Ludolph von Beckedorff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Georg Philipp Ludolph Beckedorff (ab 1840 von Beckedorff,[1] auch Georg Philipp Ludwig von Beckedorff;[2] * 14. April 1778 in Hannover; † 27. Februar 1858 auf Grünhof, Kreis Regenwalde) war ein preußischer konservativer Publizist, Pädagoge, Ministerialbeamter und Gutsbesitzer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beckedorff wurde als Sohn eines Schreibers in einfachen Verhältnisse geboren. Nach dem Studium der Theologie und Medizin an den Universitäten Jena und Göttingen und der Promotion 1799 arbeitete er als Arzt. In Berlin trat er in die Deutsche Tischgesellschaft ein, vor der er am 18. Juni 1811 eine Abschiedsrede hielt, in der er offen antisemitisch auftrat: „Wir führen Krieg gegen die Juden, gegen ein Gezücht, welches mit wunderbarer Frechheit ... sich in den Staat, in die Wissenschaft, in die Kunst, in die Gesellschaft ... einzuschleichen, einzudrängen und einzuwängen bemüht ist.“ Er forderte die Verbannung der Juden.[3] Von 1811 bis 1818 war er Erzieher des Erbprinzen von Anhalt-Bernburg, Alexander Carl, in Ballenstedt.

Bekannt wurde er als Publizist durch seinen „Aufruf an die deutsche Jugend über der Leiche des ermordeten Kotzebue 1819. Zum Süvernschen Schulgesetzentwurf von 1819 verfasste er 1821 eine Gegenschrift. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. berief ihn zum Aufseher über die öffentliche Volksschule im Kultusministerium. Er war der konservative Gegenspieler zu den liberalen Schulreformern in der Nachfolge Wilhelm von Humboldts, denen er vorwarf, zu sehr den Gleichheitsgrundsatz in der Bildung zu befolgen. Stattdessen beharrte er auf der unterschiedlichen Bildung der sozialen Schichten und Berufsstände und wurde so zum Ahnherrn des gegliederten Schulwesens und der volkstümlichen Volksschule mit konfessioneller Prägung. Der staatliche Erziehungsauftrag habe seine Grenzen an den Rechten der Kirchen und am Erziehungsrecht der Eltern. Auch sei die Verschiedenheit der Provinzen zu beachten, die in Preußen von der Rheinprovinz bis zu den östlichen Provinzen zu sehr unterschiedlichem Schulbesuch führte. 1825 wurde er Regierungsbevollmächtigter bei der Universität Berlin.

Seine konservativen Neigungen bewirkten seine Konversion zum Katholizismus 1827. Deshalb musste er die öffentlichen Ämter in Berlin aufgeben und erwarb das Landgut Grünhof im Kreis Regenwalde in Pommern, auf das er sich zurückzog.

Der Geheime Oberregierungsrat und Ritter des Guelphen-Ordens[2] wurde 1840 durch den neuen König Friedrich Wilhelm IV. rehabilitiert und in den Adelsstand erhoben. Der König ernannte ihn 1842 zum Präsidenten des neuen preußischen Landesökonomiekollegiums. Beckedorff schuf in Grünhof ein Zentrum des Katholizismus in Pommern. Im Februar 1849 wurde er für den Wahlkreis Münster in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt.[4]

Beckedorffs Sohn Friedrich von Beckedorff (* 1818; † 1893) wurde Offizier in der preußischen Armee und stieg bis zum Generalleutnant auf.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allen Dingen aber, möchte der Geist, welcher der niederen arbeitenden Klassen sich bemeistert, und die täglich wachsende Ausartung des Gesindeverhältnisses sehr wenig zur Empfehlung einer Erziehungsweise beitragen, welche von dem Grundsatz einer gleichartigen, allgemeinen menschlichen Ausbildung der gesamten Nation ausgeht, und denselben sogar zwangsweise in Anwendung bringen soll, dadurch aber unfehlbar nur eine Gleichheit der Forderungen und Ansprüche hervorbringen und jene unentbehrlichen Unterordnungen in den geselligen Verhältnissen, ohne welche keine menschliche Vereinigung bestehen kann, in höchstem Grade erschweren und verwirren, ja endlich aufheben und zerstören müsste.[5]
Die Schule soll Gott und seinen Willen kennen, und soviel wie möglich lieben, ehren und gehorchen lernen.[6]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • An die deutsche Jugend. Ueber der Leiche des ermordeten August von Kotzebue. Hannover 1819 (urn:nbn:de:bvb:12-bsb00048264-7).
  • Jahrbücher des Preußischen Volksschulwesens. Berlin 1825–1829.
  • Die katholische Wahrheit, Worte des Friedens. 4 Bände. 1840–1846.
  • Gesammelte landwirthschaftliche Schriften. 2 Bände. Berlin 1849–1851.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franzjörg Baumgart: Zwischen Reform und Reaktion, Preußische Schulpolitik 1806–1859. Darmstadt 1990, S. 92 ff.
  • Hans Brunnengräber: Ludolph von Beckedorff: ein Volksschulpädagoge des 19. Jahrhunderts. Düsseldorf 1929.
  • Wolfgang Knauft: Ludolph von Beckedorff. Preußischer Politiker, Gutsherr in Hinterpommern und Brückenbauer zwischen den Konfessionen. In: Wichmann-Jahrbuch des Diözesangeschichtsvereins Berlin 58/59 (2018/2019) N.F. 15, S. 191–220.
  • Fritz Fischer: Beckedorff, Georg Philipp Ludolph von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 709 (Digitalisat).
  • Adolf Meyer: Ludolph von Beckedorff (1778–1858). In: Hans Scheuerl (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik I. 2. Aufl. 1991, S. 270–282.
  • Emil Julius Hugo SteffenhagenBeckedorff, Ludolph von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 219 f.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Emil Julius Hugo SteffenhagenBeckedorff, Ludolph von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 219 f.
  2. a b Beckedorff, Herr von. In: Neues Preussisches Adels-Lexicon oder genealogische und diplomatische Nachrichten von den in der preussischen Monarchie ansässigen oder zu derselben in Beziehung stehenden fürstlichen, gräflichen, freiherrlichen und adeligen Häusern, mit der Angabe ihrer Abstammung, ihres Besitzthums, ihres Wappens und der aus ihnen hervorgegangenen Civil- und Militärpersonen, Helden, Gelehrten und Künstler; bearbeitet von einem Vereine von Gelehrten und Freunden der vaterländischen Geschichte unter dem Vorstande des Freiherrn L. v. Zedlitz-Neukirch, zweites Supplement zur ersten und zweiten Ausgabe. Berichtigungen und Nachträge seit 1839 enthaltend. Nebst einem Anhange über den Stand der Dom-Collegiat- und Fräulein-Stifte, so wie über Standes-Erhöhungen und Ordens-Verleihungen der neuesten Zeit. Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1843, S. 6–7; Digitalisat über Google-Bücher
  3. Theodore Ziolkowski: Berlin. Aufstieg einer Kulturmetropole um 1810, Stuttgart 2002, S. 236f
  4. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern. Teil II, Band 7. Berlin und Wriezen 1874, S. 725 (Online).
  5. zitiert nach Herwig Blankertz: Die Geschichte der Pädagogik. Wetzlar 1992, S. 134.
  6. Zit. n. Baumgart: Zwischen Reform und Reaktion. S. 96.