Biesenthal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Stadt Biesenthal im Landkreis Barnim; für andere Bedeutungen siehe Biesenthal (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Biesenthal
Biesenthal
Deutschlandkarte, Position der Stadt Biesenthal hervorgehoben
52.76666666666713.63305555555650Koordinaten: 52° 46′ N, 13° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Barnim
Amt: Biesenthal-Barnim
Höhe: 50 m ü. NHN
Fläche: 60,48 km²
Einwohner: 5525 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 91 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16359
Vorwahl: 03337
Kfz-Kennzeichen: BAR, BER, EW
Gemeindeschlüssel: 12 0 60 024
Stadtgliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
16359 Biesenthal
Webpräsenz: www.biesenthal.de
Bürgermeister: André Stahl (Die Linke)
Lage der Stadt Biesenthal im Landkreis Barnim
Ahrensfelde Althüttendorf Bernau bei Berlin Biesenthal Breydin Britz (bei Eberswalde) Chorin Eberswalde Friedrichswalde Hohenfinow Joachimsthal Liepe Lunow-Stolzenhagen Marienwerder Melchow Niederfinow Oderberg Panketal Parsteinsee Rüdnitz Schorfheide Sydower Fließ Wandlitz Werneuchen Ziethen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Biesenthal ist eine zum Amt Biesenthal-Barnim gehörige Stadt im Landkreis Barnim in Brandenburg.

Geomorphologie[Bearbeiten]

Geomorphologisch wurde die Region wesentlich in der Weichsel-Kaltzeit vor etwa 15.000 Jahren geformt. Im Südwesten der Gemeinde ist die glaziale Prägung im Naturschutzgebiet Biesenthaler Becken anhand vieler Zungenbeckenseen besonders erkennbar.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Biesenthal gehört das frühere Dorf Danewitz, das nach Biesenthal eingemeindet wurde und heute Ortsteil ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Altes Rathaus

Von der Entstehung der Siedlung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Der Raum um Biesenthal war bis zum 10. Jahrhundert slawisches Siedlungsgebiet, das durch die Askanier erobert wurde. Der Ort wurde ursprünglich als Askanierburg gegründet, 1258 als Sitz einer Vogtei erstmals urkundlich erwähnt (als Bizdal oder Bysdal) und besitzt seit 1315 Stadtrecht.[2] Auf dem Schloßberg befinden sich noch Grundmauerreste der ehemaligen Burg. Bereits 1267 wurde von einer Straße (via Bizdal) über Oderberg in die Uckermark gesprochen. Der Ortsname wurde wahrscheinlich von Siedlern aus der Altmark übernommen.

Die Burg wurde 1337 urkundlich erwähnt, 1426 sind die Brüder Claus, Wilke und Otto von Arnim als Burgherren genannt. 1577 erwarb Kurfürst Johann Georg Biesenthal samt Burg, die im Dreißigjährigen Krieg schon sehr schadhaft war.

Die Wehrmühle Biesenthal wurde 1375 als „Weremolle“ urkundlich erwähnt.

Im Jahre 1671 kamen die ersten Juden in den Ort. Die bis Ende des 17. Jahrhunderts auf 64 Personen gewachsene Gemeinde gründete einen Jüdischen Friedhof an der Berliner Chaussee, der mehrfach zerstört wurde.

1756 vernichtete ein Stadtbrand Biesenthal bis auf 10 Häuser, die 1764 einem weiteren Brand zum Opfer fielen. Dadurch sind wertvolle Urkunden und Dokumente für immer vernichtet worden. Die verbliebenen Einwohner bauten ihre Häuser neu auf.[3]

Ab dem 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

In Biesenthal befand sich in den 1940er Jahren eine Außenstelle des KZ Sachsenhausen. Der im Ort angelegte jüdische Friedhof wurde in der NS-Zeit weitestgehend zerstört. Im Jahre 1988 wurden die noch vorhandenen Grabsteine unter einer Eiche aufgestellt und mit einer Tafel unter dem Zeichen des Davidsterns versehen, die an den Guten Ort erinnert.

Im Jahr 1945, als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, besetzte die sowjetische Armee den Ort. In der Folge wurden zahlreiche Archivalien aus dem Rathaus vernichtet.[3]

Die im 15. Jahrhundert vorhandene Wehrmühle stellte 1974 den Mahlbetrieb ein. Am 23. August 2002 brannte sie ab und wurde anschließend teilweise abgerissen.

Im 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Danewitz wurde am 26. Oktober 2003 eingemeindet.[4]

Biesenthal unterhält seit 1999 im Rahmen seiner Zugehörigkeit zum Amt Biesenthal mit der polnischen Stadt Nowy Tomysl eine aktive partnerschaftliche Beziehung.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Biesenthal, Stadt:
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen
[6]
Jahr Einwohner
1875 2632
1890 2732
1925 3556
1933 3879
1939 4529
1946 4598
1950 5120
1964 4910
1971 4801
1981 4730
Jahr Einwohner
1985 4892
1989 4815
1990 4668
1991 4624
1992 4695
1993 4846
1994 4911
1995 4869
1996 4923
1997 5058
Jahr Einwohner
1998 5183
1999 5220
2000 5272
2001 5340
2002 5394
2003 5454
2004 5509
2005 5625
2006 5621
2007 5637
Jahr Einwohner
2008 5507
2009 5563
2010 5543
2011 5498
2012 5525

Die Quellen der Daten, die Grundlage der Darstellungen sind, finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[7].

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Wahlbewerber (Partei) Stimmenanzahl Stimmenanteil (%)
André Stahl (Die Linke) 2012 80,42
Bernd Schramm (FDP) 0490 19,58

André Stahl (seit 12. Dezember 2006; Die Linke)

Die letzte Wahl des Bürgermeisters von Biesenthal fand am 28. September 2008 statt. Amtliches Endergebnis der Wahl:[8]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Am 28. September 2008 fanden die letzten Kommunalwahlen statt. Danach setzt sich die aus 18 Personen bestehende Stadtverordnetenversammlung wie folgt zusammen:[9]

Partei / Wahlbewerber Stimmenanteil (Prozent) Sitze
Die Linke 41,79 7
SPD 14,80 3
CDU 16,61 3
Grüne/B90 06,30 1
FDP 03,46 1
PROD 03,38 1
BfB 06,83 1
NPD 06,82 1

Wappen[Bearbeiten]

Gültiges Wappen von Biesenthal

Das Wappen wurde am 21. Juli 1994 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber eine bezinnte und gequaderte rote Burg zwischen deren zwei bezinnten, mit spitzen, geschindelten Dächern und je vier schwarzen Fenstern versehenen Türmen ein goldbewehrter roter Adler schwebt. Im offenen goldenen Torbogen erscheint ein aufgezogenes schwarzes Fallgatter.“[10]

Altes Wappen zu DDR-Zeiten[Bearbeiten]

Blasonierung: „Auf Silber zwei mit roten Zinnen versehene Spitztürme verbunden durch ein gelbes Tor mit angelassenem fünfzinkigen Fallgitter, darüber eine Mauer mit roten Zinnen; zwischen beiden Spitztürmen freischwebend einen roten Adler mit ausgebreiteten Schwingen und geschlossenem Schnabel sowie gelben Fängen; als oberen Abschluss eine gelbe Mauer mit 3 Zinnen, unterbrochen von einer in der Mitte befindlichen schwarzen Tür mit roter Längstrennung und beidseitig je vier roten entgegenlaufenden Diagonalstreifen.“

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten]

Marktplatz Biesenthal

Die Stadt selbst besitzt aufgrund der vielfachen Zerstörungen kaum historische Sehenswürdigkeiten. Auch von im 19. Jahrhundert zahlreich vorhandenen Gasthäusern sind nur noch wenige zu finden. In dem früheren Kaffee zum Ratskeller, dessen Inhaber mit dem Hinweis „Stammkaffee des Boxweltmeisters Max Schmeling und anderer Prominenter“ warb, befindet sich heute das Büro des Tourismusvereins Naturpark Barnim.[3] Sehenswert ist aber der historische Altstadtkern, der seit 1996 schrittweise saniert wird und komplett unter Denkmalschutz steht. Laut Amtsbeschluss vom Mai 2008 wird in der Grünstraße Ecke August-Bebel-Straße ein Pflasterdenkmal installiert, mit dem auf den Standort der früheren Schäfers Schmiede hingewiesen wird.[11] Der Ort besitzt weder ein Hotel noch ein Kino oder andere Kulturstätten.[3] Lediglich der alte Bahnhof wurde als Kulturbahnhof ausgebaut.[11] Im Jahre 2004 wurde Biesenthal als "Naturparkstadt" ausgezeichnet.

Im Jahr der 750-Jahr-Feier wurde erstmals ein Internationales Speedway-Rennen erfolgreich organisiert.

Die Umgebung der Stadt bietet viele Wander- und Radtourmöglichkeiten auf den Spuren der Märkischen Eiszeitstraße. Im Ort Melchow, der zum Amtsbereich Biesenthal-Barnim gehört, befindet sich ein touristisches Begegnungszentrum.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die Liste der Baudenkmale in Biesenthal und die Liste der Bodendenkmale in Biesenthal enthalten alle in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburgs eingetragenen Kulturdenkmale der Stadt und ihres Ortsteils Danewitz. Darunter:

evangelische Kirche
  • Evangelische oder Stadtkirche auf einem Hügel am Markt; die behauenen Granitquader im Turmteil gehen auf das 13. Jahrhundert zurück, 1767 nach dem Stadtbrand von 1756 wieder errichtet[12]
katholische Kirche St. Marien
  • Katholische Kirche St. Marien, 1908/09 im französischen Barockstil erbaut (Bahnhofstraße 162)[13]
  • Ältestes Haus in Biesenthal: ein Fachwerkhaus mit Schilfrohrdach und der Inschrift „Si Deus pro nobis quis contra nos MDCCVII.“ („Wenn Gott mit uns ist, wer ist gegen uns 1707.“), Schulstraße 10
    Hier werden regelmäßig Lehmbau-Schnupperkurse gegeben, in denen sich Bauherren über diese umweltfreundliche Bauweise informieren können.
  • Altes Schul- und Rektorenhaus aus dem Jahre 1812 (Schulstraße 32)
Schmiede in Danewitz

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Jubiläumseiche auf dem im Jahr 2000 neu gestalteten Markt vor dem Alten Rathaus
    Am 3. Januar 1886 anlässlich des 25. Regierungsjubiläums des Königs von Preußen gepflanzt.
  • Großer und Kleiner Wukensee
    Am Großen Wukensee, um den ein Rundweg führt, liegt das 1925 erbaute Strandbad.

Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt liegt an der Bundesstraße 2 und der Landesstraße L 294. Biesenthal ist außerdem über die Eisenbahnlinie Berlin – Stettin sowie Berlin-Stralsund erreichbar. Der Bahnhof existiert seit 1843.

Der Radfernweg Berlin-Usedom führt durch die Kleinstadt und durch das Biesenthaler Becken.

Bildung[Bearbeiten]

In Biesenthal gibt es eine Grundschule. Für diesen Schulkomplex wurde ein früher hier vorhandenes Chemiekabinett umgebaut und dient seit kurzem als gemeinsame Mensa (zurzeit im Bau). Zum Amtsbereich gehören noch je eine Grundschule in Marienwerder und Sydower Fließ.[11]

Ständige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Musikfestival Rockende Eiche
  • Spielplatzfestival auf dem Spielplatz Waldlicht
  • Wukenseefest
  • Adventskunstmarkt im Kulturbahnhof
  • Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz

Quelle: Veranstaltungskalender Barnimer Land, 2011

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Max Schmeling, deutscher Boxweltmeister, war häufiger Gast im Trainingslager in Biesenthal[3]
  • Ralf Kerbach, deutscher Maler und Hochschullehrer, wohnt in Biesenthal
  • Wolfgang Coy, deutscher Informatiker und Hochschullehrer, wohnt in Biesenthal
  • Friedrich Schötschel (* 1926), Bildhauer, lebt und arbeitet seit 1954 in Biesenthal
  • Margit Schötschel-Gabriel (* 1933), Bildhauerein, lebt und arbeitet seit 1954 in Biesenthal
  • Heinz Graffunder, Stadtarchitekt in Berlin; lebte in Biesenthal
  • Walter Laas (1870-1951), Schiffsbauingenieur, Professor an der TH Berlin, Vorstandsvorsitzender des Germanischen Lloyd
  • Richard Ruthe (1887-1934), Mitglied der Biesenthaler Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus
  • Joachim Ziesche, Eishockeyspieler, lebt in Biesenthal[15]


Literatur[Bearbeiten]

  • Historischer Führer, Stätten und Denkmale der Geschichte in den Bezirken Potsdam, Frankfurt (Oder), Urania-Verlag Leipzig, Jena, Berlin, 1.Auflage 1987

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Biesenthal – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hermann Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Rechts- und Verfassungsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 223-224.
  3. a b c d e Amtsblatt für die Gemeinde Wandlitz vom 21. Juni 2008, Seite 60: Biesenthal: 750 Jahre alt und sehr lebendig
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  5. Zu Gast in der Partnerstadt Nowy Tomysl auf amt-biesenthal-barnim.de; abgerufen am 29. Dezember 2012
  6. 2013
  7. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  8. Bürgermeisterwahl 2008, Biesenthal
  9. Kommunalwahl 2008, Stadtverordnetenversammlung Biesenthal
  10. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  11. a b c Homepage des Amts B-B
  12. Website (1) Biesenthal; Evangelische Kirche, Website (2) Biesenthal, Evangelische Kirche auf altekirchen.de
  13. Website Biesenthal, einiges zur katholischen Kirche
  14. „Ferdinand Dinse schenkte seiner Heimatstadt Biesenthal ...1859 eine Orgel für die evangelische Kirche“ auf barnim-tourismus.de, abgerufen am 29. Dezember 2012
  15. Ziesche, J. im Telefonbuch