Marburger Bund

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Marburger Bund
Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
Rechtsform e.V.
Sitz Berlin
Gründung 1947
Ort Marburg
Vorstand Rudolf Henke
Geschäftsführer Armin Ehl
Mitglieder 114.179 (2012)
Organisationstyp Fachgewerkschaft
Website www.marburger-bund.de

Der Marburger Bund – Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e. V. ist ein Berufsverband und eine Fachgewerkschaft für Ärzte in Deutschland und hat seinen Sitz in Berlin. Er wurde 1947 in Marburg gegründet und hatte Ende 2015 nach eigenen Angaben mehr als 118.000 Mitglieder (von insgesamt rund 163.000 deutschen Krankenhausärzten), er vertritt also etwa 70 Prozent der Krankenhausärzte. Damit ist der Marburger Bund die größte Ärztevereinigung in Europa. Er agiert sowohl auf tarifpolitischer (Tarifverhandlungen) als auch auf berufs- und standespolitischer (Ärztekammern) Ebene.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marburger Bund setzt sich u. a. für die Verbesserung der beruflichen Situation von angestellten und beamteten Ärzten ein. Dies soll insbesondere durch die Abschaffung von befristeten Arbeitsverträgen und die Vergütung aller Überstunden und Bereitschaftsdienste erreicht werden. Als Hauptziele werden geregelte Arbeitszeiten und international konkurrenzfähige Gehälter genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Treffen des Marburger AStA im Frühjahr 1947 wurde ein erstes Gerüst einer Satzung für die örtlichen Arbeitsgemeinschaften der jungen Ärzte innerhalb der Ärztekammern entworfen. Bei einer späteren Zusammenkunft wurde beschlossen, sich nicht mehr „Arbeitsgemeinschaft der Jungärzte“ zu nennen, sondern „Marburger Gemeinschaft – Vereinigung angestellter Ärzte“. Die Marburger Gemeinschaft wurde auf der vierten Interzonentagung aufgelöst, in einen tariffähigen Verband mit Einzelmitgliedschaften umgewandelt und ihr am 5. Mai 1948 der Namen „Marburger Bund – Vereinigung angestellter Ärzte“ (MB) gegeben. Die Bundesgeschäftsstelle wurde in Köln-Mülheim eröffnet.

Im Jahre 2005 bezog der Marburger Bund eine neue Hauptgeschäftsstelle in Berlin-Mitte.

Auftreten in Tarifverhandlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft wurde ein „Freundschaftsabkommen“ getroffen. Danach solle der Marburger Bund selbstständig bleiben, jedoch innerhalb der Tarifkommission der DAG Sitz und Stimme bekommen. Im Jahre 1950 wurde eine Vereinbarung mit der DAG getroffen, in Vollmacht für den MB bei Tarifverhandlungen auf Bundesebene zu agieren. Nach der Fusionierung der DAG (die nie Mitglied im DGB war) mit vier DGB-Gewerkschaften zur Gewerkschaft ver.di ging die Vollmacht auf diese über. In der 108. Hauptversammlung des Marburger Bundes am 10. September 2005 in Berlin wurde die Trennung des Marburger Bundes von der als Rechtsnachfolgerin der DAG agierenden Gewerkschaft ver.di als Tarifpartner beschlossen. Somit ist der Marburger Bund eine eigenständige Tarifvertretung für angestellte und verbeamtete Krankenhausärzte. Darauf kam es zu einer Beitrittswelle: Innerhalb von wenigen Wochen stieg die Mitgliederzahl um 15.000 auf über 96.000 an. Der Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery äußerte in einem Focus-Interview am 7. August 2006 die Absicht, alle medizinischen Verbände zusammenzubringen und eine neue Gesundheitsgewerkschaft zu bilden.

Ärztestreik und Tarifverhandlungen 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marburger Bund (MB) protestierte am 6. September 2005 mit über 5.000 Ärzten in Stuttgart gegen die ihrer Meinung nach schlechten Arbeits- und Einkommensbedingungen der Klinikärzte. Der Marburger Bund lehnt den neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) ab und fordert von den Arbeitgebern in Tarifverhandlungen einen arztspezifischen Tarifvertrag. Bei Verhandlungsstillstand seitens der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hat der MB im März 2006 den ersten bundesweiten Ärztestreik an deutschen Universitätskliniken und psychiatrischen Landeskrankenhäusern ausgerufen. Am 16. Juni 2006 gelang es dem Marburger Bund, sich mit der TdL auf einen eigenständigen Ärztetarifvertrag zu einigen.

Nach Abschluss der Tarifeinigung konzentrierten sich die Aktivitäten auf die kommunalen Krankenhäuser. Nach knapp acht Wochen Streikmaßnahmen einigte man sich am 17. August 2006 auf einen neuen Tarifvertrag für die Ärzte an städtischen und Kreiskrankenhäusern.

Von großen Teilen der Ärzteschaft sehr begrüßt, stießen der Ärztetarifverträge des Marburger Bundes bei DGB-Gewerkschaften und den Krankenhausträgern auf Kritik.

Tarifverhandlungen 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. März 2009 einigten sich Marburger Bund und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder auf einen neuen Tarifvertrag für die Ärzte der Universitätskliniken und weitere im Landesdienst beschäftigte Mediziner. Die Gehälter der Universitätsärzte wurden ab dem 1. Mai 2009 um 3,8 Prozent und zum 1. August 2010 um weitere 1,2 Prozent erhöht. Neben den klinisch tätigen Universitätsärzten wurden fortan auch Ärzte, die vorübergehend in Forschung oder Lehre tätig waren, sowie die Ärzte der Justizvollzugskrankenhäuser vom arztspezifischen Tarifvertrag erfasst.[1]

Der Marburger Bund verhandelt darüber hinaus mit der MDS/MDK-Gemeinschaft und mit der Deutschen Rentenversicherung über je einen eigenen Tarifvertrag.

Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorsitzender ist seit 10. November 2007 der Internist Rudolf Henke aus Nordrhein-Westfalen.

Mitglieder des Bundesvorstandes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andreas Botzlar (zweiter Vorsitzender), Chirurg, München
  • Peter Bobbert (Beisitzer), Internist, Berlin
  • Sabine Ermer (Beisitzerin), Internistin, Eilenburg/Sachsen
  • Hans-Albert Gehle (Beisitzer), Anästhesiologe, Bochum
  • Henrik Herrmann (Beisitzer), Internist, Linden/Schleswig-Holstein
  • Susanne Johna (Besitzerin), Internistin, Kiedrich/Hessen
  • Frank J. Reuther (Beisitzer), Psychiater und Psychotherapeut, Rechtsmediziner, Ulm
  • Melanie Rubenbauer, (Beisitzerin), Radiologin, Bayreuth

Ehemalige Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Mitrenga[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung des Marburger Bundes (Memento vom 26. November 2010 im Internet Archive)
  2. Nachruf Dieter Mitrenga, FAZ, 29. Juli 2017