Adelebsen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Fleckens Adelebsen
Adelebsen
Deutschlandkarte, Position des Fleckens Adelebsen hervorgehoben

Koordinaten: 51° 35′ N, 9° 45′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Göttingen
Höhe: 187 m ü. NHN
Fläche: 76,09 km2
Einwohner: 6201 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 81 Einwohner je km2
Postleitzahl: 37139
Vorwahlen: 05506, 05502Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: , DUD, HMÜ, OHA
Gemeindeschlüssel: 03 1 59 001
Fleckengliederung: 7 Ortsteile[2]
Adresse der
Fleckenverwaltung:
Burgstraße 2
37139 Adelebsen
Website: adelebsen.de
Bürgermeister: Holger Frase (SPD)
Lage des Fleckens Adelebsen im Landkreis Göttingen
NiedersachsenStaufenbergHann. MündenSchedenBührenNiemetalJühndeDransfeldAdelebsenFriedlandRosdorfGöttingenBovendenGleichenLandolfshausenSeulingenWaakeSeeburgEbergötzenDuderstadtObernfeldRollshausenRüdershausenRhumspringeWollershausenGieboldehausenWollbrandshausenBodenseeKrebeckWalkenriedBad SachsaBad Lauterberg im HarzHerzberg am HarzHerzberg am HarzHerzberg am HarzHattorf am HarzHattorf am HarzWulften am HarzElbingerodeHörden am HarzOsterode am HarzBad Grund (Harz)Harz (Landkreis Göttingen)Harz (Landkreis Göttingen)Harz (Landkreis Göttingen)Landkreis GoslarLandkreis NortheimLandkreis NortheimHessenThüringenSachsen-AnhaltKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Flecken
Merian-Stich von Adelebsen um 1650

Adelebsen ist ein Flecken in Niedersachsen, der etwa 15 Kilometer westlich von Göttingen an der Schwülme liegt. Er hat 6201 Einwohner und gehört zum Landkreis Göttingen. Der Flecken Adelebsen besteht aus der Kernortschaft Adelebsen und den Ortsteilen Barterode, Eberhausen, Erbsen, Güntersen, Lödingsen und Wibbecke.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft Adelebsen wurde 990 erstmals mit der Bezeichnung Ethelleveshusen erwähnt. In diesem Jahr schenkte der spätere Kaiser Otto III. seiner Schwester Sophie hier Ländereien. Der das Dorf und die Straße (durch das Schwülmetal an die Weser) überragende Sandsteinfelsen war wie geschaffen für eine Burganlage. So siedelten im 13. Jahrhundert die Herren von Wibbecke aus ihrem in der Nähe liegenden Dorf hier über und erbauten auf dem Felsen eine Burg, die in einer Schrift 1295 erstmals erwähnt wird, und nannten sich fortan mit dem Namen von Adelebsen, welches damals noch bekannt war unter der Abwandlung de Adelevessen.

Am 1. Mai 1394 erhielt der Ort von den Grund und Gerichtsherren das „Weichsbildrecht“, welches eine Art Recht zur Selbstverwaltung darstellte. Daraus entwickelte sich 1693 die Bezeichnung „das Flecken“. Während der gesamten Zeit von 13. Jahrhundert bis 1852 befand sich Adelebsen im Patrimonialgericht, welches die Grundherrn von Adelebsen eingerichtet hatten. Eine Ausnahme jedoch bildete die kurze Zugehörigkeit Adelebsens zum Königreich Westphalen. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kam es zu einer Fehde zwischen den Herren von Adelebsen und dem Landgrafen Wilhelm von Hessen, an der sich auch der Herzog von Braunschweig-Lüneburg Erich I. zugunsten derer von Adelebsen beteiligte. Es kam zu einem regelrechten Krieg zwischen dem Braunschweiger und dem Hessischen Landgrafen, welcher 1497 einen Teil von Barterode niederbrannte, die dortige Kirche einnahm und viele Gefangene machte und sich anschließend 1503 gegen Adelebsen wandte.[3] Erich I. kam jedoch dem Landgrafen von Hessen zuvor, befestigte Adelebsen und ließ im Ort eine starke Besatzung. Die Fehde und der Krieg endeten mit dem Verzicht des Hessischen Landgrafen auf seine Lehnshoheit über Adelebsen, diese sollte fortan der Braunschweiger Erich I. besitzen.

Unter den Wirren des Dreißigjährigen Krieges hatte Adelebsen, ähnlich wie viele andere Orte im südniedersächsischen Raum, zu leiden. Zwar wurde ein Schutzbrief für die Ortschaft erlassen, jedoch konnte dieser nicht abwenden, dass 1629 der Feldherr Tilly weite Teile Adelebsens stark zerstörte. Noch bis in die Nachkriegsjahre wird von den verheerenden Schäden berichtet.

Um finanzielle Einnahmequellen brauchten sich die Herren von Adelebsen allerdings keine Sorgen zu machen, denn neben den 1543 eingerichteten Gerichts- und 1550 begründeten Polizeiordnungen erließen die Grundherrn alle möglichen Rechte betreffend der Einnahmequellen, die ihnen ein standesgemäßes Leben bieten sollte. So kam es, dass das Konzessionsrecht für das Brauereiwesen, die Krugnahrung, die Handelsgeschäfte und einige Handwerksbetriebe und der Jahrmarkt die einträglichsten Einnahmequellen waren und die Herren von Adelebsen ihre Einkünfte, im finanziellen und materiellen Bereich, vorwiegend aus dem Abgabewesen bezogen. Zudem fiel der Judenschutz darunter, aus dem Einnahmen durch Beiwohnungs- und Schutzgeld erzielt wurden.

In wirtschaftlicher Hinsicht spielten seit Beginn des 19. Jahrhunderts jüdische Geschäftsleute eine immer wichtigere Rolle in Adelebsen. So befanden sich im Jahre 1811 unter den 1168 Einwohnern des Ortes 97 Juden. 1859 wurden 15 der insgesamt 23 Geschäfte des Ortes von den jüdischen Mitbürgern geleitet, was Adelebsen den Beinamen „Klein-Jerusalem“ einbrachte.[4] In der Pogromnacht vom 9. November 1938 wurde die örtliche Synagoge von vermutlich Göttinger SS-Angehörigen zerstört, die man eigens dafür nach Adelebsen beordert hatte. In der Folgezeit wurden alle jüdischen Einwohner in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, aus dem am Ende des Krieges lediglich ein Überlebender zurückkehrte.

Durch um 1870 beginnenden Basaltabbau der in der Nähe gelegenen Berge Bramburg, Grefenburg und Backenberg wurde Adelebsen zum Standort einer bedeutenden Steinbruchindustrie.

Von 1885 bis 1932 gehörten Adelebsen und seine Ortschaften zum Kreis der im Nordwesten gelegenen benachbarten Stadt Uslar. Dieser wurde dann mit dem Kreis Northeim vereinigt. Erst am 1. Januar 1973 wurde Adelebsen aus dem Landkreis Northeim in den Landkreis Göttingen ausgegliedert.

Im März 1993 geriet der Ort bundesweit in die Schlagzeilen, als die „Autonome Antifa (M)“ aus Göttingen mit etwa 2.000 Teilnehmern, ein großer Teil von ihnen behelmt und vermummt im Schwarzen Block, eine Demonstration gegen ein Schulungszentrum der NPD in Adelebsen durchführte.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Ortsnamen von Adelebsen waren in den Jahren 990 Ethelleueshuson, 1162 Adeleuissen, 1234 Adelevessen, 1241 Adelevessen, 1253 Adelewessen und 1258 Adelevesen. Der Name geht auf die Siedlung des „Athal-levo“ zurück.[5]

Eine Sage gibt eine andere Erläuterung zur Herkunft des Namens:

„Ein Fräulein Namens Adelheid war Hoffräulein der Gemahlin Heinrichs des Vogelstellers und bei dem Könige sehr beliebt. Sie war mit einem Ritter Dietmar verlobt, und als die Hochzeit bevorstand, versprach ihr der König so viel Land als Brautgabe zu schenken, wie sie in einem Tage umreiten könne. Der König verweilte aber gerade auf seiner Burg bei Göttingen (Burg Grona). Adelheid umritt nun in einem Tage ein großes Stück Land und gewann dieses so zum Eigenthum. Dietmar und Adelheid erbauten sich dann nach ihrer Vermählung, etwa eine Stunde von dem jetzigen Schlosse, eine Burg, welche sie Adelheidshusen nannten, woraus der Name Adelebsen geworden ist. Späterhin, zur Zeit des schwarzen Todes, wurde die alte Burg von ihren Bewohnern verlassen und das heute noch bestehende Schloß gebaut. Auch die Bewohner der Ortschaft, welche am Fuße der alten Burg entstanden war, baten um die Erlaubniß sich am Fuße der neuen Burg anzubauen und erhielten sie. So entstand der Flecken Adelebsen.“[6]

Die Burg Adelebsen stammt jedoch aus dem 13. Jahrhundert und ist somit jünger als die Siedlung.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinden Barterode, Eberhausen, Erbsen, Güntersen, Lödingsen und Wibbecke eingegliedert.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ratswahl am 12. September 2021 führte in Adelebsen zu folgendem Ergebnis:[8]

Partei / Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze
SPD 38,33 -12,39 7
CDU 26,34 +0,49 5
Bündnis 90/Die Grünen 14,73 +14,73 3
FDP 9,69 +6,26 2
FWG Barterode/Wibbecke 6,14 +6,14 1
WG GL 2,81 -1,77 0
Einzelwahlvorschlag Jaeger 1,95 +1,95 0

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Januar 2006 wurde überraschend die 29-jährige CDU-Politikerin Dinah Stollwerck-Bauer mit 58 % gegen ihren Mitbewerber Norbert Hilke (SPD) zur Bürgermeisterin gewählt. Als Nachfolger setzte sich in der Stichwahl am 6. Oktober 2013 der Kandidat Holger Frase (SPD) mit 68,68 % der abgegebenen Stimmen gegen die Kandidatin Elke Vetter (CDU) durch. Die Wahlbeteiligung betrug 55,72 %.[9] Frase trat sein Amt am 27. Januar 2014 an.[10] Bei der Wahl am 12. September 2021 wurde Frase mit 52,71 % wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 64,36 %.[11]

Wappen, Flagge und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Auf einem sechsfach von Blau und Silber gewürfelten Schild, ein golden umbordeter Herzschild, der in Blau den silbernen Adelebser Burgturm über silberner Zinnenmauer zeigt.“

Das Wappen wurde vom niedersächsischen Ministerium des Inneren 1956 genehmigt. Es ist abgeleitet vom Wappen der Freiherren von Adelebsen, die einen gespaltenen und zweifach geteilten Schild in Blau und Silber führten. Das Wappen wurde ergänzt durch den Herzschild mit dem Burgturm.[12]

Beschreibung der Flagge: „Die Flagge ist blau-weiß quergestreift mit aufgelegtem Wappen in der Mitte.“

Beschreibung des Siegels: „Das Dienstsiegel des Fleckens Adelebsen enthält das Wappen der Gemeinde mit der Umschrift „ Flecken Adelebsen, Landkreis Göttingen“.“[13]

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch Liste der Naturdenkmale in Adelebsen und Liste der Baudenkmale in Adelebsen

Burg Adelebsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Adelebsen

Die Burg Adelebsen wurde im 13. Jahrhundert von den Herren von Wibbecke erbaut, die ihren Stammsitz hierher verlegten. Der etwa 40 Meter hohe Wohnturm mit fünfeckigem Grundriss stammt im Kern aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, durch weitere Gebäude wurde die Anlage in der Renaissance und im Barock ergänzt und zu einem Schloss umgestaltet. Zur Schlossanlage gehört auch ein terrassierter Garten am Hang zum Schwülmetal sowieso eine großflächige Gutsanlage im Tal unterhalb des Schlosses.[14]

Evangelisch-lutherische St.-Martini-Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martinikirche

Die St.-Martini-Kirche in Adelebsen wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Spätestens für das 15. Jahrhundert existieren Zeugnisse einer örtlichen Kirchengemeinde, als am 6. Januar 1419 in einer Urkunde Albrecht von Bernßen erwähnt wird, welcher als Patron des Altars St. Spiritus auftritt. Ihm und dem Besitzer des Altars, Cord Kornegel, verpflichtet sich die Stadt Göttingen für 18 Mark jährlich sechs Stübchen Wein und ein Quartier zum Gottesdienst zu verkaufen. Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1443 berichtet von Wachs- und Weinlieferungen, welche bis 1856 bestanden. Bis zur Reformation gehörte die Adelebsener Pfarrkirche zum Sprengel des Abtes von Bursfelde. Wann genau die Reformation Einzug in Adelebsen hielt, ist nicht überliefert, greift man jedoch zu indirekten Zeugnisse, zeigt sich, dass eine 1542 von Anton Corvinus vorgenommene Kirchenvisitation im Fürstentum Göttingen belegte, dass außer Nörten-Hardenberg und dem Kloster Marienstein alle geistlichen Einrichtungen im Land die lutherischen Glaubensideale aufgenommen hatten.[15] So spricht auch eine Urkunde aus dem Jahr 1564 davon, dass die örtliche Pfarrkirche und christliche Lehre hier verlassen und vaciret, was darauf schließen lässt, dass der alte Glaube allmählich der neuen Konfession weichen musste. Bodo VI. (1519–1580) forcierte die Reformation, obwohl er durch sein Amt als Statthalter Herzog Erichs II. eine gewisse Nähe zu einem Feind der neuen Glaubenslehre besaß. Zu jenem Zeitpunkt lassen sich auch die Herren von Adelebsen als diejenigen nachweisen, welche das jus patronatus über ihren Besitz ausübten. Ein herzoglicher Brief vom 12. März 1594 bestätigt dieses Recht. Das Kirchengebäude in seiner heutigen Gestalt ähnelt nicht mehr dem ursprünglichen Bau und stammt aus verschiedenen Zeiten. Der älteste Teil befindet sich im Bereich des Chors, der einst die Privatkapelle der Herren von Adelebsen gewesen ist. Später baute man an dieser Stelle das Kirchenschiff höher und breiter als den älteren Teil an. Die Renaissancekanzel stammt aus dem Jahr 1562, während der Altar barocken Ursprungs ist.[16] Die Erweiterung fand vermutlich nach dem Dreißigjährigen Krieg statt, als sich der Flecken Adelebsen, begünstigt durch den Zuzug der Bewohner aus den umliegenden zerstörten Dörfern, vergrößerte. Von den vier Glocken der Kirche stammt die größte aus dem Jahr 1267 und ist somit eine der ältesten datierten Glocken Niedersachsens. Ihre drei kleineren Schwestern stammen ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert (4) bzw. aus dem Jahre 1948 (2+3).

Katholische Kirche St. Hedwig und Adelheid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Hedwig und Adelheid

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam eine große Anzahl katholischer, vor allem schlesischer Vertriebener, nach Adelebsen. 1949 stellte deshalb der Baron Georg von Adelebsen dem Bistum Hildesheim die zum Schloss Adelebsen gehörige Zehntscheune für eine katholische Kirche zur Verfügung. An die zur Verfügung gestellte Scheune wurde ein Altarraum angebaut und 1950 weihte Bischof Godehard von Hildesheim die Kirche.

Die Zehntscheune ist ein Fachwerkgebäude aus dem Jahre 1577. Hier wurde früher der Zehnte gesammelt und eingelagert. Das Gebäude steht heute, wie der gesamte Schloss-Bereich, unter Denkmalschutz.[17]

Wüstung Reinshagen (Reynhardeshagen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapellenruine Reinshagen (Aufnahme 2010)

Etwa 3 Kilometer westlich des Ortsrandes von Adelebsen befindet sich im Schwülmetal und in der Nähe der Landesgrenze die Wüstung[18] Reinshagen (Reynhardeshagen), deren spätgotische Kapellenruine direkt an der heutigen Landesstraße 554 liegt. In manchen Veröffentlichungen wird die Ruine auch als „Alte Kirche Reinshagen“ bezeichnet.[19] Es handelt sich um eine kleine ehemalige Saalkirche auf rechteckigem Grundriss in Sandstein-Bruchsteinmauerwerk, der nicht geostet ist, sondern stark nach Süden schwenkt, was wohl mit der Lage am Hangfuß zusammenhängt. Von der Kapelle sind drei Außenwände erhalten, die Ansätze von zwei Kreuzgewölbejochen auf Konsolen zeigen. Mittig in der südöstlichen Giebelwand sitzt ein Spitzbogenfenster mit Maßwerkresten. Den ehemaligen Hauptfassadenschmuck dürfte ein achteckiger Giebelreiter auf der nordwestlichen Giebelwand dargestellt haben, dessen sorgfältig ausgearbeitete Werksteinkonsole gut erhalten ist.

Wartturm der Wüstung Reinshagen (2021)

Die Kapelle wurde 1445 erstmals schriftlich erwähnt und war Maria geweiht.[20] Gestiftet wurde die Kapelle von Reinhard von Adelebsen, welcher als Schildknappe 1101 bei Heinrich dem Fetten diente und Heinrich den Löwen 1172 auf seiner Pilgerreise nach Jerusalem begleitete. Auf diesem Zuge sammelte Reinhard verschiedene Reliquien und veranlasste die Stiftung der Kapelle, um darin die Heiligtümer aufzubewahren. 1199 wurde die Kapelle vom Erzbischof von Mainz Konrad I. von Wittelsbach feierlich eingeweiht und bestätigt.[21] Der Sage nach sollen bei dieser Kapelle Wunder geschehen sein, die viele Besucher anzogen und Wallfahrten veranlassten. Besonderen Andrang erhielt sie während des Kirchweihfestes, das auch Kaufleute anzog und einen Jahrmarkt entstehen ließ. Um den zahlreichen Pilgern ein Obdach zu geben, rodeten die Nachfahren Reinhards von Adelebsen das Gebiet um die Kapelle und gründeten das Dorf Reynhardeshagen.

Westlich der Kapellenruine steht nahe der Schwülme die Ruine eines mittelalterlichen Wartturms, der die historische Straße im Schwülmetal absicherte.[20][22]

Steinarbeitermuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem ehemaligen Fachwerk-Schulgebäude mit Lehrerwohnung im Ort wurde 1994 ein Museum eingerichtet, dessen Schwerpunkt auf der Dokumentation des alltäglichen Lebens der Steinarbeiter in den Basaltbrüchen des Backenbergs, der Bramburg und der Grefenburg liegt. Neben dem Arbeitsleben wird auch das private Umfeld dargestellt. Das Museum wird ehrenamtlich durch einen eingetragenen Verein betreut.[23]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinarbeitermuseum

Die jüdische Gemeinde in Adelebsen zählte im 19. Jahrhundert zu den größeren jüdischen Landgemeinden der Region. Sie wurde in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur durch Deportation, Ermordung und Auswanderungsdruck vernichtet, die Synagoge wurde im Rahmen der Novemberpogrome 1938 zerstört. Erhalten blieb der Friedhof, der Anfang des 18. Jahrhunderts westlich des Ortes auf einem stark hängigen Grundstück angelegt worden war. Es sind über 200 Grabsteine erhalten, die in den Jahren 1999 bis 2004[24] restauriert wurden. Der älteste Grabstein ist auf 1733 datiert.[25]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Adelebsen, das Bahnhofsgebäude ist 2017 ungenutzt

Der Bahnhof Adelebsen liegt an der Bahnstrecke Göttingen–Bodenfelde. Er wird stündlich von der Linie RB 85 der NordWestBahn bedient.

Linie Verlauf Takt
RB 85 Oberweserbahn:
Paderborn Hbf – Altenbeken – Bad Driburg – Brakel – Höxter-Ottbergen – Beverungen-Wehrden – Lauenförde-Beverungen – Bad Karlshafen – Bodenfelde – Vernawahlshausen – Offensen (Kr North) – Adelebsen – Lödingsen – Lenglern – Göttingen
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2020
60 min

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die in Adelebsen gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Lebek (1901–1985) Holzschneider, Grafiker und Buchillustrator

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Zeiller: Adelipsen. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Ducatus Brunswick et Lüneburg (= Topographia Germaniae. Band 15). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1654, S. 39 (Volltext [Wikisource]).
  • Rudolf Eckart: Geschichte von Adelebsen nach archivalischen Quellen. In: Geschichte Südhannoverscher Burgen und Klöster. Band 5. Bernhard Franke, Leipzig 1895.
  • Herbert Mundhenke: Das Patrimonialgericht Adelebsen. Ein Beitrag zur historischen Geographie des Fürstentums Göttingen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1941.
  • Cord Alphei: Geschichte Adelebsens und Lödingsens. Goltze, Göttingen 1990, ISBN 3-88452-760-6 (Zugleich: Göttingen, Univ., Diss., 1990).
  • Museumsverein für Steinarbeit und Ländliches Alltagsleben (Hrsg.): Bewegte Zeiten. Adelebsen in den Nachkriegsjahren 1945 bis 1955. Adelebsen 1999.
  • André Ausmeyer: Ortssippenbuch Adelebsen, Das Einwohnerbuch des Flecken Adelebsen von 1653 bis 1950, 2., erweiterte Auflage 2014, Uslar 2014 ISBN 978-3-933334-25-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Adelebsen – Sammlung von Bildern
Wikivoyage: Adelebsen – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle A100001G: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2020 (Hilfe dazu).
  2. a b Hauptsatzung des Flecken Adelebsen (PDF). Abgerufen am 23. März 2011.
  3. Rudolf Eckart: Geschichte von Adelebsen nach archivalischen Quellen. In: Geschichte Südhannoverscher Burgen und Klöster. Band 5. Bernhard Franke, Leipzig 1895, S. 38.
  4. Christoph Fricke: Rund um ‘dat feste hus’. 1000 Jahre Adelebsen und Lödingsen. In: Göttinger Jahresblätter. Band 13, 1990, ISSN 0172-861X, S. 70.
  5. Jürgen Udolph (Recherche): Der „Ortsnamenforscher“. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Internetseite NDR 1 Niedersachsen. Archiviert vom Original am 7. Dezember 2015; abgerufen am 2. August 2019.
  6. Georg Schambach / Wilhelm Müller: Niedersächsische Sagen und Märchen. Göttingen 1855, S. 15. auf Zeno.org, abgerufen am 17. September 2014
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 213.
  8. Ergebnis. Abgerufen am 14. September 2021.
  9. Ergebnis zur Stichwahl zur Bürgermeisterwahl 2013 am 6. Oktober 2013, Flecken Adelebsen, abgerufen am 25. Oktober 2013.
  10. StadtRadio Göttingen: Frase tritt Bürgermeisteramt in Adelebsen an, abgerufen am 27. Januar 2014.
  11. Ergebnis. Abgerufen am 14. September 2021.
  12. Klemens Stadler: Deutsche Wappen, Band 5, Bremen 1970, S. 15
  13. Hauptsatzung des Fleckens Adelebsen
  14. Peter Ferdinand Lufen: Landkreis Göttingen, Teil 1. Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf. In: Christiane Segers-Glocke (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 5.2. CW Niemeyer, Hameln 1993, ISBN 3-87585-251-6, S. 78–82.
  15. Rudolf Eckart: Geschichte von Adelebsen nach archivalischen Quellen. In: Geschichte Südhannoverscher Burgen und Klöster. Band 5. Bernhard Franke, Leipzig 1895, S. 5.
  16. Hans Pusen: Niedersachsen. Das Berg- und Hügelland im Süden. 2. Auflage. Sigmaringendorf 1987, ISBN 3-8235-1002-9, S. 81.
  17. St. Hedwig und Adelheid auf der Homepage der St. Godehard Pfarrgemeinde, abgerufen am 17. September 2014.
  18. Erhard Kühlhorn: Wüstung Reyhardeshagen im Solling. Aufsatz-Digitalisat (ohne Quellenangabe) auf christiane-christen.de, abgerufen am 24. Mai 2021.
  19. so zum Beispiel in der Topographischen Karte 1:25.000, Blatt 4424 Dransfeld, herausgegeben vom Niedersächsischen Landesverwaltungsamz – Landesvermessung – 1991
  20. a b Peter Ferdinand Lufen: Landkreis Göttingen, Teil 1. Altkreis Münden mit den Gemeinden Adelebsen, Bovenden und Rosdorf. In: Christiane Segers-Glocke (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 5.2. CW Niemeyer, Hameln 1993, ISBN 3-87585-251-6, S. 82 f.
  21. Rudolf Eckart: Geschichte von Adelebsen nach archivalischen Quellen. In: Geschichte Südhannoverscher Burgen und Klöster. Band 5. Bernhard Franke, Leipzig 1895, S. 22.
  22. Reinshagener Turm (Adelebsen). In: www.alleburgen.de. Andreas Hein (Alle Burgen), abgerufen am 25. Mai 2021 (Mit Abbildungen des Turms).
  23. Homepage Steinarbeitermuseum, abgerufen am 15. Oktober 2018.
  24. Jörn Barke: Friedhof bei Adelebsen. „Herausragendes Zeugnis jüdischer Grabkultur“. In: www.goettinger-tageblatt.de (Online-Ausgabe). Göttinger Tageblatt, 27. August 2010, abgerufen am 24. Mai 2021.
  25. Berndt Schaller, Eike Dietert: Im Steilhang. Der jüdische Friedhof zu Adelebsen. Erinnerung an eine zerstörte Gemeinschaft. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2010. ISBN 978-3-941875-14-2 (Digitalisat, abgerufen am 24. Mai 2021).