Malcolm McLaren

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Malcolm McLaren (2009)

Malcolm McLaren (eigentlich Malcolm Edwards; * 22. Januar 1946 in London; † 8. April 2010 in Bellinzona, Schweiz) war ein britischer Künstler, Modemacher, Designer, Musikmanager und Musiker.

Leben und Werk[Bearbeiten]

McLaren studierte Kunst am Central Saint Martins College (1963), am Harrow Art College (1964), am Croydon College of Art (1968) und am Goldsmiths College. Er galt in seinem Wirken als Anarchist und war beeinflusst von den Situationisten. Er hatte 1972 mit Vivienne Westwood gemeinsam die Boutique Let it rock in der King’s Road 430 in London, in der Mode für Teddy Boys verkauft wurde. 1974 traf er in New York die New York Dolls, deren Manager er wurde und für die er Bühnenkostüme entwarf. Sein Engagement für die Band war jedoch wenig erfolgreich. Dennoch inspirierte ihn zu dieser Zeit die in Amerika aufkeimende Punk-Bewegung. Mitte der 70er kehrte er nach London zurück und benannte den dortigen Laden in Sex um. 1975 wurde er Manager der Band The Strand, die er avantgardistisch einkleidete und die sich alsbald in Sex Pistols umbenannte. 1979 schrieb er sich im Film The Great Rock ’n’ Roll Swindle gar die Erfindung der Sex Pistols zu.

Nach dem Ende der Sex Pistols managte er zunächst Adam and the Ants, trennte sich jedoch rasch von Adam Ant und formierte mit dessen voriger Band die Gruppe Bow Wow Wow. McLaren trat künftig auch selbst als Interpret in Erscheinung (Buffalo Gals, Double Dutch). 1983 war er in Europa einer der Ersten, die sich mit Hip-Hop auseinandersetzten. Nach seiner Beschäftigung mit Hip-Hop und Scratchen, die von Kritikern als Ausbeutung bezeichnet wurde, kombinierte er klassische Opernarien (Album Fans, 1984), (Album Swamp Thing, 1983–1985 Outtakes), Walzermelodien (Album Waltz Darling, 1989) und französische Chansons (Album Paris, 1994) mit zeitgenössischen Popmusik-Elementen. Infolge seiner Beschäftigung mit dem Mbaqanga-Stil aus Soweto für das Album Duck Rock versuchte er 1986 als einer der Ersten, diese Musik auch in Europa bekannt zu machen, indem er die Kompilation Duck Food (Earthworks Records) herausbrachte.

Seine Bekanntheit hat er in erster Linie seinem geschäftstüchtigen Hang zur Provokation und skandalträchtigen Auftritten der von ihm gemanagten Bands zu verdanken. Mit den Sex Pistols ließ er keine Gelegenheit aus, das britische Königshaus zu provozieren, so z.B. durch den Auftritt der Band auf einem Schiff auf der Themse längs des Kronjubiläums-Umzuges. Bei Bow Wow Wow ließ er die damals noch minderjährige Sängerin möglichst nackt auf den Plattencovers abbilden. Auch im Umgang mit Plattenfirmen und Medien zeigte er Geschick. Der auch musikalisch kommentierte Rauswurf der Sex Pistols bei A&M und EMI bescherte der Band viel Publicity, ebenso die Aufforderung zum Hometaping auf den Platten von Bow Wow Wow. McLaren gilt als Wegbereiter der kommerzialisierten Punkbewegung, die ihren ursprünglichen Idealen widersprach und zum Mainstream-Musikprodukt mutierte.

McLaren, der später in einem alternativen Wohnprojekt in Paris lebte, veröffentlichte 1998 Buffalo Gals – Back to Skool. Für den im selben Jahr erschienenen Bildband The Album Cover Art Of Punk von Burkhardt Seiler and Friends (Olms) schrieb er, quasi als Inbegriff des rebellierenden Punks, das Vorwort. Sein letztes musikalisches Projekt bezog den Game Boy mit authentischen Geräuschen in die Musik ein[1]. Seine Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters von London zog er wieder zurück. 2006 produzierte er Richard Linklaters Film Fast Food Nation.

McLaren starb am 8. April 2010 im Alter von 64 Jahren an den Folgen einer seltenen Art von Lungenkrebs, einem Mesotheliom[2], in einer Schweizer Klinik in Bellinzona. Mit seinen letzten Worten soll er gefordert haben: „Free Leonard Peltier!“[3] Er wurde auf dem Highgate Cemetery im Norden Londons beigesetzt.[4] Auf seinem Sarg stand der Spruch: "too fast to live too young to die".[5]

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[6][7] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of Austria.svg AT Flag of Switzerland.svg CH Flag of the United Kingdom.svg UK
1983 Duck Rock 62
(1 Wo.)
18 Silber
(17 Wo.)
1984 Would Ya Like More Scratchin’? 44
(4 Wo.)
1984 Fans 47
(8 Wo.)
1989 Waltz Darling 39
(13 Wo.)
30
(11 Wo.)
mit The Bootzilla Orchestra
1994 Paris 44
(1 Wo.)
weitere Alben
  • 1983: D’ya Like Scratchin'? (mit The World’s Famous Supreme Team)
  • 1985: Swamp Thing
  • 1990: Round the Outside, Round the Outside (presents The World Famous Supreme Team Show)
  • 1994: Largest Movie House in Paris

Kompilationen[Bearbeiten]

  • 1998: Buffalo Gals – Back to Skool (mit The World’s Famous Supreme Team vs. Rakim, Soulson, Da Boogie Man, KRS-One, De La Soul, T’Kalla, Hannibal Lechter, Burn One und Forrest Gump)
  • 2005: Tranquilize
  • 2009: Shallow – Musical Paintings

Singles[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[6][7] Anmerkungen
Flag of Germany.svg DE Flag of Austria.svg AT Flag of Switzerland.svg CH Flag of the United Kingdom.svg UK
1982 Buffalo Gals
Duck Rock
20
(13 Wo.)
19
(2 Wo.)
9
(5 Wo.)
9 Silber
(12 Wo.)
mit The World’s Famous Supreme Team
1983 Soweto
Duck Rock
32
(5 Wo.)
1983 Double Dutch
Duck Rock
14
(17 Wo.)
3 Silber
(13 Wo.)
1983 Duck for the Oyster
Duck Rock
54
(5 Wo.)
1984 Madam Butterfly (Un bel di vedremo)
Fans
36
(9 Wo.)
13
(9 Wo.)
1989 Waltz Darling
Waltz Darling
18
(12 Wo.)
31
(8 Wo.)
mit The Bootzilla Orchestra
1989 Something’s Jumpin’ in Your Shirt
Waltz Darling
45
(7 Wo.)
29
(7 Wo.)
mit Lisa Marie und The Bootzilla Orchestra
1990 House of the Blue Danube
Waltz Darling
73
(1 Wo.)
mit The Bootzilla Orchestra
1990 Operaa House
Round the Outside! Round the Outside!
75
(1 Wo.)
pres. The World Famous Supreme Team Show
1991 Magic’s Back
The Ghosts of Oxford Street (Soundtrack)
42
(4 Wo.)
Thema aus dem Film The Ghosts of Oxford Street
mit Alison Limerick
1998 Buffalo Gals Stampede
Buffalo Gals Back to Skool
65
(1 Wo.)
vs. Rakim und Roger Sanchez
weitere Singles
  • 1979: You Need Hands
  • 1982: Hobo Scratch
  • 1983: World’s Famous
  • 1983: Double Dutch (New Dance Mix) (EP)
  • 1984: Carmen
  • 1984: Fans (Nessun Dorma)
  • 1985: Duck Rock Cheer
  • 1989: Deep in Vogue (mit The House of McLaren)
  • 1990: Call a Wave
  • 1991: Romeo and Juliet (presents World Famous Supreme Team Show)
  • 1991: Bird in a Gilded Cage (mit The Bootzilla Orchestra)
  • 1992: For Jean Charles de Castelbajac
  • 1992: Carry On Columbus (mit Fantastic Planet)
  • 1994: Paris Paris
  • 1995: Revenge of the Flowers (mit Françoise Hardy)
  • 1997: The Bell Song
  • 1998: Buffalo Gals Back to Skool (presents Rakim)
  • 2004: The Party – Yoox.com 5th Anniversary
  • 2004: Foxy Lady (mit The Wild Strawberries)
  • 2004: Malcolm McLaren’s Fashionbeast Party (EP)

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul D. Taylor: Impresario: Malcolm McLaren and the British New Wave. New Museum of Contemporary Art, New York 1988, ISBN 0-262-70035-2.
  • Craig Bromberg: The Wicked Ways of Malcolm McLaren, Omnibus Press, London 1991, ISBN 0-7119-2488-0.
  • Jon Savage: England’s Dreaming. Faber & Faber, London 1991, ISBN 0-571-13975-2.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Malcolm McLaren: hustler of culture: malcolm mclaren's fashion beast. Hustlerofculture.typepad.com. 8. Januar 2004. Abgerufen am 2. Januar 2009.
  2. „Malcom McLaren dies from mesothelioma“
  3. Free Leonard Peltier! Malcolm McLaren uses last words to call for release of American Indian killer, in: Mail Online, 10. April 2010
  4. „Malcolm McLaren ist tot“, taz, 9. April 2010;
  5. Ulf Poschardt: Malcolm ist tot, der Situationismus lebt
  6. a b Chartquellen: Singles Alben
  7. a b Gold-/Platin-Datenbank UK

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malcolm McLaren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien