Lymphozytäre Choriomeningitis

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Die Lymphozytäre Choriomeningitis (LCM) ist eine virale Infektionskrankheit, die vor allem bei Nagetieren vorkommt, aber auch den Menschen befallen kann. Die LCM ist damit eine Zoonose. Der englische Begriff lymphocytic choriomeningitis wurde vom Entdecker des LCM-Virus Charles Armstrong 1934 geprägt.[1]

Erreger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lymphozytäres-Choriomeningitis-Virus
Lymphocytic choriomeningitis virus.jpg

LCM-Virus

Systematik
Klassifikation: Viren
Bereich: Riboviria[2]
Phylum: Negarnaviricota
Subphylum: Polyploviricotina
Klasse: Ellioviricetes
Ordnung: Bunyavirales
Familie: Arenaviridae
Gattung: Mammarenavirus
Untergattung: „LCMV/Lassa-Komplex“
Art: Lymphozytäres-Choriomeningitis-Virus
Taxonomische Merkmale
Genom: (+/-)ssRNA segmentiert
Baltimore: Gruppe 5
Symmetrie: helikal/zirkulär
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
Lymphocytic choriomeningitis virus (englisch)
Kurzbezeichnung
LCMV
Links

Der Erreger ist das Lymphozytäre-Choriomeningitis-Virus (LCMV), ein negativ-Einzelstrang-RNA-Virus der Gattung Mammarenavirus, Familie Arenaviridae (Gruppe V, (−)ssRNA). Hauptreservoir sind Mäuse, darüber hinaus kann das Virus auch bei Hamstern, Meerschweinchen und Krallenaffen auftreten. Für die Epidemiologie der Erkrankung des Menschen sind insbesondere Goldhamster von Bedeutung. Infektionen durch Mäuse oder Meerschweinchen sind bislang nicht bekannt geworden.[3]

Der Erreger wird über den Kot, Urin, Speichel und die Tränenflüssigkeit vor allem in den ersten drei Lebensmonaten ausgeschieden.[4] Die Infektion des Menschen erfolgt durch Aufnahme virusbelasteter Partikel über den Mund und die Atemwege sowie durch direkten Tierkontakt oder Bisse.[5]

Erkrankung bei Nagetieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Nagetieren verläuft die Erkrankung zumeist symptomlos und tritt ausschließlich bei Jungtieren auf. Die Morbidität beträgt etwa 20 %, die Mortalität nur 2 %. Gelegentlich können Allgemeinstörungen (struppiges Fell, Abmagerung, Konjunktivitis) sowie selten zentralnervöse Symptome (Muskelzittern, Lähmungen, Krämpfe) auftreten.[6]

Der Nachweis kann über einen serologischen Antikörpernachweis (ELISA, IFT) erfolgen. Eine Therapie ist nicht üblich. Durch regelmäßige serologische Untersuchungen der größeren Nagetierzuchten ist die Erkrankung insgesamt seltener geworden.

Erkrankung bei Krallenaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Krallenaffen verursacht das Virus die sogenannte Callitrichiden-Hepatitis, die durch Lebernekrosen mit intracytoplasmatischen Einschlusskörperchen gekennzeichnet ist. Die Erkrankung kann auch auf andere Organsysteme übergreifen.[7]

Erkrankung des Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassifikation nach ICD-10
A87.2 Lymphozytäre Choriomeningitis
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

In Deutschland haben etwa 3 % der Bevölkerung Antikörper gegen das LCM-Virus, wobei bei Haltern von Nagetieren keine höheren Infektionsraten auftreten.[8] Die Erkrankung verläuft zumeist mit grippalen Symptomen. Bei längerer Erkrankung kann eine Meningitis entstehen. Die Mortalität beträgt 1–2 %. Bei Infektion in der zweiten Schwangerschaftshälfte kann ein Übergang des Virus über die Plazenta auf den Fötus erfolgen. Dies kann zu einer Fehlgeburt oder zu Missbildungen (Hydrocephalus) oder Augenerkrankungen (Uveitis) des Neugeborenen führen.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edward A. Beeman: Charles Armstrong, M.D.: A Biography. 2007, S. 183–205. (auch online hier (PDF))
  2. ICTV Master Species List 2018b v1 MSL #34, Feb. 2019
  3. a b H. Kraus, A. Weber (Hrsg.): Zoonosen. Deutscher Ärzteverlag Köln, 1986.
  4. B. B. Chomel: Zoonoses of house pets other than dogs, cats and birds. In: Pediatr. Inf. Dis. 19/1992, S. 479–487.
  5. R. Wright u. a.: Congenital lymphocytic choriomeningitis virus syndrome: A disease that mimics congenital toxoplasmosis or Cytomegalovirus infection. In: Pediatr. 100/1997, S. 1–6.
  6. K. Gabrisch, P. Zwart: Krankheiten der Heimtiere. 6. Auflage. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2005, ISBN 3-89993-010-X.
  7. Asper, M. et al. (2001): First outbreak of callitrichid hepatitis in Germany: genetic characterization of the causative lymphocytic choriomeningitis virus strains. Virology 284: 203-213
  8. F. Lehmann-Grube u. a.: Untersuchungen über die Rolle des Goldhamsters (Mesocricetus auratus) bei der Übertragung des Virus der Lymphozytären Choriomeningitis auf den Menschen. In: Med. Microbiol. Immunol. 167/1979, S. 205–210.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]