Ludwig Auer

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Denkmal für Ludwig Auer in Donauwörth
Die Gedenktafel vor dem Denkmal

Ludwig Auer, genannt Onkel Ludwig, (* 11. April 1839 in Laaber in der Oberpfalz; † 28. Dezember 1914 in Donauwörth) war ein deutscher christlicher Bildungsreformer, Volksschullehrer, Schriftsteller, Verleger und Unternehmer.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Auer war der Sohn eines Dorfschullehrers. Vom 6. bis zum 12. Lebensjahr besuchte er die Volksschule seines Vaters. Bereits im Alter von 16 Jahren versorgte Ludwig Auer kommissarisch die unbesetzte Schulstelle in Nittendorf. Von 1855 bis 1857 absolvierte er das Schullehrerseminar in Eichstätt. Für kurze Zeit unterrichtete der junge Lehrer an der Volksschule seines Heimatortes 200 Kinder. Ludwig Auer kehrte 1858 als Seminarhilfslehrer an sein geliebtes Seminar nach Eichstätt zurück. Dort unterrichtete er für vier Jahre an der Seminar-Musterschule und widmete sich psychologischen und naturwissenschaftlichen Studien. 1864 wechselte Ludwig Auer auf die Schulstelle in dem kleinen und abgelegenen Dorf Schnufenhofen (Ortsteil von Seubersdorf). Dort reifte in ihm der Plan, einen katholisch-pädagogischen Verein zur Hebung und Verbesserung der Erziehung und der Bildung des Volkes ins Leben zu rufen. Dazu erließ er in 30 Zeitschriften und in der Bayerischen Schulzeitung folgenden Aufruf:

Aufruf an alle katholischen Lehrer, an Geistliche und Familienväter: Wer, wie der Unterzeichnete -, eine engere Verbindung der katholischen Lehrer und Schulfreunde wünscht, ... wende sich vorläufig mit seinen Ansichten und Ratschlägen für fernere Schritte gefälligst brieflich an Ludwig Auer, Schullehrer in Schnufenhofen, Kgl. Bezirksamt Beilngries, Post Daßwang

– Pädagogische Stiftung Cassianeum 1990, S. 8

Wenige Monate später, am 1. Juli 1867, konstituierte sich in Berching der Katholisch-pädagogische Verein in Bayern, der 1872 in „Katholischer Erziehungsverein in Bayern“ umbenannt wurde. Als Vereinsorgan diente die von ihm erworbene Bayerische Schulzeitung, die sich fortan Katholische Schulzeitung nannte. Für die Fachzeitschrift schrieb Auer viele Beiträge. Als Beilage zur Katholischen 'Schulzeitung gründete er die Monika. Wochenschrift zur Verbesserung der Familienerziehung (1869), ein Jahr später kam noch das Literaturblatt hinzu.

1869 bat er um Entlassung aus dem Schuldienst, da er nur noch für seinen Verein arbeiten wollte. Ludwig Auer übersiedelte zuerst nach Stadtamhof, dann nach Regensburg, schließlich, im Oktober 1872, nach Neuburg an der Donau, wo er auf seinen Namen ein Haus für den Verein erwarb sowie eine Druckerei eröffnete. Am 4. Juni 1875 erfolgte in Neuburg die feierliche Eröffnung des Cassianeums, das bereits im Dezember desselben Jahres nach Donauwörth übersiedelte und heute noch als Internat existiert.[1]

Das Cassianeum war eine vielumfassende Institution, die sich in folgende drei Abteilungen gliederte:

  • eine wissenschaftliche Abteilung,
  • eine praktische Abteilung und
  • eine Geschäftsabteilung.

Zur Förderung der Ziele des Cassianeums und zur finanziellen Absicherung gründete man

  • eine Buchdruckerei,
  • eine Verlagshandlung,
  • eine Antiquariatshandlung.

Von Anfang an war das Cassianeum so angelegt, dass auch Kinder und die (reifere) Jugend durch sorgfältig ausgewählte Literatur belehrt, angeregt und unterhalten werden sollten. Onkel Ludwig selbst verfasste einige Jugendbücher sowie Volks- und Jugenderzählungen, die vor allem in den von ihm herausgegebenen Kinder- und Jugendzeitschriften erschienen. Als Beispiel dafür sei die Kinderzeitschrift Der Schutzengel. Ein Freund, Lehrer und Führer der Kinder genannt. Diese christlich ausgerichtete Kinderzeitschrift erwies sich als durchschlagender Erfolg. Sie erschien bis zum Jahre 1973, zuletzt unter den Titeln Freund der Kinder bzw. Freund der Jugend.

Bald zählte das Cassianeum zu den größten Arbeitgebern Donauwörths – im Jahre 1900 zählte es bereits 2000 Beschäftigte (darunter Redakteure, Präfekt, Lehrer, Buchhändler, Packer, Drucker, Buchbinder und Expediteure).

1910 überführte Ludwig Auer seine Institution, die sein Privateigentum war, in die Rechtsform einer Stiftung: Pädagogische Stiftung Cassianeum. Nach Ludwig Auers Tod übernahmen seine beiden ältesten Söhne die Leitung der Stiftung.

In Donauwörth trägt die Mittelschule seinen Namen. Ferner erinnern eine Straße, ein Denkmal und eine Parkanlage an Ludwig Auer.

Zeitschriften des Cassianeums (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholische Schulzeitung (gegr. 1868)
  • Monika. Wochenblatte zur Verbesserung der häuslichen Erziehung (gegr. 1869)
  • Aus Vergangenheit und Gegenwart (gegr. 1872, wurde 1874 vom Verlag übernommen)
  • Schutzengel. Ein Freund, Lehrer und Führer der Kinder (gegr. 1875)
  • Ambrosius. Zeitschrift für die Vorstände der christlichen Männervereine und für den Seelsorgeklerus (gegr. 1876)
  • Notburga. Zeitschrift für Dienstboten (gegr. 1877)
  • Raphael (gegr. 1879)
  • Ehrenpreis für Gott, König und Vaterland (gegr. 1880)
  • Echo der Annalen Unserer Lieben Frau von Lourdes (gegr. 1881)
  • Kneipp-Blätter (gegr. 1891)
  • Blätter der Anstaltspädagogik (gegr. 1911)

Werke als (Jugend-) Schriftsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Maria von Brabant (1897, fünfaktiges Trauerspiel)
  • Klaus der Knecht (1886)
  • Franzi die Hauserin (1885)
  • Schwäbische Volksmärchen (1886)
  • Lustig in Ehren (1887)
  • Der Schul-Ludwig (1887)
  • Der Besentoni von Birkenfeld (1890)
  • Aus der Kinderwelt. Ein Bilderbüchlein (1890)
  • Joseph Schoderer, Kaufmann und Weinhändler in Donauwörth (1904)

Denkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Münchener Bildhauer Eugen Mayer-Faßold schuf für Donauwörth das „Onkel-Ludwig“-Denkmal. Die Einweihung erfolgte anlässlich des 50-jährigen Gründungsfestes am 4. Juni 1925.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Kautz: Auer, Ludwig. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 431 (Digitalisat).
  • Pädagogische Stiftung Cassianeum: Ludwig Auer zum 150. Geburtstag. Donauwörth 1990.
  • Christiane Schloms: Ludwig Auer. Ein christlicher Bildungsreformer am Ende des 19. Jahrhunderts. Donauwörth 1994.
  • Pädagogische Stiftung Cassianeum: 1875–2000. 125 Jahre Auer. Donauwörth 2000.
  • Manfred Berger: Auer Verlag, Donauwörth. In: Kurt Franz, Günter Lange, Franz-Josef Payrhuber (Hrsg.): Kinder- und Jugendliteratur. Ein Lexikon. Meitingen 1995–2009, 22. Ergänzungs-Lieferung Oktober 2004, S. 1–13.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Internat Heilig Kreuz