Müllheim-Badenweiler Eisenbahn

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Müllheim (Baden) – Badenweiler
Kursbuchstrecke (DB): 307h (1934)
307f (1944)
Streckenlänge: 7,57 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem: ab 1914: 1000 V =
Maximale Neigung: 33 
Minimaler Radius: 40 m
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Rheintalbahn von Karlsruhe
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0,00 Müllheim (Baden) 250 m ü. NN
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Rheintalbahn nach Basel
   
Neuenburger Runs
   
1,65 Müllheim Kogermühle
   
Neuenburger Runs
   
1,95 Müllheim Turnhalle
   
2,35 Müllheim Amtsgericht
   
2,75 Müllheim (Baden) Stadt
   
4,03 Niederweiler Warteck
   
4,40 Niederweiler 295 m ü. NN
   
5,45 Ausweiche
   
5,80 Badenweiler-Oberweiler 330 m ü. NN
   
6,65 Badenweiler Hasenburg
   
Klemmbach
   
7,57 Badenweiler 420 m ü. NN

Die Müllheim-Badenweiler Eisenbahn AG (MBE) ist eine ehemalige Bahngesellschaft in Südbaden, die die ehemalige meterspurige Bahnstrecke Müllheim – Badenweiler betrieb. Die Strecke wurde 1896 eröffnet und 1955 stillgelegt. Innerhalb der Stadt Müllheim war sie straßenbahnähnlich trassiert. Die Bahn wurde zunächst als Dampfstraßenbahn betrieben und 1914 elektrifiziert. Sie überwand zwischen dem Staatsbahnhof Müllheim und dem Kurort Badenweiler auf einer Länge von 7,57 Kilometern einen Höhenunterschied von 170 Metern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie über 1000 Mark der Müllheim-Badenweiler Eisenbahn-AG, 1. Januar 1913

Die Bahn wurde 1894 unter maßgeblicher Beteiligung der Bahnbau- und Betriebsgesellschaft Vering & Waechter als Localbahn Müllheim-Badenweiler („Badenweiler Bähnle“) gegründet. Am 15. Februar 1896 wurde der Betrieb als dampfbetriebene Straßenbahn eröffnet. Es wurden von Beginn an acht Zwischenhaltestellen bedient. Zunächst führte Vering & Waechter den Betrieb selbst, 1899 übernahm schließlich die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (DEBG) die Betriebsführung. Ab dem 1. Januar 1913 führte dann die Müllheim-Badenweiler Eisenbahn AG den Betrieb. Die Dampfzüge wurden am 7. April 1914 durch elektrische Fahrzeuge abgelöst, welche mit 1000 Volt Gleichspannung betrieben wurden.[1]

Der ehemalige Bahnhof von Badenweiler steht unter Denkmalschutz und ist heute in Privatbesitz, 2012

In den 1950er Jahren verlor die Gesellschaft, deren Hauptaktionär die Rheinische Elektrizitäts-AG in Mannheim war, das Interesse am Weiterbetrieb der Bahn. Ab 1. März 1955 wurde das Land Baden-Württemberg ihr Eigentümer, und sie gelangte zum 29. März 1955 zu den Mittelbadischen Eisenbahnen. Diese stellten fest, dass die Bahn in einem sehr schlechten Zustand war und eine Modernisierung nicht finanzierbar wäre. Sie stellte den gesamten Schienenverkehr am 22. Mai 1955 ein. Den Personenverkehr bedient seitdem der Verkehrsbetrieb Müllheim-Badenweiler im Rahmen der Südwestdeutschen Verkehrs AG (SWEG) mit Bussen.

Die Gleise wurden 1970 vollständig abgebaut. Die Wagenhalle in Müllheim und die Klemmbachbrücke in Badenweiler sind nach 1972 abgerissen worden.[1][2] Das Bahnhofsgebäude und die Wagenhalle Badenweiler waren 2005 noch vorhanden.[3]

Mit einem Radius von 40 Metern besaß die Bahn den kleinsten Radius aller badischen Privatbahnen.[4]

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Dampfbetrieb standen der Bahn zunächst zwei B-gekuppelte Nassdampf-Tenderlokomotiven von Borsig (Nr. 1+2, Werknr. 4474+4475) und eine weitere Tenderlokomotive Bauart Mallet zur Verfügung. An Wagen verfügte die Bahn über sechs Personenwagen einen Pack- und Postwagen, vier Güterwagen und ein Dienstfahrzeug. Von Lokomotive 2 ist bekannt, dass sie 1920 an Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft, wo sie 1954 als Nummer 61 wurde.[1]

Für den elektrischen Betrieb wurden fünf vierachsige Triebwagen (Nr. 21–25) beschafft. Der Fahrstrom wurde über zwei massive Scherenstromabnehmer der vollbahnähnlichen Fahrleitung entnommen. Die Radsätze der einzelnen Drehgestelle waren mit Kuppelstangen untereinander verbunden. Die Personenwagen aus dem Dampfbetrieb wurden weiterhin eingesetzt und später um drei weitere Fahrzeuge ergänzt. Die Drehgestellwagen besaßen vereinzelt Mitteleinstiege, Beiwagen war ein Sommerwagen. Zwei Güterwagen wurden ebenfalls nachträglich beschafft. Als einziges Fahrzeug ging Triebwagen 22 1955 zu Versuchszwecken an die spätere Albtal-Verkehrs-Gesellschaft und wurde dort als ET 01.22 in den Bestand eingereiht. Er stand lange Zeit in Ittersbach abgestellt und wurde vor 1972 ausgemustert. Die übrigen Fahrzeuge wurden im Sommer 1955 in Müllheim verschrottet.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Kirner: Die Lokalbah ausgemustert würden Müllheim – Badenweiler. Kenning, Nordhorn 2000, ISBN 3-933613-19-1.
  • Peter-Michael Mihailescu, Matthias Michalke: Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0413-6, S. 101–105.
  • Gerd Wolff, Hans-Dieter Menges: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 2: Baden. EK-Verlag, Freiburg 1992, ISBN 3-88255-653-6, S. 92–103.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reiner Schruft: Müllheim (Baden) – Badenweiler. In: vergessene-Bahnen.de. Abgerufen am 21. Mai 2007.
  • Deutsche Reichsbahn (Hrsg.): Deutsches Kursbuch. Jahresfahrplan 1944/1945. Tabelle 703f. 3. Juli 1944 (pkjs.de).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d G. Schacher: Die Localbahn Müllheim – Badenweiler. In: Strassenbahn Magazin. Nr. 5. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart Mai 1972, S. 69–73.
  2. Reiner Schruft: Müllheim (Baden) – Müllheim Stadt. In: vergessene-bahnen.de. Abgerufen am 3. August 2017.
  3. Reiner Schruft: Müllheim (Baden) Stadt – Badenweiler. In: vergessene-bahnen.de. Abgerufen am 3. August 2017.
  4. Albert Kuntzemüller: Die badischen Eisenbahnen 1840−1940. Selbstverlag der Geographischen Institute der Universitäten Freiburg i. Br. und Heidelberg, Freiburg im Breisgau 1940, S. 191.