Mappa

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Mappa (Torawimpel)

Eine Mappa (Pl. Mappot) oder Torawimpel ist ein Stoffband, das um die Torarolle gewickelt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einigen Regionen des aschkenasischen Judentums wird die Mappa aus einem Beschneidungstuch hergestellt, auf dem in einer Inschrift die wichtigsten Stationen des jüdischen Lebens angeführt werden. Dies geht auf den Rabbi Jakob ben Moses haLevi Molin zurück. Er verwendete als Pate bei einer Beschneidung das Wickelband einer Torarolle als Beschneidungswindel, da sich die Eltern aus Armut keine Windel leisten konnten. Nach der Reinigung des Tuches wurde es wieder als Mappa benutzt.

Seitdem wurden die Torawimpel mit den Segenssprüchen bestickt, die die wichtigsten Stationen im Leben eines heranwachsenden Juden enthält, und der Wimpel wird dann feierlich und zeremoniell von dem Knaben im Alter von ca. drei Jahren an die Synagoge übergeben.

Lengnauer Mappot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der umfangreichsten Sammlungen von Mappot wurde in den 1960er Jahren im Surbtal im Schweizer Kanton Aargau gefunden. Die 218 Wickelbänder, die auf der Frauenempore der Synagoge in Lengnau lagerten, erstrecken sich über drei Jahrhunderte. Das älteste stammt aus dem Jahr 1655. 1967 wurden die Wimpel durch Florence Guggenheim-Grünberg untersucht. Sie sind heute Teil der Sammlung des Jüdischen Museums der Schweiz.[1]

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als einem der ältesten Toraschmuckstücke sind der Mappa mehrere Verwendungszwecke zugedacht.

Im Talmud wird bestimmt, dass die heiligen Schriftrollen mit kostbarer Seide umhüllt werden sollen. Der Torawimpel dient dabei als Wickelband für die Tora. Das Band wird vom heranwachsenden jüdischen Knaben im Alter von drei Jahren bei seinem ersten Besuch in der Synagoge übergeben. Die Übergabe der Mappa steht für das „Sich-einbinden“ in die Gemeinde und das „Sich-binden“ an die Tora.

Die Mappa wird später bei Zeremonien weiterer Feste im Leben des jungen Juden eine Rolle spielen. So ist die Tora seiner Bar Mizwa mit dem Wimpel umhüllt, und bei seiner Hochzeit wird der Wimpel benötigt, indem er die Tora, in der am Sabbat vor der Hochzeit vorgelesen wird, umwickelt oder die Chuppa, den Hochzeitsbaldachin, schmückt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Guggenheim-Grünberg, Florence: Die Torawickelbänder von Lengnau. Zeugnisse jüdischer Volkskunst. Beiträge zur Geschichte und Volkskunde der Juden in der Schweiz. Heft 9. Zürich 1967, S. 3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mappa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien