Vivienne Westwood

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Vivienne Westwood (2014)

Dame Vivienne Isabel Westwood, DBE (* 8. April 1941 als Vivienne Isabel Swire in Glossop, Derbyshire) ist eine englische Modedesignerin. Sie wurde bekannt mit der Erfindung der Punk-Mode Mitte der 1970er-Jahre.[1] Heute sind ihre Entwürfe geprägt von neu und exzentrisch zusammengesetzten Kombinationen aus historischer Bekleidung, seltenem Textilgewebe und farbenfrohen Webmustern.[2] Von 1989 bis 2005 nahm sie Lehraufträge für Modedesign an der Universität für angewandte Kunst Wien und an der Universität der Künste Berlin wahr. Vivienne Westwood engagiert sich in vielen Initiativen im Bereich von Menschenrechten, Abrüstung und Umweltschutz.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vivienne Westwood (2011)
Unternehmenslogo am Westwood-Café in Hongkong

Die frühen Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westwood wurde als erstes von drei Kindern in einer mittelenglischen Kleinstadt geboren, 13 Meilen östlich von Manchester. Ihre Mutter Dora Ball war Weberin in der örtlichen Baumwollspinnerei und ihr Vater Gordon Swire kam aus einer Familie von Schuhmachern. 1944 kam ihre Schwester Olga und 1946 ihr Bruder Gordon zur Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen sie ein kleines Postamt in der Gemeinde Tintwistle. 1958 zog sie mit ihren Eltern nach Harrow (Middlesex, jetzt Greater London), wo diese nun eine größere Postfiliale leiteten. Westwood besuchte nur ein Semester lang die Harrow Art School, wo sie Mode und Silberschmiedekunst belegte, doch konnte sie sich als Tochter von Arbeitern noch keine berufliche Zukunft damit vorstellen. Daraufhin machte sie eine Lehrerausbildung und unterrichtete dann ab 1961 an einer Grundschule in Willesden im Norden Londons. Sie heiratete 1962 den Werkzeugmacher Derek Westwood und hatte mit ihm den Sohn Benjamin 'Ben' Arthur (* 1963). Nach drei Jahren flüchtete sie mit Ben zu ihrer Tante Ethel in Nordwales und ließ sich 1965 von Derek Westwood scheiden. Danach traf sie den damals 18-jährigen Malcolm Edwards (alias McLaren), einen Freund ihres Bruders, der am benachbarten Harrow Technical College studiert hatte. Mit ihm bekam sie 1967 einen weiteren Sohn namens Joseph Ferdinand Corré und unterrichtete noch bis 1971. Als Mutter zweier Söhne begann sie vermehrt, ihre eigene Kleidung zu schneidern. Seit ihrer Schulzeit interessierte sie sich für das Modemachen. Sie zerlegte dazu die Nähte der jeweiligen Kleidung, um den Schnitt herauszufinden und nähte dann alles originalgetreu wieder zusammen.[2] Diese Angewohnheit, den Dingen auf den Grund zu gehen, bewahrte und perfektionierte sie bis zum heutigen Tage. Die Radikalität ihrer Einstellung sollte sich nicht nur auf die Mode beschränken.

Radical chic und Professionalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mini Crini und Harris Tweed in einer Ausstellung im NRW-Forum (2006)

Die aus der Not geborene Tätigkeit entwickelte sie bald zu einer ansehnlichen Fähigkeit. Daher gründete sie im November 1971 mit ihrem Mann Malcolm McLaren in der Londoner Kings Road 430 ihre erste Boutique unter dem Namen „Let it rock“, gemäß dem Chuck Berry Lied. McLaren hatte an diesem Ort bereits zwei Monate zuvor mit einem Freund von der Kunstschule, Patrick Casey, begonnen, in dem bisherigen Geschäft namens „Paradise Garage“ seine Mode zu verkaufen, bis der Eigentümer, Trevor Myles, ihm das Ladengeschäft überließ. Der Hauptanteil der Kleidung, zum Teil Second-Hand, richtete sich an „Teds“, da McLaren selbst Teddy-Boy-Anzüge trug und die damals dominante Hippie-Bekleidung verachtete. Westwood entwarf die Modelle und der Schneider Sid Green aus dem East End sowie eine Näherin sorgten für die Anfertigung. Zum Standard-Sortiment gehörten Teddy-Jacketts, enge Hosen und Creepers-Schuhe. Als der Rassismus und Sexismus der Teds immer offensichtlicher wurde, benannten sie den Laden in Erinnerung an den frühen Tod der Schauspielerikone James Dean im Frühjahr 1973 in „Too Fast To Live, Too Young To Die“ um und konzentrierten sich auf Rocker-Mode. Ende 1974 änderten sie den Namen in „Sex“, und das Sortiment wechselte zu Erotikwäsche und S&M-Artikel. Die Boutique wurde zu einem Treffpunkt der Londoner Punk-Rock-Szene, zu denen unter anderem Sid Vicious und andere Mitglieder der späteren Sex Pistols, die Chelsea-Bandmitglieder oder Mark Stewart gehörten. Die Radikalisierung von Westwoods Weltsicht spiegelte sich auch in der weiteren Namensgebung des Ladengeschäfts: „Seditionaries – Clothes for Heroes“ (dt. „Aufwiegler“, ab 1976) und „World’s End“ (seit 1979).[3] Unter diesem Namen besteht das Ladengeschäft bis heute. 1974 übernahm McLaren das Management der New York Dolls und ein Jahr später das der Sex Pistols.

World's End Boutique mit 13-Stunden-Uhr

Westwoods erste professionelle Mode-Kollektion, die sie mit wallenden Hosen und Rüschenhemden an Seefahrern orientierte und „Pirates“ (H/W '81) nannte, schneiderte und präsentierte sie 1981. Diese Unisex-Kollektion und die folgende namens „Savage“ (F/S 82), in der sie Indianer- und Wild West-Motive interpretierte, zeigte Westwood 1981 als Laufstegmodenschauen im Rahmen der London Designers Collection in der Olympia-Ausstellungshalle. Ihr Ladengeschäft „World's End“ hatte sie im Piraten-Stil umdekoriert; unter anderem mit einem abgeschrägten Holzdielenboden wie auf einer Galeere. Die Hausfassade des Shops an der Kings Road ziert seither eine überdimensionale Uhr, deren Ziffernblatt 13 Stunden zeigt und deren Zeiger in schnellem Tempo rückwärts laufen.

Ab 1982 ließ Westwood ihre Kollektionen in Paris vorführen, der Welthauptstadt der Mode, und war dort damit die erste englische Modemacherin seit Mary Quant in den 1960er Jahren. Mit der Kollektion „Nostalgia of the Mud“ (bzw. „Buffalo Girls“) näherte sie sich dem Landhaus- und Cowboy-Stil an. Die gezeigten schlammfarbigen, braunen oder khaki-farbenen, zum Teil zerschlissenen Textilien sollten gleichzeitig die Rückkehr der post-industriellen Gesellschaft zur primitiven Natur darstellen. Sichtbare Nähte, Kapuzenpullover über voluminösen Röcken, als Oberbekleidung getragene Büstenhalter, der Einsatz von Lammfell und Stickereien sowie große Buffalo-Hüte, wie sie heute Pharrell Williams trägt, waren Hauptelemente der Kollektion. Gleichzeitig eröffneten Westwood und McLaren von März 1982 bis Ende 1983 dazu passend ein zweites Geschäft am St. Christopher’s Place in London, ebenso genannt „Nostalgia of Mud“. Noch 1983 folgte die „Witches“ Kollektion, die ethnische Einflüsse mit Konfektionsmode kombinierte und vom Werk Keith Harings inspiriert worden war.

Die folgenden Kollektionen führte Westwood nach der Trennung von ihrem zweiten Ehemann McLaren 1983 gänzlich eigenständig durch. Die Marke Westwood geriet nach der Trennung allerdings in eine finanzielle Krise. Das Ladengeschäft „World’s End“ schloss Westwood und eröffnete es erst 1986 neu. 1984 kam aus finanziellen Gründen ein Lizenz-Vertrag mit Giorgio Armani über die Produktion und Distribution von Westwood-Mode zustande, der dem italienischen Unternehmen für zunächst sieben Jahre die Markenrechte an Westwoods Firma sichern sollte. Der Vertrag wurde allerdings bereits 1987 aufgelöst. In ihrer Sommerkollektion von 1985 namens Mini Crini, mit der sie sich von den breiten Schulterpolstern der 1980er distanzierte, zeigte Westwood schmale Landadel-Jacketts und bauschige Krinolinen im Minirock-Format, für die sie sich von Petruschka (Ballett) hatte inspirieren lassen und womit ihre Modemarke bis heute assoziiert wird. 1986 war Westwood den Modenschauen komplett ferngeblieben und zeigte erst Mitte 1987 nach einer kreativen Auszeit in Italien wieder eine Kollektion. In dieser Zeit erfand sie auch ihr eigenes Unternehmenslogo, das bis heute benutzt wird: ein stilisierter Reichsapfel, wie er auch unter den britischen Kronjuwelen zu finden ist, umgeben von einer Art Planetenring. Den Reichsapfel hatte sie, die trotz ihrer politischen Gesinnung schon immer ein gewisses Faible für alles Royale hatte, zuvor auf einen Pullover gestickt, und den Planetenring hatte sie in einer Astronomie-Zeitschrift ihres Sohnes Ben gesehen.[4] Das Logo kam zudem dem Reichsapfel-Firmenzeichen der Harris-Tweed Company sehr nahe, wurde von dieser aber nicht bemängelt, da Westwood den damals als altbacken geltenden Stoff in ihre Kollektionen integriert und ihm bzw. dem damals angeschlagenen Tweed-Unternehmen somit zu neuem Leben verholfen hatte. Harris Tweed unterstützte das Unternehmen Westwood in der Folge sogar finanziell.[5] Die Harris Tweed Kollektion (H/W 1987) markierte mit eleganten und kunsthandwerklich anspruchsvollen Schnitten und Formen einen erneuten Wendepunkt in Westwoods bisheriger Designer-Laufbahn. Das darin gezeigte Stature of Liberty Korsett, war das erste, das bei einer Modenschau bis dahin als Oberbekleidung präsentiert worden war.

Mit „Cut and Slash“ zeigte Westwood 1990 ihre erste vollständige Herrenkollektion in Florenz. Diese wurde 1996 unter dem Namen Vivienne Westwood Man fester Bestandteil ihres Markenportfolios. Zuvor hatte es, schon seit der Zeit mit McLaren, immer wieder Herrenmodelle in den Westwood-Kollektionen gegeben. Bei der Kollektion „Vive la Cocotte“ 1995 verwendete sie typische Erkennungsmerkmale aus der Halbwelt-Mode und Stilelemente des Nude-Look. In ihrer „Five Century ago“-Kollektion von 1997 inszenierte sie sich selbst als Elisabeth I. Höfische Moden nahm sie immer wieder als willkommene Anregung für eine opulente Neukostümierung der Damen- und Herrenmode. Mitte der 1990er Jahre analysierte sie die femininen Entwürfe der Nachkriegszeit von Christian Dior und setzte diese in überspitzter Wiese in ihren eigenen Kollektionen um. So sorgte sie mit hohen Absätzen, Korsetts, hochgeschnürten Busen und betonten Hüften bei den Frauen für mehr erotische Anziehungskraft und bei den Männern mit taillierten Jacken und Pumphosen für mehr Androgynität. Unvergessen bleibt der Sturz von Naomi Campbell während einer Westwood-Laufstegschau auf Plateauschuhen mit 30 cm hohen Absätzen. Viele Stilelemente Westwoods wurden später von anderen Designern, wie etwa Jean Paul Gaultier, aufgegriffen. 1999 wurde eine Westwood-Boutique in New York City eröffnet. Die Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2008 nannte Westwood 56, um damit gegen die Initiative von Premierminister Gordon Brown zu protestieren, die Zeitdauer, in der Verdächtige ohne Anklage inhaftiert werden können, auf 56 Tage zu erhöhen (Terrorism Bill 2005 [6]).[7]

Heute möchte Vivienne Westwood nicht mehr auf das Label der „Queen of Punk“ festgelegt werden.[8] Sie gilt als eine harte Arbeiterin und strenge Kritikerin. Noch 1993 wohnte sie bescheiden in einer Sozialwohnung. Für einen Skandal sorgte die bis heute extrovertierte Modeschöpferin als sie 1992 bei der Verleihung des Order of the British Empire ihren Rock anhob, um zu zeigen, dass sie unter ihrer transparenten Strumpfhose keine Unterwäsche trug.[9]

High Fashion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filiale in Manchester mit Westwood-Fotoposter

Mittlerweile gilt Westwood als die führende Institution von Mode made in England. John Fairchild, der damalige Herausgeber des Modeblatts Women's Wear Daily erkor sie 1989 neben Yves Saint Laurent, Emanuel Ungaro, Giorgio Armani, Karl Lagerfeld und Christian Lacroix zu einem der sechs wichtigsten Modemacher unserer Zeit.[10] Berühmt wurde sie durch ihre neu und exzentrisch zusammengesetzten Kombinationen von historischer Bekleidung, seltenem Textilgewebe und Webmustern (Dessins). Einer gewissen Vorliebe zu schottischen Karos ist sie bis heute treu geblieben. Auch ethnische Einflüsse verarbeitet sie gerne in ihren Entwürfen. Mode sollte nach ihrer Auffassung die Individualität herausstreichen.

Kollektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westwood-Kostüme für das King's College London, 2008

Es bestehen folgende Westwood-Kollektionen:

  • Vivienne Westwood Couture
    2016 lancierte Maßschneider-Damenkollektion im obersten Preissegment, welche nur im Geschäft in der Londoner Davies Street erhältlich ist.
  • Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood[11]
    Zum Teil handgefertigte, hochpreisige Damen-Luxuslinie für die Modenschauen in Paris; hergestellt in Großbritannien; von 1990 bis 2016 unter dem Namen Gold Label
    • Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood Unisex
      Unterkollektion seit 2013 mit Bekleidung, die sowohl von Frauen als auch Männern getragen werden kann; bis 2016: Unisex Gold Label
  • Vivienne Westwood
    Progressive Damenlinie für die Modenschauen in London; hergestellt seit 1989 in Lizenz durch Staff International in Italien; bis 2016 als lässige, trendige Zweitlinie namens Red Label[12]
  • Vivienne Westwood Anglomania
    Weniger formelle, modische Damen-Brückenlinie; hergestellt seit 1997 in Italien, ursprünglich in Lizenz durch Gruppo GTR, ab 2001 durch Swinger International, seit 2004 durch GFM Industria
  • Vivienne Westwood Man
    Modische Herrenlinie aus dem Hause Westwood; hergestellt seit 1989 in Lizenz durch Staff International in Italien; unter dem Namen Man seit 1996
  • Vivienne Westwood Bridal
    Brautmode, sowohl als Prêt-à-porter als auch als Maßschneider-Modelle erhältlich; seit 1992

Die Westwood-Damenmode wurde 1990 in die beiden Kollektionen Gold Label und Red Label aufgespalten: Erstere als hochpreisige Laufstegmode für die Modenschauen in Paris (2016 umbenannt in Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood) und letztere als modischere Zweitlinie für die Modenschauen in London (2016 in der neu etablierten Hauptlinie Vivienne Westwood aufgegangen).

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gold Label Boutique in der Londoner Davies Street

Neben London hat Westwood noch Dependancen in Paris und Tokio, die sie in der Firma Vivienne Westwood gemeinsam mit ihrem Ehemann leitet. Außer Modedesign entwarf sie auch Teegeschirr für Wedgwood und Swatch-Uhren. Schließlich etablierte Westwood neben anderen auch die Damen-Parfümserien „Boudoir“ (1998), „Libertine“ (2000, eingestellt) und „Anglomania“ (2004) sowie die Körperpflegeserie „Les Coquetteries“ (1999, eingestellt).[2] Ein Herrenparfüm ist bislang nicht erschienen. Zum Stand 2016 gab es Vivienne Westwood Boutiquen in London (4x), Nottingham, Leeds, Manchester, Newcastle, Liverpool, Glasgow, Cardiff, Wien, Paris, Mailand (2x), Los Angeles, Honolulu, Guam, Singapur (2x), Bankok (2x), Hongkong (9x) sowie zahlreiche Ladengeschäfte und Shops-in-shop in Japan (50x), Südkorea (18x) und Taiwan (6x). Seit 2015 gibt es in Shanghai und Hongkong Vivienne Westwood Cafés, in denen Feingebäck angeboten wird.[13]

Lehraufträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 80er wurde sie zur Gastprofessorin für drei Jahre an die Universität für angewandte Kunst Wien berufen, um dort die sogenannte Modeklasse zu leiten. Dort lernte sie den Studenten Andreas Kronthaler kennen und heiratete ihn 1992. Sie lebt mit ihm zusammen in Battersea im Südwesten von London. Kronthaler arbeitet in Westwoods Unternehmen als Designer. Seit 2016 trägt die gehobene Damen-Laufstegkollektion (ehemals Vivienne Westwood Gold Label) seinen Namen: Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood.

Von 1993 bis 2005 nahm sie am Fachbereich Modedesign der Universität der Künste Berlin einen Lehrauftrag wahr, bei dem sie in Blockseminaren insgesamt 65 Studierende unterrichtete und diplomierte. Auch hier orientierte sie ihre Schüler im ersten Studienjahr nach historischen Vorbildern. Das Abschlussdéfilé ihrer Diplomanden und das Ende ihres Lehrauftrages feierte man in der Abflughalle des Flughafens Tempelhof.[14]

Mit ihrem Engagement in Berlin förderte sie auch die Möglichkeit von Berlin als zukünftiger Mode-Hauptstadt von Deutschland.

Kostümbilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westwood-Ladengeschät in Cardiff

Einen ersten Schritt in die Theaterwelt unternahm sie 1996 als Kostümbildnerin am Wiener Burgtheater. Dort entwarf sie für Dreigroschenoper von Bertolt Brecht die Kostüme (Regie: Paulus Manker, Bühnenbild: Erich Wonder) und schrieb eine Paraphrase auf das zweite Dreigroschenfinale „Denn wovon lebt der Mensch“.[15]

2014 entwarf Westwood die Uniformen für die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic.[16]

Für das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2014 entwarf Westwood die Kostüme für die Balletttänzer, die im neu renovierten Stadtpalais Liechtenstein tanzten.[17] Der in der Konzertpause gezeigte Film Backstage warf einen Blick hinter die Kulissen und sah unter anderem Kronthalers Arbeit an den Kostümen zu.[18]

Frieden, Menschenrechte, Umwelt- und Tierschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westwood will sich künftig auch für politische und literarische Projekte engagieren. So fordert sie u.a. die Freilassung von Leonard Peltier[19] und die Schließung des Gefangenenlagers von Guantánamo Bay.

Wegen der geplanten Verschärfung der Anti-Terror-Gesetze in Großbritannien hatte die Modemacherin im September 2005 für die britische Bürgerrechtsorganisation Liberty ein Hemd mit der Aufschrift entworfen: „Ich bin kein Terrorist. Bitte nehmt mich nicht fest.“ [20] Mitte März 2007 protestierte sie mit Annie Lennox und Bianca Jagger gegen eine Neuanschaffung von Atom-U-Booten.[21]

Nach einem Gespräch mit der Tierrechtsorganisation PETA entschloss sich Westwood im Oktober 2007, keine Tierfelle mehr für ihre Kostüme und Accessoires zu verwenden.[22]

Am 11. November 2007 machte Westwood im Rahmen der „Berliner Lektionen“, einer Matinee-Reihe der Berliner Festspiele und der Bertelsmann AG, ihr politisches Manifest „Active Resistance to Propaganda“[23] bekannt. Sie rief darin zum Widerstand gegen Propaganda jeglicher Art und zu Konsumverzicht auf, indem sie dies in fiktiven Dialogen zwischen Alice (im Wunderland), Pinocchio, Aristoteles und Anderen vermittelt.[24] Weiterhin plädierte sie darin für klassische Bildung und distanzierte sich von abstrakter Kunst: „Every time I read a book instead of looking at a magazine, go to the art gallery instead of watching TV, go to theatre instead of cinema, I fight for Active Resistance to Propaganda.“ Die Presse-Reaktionen waren verhalten und die Bewertungen erstreckten sich von „charmant[25]-naiv“ bis „konservativ-elitär“.[24]

Mit einer Benefizaktion unterstützt Westwood ab November 2012 Julian Assange und Wikileaks. Den Erlös ihrer T-Shirts für 45 € wird sie an Wikileaks weitergeben.[26] Im Februar 2016 machte sie öffentlich, dass sie jeden ersten Donnerstag im Monat Assange in seinem Asyl in der ecuadorischen Botschaft von London besucht. Sie lerne durch Fragen an ihn und fügte hinzu, dass er mehr darüber wisse, was in der Welt vor sich gehe als irgendjemand sonst, den sie je getroffen hätte.[27] Im Juni 2016 widmete Vivienne Westwood ihre Präsentation für Männermode in Mailand Julian Assange und trat mit ihrem Assange-T-Shirt auf.[28]

2012 spendete Westwood eine Million Pfund für die Umweltschutzorganisation Cool Earth für den Erhalt der Regenwälder.[29] Bis heute (2016) haben sie und ihr Mann Andreas Kronthaler 1,5 Mio. Pfund für das Projekt mit einheimischen Völkern als Waldschützer gespendet. Sie konnten dazu weitere Prominente gewinnen wie etwa Kate Moss, Georgia May Jagger und Stephen Fry.[30]

2013 unterstützte Westwood die Kampagne zum Schutz der Awá der Menschenrechtsorganisation Survival International. Mit ihrem Fotoportrait rief sie zum Schutz dieses indigenen Volkes auf.[31]

Im Juli 2015 initiierte sie mit Greenpeace eine Protestaktion gegen die Erdölbohrungen von Shell in der Arktis.[32] Viele Prominente schlossen sich der Aktion an, ein Unterschriftenaufruf im Internet erbrachte bis 2015 die Zustimmung von sieben Millionen Menschen weltweit.[33]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vivienne Westwood ist seit dem 14. Mai 1992 mit dem Tiroler Andreas Kronthaler (* 1966) verheiratet, der bei ihr Modegestaltung an der Wiener Universität für angewandte Kunst studiert hatte.[34] Westwood lebte 30 Jahre lang bescheiden in einer Sozialwohnung in Clapham, doch 2000 konnte Kronthaler seine Frau zu einem Umzug in ein Anwesen im Queen Anne Style von 1703 bewegen. Das Haus gehörte einmal der Mutter von Captain Cook.[35] In ihrer Freizeit sieht sie sich Zeitungen und Zeitschriften an, aber kein Fernsehen und macht gerne Gartenarbeiten.[36]

Westwood hat zwei Söhne aus zwei Beziehungen, von Derek Westwood den Sohn Benjamin Arthur (Ben) und von Malcolm McLaren den heutigen Modeschöpfer Joseph Corre.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vivienne Westwood (2008)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mulvagh, Jane (1999): Vivienne Westwood. Die Lady ist ein Punk. Biographie. Düsseldorf: Marion von Schröder Verlag, 519 S., Ill., Deutsch von Christiane Bergfeld. Originaltitel: Vivienne Westwood. An Unfashionable Life. London: HarperCollinsPublishers, ISBN 3-547-76941-8.
  • Pollack, Anna: Modequeen Westwood am Wiener Burgtheater. Eine Untersuchung über Modedesigner als Kostümbildner: Die Kostüme Vivienne Westwoods für „Die Dreigroschenoper“. Wien: Universität Wien, Diplomarbeit, 2001, 198 S., Ill.
  • Wilcox, Claire (2005): Vivienne Westwood. Berlin: Nicolaische Verlagsbuchhandlung, ca. 244 S., ca. 367 farb. Abb., 20 s/w Abb., ISBN 3-89479-254-X.
  • Beatrice, Luca & Guarnaccia, Matteo (Hrsg.): Vivienne Westwood: Shoes. Damiani, Bologna 2006, ISBN 88-89431-84-9, (englisch).
  • Jones, Terry (2012): Fashion: Vivienne Westwood. Taschen, Köln, gebunden, ISBN 978-3-8365-3887-9.
  • Westwood, Vivienne & Kelly, Ian (2014): Vivienne Westwood. Aus dem Englischen übertragen von Stefanie Schäfer. Eichborn, Köln, 575 S., ISBN 978-3-8479-0571-4, Inhaltsverzeichnis.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vivienne Westwood. Dokumentarfilm, Großbritannien, 1990, 51 Min., Buch und Regie: Gillian Greenwood, Produktion: London Weekend Production, ITV, Vertrieb: Arthaus Musik GmbH 2008, ISBN 978-3-939873-35-8, Besprechung auf kino-zeit.de.
  • Willemsens Zeitgenossen: Vivienne Westwood. Gespräch und Modenschau, Deutschland, 1996, 30 Min., Moderation: Roger Willemsen, Produktion: Noa Noa, ZDF, Filminhalt von Willemsen. (Memento vom 27. Januar 2016 im Internet Archive).
    In den Zwischenszenen eines Gesprächs in Westwoods Atelier werden ihre Mode und Schuhe zur Illustration gezeigt.
  • Vivienne Westwood. Do it yourself! Fernseh-Dokumentation, Frankreich, Großbritannien, 2010, 58 Min., Buch: Jean-Marie und Letmiya Sztalryd, Regie: Letmiya Sztalryd, Produktion: Oooh Weee, arte France, deutsche Erstsendung: 26. Mai 2012 bei arte, Filminformationen von ARD, online-Video von Oooh Weee.
  • Backstage – Das Neujahrskonzert 2014. Dokumentar- und Tanzfilm, Österreich, 22:30 Min., Regie: Felix Breisach, Produktion: ORF, Erstsendung: 1. Jänner 2014 in ORF2, Inhaltsangabe mit Modefotos vom Kurier, online-Video.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vivienne Westwood – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Modefotos
Interviews

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Uli Hesse, dpa: Vivienne Westwood: Die Mutter der Punkmode wird 75. In: Frankfurter Rundschau, 7. April 2016.
  2. a b c Gertrud Lehnert: Geschichte der Mode im 20. Jahrhundert. (Memento vom 1. Juli 2003 im Internet Archive), Könemann, Köln 2000, ISBN 3-8290-0513-X, (Auszug).
  3. PunkPistol. (Memento vom 3. März 2013 im Internet Archive). In: punkpistol.com.
  4. The Orb, worldsendshop.co.uk, 14. August 2013
  5. For Britain's Vivienne Westwood, the Mother of Punk, It's the Prophet Motive That Counts, people.com, 4. Mai 1987
  6. vgl. Terrorism Bill 2005
  7. Bildergalerie: Präsentation der Kollektion „Red Label“ 2008. In: Tagesspiegel, 15. Februar 2008.
  8. Mareile Grimm: „Kaufen Sie gar nichts!“ In: stern, 3. Februar 2006, Interview, Fotos.
  9. Designerin Vivienne Westwood: Ein halbes Leben Punk , spiegel.de, 22. Januar 2013
  10. John Fairchild: Chic savages. Simon & Schuster, New York City 1989, ISBN 978-0-671-68334-4, Auszug in John Fairchild: Chic Savages, New York Magazine, S. 45, 16. Oktober 1989, S. 44-54.
  11. Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood, vogue.com, 5. März 2016
  12. Vivienne Westwood Renames Gold Label after Husband and Creative Director Andreas Kronthaler, fashionista.com, 26. Februar 2016
  13. Vivienne Westwood’s fast expanding café line sets shop in HK’s Harbour City mall, luxurylaunches.com, 26. Oktober 2015
  14. Anne Przybyla: Vivienne Westwood verabschiedet sich von Berlin. In: Kölner Stadtanzeiger, 27. Juni 2005.
  15. Anna Pollack: Modequeen Westwood am Wiener Burgtheater. Eine Untersuchung über Modedesigner als Kostümbildner: Die Kostüme Vivienne Westwoods für „Die Dreigroschenoper“. Diplomarbeit, Universität Wien, 2001.
  16. Uniformen von Vivienne Westwood - Virgin: Rot, klassisch, sexy, aerotelegraph.com, 11. Juli 2014
  17. Philipp Wilhelmer: Der Tanz ins neue Jahr mit Vivienne. In: Kurier, 31. Dezember 2013.
  18. Presseaussendung: Neujahrskonzert 2014 live im ORF: Michael Beyer setzt Wiener Philharmoniker und Wiener Staatsballett in Szene. In: APA, 10. Dezember 2013, abgerufen am 5. Jänner 2015.
  19. Vivienne Westwood: Kann Massenkultur Kunst sein? Nur Denken verändert die Welt. (Memento vom 11. Februar 2013 im Webarchiv archive.is). In: KulturAustausch, (ZfK) Heft 3 + 4, 2005.
  20. Liberty: Vivienne Westwood (Memento vom 5. Februar 2006 im Internet Archive), September 2005.
  21. Meret Baumann (bam.): Neue Atom-U-Boote für Großbritannien. Parlament für teure Aufrüstung. In: NZZ, 14. März 2007.
  22. Vivienne Westwood verzichtet auf Pelz! In: Umweltjournal.de, 2. November 2007.
  23. Active Resistance to Propaganda (Flashplayer) und als PDF (14 S., 100 KB).
  24. a b Corina Kolbe: Rembrandt statt Che Guevara. In: Die Zeit, 12. November 2007.
  25. Natascha Freundel: Kampf dem Konsum! Vivienne Westwood erteilt „Berliner Lektionen“. In: Deutschlandfunk, 11. November 2007.
  26. „T-Shirts für Julian.“ Westwood unterstützt Assange. In: Handelsblatt, 30. Oktober 2012.
  27. Dame Vivienne Westwood reveals she visits 'incredible' Julian Assange every month. In: Daily Telegraph, 4. Februar 2016, mit Video: „He knows more about what's going on in the world than anybody I've ever met. He's incredible.“
  28. APA: Vivienne Westwood präsentierte Julian-Assange-T-Shirt. In: Der Standard, 20. Juni 2016.
  29. Sven Michaelsen: »Kauft weniger!« In: SZ-Magazin, Heft 8, 2012, Interview mit Westwood.
    Vivienne Westwood. In: Cool Forest.
  30. Fashion Designer and Environmental Campaigner. In: Cool Forest, aufgerufen am 25. Juni 2016.
  31. Prominente Unterstützung für die Awá. In: Survival International, abgerufen am 6. Mai 2013.
  32. Bettina Weber: Viel Prominenz im Öl-Protest. Vivienne Westwood ruft zum Kampf gegen Shell auf. Gekommen sind die ganz Grossen. In: Tages-Anzeiger, 27. Juli 2015.
  33. An der Eiskante. Eine neue Gefahr bedroht das Herz der Arktis. In: Greenpeace / savethearctic.org, aufgerufen am 25. Juni 2016.
  34. Cordula Reyer: Westwoods Ehemann erklärt ungewöhnliche Liebe. In: Die Welt, 24. Juni 2010, Interview mit Andreas Kronthaler.
  35. Cathy Horyn: The Queen V. In: The New York Times, 18. Oktober 2009.
  36. Piers Beeching: Me & my garden: Vivienne Westwood. In: The Daily Telegraph, 6. August 2009.
  37. peta.org.uk: PETA UK Vegan Fashion Awards 2015
  38. Westwood-Ausstellung 2004. (Memento vom 24. Juni 2004 im Internet Archive). In: Victoria and Albert Museum.
  39. Vivienne Westwood in Düsseldorf 06.02 bis 14.05.2006. (Memento vom 22. März 2006 im Internet Archive). In: art-perfect.de.
    ap: Vivienne Westwood im NRW Forum. Von der Punk-Rebellin zur Mode-Queen. In: Rheinische Post, 3. Februar 2006.