Lobetal

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Lobetal
Koordinaten: 52° 43′ 39″ N, 13° 35′ 44″ O
Höhe: 57 m
Fläche: 79,6 ha
Einwohner: 702 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 882 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 2002
Postleitzahl: 16321
Vorwahl: 03338

Lobetal ist ein Ortsteil der Stadt Bernau bei Berlin im Landkreis Barnim in Brandenburg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lobetal liegt rund vier Kilometer nördlich von Bernau bei Berlin und etwa fünf Kilometer südwestlich von Biesenthal im Naturpark Barnim. Im Ort leben rund 700 Einwohner (31. Dezember 2002), die Fläche beträgt 796 Hektar.

Landschaftlich ist Lobetal eingebunden in die flachwellige Barnimlandschaft an der Märkischen Eiszeitstraße, die über die „Eiszeitstraßentour“ erradelt werden kann. Der Radfernweg Berlin–Usedom führt direkt am Ort vorbei und verläuft nach Norden weiter durch das Biesenthaler Becken, das zum Teil als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

Begegnungszentrum der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lobetal wurde im Jahr 1905 von Pastor Friedrich von Bodelschwingh auf einem gepachteten Gut als Arbeiterkolonie unter dem Motto „Arbeit statt Almosen“ gegründet, um dem Elend der Obdachlosen und Arbeitslosen in Berlin zu begegnen. Bereits im Frühjahr 1905 hatte er im Nachbarort Rüdnitz mit dem Bau der ersten Wohnstätte Hoffnungstal begonnen. Diese war dem Ansturm aus den Berliner Asylen nicht gewachsen, weshalb von Bodelschwingh bereits 1906 zwei Kilometer Richtung Westen auf die „grünen Wiese“ auswich und dort Lobetal errichtete. Pastor Paul Gerhard Braune, der auch über die Zeit des Nationalsozialismus die Anstalt leitete, setzte sich gegenüber der Reichskanzlei für den Schutz der „nicht-arischen“ Christen ein, konnte aber nicht verhindern, dass zahlreiche jüdischstämmige Bewohner der Vernichtung preisgegeben wurden. Seit 1997 erinnert ein Gedenkstein an der Bodelschwinghstraße im Ortsteil Friedenshöhe an die Opfer. Heute befindet sich hier die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, ein Zentrum mit Wohnstätten und Werkstätten für Behinderte, Senioren, Epilepsiekranke und Suchtkranke, das zu den Einrichtungen des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland gehört.

Waldkirche

Nach der deutschen Wiedervereinigung erfuhren Straßen und Plätze eine behindertengerechte Umgestaltung, zahlreiche Neubauten kamen hinzu. Dabei konnte die ursprüngliche parkähnliche Gesamtgestaltung weitgehend bewahrt werden. Am nördlichen Ortsrand liegt der Mechesee. In der Seemitte liegt eine Sandbank. Diese kommt durch Versandung des unterirdischen Zuflusses immer mehr zum Vorschein. Grund für den fallenden Grundwasserspiegel sind die 1985 einen Kilometer südöstlich des Ortes angelegten Tiefbunker der NVA, die der Radar-Überwachung des nördlichen Berliner Luftraumes dienten. Heute ist hier eine Tierpension untergebracht.

Die damals noch eigenständige Kommune Lobetal erwarb Mitte der 1990er Jahre von den Hoffnungstaler Anstalten Lobetal einige Hektar Land. Im Wohngebiet „An der einsamen Kiefer“ befinden sich heute 42 (zumeist) in Erbpacht errichtete private Eigenheime.

Zwei Kilometer südlich des Ortes liegt das Gelände einer ehemaligen DDR-Grenzhunde-Ausbildungsstätte. Zwei Kilometer nördlich befand sich bis 1990 ein hermetisch abgeriegelter Bereich – Langerönner Mühle –, der zum Teil durch die NVA, zum Teil durch das Ministerium des Innern der DDR genutzt wurde. Anwohner berichten von regelmäßigen Transporten per Ikarus-Bussen in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Anreisende waren zumeist männliche Personen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren aus Afrika und Lateinamerika. Fraglich bleibt, ob das Gelände in diesem Zusammenhang teilweise zur militärischen Ausbildung von Guerilla-Truppen genutzt wurde.

Zwei Kilometer westlich des Ortes befand sich seit Ende 1939 die Anlage des Marine-Bunkers „Koralle“ einschließlich dazugehöriger Anlagen. Teilweise befehligte Karl Dönitz im Zweiten Weltkrieg (seit dem 30. Januar 1943) von hier aus als Befehlshaber die U-Boot-Flotte. Nach dem Krieg gingen die Bunker-Anlagen in die Nutzung der Sowjetarmee über. Ein ehemaliges Mannschaftsgebäude der Marine am Rande des Militärgebietes wurde den Hoffnungstaler Anstalten Lobetal 1949 zur Nutzung als Wohnstätte überlassen. Die meisten Anlagen wurden nach Kriegsende gesprengt, jedoch sind der Tiefbunker und das ehemalige Wohnhaus der Familie Dönitz bis heute erhalten.

Bekannt wurde der Ort auch dadurch, dass Erich Honecker und seine Frau Margot von Ende Januar 1990 bis Anfang April bei der Familie des Lobetaler Pfarrers Uwe Holmer unterkamen.

Im Zuge der Gebietsreform erfolgte am 31. Dezember 2002 die Eingemeindung nach Bernau bei Berlin.[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Ort gibt es neben der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal drei weitere Vereine: Der Verein Alte Schmiede Lobetal für Integration und Tourismus e. V., der die als Touristentreff und Dorfgemeinschaftshaus genutzte Alte Schmiede betreibt. Hier befindet sich auch eine kleine Bibliothek.

Mit Hilfe des Mobilen Kinos des Filmklubs Güstrow und des Landesverbandes Filmkommunikation Mecklenburg-Vorpommern wird regelmäßig Programmkino gemacht. Ein Schwerpunkt ist Filmarbeit für und mit Menschen mit Behinderungen.

Außerdem gibt es den Sportverein SV Rüdnitz/Lobetal 97 mit ca. 300 Mitgliedern. Schwerpunkt ist der Fußball-Bereich, außerdem Tischtennis, Freizeitvolleyball und eine eigene Behindertensportsektion. Des Weiteren arbeitet seit 1994 die Ukraine-Hilfe Lobetal (Trägerverein cura hominum e. V.) in Lobetal. Sie sammelt Sach- und Kleiderspenden und organisiert regelmäßige Hilfstransporte in Kirchgemeinden und Sozialprojekte in die Ukraine.

  • Noch aus DDR-Zeiten ist der Ort vielen Berlinern als grüne Oase bekannt. Nach wie vor werden der Ort und die direkte Umgebung für ausgiebige Spaziergänge genutzt.
  • Auf dem Friedhof befindet sich ein Mahnmal zum Gedenken an die über 600 Menschen, die in den ersten Nachkriegsjahren (1945–1947) im Ort Lobetal an Unterernährung und Krankheit starben. Neben Dorfbewohnern befand sich auch eine große Zahl von Flüchtlingen, die im Ort weilten, unter den Opfern.
  • Ein Gedenkstein an der Hauptstraße gegenüber der Kirche erinnert an 13 Personen jüdischer Herkunft, die in Lobetal nicht vor dem Zugriff nazistischen Terrors geschützt werden konnten und in verschiedene Vernichtungslager deportiert wurden.
  • In Alt-Lobetal befindet sich ein Gedenkstein, der in Erinnerung an vier homosexuelle Männer mit Behinderung aufgestellt wurde, die in den so genannten Plötzenseer Blutnächten ebendort hingerichtet wurden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lobetal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003