Lutherkirche (Leipzig)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lutherkirche (2009)

Die Lutherkirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche am Johannapark im Leipziger Bachviertel. Sie ist Teil des Bildungscampus Forum Thomanum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1883 initiierte Oskar Pank von der Nikolaikirche, nachmaliger Pastor an der Lutherkirche, einen Kirchenbauverein, dem sich Stadthonoratioren anschlossen und der auch die Lutherkirche hervorbrachte. Sie war die erste Neugründung einer evangelischen Kirche seit dem 16. Jahrhundert in „Alt-Leipzig“ und wurde nach der Grundsteinlegung 1883 ab 1884 am nordwestlichen Ende des Johannaparkes erbaut. Der Entwurf stammte von Julius Zeißig, die Bauführung oblag Gustav Mucke. Insgesamt wurden für den Bau 225.000 Mark aufgewendet. Die Anglo-amerikanische Kirche sollte ursprünglich am Johannapark entstehen, tauschte dann aber mit der Lutherkirche den Platz und wurde zeitgleich an der Ecke Sebastian-Bach-Straße/Schreberstraße errichtet. Im April 1886 wurde die Kirche in der heutigen Ferdinand-Lassalle-Straße geweiht und anlässlich des 400. Geburtstages nach dem Reformator Martin Luther benannt.

Ein Brand von 1888 verschonte die wesentlichen Teile der Kirche. Im November 1888 erfolgte die Wiederweihe. Ein Jahr später wurde die Luthergemeinde aus der Thomasgemeinde (Thomaskirche) gegründet, Alfred Jeremias wurde ihr erster Pfarrer. Durch die alliierten Luftangriffe auf Leipzig im Dezember 1944 wurde das Dach beschädigt und die farbigen Kirchenfenster wurden zerstört. 1945 wurde die Kirche dann schützend mit einem Wellblech eingedeckt. 1955/56 wurde ein neuer hölzerner Dachstuhl realisiert. Nach der Sprengung der Paulinerkirche 1968 hielt die katholische Probstgemeinde in der Lutherkirche Gottesdienste ab. 1973 erhielt die Kirche bei gleichzeitigem Abriss des Behr-Altars einen neuen Tischaltar. 1977 wurden die Treppenhäuser zur Empore vermauert, außerdem wurden die Flächen an Wand und Gewölbe mit weißer Farbe versehen. 1990/91 wurde das Dach neu eingedeckt.

Im Jahre 2002 wurde die Luthergemeinde mit der Kirchgemeinde St. Thomas–Matthäi zur Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde St. Thomas zusammengelegt. Die Lutherkirche, die 900 Sitzplätze im Kirchenschiff und auf den seitlichen Emporen sowie Platz für 80 Sänger auf der Chorempore bietet, wird für Sondergottesdienste, Taufen und Trauungen sowie Konzerte genutzt. Auch die griechisch-orthodoxe Gemeinde Heiliger Georg nutzt die Kirche für ihre Gottesdienste.[1] Die Lutherkirche wird bis 2017 durch das Architekturbüro Weis & Volkmann als Teil des Campus Forum Thomanum – der Beschluss stammt aus dem Jahr 2002 – als multifunktionaler Raum umgestaltet, damit sie dann auch als Schulaula, Aufführungs- und Aufnahmeraum genutzt werden kann.

Historische Ansichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kanzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kanzel, Lutherkirche (2011)

Die Kanzel am rechten Chorbogen ist aus dunkel gebeiztem Eichenholz und wurde 1886 durch den Bildhauer Franz Schneider im neugotischen Stil angefertigt. Halt hat der Kanzelkorb durch Bündelpfeiler. In den Feldern der Kanzelbrüstung wurden Holzschnitt-Medaillons der vier Evangelisten mit den dazugehörigen Symbolen Stier, Löwe, Mensch und Adler dargestellt.

Taufstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das sechseckige Taufbecken von 1886 ist aus Sandstein und Rochlitzer Porphyr. Es ist 95 cm hoch und hat einen Durchmesser von 67 cm.

Altarbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das signierte Altarbild des niederländischen Historien- und Landschaftsmalers James Marshall (1889), eine verkleinerte Kopie des Abendmahls von Leonardo da Vinci, hängt seit 1973 auf der Stirnwand des Chores. Es ist 1,22 m hoch und 2,39 m breit.

Kreutzbach-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lutherkirche wurde 1886 auf der W-Empore mit einer Kreutzbach-Orgel ausgestattet, die 28 Register auf pneumatisch traktierten Schleifladen bekam. Ein Brand beschädigte die Orgel 1888, dennoch wurde sie unter Verlegung des Spieltisches wiederaufgebaut.

I Manual
1. Bordun 16′
2. Prinzipal 8′
3. Gambe 8′
4. Hohlflöte 8′
5. Rohrflöte 8′
6. Quintatön 8′
7. Oktave 4′
8. Rohrflöte 8′
9. Rauschquinte II
10. Cornett IV
11. Mixtur IV
II Manual
12. Lieblich Gedackt 16′
13. Prinzipal 8′
14. Gedackt 8′
15. Flauto amabile 8′
16. Salizional 8′
17. Aeoline 8′
18. Oktave 4′
19. Flauto traverso 4′
20. (Progressio) Harmonica III
Pedal
21. Prinzipalbaß 16′
22. Violonbaß 16′
23. Subbaß 16′
24. Oktavbaß 8′
25. Gedacktbaß 8′
26. Oktavbaß 4′
27. Posaune 16′

Die Firma Hermann Eule Orgelbau Bautzen nahm 1936 folgende Umdisponierung vor; 2000 wurde die Orgel restauriert.

I Manual
1. Bordun 16′
2. Prinzipal 8′
3. Rohrflöte 8′
4. Quintatön 8′
5. Oktave 4′
6. Holzflöte 4′
7. Quinte 223
8. Oktave 2′
9. Blockflöte 2′
10. Cornett II-IV
11. Mixtur IV
12. Trompete 8′
II Manual
13. Quintadena 16′
14. Holzprinzipal 8′
15. Gedackt 8′
16. Rohrflöte 4′
17. Spitzflöte 2′
18. Sifflöte 1′
19. Sesquialtar II
20. Zimbel II
Pedal
21. Prinzipalbaß 16′
22. Subbaß 16′
23. Oktavbaß 8′
24. Gedacktbaß 8′
25. Oktavbaß 4′
26. Prinzipal 2′
27. Posaune 16′
28. Krummhorn 8′

Reliefplatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 450. Geburtstag Luthers (1933) stiftete die Leipziger Kunstgewerbeschule eine rechteckige Reliefplatte aus Kunststein, die an der Stirnwand des Schiffes angebracht ist. Sie ist 1,90 m hoch und 90 cm breit. Die Platte trägt eine Inschrift.

Glocke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist mit einer bronzenen Kirchenglocke der Firma G. A. Jauck ausgestattet, die eine Inschrift aus dem Psalm 118 trägt.

Äußeres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Portal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Typanon, Lutherkirche (2008)

Die Lutherkirche ist im Stile der Neugotik als gewölbter Verblendziegelbau mit kreuzförmigem Grundriss realisiert worden. Sie ist über ein Stufenportal betretbar und besitzt einen 65 m hohen Kirchturm auf der Nordseite. Im Tympanon unterhalb des Giebels mit Lutherrose befindet sich ein Mosaik der Firma Villeroy & Boch mit dem Gotteslamm samt Siegesfähnlein und Buch des Lebens. Auf zwei Konsolen sind die Apostelstatuen von Petrus und Paulus zu sehen, die im Original durch den Dresdner Bildhauer Hermann Christian Möller geschaffen wurden.

Seyfferth-Grabmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Rückseite des Gotteshauses befindet sich die Grabstätte der Familie Wilhelm Seyfferth von 1838. Seyfferth war Stifter des Johannaparks und benannte diesen nach seiner Tochter. Seine Gebeine wurden 1927 vom Alten Johannesfriedhof in die Kirche überführt. Die verwitterte Grabplatte trägt die Inschrift: DER FAMILIE SEYFFERTH MDCCCXXXVIII.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Gretzschel, Hartmut Mai: Kirchen in Leipzig, Schriften des Leipziger Geschichtsvereins N.F./Bd. 2, Sax-Verlag, Beucha 1993, S. 28 f.
  • Hartmut Mai unter Beteiligung von Matthias Gretzschel (Bearb.): Lutherkirche, in: Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmäler von Sachsen, Teil Stadt Leipzig, Deutscher Kunstverlag, München 1995, S. 719–728.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen II, Deutscher Kunstverlag, Berlin 1998, S. 542.
  • Wolfgang Hocquél: Leipzig: Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart, Passage-Verlag, 2. Aufl., Leipzig 2004, S. 215 f.
  • Vera Denzer/Andreas Dix/Haik Thomas Porada (Hrsgg.): Leipzig: eine landeskundliche Bestandsaufnahme, Landschaften in Deutschland Bd. 78, Böhlau, Köln 2015, S. 185–187.

Weblinks und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lutherkirche (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Leipzig: Griechisch-Orthodoxe Gemeinde „Heiliger Georg“, in: http://www.leipzig.de/detailansicht-adresse/griechisch-orthodoxe-gemeinde-heiliger-georg/, Stand: 7. September 2014

Koordinaten: 51° 20′ 10″ N, 12° 21′ 47″ O