Lotte Pulewka

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Lotte Pulewka (eigentlich Charlotte Pulewka; * 16. Juli 1893 in Elbing, Westpreußen; † 6. November 1966 in Potsdam) war eine deutsche Sozialistin, die im Zuge des Januaraufstands 1919 in Berlin Wilhelm Pieck zur Flucht verhalf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pulewka war die Tochter eines Apothekers und die Schwester des Pharmakologen und Professors Paul Pulewka. Von 1900 bis 1910 besuchte sie das Lyzeum in Elbing, von 1911 bis 1914 studierte sie an den Lehrerseminaren in Königsberg und Potsdam. Durch einen Vetter bekam sie Kontakt zu Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). 1913 legte sie die Prüfung als Gewerbeschullehrerin ab, 1914 wurde sie Mitglied der SPD. Ab 1915 arbeitete sie als Lehrerin im Städtischen Fortbildungswesen in Berlin. Dort lernte sie Hermann Duncker und dessen Frau Käte Duncker kennen, ab 1916 arbeitete sie mit diesen illegal beim Jung-Spartakusbund mit. 1918 beteiligte sie sich aktiv an der Novemberrevolution und wurde ein Jahr später Mitglied in der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). 1919 verhalf sie Wilhelm Pieck zur Flucht aus dem Reichsmilitärgericht. Im selben Jahr wurde sie verhaftet und fristlos aus dem Schuldienst entlassen.

In der Sowjetunion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1921/22 lebte sie im Haushalt der Familie Duncker in Siebleben bei Gotha und unterrichtete deren Kinder. Sie erhielt 1922 von der KPD den Auftrag, in die Sowjetunion zu emigrieren, um dort die Leitung der Kinderkolonie „Karl Liebknecht - Rosa Luxemburg“ bei Tscheljabinsk für die Internationale Arbeiterhilfe (IAH) zu übernehmen. 1924 arbeitete sie als Hauswirtschafterin auf einem Gut der IAH. Von 1925 bis 1927 war sie Mitglied einer landwirtschaftlichen Kommune bei Kurgan in Sibirien. Zwischen 1927 und 1931 arbeitete sie als Deutschlehrerin in Alma Ata und von 1931 bis 1932 leitete sie die Abteilung für Annahme, Entlassung und Verteilung der Arbeitskräfte des großen Staatsgutes „Kok-cu“ im Altai-Gebirge.

An der Hochschule der Gewerkschaftsbewegung beim Zentralgewerkschaftsrat in Moskau gab sie von 1932 bis 1936 Deutschunterricht, ebenso von 1937 bis 1941 an einer Moskauer Mittelschule. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg wurde sie 1941 in den Norden Kasachstans nahe Qaraghandy zwangsevakuiert, wo sie in der Kollektivwirtschaft "Neues Sein" arbeitete.

In der SBZ/DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1946 übersiedelte Lotte Pulewka in die SBZ nach Potsdam, wo sie zunächst beim Provinzialverband der KPD Brandenburg, nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD bei der SED-Landesleitung und schließlich bei der SED-Bezirksleitung Brandenburg als Übersetzerin arbeitete. Später wurde sie Bibliothekarin bei der SED-Bezirksleitung Potsdam. 1958 wurde sie Mitglied der Bezirksleitung der Pionierorganisation Ernst Thälmann.

Lotte Pulewka starb am 6. November 1966. Ihre Urne wurde im "Ehrenhain für verdiente Sozialisten" auf dem Neuen Friedhof in Potsdam beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pulewka war Trägerin des Vaterländischen Verdienstordens der Stufe Silber.[1] In den brandenburgischen Gemeinden Geltow (1967) und Cottbus (1970) wurden zwei Kinderheime sowie in Potsdam (1976) die 41. Oberschule nach ihr benannt. Seit 1973 gibt es im damals neu entstandenen Potsdamer Stadtteil Zentrum-Ost eine Straße, die ihren Namen trägt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kreiskomitee Potsdam der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR (Hrsg.): "...besonders jetzt tu deine Pflicht!" - Kurze biographische Darstellungen über antifaschistische Widerstandskämpfer, die in der Stadt und Kreis Potsdam lebten und wirkten, Potsdam, 1988.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]