Lucio Urtubia

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Lucio Urtubia in Berlin 2010

Lucio Urtubia (* 18. Februar 1931 in Cascante, Navarra, Spanien) ist Maurer und Anarchist. Er wurde bekannt durch direkte Aktionen der individuellen Expropriation mittels Aktionen wie Raub, Bankraub oder Fälschungen.

Urtubia wurde in einer armen Familie mit fünf Geschwistern im carlistischen Navarra geboren. Sein Vater kam als Carlist ins Gefängnis und als Kommunist heraus. Als Neunzehnjähriger hörte Urtubia den Satz: „Wenn ich neu anfangen könnte, würde ich Anarchist.“ Im Wehrdienst entdeckte er bald Schmuggelgelegenheiten an der spanisch-französischen Grenze. Gemeinschaftlich mit anderen raubte er ein Geschäft aus. Entdeckt, desertierte er und floh 1954 nach Frankreich, weil ihm die Todesstrafe drohte. In Paris begann er als Maurer zu arbeiten. Dort kam er in Kontakt mit Jugendlichen der Anarchistischen Föderation und später mit Größen wie André Breton oder Albert Camus. Bald wurde er gebeten, einen antifranquistischen Maquis bei sich zu verstecken, es war der legendäre Quico Sabaté. Mehrere Jahre, bis zu dessen Tod, lebten sie zusammen.

Durch El Quico ergaben sich Kontakte zu Anarchosyndikalisten der Confederación Nacional del Trabajo (CNT) in ganz Frankreich. Sabaté versorgte Familien und Libertäre im Exil in Toulouse, Perpignan, Paris wie auch verbliebene aktive Mitglieder der ehemaligen spanischen CNT in Barcelona, Zaragoza, Madrid und Pamplona. Lucio fing nach der Festnahme und Inhaftierung von Quico an, seine Einfälle in spanisches Hoheitsgebiet auszudehnen. Schließlich verübte er eine Serie von Raubüberfällen und Überfällen in Europa, um die Mittel für die revolutionäre Sache zu erhöhen, begleitet von einer Thompson-Maschinenpistole, Hinterlassenschaft aus dem Erbe Sabatés. Später ließ er davon ab aus Angst, Mitarbeiter der Banken zu verletzen.

Er hatte auch begonnen, sich als Fälscher zu betätigen, so dass Guerilla oder politischen Exilanten, die keine Dokumente hatten, aus seinen Händen versorgt wurden. Er schloss sich mit anderen Libertären in den 60er Jahren zusammen bei Geldfälschungen, mit dem Ziel, Volkswirtschaften zu destabilisieren. Als der Botschafter Kubas in Frankreich, Rosa Simeon, nach der Invasion in der Schweinebucht vorschlug, US-Interessen in Frankreich in die Luft zu sprengen, lehnte er dies ab. Allerdings wurde der Vorschlag geprüft, massive Fälschungen von US-Dollar vorzunehmen. Dies wurde jedoch durch Che Guevara, im Jahr 1962 kubanischer Industrieminister, abgelehnt.

Sein Meisterstück, das sein Leben veränderte, waren gefälschte Schecks der Citibank, deren Erlös, wie immer, verwendet wurde zur Unterstützung von Guerilla-Bewegungen in Lateinamerika (Tupamaros, Montoneros etc.) und Europa. Trotz der spektakulären Natur der Geldfälschung wurde er, überführt und verhaftet, nur zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, dank der Hilfe fortschrittlicher Juristen in Frankreich und eines Eingeständnisses der Citibank, die gezwungen wurde, kostenträchtig ihre Druckplatten zu ändern.

Sein Leben war ein durchgehendes Abenteuer: fünf internationale Haftbefehle, mit der CIA die Entführung des Nazis Klaus Barbie in Bolivien vorbereitet, bei der Flucht eines Black-Panther-Führers mitgewirkt, beteiligt an der Entführung von Javier Ruperez, vermittelt im Fall Albert Boadella; er sympathisierte mit den Autonomen-Gruppen des Movimiento Ibérico de Liberación und den Groupes d'action révolutionnaire internationalistes (Gari), vor allem mit einem seiner Mitglieder, dem Franzosen Jean-Marc Rouillan ...

Er verteidigte stets die Arbeit: „Wir sind Maurer, Maler, Elektriker, wir brauchen den Staat nicht, für nichts.“ Derzeit lebt er in Paris und setzt seine Arbeit als Maurer fort.

2007 wurde im Baskenland der 93-minütige Dokumentarfilm Lucio von Jose Mari Goenaga und Aitor Arreg gedreht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lucio Urtubia: Baustelle Revolution. Erinnerungen eines Anarchisten. Assoziation A, 2010. ISBN 978-3-935936-84-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lucio Urtubia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien