Loki

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Dieser Artikel behandelt den nordischen Gott Loki. Zu anderen Bedeutungen von Loki siehe Loki (Begriffsklärung).
Abbildung von Loki mit einem Fischernetz aus der isländischen Eddahandschrift NKS 1867 4to von Ólafur Brynjúlfsson (1760)
Loki und Sigyn von Mårten Eskil Winge (1863).

Loki (auch Loptr, Hveðrungr) ist eine Figur aus der eddischen Dichtung des Snorri Sturluson. Die literarischen Quellen zur Figur des Loki sind neben der Prosa-Edda und der Lieder-Edda, darunter etwa die Lokasenna („Lokis Zankreden“), auch die Werke der Skaldendichtung. Loki gehört zu den Asengöttern, obwohl er der Sohn eines Jötunn, eines Riesen, ist. Er ist der vielseitigste aller Götter, aber auch der mit den negativsten Eigenschaften. Es gab weder einen Lokikult noch sind Ortsnamen in Skandinavien bekannt.

Etymologie des Namens Loki[Bearbeiten]

Die Bedeutung seines Namens ist ungesichert und ist wahrscheinlich eine Kurzform zu Loptr, was altnordisch „der Luftige“ oder „Luftgott“ bedeutet. Dieser Begriff ist jedoch eher im Sinne von „Luftikus“ zu verstehen. Vielleicht liegt auch das altnord. lúka zu Grunde, das „schließen“ bedeutet, was auf seine Rolle bei Ragnarök hinweist.[1] Loki darf nicht mit dem Feuerriesen Logi verwechselt werden.

Lokis Herkunft[Bearbeiten]

In der Snorra-Edda wird Loki, der hübsche und hinterlistige Sohn des Riesen Farbauti und der Laufey, auch Nal genannt. Seine Brüder sind Byleistr und Helblindi. Seine Frau ist Sigyn, seine Söhne sind Narfi (auch Nari) und Vali. Mit der Riesin Angrboda zeugte Loki die Totengöttin Hel, den Fenriswolf und die Midgardschlange. In der Gestalt einer Stute gebar er dem Hengst Svadilfari das achtbeinige Pferd Sleipnir, das er Odin schenkte.

Lokis Charakter[Bearbeiten]

Loki ist eine der vielschichtigsten Gestalten des nordischen Pantheons: Einerseits hilft er den Göttern, andererseits spielt er ihnen auch Streiche und betrügt sie. Dabei macht er von seiner Fähigkeit als Gestaltwandler Gebrauch und erscheint zum Beispiel in der Gestalt eines Lachses oder einer Fliege. Aufgrund dieser ambivalenten Rolle wird er häufig als Trickster-Figur interpretiert.[2][3] Es gibt viele Geschichten in der Edda, in der Loki eine Rolle spielt:

  • Loki, Thjazi und die Entführung Iduns
  • Loki und der Bau von Asgard
  • Loki und Thor
  • Loki und die Kleinode der Götter
  • Loki als Räuber des Brisingamens
  • Loki und Andvari
  • Loki und Balders Tod
  • Loki und Ragnarök

Lokis Bestrafung[Bearbeiten]

Lokis Strafe wird in der Lokasenna, einer kleinen mythologischen Erzählung aus der Gylfaginning (Edda), erzählt.

Endgültig zerbricht Lokis Verhältnis zu den Göttern in Asgard, nachdem er den Tod Balders absichtlich herbeigeführt hat. Zunächst flüchtet er auf einen Berg. Tagsüber verwandelt er sich in einen Lachs, der sich im Franangerfors, einem Wasserfall, aufhält. Den Asen gelingt es, Loki mit Hilfe eines von ihm selbst erfundenen Netzes in die Enge zu treiben, bis Thor ihn fangen kann. Sie bringen Loki und seine Söhne Narfi und Vali in eine Höhle. Die Götter verwandeln dort Vali in einen Wolf, der seinen Bruder Narfi zerreißt. Mit Narfis Gedärmen wird Loki an drei Felsen gefesselt. Die Göttin Skadi befestigt eine Giftschlange über Loki, aus deren Kiefer unablässig Gift auf ihn tropft, vor dem ihn seine Gattin Sigyn nur zeitweise mit einer Schale schützen kann, die sie über ihn hält. Jedes Mal, wenn sie die Schale leeren muss, tropft das Gift auf den hilflosen Loki, der sich vor Schmerzen so aufbäumt, dass die Erde bebt (Erklärung für Erdbeben). Mit dem Beginn von Ragnarök kann Loki sich aus seinen Fesseln befreien und kämpft im Verbund mit den Riesen gegen die Götter. Loki stirbt im Zweikampf mit Heimdall, einem Wächtergott.[4]

Verbreitung in der Wikingerzeit[Bearbeiten]

Der Gott war allgemein wenig beliebt; man benannte seine Kinder nicht nach ihm. Wikingerzeitliche Darstellungen sind entsprechend selten. Eine wurde als Anhänger im Gnesdowo-Hort in Russland gefunden, eine andere auf dem Snaptunstein. Ob die Abbildung auf dem Gosforth-Kreuz in der Grafschaft Cumbria, ehemals Northumberland (Großbritannien), aus dem 9. oder 10. Jahrhundert wirklich Sigyn und den gefesselten Loki darstellt, ist nicht gesichert.[5]

Richard Wagners Loki[Bearbeiten]

In Richard Wagners Ring des Nibelungen taucht die Figur des Loki als Loge auf. Dies geht auf eine Verwechslung Wagners mit dem Riesen Logi (deutsch „Lohe, Flamme“) zurück, der ein Feind Lokis war. Dies wird in der Erzählung von Thor und Utgardaloki berichtet.

Snaptunstein
Der gefesselte Loki und seine Frau Sigyn. Detail eines angelsächsischen Steinkreuzs aus dem 9./10. Jahrhundert, Gosforth (Cumbria).

Literatur[Bearbeiten]

  • Yvonne S. Bonnetain: Der nordgermanische Gott Loki aus literaturwissenschaftlicher Perspektive. In: Göppinger Arbeiten zur Germanistik Nr. 733, Göppingen 2006, ISBN 3-87452-985-1, (zugleich Dissertation an der Universität Tübingen 2005).
  • Georges Dumézil: Loki. (Französischer Originaltitel: Loki, übersetzt von Inge Köck), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1959, (ohne ISBN).
  • Anders Hultgård: Loki. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Band 18. de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 3-11-016950-9, S. 583–595.
  • John Lindow: Norse Mythology. A guide to the Gods, Heroes, Rituals, and Believes. Oxford University Press 2001, ISBN 0-19-515382-0.
  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X. (mit weiterer Literatur)
  • Folke Ström: Loki: Ein mythologisches Problem. In: Göteborgs Universitet: Göteborgs Universitets årsskrift. Vol. 62,8. Almquist & Wiksell, Stockholm 1956 (ohne ISBN).
  • Gabriel Turville-Petre: Myth and religion of the North. The Religion of Ancient Scandinavia. Weidenfeld & Nicholson, London 1964 [Reprint Westport 1975], ISBN 0-8371-7420-1.
  • Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. Band 2. 3. unveränderte Auflage. de Gruyter, Berlin/New York 1970, ISBN 978-3-11-085519-7. (Reprint 2010)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Loki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. M. Sturtevant: Etymol. Comments upon Certain Old Norse Proper Names in the Edda. PMLA 67. 1952
  2. Ulf Drobin: Myth and epical motifs in the Loki-Research. In: Tenemos 3, 1968. S. 19-39.
  3. Siegfried Mandel: The laughter of nordic and Celtic-Irish tricksters. In: Fabula 23, 2009. S. 35–47.
  4. Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Stuttgart 1986
  5. Jan de Vries: The Problem of Loki. Helsinki 1933