Mappa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Mappa (Torawimpel)

Eine Mappa (Pl. Mappot) oder Torawimpel ist ein Stoffband, das um die Torarolle gewickelt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einigen Regionen des aschkenasischen Judentums wird die Mappa aus einem Beschneidungstuch hergestellt, auf dem in einer Inschrift die wichtigsten Stationen des jüdischen Lebens angeführt werden. Dies geht auf den Rabbi Jakob ben Moses haLevi Molin zurück. Er verwendete als Pate bei einer Beschneidung das Wickelband einer Torarolle als Beschneidungswindel, da sich die Eltern aus Armut keine Windel leisten konnten. Nach der Reinigung des Tuches wurde es wieder als Mappa benutzt.[1]

Seitdem wurden die Torawimpel mit den Segenssprüchen bestickt, die die wichtigsten Stationen im Leben eines heranwachsenden Juden enthält, und der Wimpel wird dann feierlich und zeremoniell von dem Knaben im Alter von ca. drei Jahren an die Synagoge übergeben.

Lengnauer Mappot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der umfangreichsten Sammlungen von Mappot wurde in den 1960er Jahren im Surbtal im Schweizer Kanton Aargau gefunden. Die 218 Wickelbänder, die auf der Frauenempore der Synagoge in Lengnau lagerten, erstrecken sich über drei Jahrhunderte. Das älteste stammt aus dem Jahr 1655. 1967 wurden die Wimpel durch Florence Guggenheim-Grünberg untersucht. Sie sind heute Teil der Sammlung des Jüdischen Museums der Schweiz.[2]

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einem der ältesten Toraschmuckstücke sind der Mappa mehrere Verwendungszwecke zugedacht.

Im Talmud wird bestimmt, dass die heiligen Schriftrollen mit kostbarer Seide umhüllt werden sollen. Der Torawimpel dient dabei als Wickelband für die Tora. Das Band wird vom heranwachsenden jüdischen Knaben im Alter von drei Jahren bei seinem ersten Besuch in der Synagoge übergeben. Die Übergabe der Mappa steht für das „Sich-einbinden“ in die Gemeinde und das „Sich-binden“ an die Tora.

Die Mappa wird später bei Zeremonien weiterer Feste im Leben des jungen Juden eine Rolle spielen. So ist die Tora seiner Bar Mizwa mit dem Wimpel umhüllt, und bei seiner Hochzeit wird der Wimpel benötigt, indem er die Tora, in der am Sabbat vor der Hochzeit vorgelesen wird, umwickelt oder die Chuppa, den Hochzeitsbaldachin, schmückt.

Symbolik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chuppah und Tora-Rolle
Wimpel from Lengnau, 1886.jpg Die Vorstellung, als Ehepaar eine jüdische Familie zu gründen und religiöse Traditionen weiterzugeben, ist ein idealisierter Wunsch für die Zukunft des Jungen, der meist durch gestickt- oder gemalte Bilder von Chuppas und Torarollen dargestellt wird. Dieser Wunsch wird weiterhin anhand eines traditionellen Segenspruchs in hebräischer Buchstaben auf dem Wimpel festgehalten.[3]
Krone
Wimpel from Lengnau, 1831.jpg Die Krone steht für die "Krone der Tora". Sie wird auf viele Ritualobjekten dargestellt und betont den Autoritätsanspruch der Tora. Auf Wimpeln ist sie oft direkt über der Torarolle abgebildet, wie hier zu sehen ist. Die Krone kann sich je nach Zeit, Ort und dem monarchischen Systemen entsprechend unterscheiden.[4]
Löwen
Wimpel from Lengnau 1902.jpg Die Darstellung von Löwen auf Wimpeln hängt wahrscheinlich mit einem populären Spruch in der Mischna, Pirkei Avot, V:20 zusammen: "Sei kühn wie ein Leopard, leicht wie ein Adler, flink wie ein Hirsch und mächtig wie ein Löwe, um den Willen deines Vaters im Himmel zu tun." Ein Löwe kann auch den Namen des Besitzers des Wimpels symbolisieren: Löw/Ariel. Schon früh wurden Löwen mit den Stämmen Israel, Juda und Dan in Verbindung gebracht.[5]
Hirsch und Skorpione (Tiere und Sternzeichen)
Wimpel from Lengnau,1726.jpg Auf Wimpeln bezeichnet das Tierkreiszeichen das Sternbild, unter dem das Kind geboren wurde. Andere Tiere könnten auf dem bereits erwähnten volkstümlichen Spruch aus der Mischna, Pirkei Avot zurückgeführt werden.

Ein abgebildeter Hirsch kann auch ein Hinweis auf den Namen des Kindes sein: Zvi (hebräisch), Hirsch (deutsch), Herschl (jiddisch).[6]

Baum, Pflanzen, Blumen
Wimpel from Lengnau.jpg Die Tora wird oft mit dem "Baum des Lebens" gleichgesetzt. Darstellungen von Pflanzen, Bäumen oder Blumenvasen (wie hier zu sehen) stellen bildlich die Verbindung zwischen dem Leben des Kindes und der Tora dar.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Feuchtwanger-Sarig, Naomi: Torah Binders from Denmark. In: Gelfer-Jørgensen, Mirjam (Hrsg.): (Hg.): Danish Jewish Art. Jews in Danish Art. Kopenhagen 1999, S. 382–435.
  2. Guggenheim-Grünberg, Florence: Die Torawickelbänder von Lengnau. Zeugnisse jüdischer Volkskunst. Beiträge zur Geschichte und Volkskunde der Juden in der Schweiz. Heft 9. Zürich 1967, S. 3.
  3. Ehrenfreund-Michler, Dinah: Wickelgeschichten. Die Lengnauer Tora-Wimpel. In: Bhend, Angela / Picard, Jacques: Jüdischer Kulturraum. Aargau 2020, S. 212–214.
  4. Judaica Handbook. Abgerufen am 18. Januar 2021.
  5. Judaica Handbook. Abgerufen am 18. Januar 2021.
  6. Judaica Handbook. Abgerufen am 18. Januar 2021.
  7. Ehrenfreund-Michler, Dinah: Wickelgeschichten. Die Lengnauer Tora-Wimpel. In: Bhend, Angela / Picard, Jacques: Jüdischer Kulturraum. Aargau 2020, S. 212–214.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mappa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien