Marc Possover

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Marc Possover (* 22. Januar 1963 in Saint-Avold) ist ein französischer Chirurg und Gynäkologe.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marc Possover legte 1978 mit 15 Jahren sein Abitur ab. Anschließend begann er sein Studium der Medizin an der Universität Nancy. Dieses schloss er 1986 im Alter von 22 Jahren ab. Possover begann eine Facharztweiterbildung als Herz-Gefäß-Chirurg in Nancy. Er wurde am 25. September 1990 an der Universität mit der Dissertation „Aneurisma a candida albicans of the internal carotid arteria“, für die er das Prädikat „Magna Cum Laude“ erhielt, promoviert.

1990 begann er eine zweite Facharztausbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität des Saarlandes in Homburg. 1992 wechselte Possover an die Klinik am Eichert in Göppingen, wo er im Juli 1995 seine Facharztanerkennung für Gynäkologie und Geburtshilfe erhielt.

Im August 1995 wechselte er als Funktionsoberarzt, später Oberarzt, an die Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Klinikums der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er unter Achim Schneider bis Juni 2001 tätig war. 1995 absolvierte Possover einen Kurs bei Daniel Dargent an der Universität Lyon über die laparoskopischen Techniken der radikalen vaginalen Hysterektomie nach Schauta sowie die radikale Trachelektomie nach Dargent zur Therapie des Zervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs). Er brachte diese Techniken nach Deutschland und entwickelte die Methode an der Universität Jena weiter. Er habilitierte sich im Juli 1998 mit der Arbeit über die „Laparoskopische Behandlung des Zervixkarzinoms: Entwicklung und Etablierung einer neuen Methode“ und erhielt 1999 die Lehrbefugnis für das Fach Gynäkologie und Geburtshilfe. Von August 1998 bis Juni 2001 war er als Leitender Oberarzt Stellvertreter des Klinikdirektors.

2001 wechselte Marc Possover als Leitender Oberarzt an die Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität zu Köln, wo er 2003 unter Peter Mallmann zum außerplanmäßigen Professor ernannt wurde. 2004 erhielt er eine Gastprofessur am Norvegian Radium Hospital in Oslo. Von Januar 2005 bis September 2008 war er Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Elisabeth-Krankenhaus Köln.

Im Oktober 2008 ging Marc Possover als Leiter des Zentrums für „Surgical Gynecology und Neuropelveology“ in die Schweiz an die Klinik Hirslanden in Zürich.

2012 erhielt er die weltweit erste Professur für Neuropelveologie an der Universität Aarhus in Dänemark.

Im März 2013 gründete Possover das Possover International Medical Center. Es ist weltweit das erste Exzellenzzentrum, das die höchsten Standards in der speziellen gynäkologischen Beckenchirurgie – mit einem Schwerpunkt auf laparoskopischen Eingriffen zur Behandlung der Endometriose sowie bösartiger Erkrankungen – sowie die Neuropelveologie, eine neue Fachrichtung der Medizin, die sich mit der Behandlung der Beckennerven und ihren Krankheitsbildern, zum Beispiel chronischen Beckenschmerzen, Blasenentleerungsstörungen und Rückenmarksverletzungen, beschäftigt, unter einem Dach vereint. Das Possover International Medical Center hat seinen Sitz in der Privatklinik Hirslanden, Zürich.

Seit 2014 ist Marc Possover Gründungspräsident der International Society of Neuropelveology.[1]

Berufliche Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Possovers wissenschaftliche Tätigkeit konzentriert sich auf die minimal-invasive Behandlung von Endometriose,[2][3][4] sowie bösartigen Erkrankungen der Gebärmutter.[5][6] Er gilt als „Vater der Neuropelveologie“, einem neuen Zweig der Medizin, der sich mit krankhaften Veränderungen von Nerven im Becken befasst.[7][8][9][10] Er implantierte 2003 weltweit als Erster Elektroden bei einem querschnittgelähmten Patienten, um die Funktion der Beine wiederherzustellen[11][12] und setzte 2006 Elektroden zur Wiederherstellung der Blasen- und Darmfunktion bei einer gelähmten Frau ein.[13][14]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
    • Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie
    • Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endoskopie
  • Deutsche Krebsgesellschaft
  • European Society of Gynecology Endoscopy
  • Deutsche Gesellschaft für Computer- und Roboter-Assistierte Chirurgie
  • American Association of Gynecologic Laparoscopists
  • International School of Pelvic Surgery
  • Stiftung Endometrioseforschung
  • „Stand Up And Walk“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erster Preis des Postgraduate prize paper competition der American Association of Gynecologic Laparoscopists, 1994.
  • Habilitationspreis Friedrich-Schiller-Universität Jena, Juni 2001.
  • Preis der Lehre der Universität zu Köln, 2002
  • Gold-Medaille der Associazione Ostetrici Ginecologi Ospedalieri Italiani (AOGOI), Oktober 2003.
  • L. Arthur Bloomfield Award of Excellence der American Academy of Continuing Medical Education, 2007.
  • Eugen-Rehfisch-Preis des Forum Urodynamicum, März 2010.
  • Ehrenmitgliedschaft der Japan Society of Gynecologic and Obstetric Endoscopy, der Italienischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der Associazione Ostetrici Ginecologi Ospedalieri Italiani und der Society of Gynecology Endoscopy of South America, sowie des „Cercle Recamier“
  • Preis der "Swiss Technologie Award 2014" in der Kategorie "Inventor" mit der Erfindung der LION Prozedur zur Behandlung der Reizblase und die Wiederherstellung der Geh-Funktion bei querschnittgelähmten Menschen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.theison.org/ Website der International Society of Neuropelveology
  2. M. Possover, H. Diebolder, K. Plaul, A. Schneider: Laparoscopic-assisted vaginal resection of recto-vaginal endometriosis. In: Obstetrics & Gynecology. 96, 2000, S. 304–307. PMID 10960302
  3. M. Possover, K. Rhiem, V. Chiantera: The „neurologic hypothesis“: a new concept in the pathogenesis of the endometriosis? In: Gynecol Surg. 2, 2005, S. 107–111, doi:10.1007/s10397-004-0070-8
  4. M. Possover: Vorgehen bei der ausgedehnten retroperitonealen Endometriose. In: Praktische Gynäkologie. 2, 2003, S. 110–124.
  5. M. Possover: Technical modification of the nervesparing Laparoscopic Assisted Vaginal Radical Hysterectomy Type 3 for better reproducibility of this procedure. In: Gyneco Onco. 90, 2003, S. 245–247, doi:10.1016/S0090-8258(03)00255-5
  6. M. Possover: Options for laparoscopic surgery in cervical carcinomas. In: Eur J Gynaec Oncol. 6, 2003, S. 471–472. PMID 14658583
  7. M. Possover, V. Chiantera: The „Neuro-Pelveology“: A new speciality of neurology? In: J Neuros. 2007.
  8. M. Possover, J. Baekelandt, V. Chianteras: The Laparoscopic Implantation of Neuroprothesis - LION technique - to control intractable abdomino-pelvic neuralgia. In: Neuromodulation. 10, 2007, S. 18–23, doi:10.1111/j.1525-1403.2007.00083.x
  9. M. Possover, J. Quakernack, V. Chiantera: The „LANN-technique“ to reduce the postoperative functional mobidity in laparoscopic radical pelvic surgery. In: J Am Coll Surg. 10, 2005, S. 913–917. PMID 16310695.
  10. M. Possover: New surgical evolutions in management of sacral radiculopathies. In: Surg Technol Int. 19, 2010, S. 123–128. PMID 20437355.
  11. M. Possover, B. Schurch, K. Henle: New strategies of pelvic nerves stimulation for recovery of pelvic visceral functions and locomotion in paraplegics. In: Neurourol Urodyn. 29, 2010, S. 1433–1438. PMID 20589714.
  12. Theres Lüthi: Erste Schritte - Neue Behandlungsmethode für Querschnittsgelähmte. In: NZZ. 16. Mai 2010, (online)
  13. M. Possover: The sacral LION procedure for recovery of bladder/rectum/sexual functions in paraplegic patients after explantation of a previous Finetech-Brindley controller. In: J Minim Invasive Gynecol. 16, 2009, S. 98–101. PMID 19110191
  14. M. Possover, J. Baekelandt, A. Kaufmann, V. Chiantera: Laparoscopic endopelvic sacral implantation of a Brindley controller for recovery of bladder function in a paralyzed patient. In: Spinal Cord. 46, 2008, S. 70–73. PMID 17420771.