpersteine, welche von Gunter Demnig in Ibbenbüren verlegt wurden. Sie sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern, die in Ibbenbüren ihren letzten bekannten Wohnsitz hatten, bevor sie deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.[1][2]

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Liste der Stolpersteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

f1Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM | WikiMap

Adresse Verlegedatum Inschrift Bild Anmerkung
Große Straße 55
Ibbenbüren
Erioll world.svg
Stolpersteine Große Straße 55, Ibbenbüren.jpg
06. Oktober 2016 HIER WOHNTE
LOUIS
LÖWENSTEIN

JG. 1868
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET
Stolperstein für Louis Löwenstein Louis Löwenstein war reisender Textil-händler. Ab 1936 hatte er kaum noch Kunden, er wurde systematisch boykottiert. In seiner Not nahm er für die Ernährung der Familie Hypotheken auf. Im Mai 1938 verstarb seine Frau Johanna Löwenstein. Im gleichen Jahr war er gezwungen, sein baufälliges Haus an die Stadt zu verkaufen. In der „Reichskristallnacht“ vom 9. November 1938 begab sich der Mob zu seinem Haus gegenüber der Metzgerei Agnischock. Mit Pflastersteinen wurden die Scheiben eingeworfen, man jagte die Familie auf die Straße, zertrümmerte Hab und Gut. Im Keller warf man volle Einmachgläser an die Wand, alle Waren aus dem Lagerraum wurden auf die Straße geschmissen. 1939 bat Louis Löwenstein den Bürgermeister zum wiederholten Mal, ihm endlich das Geld für den Hausverkauf zu geben.

Zu dem Zeitpunkt war er obdachlos, ohne Haushalt und Möbel, außerdem hatte er 4000 Mark Schulden. Tochter Henriette in Hameln nahm ihn auf, er wünschte sich die baldige Auswanderung nach Palästina. 1939 wurde er mit seiner Tochter Rosa gewaltsam nach Köln gebracht, 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert und in Treblinka ermordet. Rosa Löwenstein wurde 1942 ebenfalls deportiert, sie kam in das KZ Theresienstadt und wurde dort ermordet. Über das Schicksal von Mathilde Löwenstein und vorn Bertha Weinberg nach deren Wegzug aus Ibbenbüren ist hier nichts bekannt.

Henriette Kamenetzky geb. Löwenstein führte mit ihrem Mann Salomon ein Schuhgeschäft in Hameln. Sohn Hermann, geboren 1920, konnte 1934 nach Palästina ausreisen. Aufgrund des Boykotts jüdischer Kaufleute musste das Geschäft 1936 schließen. 1938 wurde die Ausweisung nach Bentschen in Polen angeordnet, weil Salomon polnischer Staatsbürger war. 1939 kamen Salomon, Henriette und die Tochter Eva, geboren 1928, in das Ghetto Wolomin. 1942 wurden sie in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet.

HIER WOHNTE
JOHANNA
LÖWENSTEIN

GEB. JACOBS
JG. 1859
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
TOT 26.5.1938
Stolperstein für Johanna Löwenstein
HIER WOHNTE
BERTHA
WEINBERG

GEB. LÖWENSTEIN
JG. 1897
SCHICKSAL UNBEKANNT
Stolperstein für Bertha Weinberg
HIER WOHNTE
ROSA
LÖWENSTEIN

JG. 1900
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 27.4.1944
Stolperstein für Rosa Löwenstein
HIER WOHNTE
HENRIETTE
KAMENETZKY

GEB. LÖWENSTEIN
JG. 1895
'POLENAKTION' 1938
BENTSCHEN/ZBASZYN
1942 TREBLINKA
ERMORDET
Stolperstein für Henriette Kamenetzky
HIER WOHNTE
MATHILDE
LÖWENSTEIN

JG. 1879
SCHICKSAL UNBEKANNT
Stolperstein für Mathilde Löwenstein
Schulstraße 2
Ibbenbüren
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Stolpersteinlageort Schulstraße 2 in Ibbenbüren.jpg

Stolpersteine an der Schulstraße 2 in Ibbenbüren.jpg

HIER WOHNTE
MEYER ROSENTHAL
JG. 1869
ZWANGSUMZUG 1942
HOPSTEN 'JUDENHAUS'
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET
Stolperstein für Meyer Rosenthal Rechts neben der Synagoge stand das Wohnhaus der Familie Rosenthal: Meyer Rosenthal und seine Ehefrau Rika Rosenthal wohnten dort mit ihrem Sohn Karl Rosenthal. Von März bis Oktober 1936 lebte Paul Abrahamsohn als Mieter in ihrem Haus, ihm gelang 1936 die Flucht nach Südafrika. Meyer Rosenthal war Viehhändler, der überwiegend mit Ziegen handelte. Die Boykottmaßnahmen des Jahres 1935 schränkten seine Berufsausübung erheblich ein. Vor dem Wohnhaus stellten SA-Leute ein Schild auf: „Hier wohnt ein Viehjude. Kein Deutscher handelt mit ihm. Nur Lumpen.“ Als direkte Nachbarn hielten die Rosenthals den Schlüssel der Synagoge in Verwahrung, sie übten also den Küsterdienst aus.

Der 25-jährige Karl Rosenthal wurde mit gebrochenem Arm und Kopfverletzungen nicht etwa ins Krankenhaus, sondern am 14. November in das KZ Sachsenhausen eingewiesen. „Schutzhaft“ lautete die verharmlosende Bezeichnung im Rahmen der „Judenaktion“.

Während seine Eltern aus Altersgründen den Gedanken an eine Flucht verwarfen, bereitete sich Karl Rosenthal nach seiner Entlassung aus dem KZ auf die Ausreise nach Palästina vor. Von Juli bis November 1939 nahm er an einem Schulungslager in Paderborn teil und reiste danach über Wien auf einem Flüchtlingsschiff in Richtung Schwarzes Meer. Doch der Zweite Weltkrieg und die deutsche Wehrmacht holten die Flüchtlinge ein. Den Schiffen wurde die Weiterfahrt verweigert; für die Flüchtlinge wurde ein Gefangenenlager in Šabac / Jugoslawien errichtet. Als Vergeltungsmaßnahme für einen Partisanenangriff, bei dem 21 deutsche Soldaten getötet wurden, erschoss die Wehrmacht am 11. Oktober 1941 alle 400 Gefangenen des Lagers in der Nähe des Ortes Zasavica.

Mittlerweile war die Zahl der jüdischen Mitbürger in Ibbenbüren von knapp 90 vor 1933 auf drei gesunken. Zwei von den verbliebenen waren Meyer und Rika Rosenthal, die ihr Haus verkaufen mussten und Anfang 1942 völlig verarmten. Zwangsweise mussten sie in das „Judenhaus“, eine Art Dorf-Ghetto, in Hopsten ziehen, übrigens zusammen mit der dritten als „Jüdin“ bezeichneten Person, Klara Dieckmann, die zwar der katholischen Kirche angehörte, aber durch die Ehe mit einem Juden ebenfalls in das Verfolgungsprogramm der Nationalsozialisten geriet. Meyer und Rika Rosenthal wurden dann im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und im September des gleichen Jahres im Vernichtungslager Treblinka ermordet.

Von März bis Oktober 1936 lebte dort mit ihnen auch ein Mieter. Paul Abrahamsohn (* 5. April 1917). Ihm gelang 1936 die Flucht nach Südafrika. Meyer Rosenthal handelte vorwiegend mit Ziegen. Die Boykottmaßnahmen von 1935 schränkten ihn erheblich in seiner Berufsausübung ein. SA-Leute stellten vor seinem Haus ein Schild auf: „Hier wohnt ein Viehjude. Kein Deutscher handelt mit ihm. Nur Lumpen.“

HIER WOHNTE
RIKA ROSENTHAL
GEB. PRAG
JG. 1869
ZWANGSUMZUG 1942
HOPSTEN 'JUDENHAUS'
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET
Stolperstein für Rika Rosenthal
HIER WOHNTE
KARL ROSENTHAL
JG. 1913
'SCHUTZHAFT' 1938
SACHSENHAUSEN
FLUCHT 1939
JUGOSLAWIEN
1941 SABAC
ERMORDET 12.10.1941
ZASAVICA
Stolperstein für Karl Rosenthal
HIER WOHNTE
PAUL ABRAHAMSOHN
JG. 1917
FLUCHT 1936
SÜDAFRIKA
Stolperstein für Paul Abrahamsohn
Unterer Markt 10
Ibbenbüren
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Stolpersteinlage Unterer Markt 10, Ibbenbüren.jpg

Stolpersteingesamtlage Unterer Markt 10, Ibbenbüren.jpg

HIER WOHNTE
SALLY
GOLDSCHMIDT

JG. 1874
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
TOT 1.3.1936
Stolperstein für Sally Goldschmidt Nach dem Besuch der evangelischen Schule, die sich damals neben der Christuskirche befand, erlernte Walter Goldschmidt das Metzgerhandwerk. Später übernahm er gemeinsam mit seinem Bruder Josef Goldschmidt den Metzgerbetrieb des Vaters. Nachdem die Nationalsozialisten den Metzgern jüdischen Glaubens verboten hatten, Viehhandel mit den Bauern zu treiben, verkaufte Walter Goldschmidt nach dem Tod seines Vaters Sally Goldschmidt 1936 die Metzgerei. Der Verkaufspreis wurde von den Nazis vorgeschrieben. Walter verließ 1936 Deutschland. Er floh dann über Holland und Italien nach Südafrika. Sein Bruder Josef verstarb 1939 in Köln. Im gleichen Jahr konnte die Mutter, Rosalie Goldschmidt, ihrem Sohn nach Südafrika folgen. Johanna Rosenthal wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie fand dort den Tod. Auch alle anderen Verwandten sind in Konzentrationslagern ums Leben gekommen. 1976 erhielt Walter, genannt Kiki, eine Einladung seiner früheren Sportkameraden der ISV in seine Heimatstadt. Mit ihnen hatte er in seiner Jugend viele Jahre gemeinsam Fußball gespielt. Im September 1981 besuchte er auf Einladung seines alten Freundes Willi Bendiek seine Heimatstadt zum zweiten Mal. Kiki verstarb am 5.10.1983 in Worcester / Südafrika.
HIER WOHNTE
ROSALIE
GOLDSCHMIDT

GEB. MOSES
JG. 1882
FLUCHT 1939
SÜDAFRIKA
Stolperstein für Rosalie Goldschmidt
HIER WOHNTE
JOHANNA
ROSENTHAL

GEB. MOSES
JG. 1878
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 28.9.1942
Stolperstein für Johanna Rosenthal
HIER WOHNTE
JOSEF
GOLDSCHMIDT

JG. 1908
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1938 KÖLN
TOT 22.6.1939
JÜDISCHES KRANKENHAUS
Stolperstein für Josef Goldschmidt
HIER WOHNTE
WALTER
GOLDSCHMIDT

JG. 1910
FLUCHT 1936
SÜDAFRIKA
Stolperstein für Walter Goldschmidt
Unterer Markt 2
Ibbenbüren
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Lageort Stolpersteine Unterer Markt 2.jpg Gesamtlage der Stolpersteine am Unteren Markt 2.jpg
HIER WOHNTE
SALLY
LÖWENSTEIN

JG. 1865
FLUCHT 1938
SÜDAFRIKA
Stolperstein für Sally Löwenstein Die Familie Löwenstein führte über mehrere Generationen ein Kaufhaus im Zentrum Ibbenbürens am Unteren Markt. Die Eltern Sally und Bertha Löwenstein hatten drei Kinder: Manfred, Julius und Lilly. Manfred heiratete Emma Poppert, Julius und Eleonore Wilhelmine Lange trauten sich und Lilly war mit Walter Poppert verheiratet.

Während der Weltwirtschaftskrise geriet auch ihr Geschäft in eine finanzielle Schieflage, 1928 musste Sally schließlich Konkurs anmelden. Manfred eröffnete nach dem Konkurs der Eltern ebenfalls am Unteren Markt 2 ein Kaufhaus.

1935 organisierte die NSDAP-Ortsgruppe einen lokalen Boykott gegen alle Geschäfte, die von Juden geführt wurden. In der Folge des Boykotts musste auch Manfred sein Geschäft aufgeben. Er verpachtete die Geschäftsräume schließlich an einen SA-Mann, der ihm jedoch offenbar die Pacht nicht zahlte und das Geschäft bereits ein Jahr später wieder aufgeben musste. Manfred Löwenstein ließ bei seinem Schuldner Teile des Hausrats pfänden und beschimpfte den SA-Mann als Lump und Betrüger, was in der Öffentlichkeit für viel Aufmerksamkeit sorgte. Manfred und seine Frau Emma Löwenstein flohen kurze Zeit später in das nahegelegene Enschede. Manfreds weiteres Schicksal ist ungeklärt, nur von Emma ist bekannt, dass sie in Westerbork interniert und später in ein Vernichtungslager gebracht wurde. Seinen Eltern Sally und Bertha Löwenstein gelang es 1938, zur Tochter Lilly und deren Mann Walter Poppert nach Südafrika zu fliehen, die bereits 1936 dort Zuflucht gefunden hatten. 1939 gelang schließlich auch Julius und Eleonore Löwenstein die Flucht nach Südafrika.

HIER WOHNTE
BERTHA
LÖWENSTEIN

GEB. ELSBERG
JG. 1884
FLUCHT 1938
SÜDAFRIKA
Stolperstein für Bertha Löwenstein
HIER WOHNTE
JULIUS
LÖWENSTEIN

JG. 1901
FLUCHT 1939
SÜDAFRIKA
Stolperstein für Julius Löwenstein
HIER WOHNTE
ELEONORE W.
LÖWENSTEIN

GEB. LANGE
JG. 1898
FLUCHT 1939
SÜDAFRIKA
Stolperstein für Eleonore W. Löwenstein
HIER WOHNTE
MANFRED
LÖWENSTEIN

JG. 1902
FLUCHT 1938
HOLLAND
SCHICKSAL UNBEKANNT
Stolperstein für Manfred Löwenstein
HIER WOHNTE
EMMA
LÖWENSTEIN

GEB. POPPERT
JG. 1904
FLUCHT 1937 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT
ERMORDET IM
BESETZTEN POLEN
Stolperstein für Emma Löwenstein
HIER WOHNTE
WALTER POPPERT
JG. 1902
FLUCHT 1936
SÜDAFRIKA
Stolperstein für Walter Poppert
HIER WOHNTE
LILLY POPPERT
GEB. LÖWENSTEIN
JG. 1904
FLUCHT 1936
SÜDAFRIKA
Stolperstein für Lilly Poppert
Alte Nordstraße 5
Ibbenbüren
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03. November 2017 HIER WOHNTE
LEOPOLD
ROSENTHAL

JG. 1871
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
TOT 14.4.1937
In der Alten Nordstraße 5, in der Nähe der Mauritiuskirche, wohnte Familie Rosenthal. Der Viehhändler Leopold Rosenthal, geboren am 2.5.1871, starb am 14. April 1937 im Alter von 58 Jahren. Bereits 1935 verlor er durch den Boykott der Nationalsozialisten gegenüber den jüdischen Viehhändlern und Metzgern seine wirtschaftliche Lebensgrundlage.

Seine Ehefrau Josephine, geborene Epstein, wurde am 8.10.1878 in Goch am Niederrhein geboren.

Zur Familie gehörten der Sohn Josef, geboren am 26.1.1910 und die Tochter Else, geboren am 2.3.1911. Else Rosenthal wurde am 20.1.1933 Mutter eines Sohnes, der in Hamburg geboren wurde und den Namen Reinhard bekam.

Zu den Bewohnern des Hauses gehörte auch noch Kurt Rosenthal, sein Geburtsdatum datiert auf den 1.8.1904. Kurt Rosenthal ist am 08.12.1932 in Saerbeck gestorben. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Ibbenbüren begraben.

Für einige jüdische Bürger aus Ibbenbüren waren Köln und Hamburg vorrangige Ziele bei dem Versuch, einer immer bedrohlicher werdenden Lage in ihrer Heimatstadt zu entkommen. Hier fand man noch intakte jüdische Gemeinden, die ihre Hilfe anboten. Josephine Rosenthal zog am 17.8.1937, wohl in Begleitung ihres Enkels Reinhard, nach Hamburg in die Marktstraße 94. Ihre Tochter Else war bereits vier Wochen früher nach Hamburg gegangen. Sie hatte in der Wrangelstraße 37 eine Bleibe gefunden.

1941 wurden die Rosenthals nach Litzmannstadt (Lodz) in das KZ deportiert, wo sie am 3.5.1942 ermordet worden sind. Josef Rosenthal emigrierte 1937 über die Niederlande nach Belgien. Dort wurde er aufgegriffen und nach Deutschland ausgeliefert. Im November 1939 wurde er in das KZ Sachsenhausen gebracht. Dort wurde er am 21.5.1942 ermordet.

HIER WOHNTE
JOSEF
ROSENTHAL

JG. 1910
FLUCHT 1937 BELGIEN
DEPORTIERT 1939
SACHSENHAUSEN
ERMORDET 21.5.1942
HIER WOHNTE
JOSEPHINE
ROSENTHAL

GEB. EPSTEIN
JG. 1878
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1937 HAMBURG
DEPORTIERT 1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET
HIER WOHNTE
ELSE
ROSENTHAL

JG. 1911
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1937 HAMBURG
DEPORTIERT 1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET
HIER WOHNTE
REINHARD
ROSENTHAL

JG. 1933
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1937 HAMBURG
DEPORTIERT 1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET
Bahnhofstraße 21
Ibbenbüren
Erioll world.svg Bahnhofstraße 21 in Ibbenbüren.jpg
HIER WOHNTE
JULIUS KAUFMANN
JG. 1868
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1938 KÖLN
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 12.7.1942
Stolperstein für Julius Kaufmann Julius Kaufmann wurde am 14. August 1868 in Ibbenbüren geboren. Seine Eltern Moses und Pauline Kaufmann (gestorben 1910) führten ein Textilgeschäft ("Manufakturwaren") in der Bahnhofstraße 21, das Julius, spätestens nach dem Tod des Vaters (1919), von ihnen übernahm. In der Ibbenbürener Bevölkerung war er geachtet, und sein Geschäft war vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten sehr beliebt.

Julius Kaufmann verkaufte am 15.4.1937 sein Wohn- und Geschäftshaus an einen Nachbarn, immerhin noch zu einem Kaufpreis von zwei Dritteln des tatsächlichen Wertes. Wer später verkaufte bzw. dazu gezwungen wurde, musste weit höhere Verluste hinnehmen.

Am 2.6.1937 zog Julius Kaufmann nach Köln. Als Adresse ist auf der Abmeldekarte der Stadt Ibbenbüren eingetragen: Zülpicher Straße 84. Wie lange er dort wohnte, ist nicht bekannt, auch nicht, welche Anstrengungen er unternommen hat, um in die USA auszureisen. Jedenfalls: wer im Alter von 69 Jahren derartige Fluchtpläne schmiedet, muss schon sehr verzweifelt sein!

Die letzte Anschrift von Julius Kaufmann in Köln lautet: St.-Apern-Straße 29/31. Vor diesem Haus liegt neben zwei anderen ein Stolperstein für Samuel Kaufmann, geboren am 31.7.1868 in Sürth bei Köln, deportiert am 15.6.1942 nach Theresienstadt. Am gleichen Tag wurde auch Julius Kaufmann in den Transport nach Theresienstadt gepfercht. Samuel und Julius waren vermutlich Vettern, beide im Jahr 1868 geboren, beide im Alter von knapp 74 Jahren in Theresienstadt ums Leben gekommen, Julius am 12. Juli, Samuel am 1. September 1942. Theresienstadt: da dachten Unwissende und unwissend Gehaltene an den Filmtitel "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt"!

Arenbergstraße 1
Ibbenbüren
Erioll world.svg Lageort Stolperstein für Ewald Berger.jpg
HIER WOHNTE
EWALD BERGER
JG. 1914
ZEUGE JEHOVAS
VERHAFTET
KRIEGSDIENST VERWEIGERT
TODESURTEIL 1940
REICHSKRIEGSGERICHT
BERLIN
HINGERICHTET 15.6.1940
BERLIN-PLÖTZENSEE
Stolperstein für Ewald Berger Ewald Berger, geboren am 16. August 1914 in Ibbenbüren, gehörte Jehovas Zeugen an. Er wurde als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen, verweigerte jedoch den Fahneneid auf Adolf Hitler. Deswegen wurde Ewald Berger inhaftiert und vom Reichskriegsgericht in Berlin am 21. Mai 1940 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 15. Juni 1940 durch Enthauptung vollstreckt. In den Akten des Gerichts findet sich zum Urteil der kurze Vermerk: "Bibelforscher" und "Todesstrafe wegen Zersetzung der Wehrkraft".

In der Bevölkerung war nicht bekannt, dass Ewald Berger hingerichtet worden war. Es hieß, er habe auf der Suche nach seiner Seele Selbstmord begangen.

Große Straße 69
Ibbenbüren
Erioll world.svg
09. November 2018 HIER WOHNTE
JOHANETTE
ROSENTHAL

GEB. LOEB
JG. 1879
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1938 KÖLN
SCHICKSAL UNBEKANNT
Johannette Rosenthal, geborene Loeb, geboren am 5.9.1879 in Wressen / Steiermark (?), war die Witwe von Calmon Rosenthal, der 1926 in Ibbenbüren starb und auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt wurde. Wie viele andere Verfolgte jüdischen Glaubens zog Johannette Rosenthal am 2.12.1938 nach Köln, und zwar in die Spichernstraße 48. Ihr weiteres Schicksal ist uns nicht bekannt.

Der Kaufmann und Viehhändler Julius Ackermann wurde am 13.9.1901 in Weyer / St. Goarshausen (Rheinland-Pfalz) geboren. Julius Ackermann war mit Helene Ackermann, geborene Rosenthal, verheiratet. Helene Ackermann kam am 4.4.1903 in Ibbenbüren zur Welt. Ebenfalls zur Familie gehörte Erwin Ackermann, geboren am 15.1.1938 in Ibbenbüren, der Sohn von Helene und Julius.

Nach der Reichspogromnacht und der Verwüstung der jüdischen Gotteshäuser (9. / 10. November 1938) wurde Julius Ackermann am 12.11.1938 in sogenannte "Schutzhaft" genommen, nach kurzer Zeit aber wieder entlassen. Am 5.4.1939 konnte die Familie Ackermann, Julius und Helene mit ihrem Sohn Erwin, auf die Philippinen emigrieren. Dadurch haben sie, noch vor Beginn des 2. Weltkrieges, ihr Leben retten können. In Manila führte Erwin später als Erwachsener ein Restaurant. 1981 ist er nach Spokane / USA ausgewandert. Seine Eltern folgten ihm später in die USA, und zwar nach New York.

Elise Ackermann, die Mutter von Martha und Julius, die am 7.7.1867 in Blessenbach / Oberlahnkreis geboren wurde, wohnte offiziell in Weyer-St. Goarshausen, hielt sich aber zum Zeitpunkt ihres Todes bei ihrer Familie in Ibbenbüren auf. Elise Ackermann starb am 8.5.1938 in Ibbenbüren. Die Todesanzeige wurde vom St.-Elisabeth-Hospital aufgegeben. Auch ihr Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Ibbenbüren.

Martha Rosenthal, geborene Ackermann, die Schwester von Julius, wurde am 5.3.1911 ebenfalls in Weyer geboren. Sie hat den Holocaust nicht überlebt. Sie zog am 8.12.1938 von Ibbenbüren zunächst nach Köln. Später flüchtete sie in die Niederlande. Am 6.3.1940 wurde sie dort inhaftiert und in das Sammellager Westerbork verbracht. Dort war sie bis zum 4.9.1944, danach im Ghetto Theresienstadt, ab 23.10.1944 im Vernichtungslager Auschwitz, wo sie ermordet worden ist.

Der Viehhändler Erich Rosenthal, am 23.7.1904 in Ibbenbüren geboren, wohnte ebenfalls in der Großen Straße 69. Er war mit Martha Rosenthal, geb. Ackermann verheiratet. Ihr Sohn Karl (Calmon, Calman) wurde am 8.4.1938 geboren. Da die Situation der jüdischen Bevölkerung durch die brutalen Übergriffe der Nazis immer bedrohlicher wurde (wie Julius Ackermann wurde auch Erich Rosenthal für etwa zwei Wochen in "Schutzhaft" genommen), suchte die Familie durch einen Umzug nach Köln, in die relative Anonymität der Großstadt, eine Lösung. Im November / Dezember 1938 war eine Bleibe in der Lützowstraße in Köln gefunden. Von dort führte der Fluchtweg weiter nach Holland. Bereits im März 1940 erfolgte die Inhaftierung und der Transport in das Sammellager Westerbork. Der Aufenthalt dauerte bis zum September 1944. Dann deportierten die Nazis Erich, Martha und Karl mit dem Sammel-Transport XXIV/7 zunächst nach Theresienstadt. Im September / Oktober 1944 wurden die Rosenthals nach Auschwitz verbracht, wo sie ermordet worden sind. Das Todesdatum von Erich ist dokumentiert: 13.1.1945, wann Martha und Karl ums Leben kamen, ist nicht zu ermitteln.

Walter, Werner und Irma Rosenthal konnten sich dem Zugriff der Nazis durch die Emigration in die USA entziehen. Walter floh am 8.8.1934 zunächst nach Wesseling bei Köln. Von dort ist ihm dann die Einreise in die USA gelungen. 1949 war er in Flora, Kansas gemeldet. Walter starb am 21.01.1965. Werner Rosenthal emigrierte am 31.1.1936. Er lebte wie Walter in Flora. Sein weiteres Schicksal ist uns nicht bekannt. Irma Rosenthal konnte am 11.10.1937 in die USA emigrieren. Über New York ging ihr Weg dann ebenso nach Flora, Kansas. Dort heiratete sie Walter Weinberg. Ihr weiterer Lebensweg ist nicht bekannt.

HIER WOHNTE
IRMA ROSENTHAL
VERH. WEINBERG
JG. 1914
FLUCHT 1937
HIER WOHNTE
WERNER ROSENTHAL
JG. 1909
FLUCHT 1936
USA
HIER WOHNTE
WALTER ROSENTHAL
JG. 1906
FLUCHT 1936
USA
HIER WOHNTE
ERICH ROSENTHAL
JG. 1904
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1938 KÖLN
FLUCHT HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET 13.1.1945
HIER WOHNTE
MARTHA ROSENTHAL
GEB. ACKERMANN
JG. 1911
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1938 KÖLN
FLUCHT HOLLAND
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET
HIER WOHNTE
KARL C ROSENTHAL
JG. 1938
UNFREIWILLIG VERZOGEN
1938 KÖLN
FLUCHT HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET
HIER WOHNTE
ERWIN ACKERMANN
JG. 1939
FLUCHT 1939
PHILIPPINEN
HIER WOHNTE
JULIUS ACKERMANN
JG. 1901
'SCHUTZHAFT' 1938
FLUCHT 1939
PHILIPPINEN
HIER WOHNTE
HELENE ACKERMANN
GEB. ROSENTHAL
JG. 1903
FLUCHT 1939
PHILIPPINEN
HIER WOHNTE
ELISE ACKERMANN
GEB. HALBERSTADT
JG. 1867
GEDEMÜTIGT/ENTRECHTET
TOT 8.5.1938

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Stolpersteine in Ibbenbüren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ibbenbüren – Lenkungskreis – Projekt Stolpersteine – Aktion gegen das Vergessen der Gräueltaten im Nationalsozialismus. Stadtmuseum Ibbenbüren, abgerufen am 29. Dezember 2018.
  2. Gedenkbuch – Suche im Namensverzeichnis. Das Bundesarchiv, abgerufen am 30. Juni 2017.