Rochlitzer Porphyr

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Rochlitzer Porphyr
Haupteigenschaften
Gruppe Vulkanit
Untergruppe Vulkanit (Rhyolith-Tuff)
Vorkommen Deutschland, Sachsen, Rochlitz
Farbe lichtrot, hellbraun-rötlich
Verwendung Werkstein, Fassadenbekleidung, Bodenbeläge

Handelsnamen z. T. Rochlitzer Porphyrtuff
Abbaussituation aktueller Abbau
Einteilung in Hart- und Weichgestein Weichgestein
Alter Rotliegend
Referenzbeispiel Kunigundenkirche in Rochlitz, Basilika in Wechselburg
Besondere Kennzeichen partiell gelbrote bis ziegelrote Bänderung
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Grab von Dedo V. dem Feisten und seiner Frau im Kloster Wechselburg

Der Rochlitzer Porphyr, auch Rochlitzer Porphyrtuff, ist ein vulkanisches Gestein, das nach moderner petrographischer Nomenklatur als rhyolithischer Tuff bezeichnet wird. Nach seiner Genese handelt es sich um einen Ignimbrit, d. h. um die Ablagerungen eines pyroklastischen Dichtestromes. Der Rochlitzer Porphyr wird am Rochlitzer Berg und in einem kleineren Steinbruch auf der Pappelhöhe bei Rochlitz in Sachsen seit vielen Jahrhunderten als Naturwerkstein abgebaut und ist dadurch mit seinem petrographisch irreführenden Namen weit über seine Region bekannt geworden. Zahlreiche kunsthistorisch bedeutsame Bauwerke sind aus Rochlitzer Porphyr errichtet worden.

Gesteinsbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um ein rotes, rotviolettes, braunes, graugelbes Gestein. Oft ist es von unregelmäßigen Klüften durchzogen. Ferner finden sich Schieferfragmente und Sandkörner aus Schichten vom unteren Perm. Der Rochlitzer Porphyr ist ein sehr poröses Gestein und von zahlreichen Einschlüssen wie rundlichen Quarzen und Feldspaten gekennzeichnet. Die Lagerstätte durchziehen zahlreiche gelbliche Bänder.

Die korrekte petrographische Bezeichnung ist (vulkanischer) Tuff, denn das Vorkommen bildete sich als Ablagerung von pyroklastischen Dichteströmen. Das Gestein ist dick gebankt; die Bänke entsprechen einzelnen Dichteströmen.

Der historisch überlieferte Name dieses Bau- und Bildhauergesteines ist nach moderner Gesteinsnomenklatur irreführend, weil Gesteine mit typischen porphyrischen Gefügebildern andere Entstehungsbedingungen hatten. Es ist hierbei auf die unterschiedliche Anwendung in den Fachsprachen der Geologen und der Gesteinsverarbeiter zu achten.

Im 19. Jahrhundert war es in diesem Fall noch nicht getrennt. Der Geologe Carl Friedrich Naumann beschreibt 1836 in seinen Erläuterungen zur geognostischen Charte des Königreiches Sachsen die Gesteinsvorkommen am und um den Rochlitzer Berg. Dazu führte er in Hinblick auf die Lagerstättenverhältnisse aus: Nach ihrer petrographischen Eigenthümlichkeit sind besonders folgende Porphyre zu unterscheiden: 1.) der untere Rochlitzer Porphyr, 2.) der obere Rochlitzer Porphyr, … und weiter …lavendelblaue, perlgraue, fleisch- bis ziegelrothe sehr poröse Grundmasse mit sehr viel Quarzkörnern und wenig Steinmark; die Blasenräume mit hellrothem Thone überzogen; diese Varietät wird vorzüglich als Werkstein geschätzt.[1] Darauf beruht im Wesentlichen die anhaltende Verwendung des Begriffs bei den technisch-handwerklichen Anwendern sowie in architektur- und kunstgeschichtlichen Zusammenhängen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelne Fließeinheiten des „Rochlitzer Porphyrs“

Der Rochlitzer Porphyrtuff entstand durch die Aktivität eines Vulkans im Bereich des Rochlitzer Berges zur Ablagerungszeit des Rotliegend im Unterperm. Das Ausgangsmaterial war ein kieselsäurereiches Magma, welches in gigantischen plinianischen Vulkanausbrüchen in Form von Pyroklastika und Lavaströmen eruptiert wurde. Bedingt durch das kieselsäurereiche Magma wurden die Pyroklastika in erster Linie in Form von pyroklastischen Fließablagerungen sedimentiert. Die daraus entstandenen Gesteine werden Tuffe genannt. In besonders heißen pyroklastischen Dichteströmen kam es auch zur partiellen Aufschmelzung und/oder Verschmelzung der Komponenten; es entstand ein Schmelztuff oder Ignimbrit. Der letztere Name kommt aus dem Lateinischen und setzt sich aus „ignis“ für „Feuer“ und „imbris“ für „Regen“ zusammen.

Die bei diesen Ausbrüchen ausgeworfenen Pyroklastika (Fließ- und Fallablagerungen) akkumulierten sich im weiteren Verlauf auf mehrere hundert Meter betragende Mächtigkeit in der dabei entstandenen Lagerstätte. In anderer Literatur die Mächtigkeit mit 80 Meter beschrieben. Die Gesteinseinheit, in der der Rochlitzer Porphyr dominiert, wird in der modernen Terminologie auch als Rochlitz-Formation bezeichnet.[2]

Verarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das gesprengte Material wird mit Hilfe von Radladern und LKWs in das nur wenige Meter entfernte Werk transportiert. Dort werden die Blöcke durch Seilsäge, Brückensäge und Gatter in die für die Weiterverarbeitung geeignete Größe gebracht. Danach kann der Rochlitzer Porphyr mit handwerklichen und maschinellen Methoden weiter verarbeitet werden.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fassadenplatten in Ankermontage, Rochlitzer Porphyr mit frischer Farbe und Aderbild

Steinfunde, deren Alter auf rund 3000 Jahre geschätzt wird, belegen, dass der Rochlitzer Porphyr lange vor unserer Zeitrechnung z. B. als Mahlstein Verwendung fand.

Das Gestein wird unter der Handelsbezeichnung Rochlitzer Porphyr, Rochlitzer Porphyrtuff oder seltener auch Rochlitzer Marmor seit Jahrhunderten vertrieben.

Vornehmlich wird Rochlitzer Porphyr für Mauersteine, Fassaden und Steinmetzarbeiten verwendet. Ferner ist er für moderne und historische Bildhauerwerke, Garten- und Landschaftsgestaltung, Grabmale etc. eingesetzt worden. Bei Verwendung als Platten beträgt die Mindestdicke 4 cm. Die Porosität des Gesteins ist mit 30 Vol.-% relativ hoch. Bei Verwendung als Bodenplatten ist die relative Abriebfestigkeit zu beachten. Rochlitzer Porphyr ist gegen Frost und Aggressorien beständig. Polierfähig ist er allerdings nicht, es ist nur ein Feinschliff möglich.[3][4] Seine Beliebtheit bei Bildhauern resultiert daraus, dass er wie Weichgestein bearbeitet werden kann.

Das qualitativste Gestein wird aus dem Gleisbergsbruch und das härteste aus dem Mühlsteinbruch gebrochen. Im Schillingbruch wird Gestein mit lebhafter Struktur und gelben Maserungen abgebaut, das für Fassaden- und Bodenplatten verwendet wird.[5] Laut einem geologischen Gutachten ist für die kommenden 80 Jahre genügend Nutzgestein vorhanden.[6]

Das nicht für die Werksteinherstellung geeignete Gestein wird gemahlen als Rochlitzer Porphyrkies für den Sportplatzbau und für Tennisplätze verwendet. Es war die „Rochlitzer Decke“, die die Laufbahnen der Sportanlagen der Olympischen Sommerspiele 1936 rot färbte.[6]

Firmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Jahre 1585 wurde ein Steinbruch von der Steinmetzfamilie Haberkorn aufgeschlossen, der 300 Jahre im Besitz dieser Familie blieb. 1907 wurde ein Werk in Breitenborn in Sachsen mit Gleisanschluss eröffnet. 1910 erwarb der Steinmetzmeister Emil Haberkorn das Werk und die sieben vereinigten Steinbrüche.

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren bis zu 300 Personen in Brüchen und im Werk dieser Firma beschäftigt. Nach Kriegsende eröffnete ein Familienmitglied der Haberkorns 1948 die Brüche und das Werk wieder. Diese wurden 1972 verstaatlicht. Die Gewinnungstechnologie in den sieben Steinbrüchen und die Sägetechnik war auf Vorkriegsniveau stehen geblieben. Mit der Wende kam das Aus für den staatseigenen Betrieb. Nach einer erfolgreichen Reprivatisierung wurde der Betrieb durch die Haberkorns 1991 neugegründet. Er beschäftigt acht Mitarbeiter.[5][6]

Gebäude und Skulpturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romanisches Portal im Kloster Wechselburg

Mit der Errichtung geistlicher Herrschaftsgebäude erlebte das Gestein schließlich den Durchbruch. In Mittel- und Westsachsen ist es zu einem die Architektur prägenden Denkmalgestein geworden. So können die Rochlitzer Porphyrbrüche historische und neuzeitliche Verwendungen belegen.

Weitere Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1990er Jahre wurde die Produktpalette der Vereinigten Porphyrbrüche erweitert.

Galerie zum Abbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carl Friedrich Naumann: Erläuterungen zu Section XIV der geognostischen Charte des Königreiches Sachsen und der angränzenden Länderabtheilungen, oder Geognostische Skizze der Gegend zwischen Taucha, Strehla, Bräunsdorf und Altenburg. Dresden, Leipzig 1836, S. 112, 115.
  2. G. Schwerdtner, H. Anger, M. Störr: Die Kaolinlagerstätten des Kemmlitzer Reviers. Bergbaumonographie. Bergbau in Sachsen, 13: 116 S., Dresden 2007.
  3. Friedrich Müller: INSK kompakt. Die internationale Naturwerksteinkartei für den aktuellen Markt. Band 1. Karteiblatt 38.4. Ebner Verlag Ulm 1997.
  4. Rochlitzer Porphyr. In: natursteinonline.de. Abgerufen am 12. November 2016
  5. a b Nach Webseite "Werksteine"
  6. a b c Axel Kalenborn: Ein Neubeginn für den Rochlitzer Porphyr. In: Stein Heft 12/1991, S. 28 ff.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jens Czoßek: Sächsischer Marmor – Der „Porphyrtuff“ von Rochlitz. In: Die Erde knallt! Vulkane in Sachsen. Ausstellungskatalog Museum der Westlausitz Kamenz. Kamenz 2008, ISBN 3-910018-47-5, S. 11–21.
  • William Clemens Pfau: Geschichte des Steinbetriebes auf dem Rochlitzer Berge. Mitteilungen des Vereins für Rochlitzer Geschichte. Bd. 2, 1898 (Digitalisat).
  • Heiner Siedel: Sächsische „Porphyrtuffe“ aus dem Rotliegend als Baugesteine: Vorkommen und Abbau, Anwendung, Eigenschaften und Verwitterung. Institut für Steinkonservierung e. V. Bericht Nr. 22, 2006 (PDF).
  • Karlfried Fuchs: Natursteine aus aller Welt. Callwey Steinkartei in 2 Bänden. Band 2. Callwey-Verlag, München 1997, ISBN 3-7667-1267-5, S. 251 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rochlitzer Porphyr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 1′ 22,5″ N, 12° 45′ 48,1″ O