Margarethenkirche (Mediaș)

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Marktplatz von Mediaș mit der Margarethenkirche im Hintergrund

Die Margarethenkirche ist die Stadtpfarrkirche der Evangelischen Kirche A.B. in Mediaș im heutigen Rumänien, deren schiefer Hauptturm, der Trompeterturm oder Tramiter, auch heute noch das Stadtbild beherrscht. Die Kirche gehört zu den bedeutendsten spätgotischen Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen, von denen einige heute zum UNESCO-Welterbe zählen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erhaltenen mittelalterlichen Quellen nennen Mediaș zuerst im Jahre 1267, doch es gibt Grund zur Annahme, dass die vermutlich von deutsch-sprechenden Siedlern gegründete Ortschaft älter ist. Die in den Jahren 1971 und 1972 durchgeführten archäologischen Grabungen haben gezeigt, dass in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an der Stelle, wo die Kirche sich heute befindet, ein von den deutschen Bewohnern errichtetes Gotteshaus stand. Die Bevölkerung des Ortes muss schnell gewachsen sein, denn schon etwa 50 Jahre später musste dieser Bau einer Saalkirche mit auffallend langem Hauptschiff weichen. In dem heutigen nördlichen Seitenschiff sind Teile davon erhalten geblieben.

1414 wird die Kirche erstmals als Stadtpfarrkirche unter dem Patrozinium der Hl. Margareta von Antiochia urkundlich erwähnt. Spätestens nach dem Türkeneinfall von 1438 haben die Bewohner von Mediaș mit dem Bau ihrer dritten Kirche begonnen. 1447 wird beurkundet, dass Pfarrer Christian aus Mettersdorf „in porta ecclesiae parochialis beate Margarethe virginis et martyris in oppido Medyes – an der Tür der Pfarrkirche der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Margarethe“ Einspruch gegen ein Unrecht des Weissenburger Bischofs erhoben habe. Die älteste Glocke der Kirche stammt aus dem Jahr 1449 und trägt die Inschrift „o [r]ex gloriae veni cum pace – O König der Ehren, komme mit Frieden“. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde an Chor, Haupt- und südlichem Seitenschiff gebaut. Der Chronist Georg Soterius schrieb im 18. Jahrhundert in seiner „Historia Transilvaniae“, dass an einem Turm der Anlage die Jahreszahl 1482 gestanden habe. Abgeschlossen worden seien die Bauarbeiten im Jahr 1488. Um die gleiche Zeit haben die Einwohner aus Mediaș das sogenannte Kirchenkastell erbaut, eine Wehranlage mit mehrfachen Mauergürteln, Verteidigungsgraben und Wehrtürmen, die heute zum Teil noch erhalten sind. Das war eine für die damalige Zeit kaum vorstellbare finanzielle und auch technische Leistung. Urkundlich erwähnt werden die Befestigungsanlagen schon 1452.

Im Zuge des reformatorischen Bildersturms wurden 1545 die Nebenaltäre und Bilder aus der Kirche entfernt, wohl in Zusammenhang mit der ersten Evangelischen Synode Siebenbürgens, die in diesem Jahr in der Margarethenkirche stattfand. Weitere Reparaturarbeiten an der Kirche sind für 1584, 1606, 1636 und 1668 dokumentiert. Eine kleine Glocke im Geläute der Pfarrkirche mit der Inschrift Soli Deo Gloria trägt das Datum 1587. 1732 wurde die Orgel auf der Westempore wieder hergestellt. 1832 wurden die Pfeiler der Nordseite untermauert. Das Archiv der Stadtpfarrkirche dokumentiert größere Reparaturarbeiten in den Jahren 1888–1892. 1927–1930 wurden umfangreiche Arbeiten zur Befestigung der Fundamente des Trompeterturms durchgeführt. 1971–1972 führten Vasile Crişan und Mariana Beldie-Dumitrache archäologische Grabungen durch. 1973–1974 wurden erneut Stabilisierungsarbeiten an den Fundamenten des Trompeterturms notwendig; die beiden unteren Geschosse wurden mit Spannbeton ummantelt, 1973–1986 fanden weitere Restaurierungsarbeiten statt.[2] 1976–1982 wurde der bedeutende spätgotische Flügelaltar der Kirche[3] in der landeskirchlichen Restaurierungswerkstatt unter Leitung von Gisela Richter restauriert. Im Jahr 1992 erhielt der Mittelschrein des Altars eine Figurengruppe des österreichischen Bildhauers Franz Pichler.[4]

Kirchhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hermann Oberth Schule im Kirchhof

Unter dem sogenannten Tor- oder Glockenturm mit seinem hölzernen Wehrgang betritt man heute den Kirchhof. Geht man auf der Nordseite der Kirche weiter, so liegt links davon die 1713 erbaute „alte Schule“, die heutige Hermann-Oberth-Schule. Ihr Gebäude schließt heute den fünften Wehrturm ein, der 1888 bis unter das Schuldach abgetragen worden ist.

Weiter nach Osten steht der sogenannte Seiler- oder Speckturm mit seinen regelmäßig angeordneten vorragenden Gusslöchern. Im 19. Jahrhundert begann man, ihn für die Aufbewahrung von Speckseiten zu benutzen, was sich in seinem Namen niedergeschlagen hat.

Es folgt das Geburtshaus von Stephan Ludwig Roth, einem fortschrittlichen Denker und Kämpfer, der in den Wirren der Revolution von 1848/49 von einem ungarischen Standgericht zum Tode verurteilt und erschossen worden ist.

An der Ostseite der Kirche steht das Pfarrhaus, das in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Unmittelbar daneben befindet sich der mit einem Pultdach und Zinnen versehene Marienturm, der seinen Namen von einer Kapelle hat, die sich im Erdgeschoss dieses Baus befand und die nach den Resten der erhaltenen gebliebenen Wandmalereien zu schließen, zu Beginn des 16. Jahrhunderts hier eingerichtet worden war. Auf der Südseite der Kirche folgt der 1803 erbaute überdachte Treppenaufgang, der eine direkte Verbindung vom Marktplatz der Stadt herstellen sollte. Die letzte Befestigung des hier doppelten Mauerringes ist der Schneiderturm, auch mit Schießscharten und Gußlöchern zur Verteidigung ausgerüstet.

Trompeterturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der schiefe Trompeterturm der Margarethenkirche

1550, als Mediaș das Stadtrecht erhielt, wurde der Trompeterturm („Tramiter“) um drei Stockwerke erhöht. Als Zeichen dafür, dass das Mediașer Gericht auch Todesurteile aussprechen und vollstrecken konnte, wurden die vier kleinen Ecktürmchen errichtet. Durch den Druck der zusätzlichen Stockwerke wuchs die Belastung des Fundaments, so dass dieses nicht mehr standhielt. Der Turm begann sich zu neigen und weicht heute in einer Höhe von 68,50 m um 2,30 m von der Senkrechten ab. Spätestens Mitte des 17. Jahrhunderts musste der Turm mit zwei massiven Schwibbögen nach Nordwesten und Nordosten abgestützt werden. Die Glocken wurden in den benachbarten Turm verbracht, in dem sie auch heute noch erklingen. 1927 bis 1930 erfolgten umfangreiche Stabilisierungsmaßnahmen, erneut im Jahre 1972, die erst zu Beginn der achtziger Jahre abgeschlossen werden konnten. Während bis 1977 die Arbeiten von staatlichen Stellen finanziert wurden, ist die Restaurierung nachher allein mit Hilfe kirchlicher Mittel fortgeführt und abgeschlossen worden.[2]

Ostturm mit Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostturm (Marienturm)

Der Ostturm der Kirchenburg, der Marienturm, ist mit Zinnen bekrönt und trägt ein Pultdach. In seinem Erdgeschoss befindet sich eine reich mit Fresken ausgestattete kleine Kapelle. Ihre Wände und Gewölbe sind mit einem Rippennetzwerk aus Stuck gestaltet, das Elemente des spätgotischen Flamboyantstils aufgreift.

Im halbzylindrischen Gewölbe bildet das Rippennetz fünf Medaillons mit Inschriftenbändern, in deren Zentrum das Agnus Dei steht. Dieses umgeben Darstellungen der vier Evangelisten in Form hybrider apokalyptischer Figuren in menschlicher Gestalt, der Tetramorph. Auf der Ostwand ist ein Triptychon mit der Darstellung der Dreifaltigkeit in der Bildtradition des sedes gratiae erhalten. Flankiert wird diese von Johannes dem Täufer und dem Lamm sowie einer kaum noch erkennbaren Darstellung der Jungfrau Maria. In ihrer Gesamtheit geben die Fresken das Bildprogramm der Deesis wieder, einer verdichteten Ikonographie des Jüngsten Gerichts. Die Darstellung der Zwölf Apostel an den Seitenwänden, deren jeder Teile des Apostolischen Glaubensbekenntnisses trägt, betont noch die eucharistischen und eschatologischen Anspielungen des Wandfreskos.[5]

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreuzrippengewölbe des Chors

Betritt man den Innenraum der Kirche, so ist man fasziniert von der Harmonie der architektonischen Maße und Lichtverhältnisse. Gerade weil die Kirche asymmetrisch ist - sie hat nach Norden hin die Form einer Basilika, nach Süden aber ist sie eine Hallenkirche - übt sie auf den Besucher eine besondere Wirkung aus. Das nördliche Seitenschiff, das mit dem Mittelschiff durch Arkaden verbunden ist, ist älter als der restliche Bau. Das wird schon daran sichtbar, dass die aus dem Jahre 1420 stammenden Fresken an der Trennwand zwischen Haupt- und nördlichem Seitenschiff sowie der Wand des nördlichen Mittelschiffs von den das Rippengewölbe stützenden Halbsäulen (Diensten) durchschnitten und zum Teil verdeckt werden. Eine vergleichbare Bauweise findet sich in der Stadtpfarrkirche von Hermannstadt.

Der fünfseitige Chorraum besitzt drei Joche, die mit einem Netzgewölbe überwölbt sind, dessen Gewölberippen auf von Diensten getragenen prismenförmigen Kapitellen ruhen. Der Schlussstein im Zentrum der Gewölberippen zeigt Christus als Lamm Gottes, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten. In den Scheitelpunkten der Gewölberippen befinden sich Wappenschilder mit menschlichen Gesichtern. Diesen zugeordnet sind Spruchbänder. Die äußeren Wappenschilde zeigen die zwölf Apostel. Nach einer mittelalterlichen Legende soll jeder der Apostel einen Teil des Apostolischen Glaubensbekenntnisses gesprochen haben; daher ist jedem Apostelbild ein Spruchband mit dem lateinischen Text des Glaubensbekenntnisses zugeordnet. Auf den mittleren Scheitelpunkten befinden sich Darstellungen der vier Kirchenväter Augustinus, Hieronymus, Gregor der Große und Ambrosius.[6] Weitere Schilde an den Scheitelpunkten des Gewölbes im Hauptschiff zeigen in der Form einer „Wappenprozession“ hierarchisch geordnet das Wappen des ungarischen Königs Matthias Corvinus, das Mediașer Stadtwappen und Zünften.[7]

Unter den dreiteiligen, mit spätgotischem Maßwerk ausgestatteten Fenstern verläuft ein Kaffgesims. Blattkonsolen, auf denen die Dienste ruhen, unterbrechen das Gesims. In Mittel- und Seitenschiffen entspringen die Gewölberippen ohne Kapitelle aus Diensten und Säulen. Auch in der Südfassade weisen die dreiteiligen Fenster spätgotisches Maßwerk auf. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde in den beiden östlichsten Jochen des Südschiffs die Schneiderempore eingefügt, unterwölbt von auf Rundbogen ruhenden Kreuzgewölben. 1927–1930 wurde im Rahmen der Erhaltungsarbeiten am Trompeterturm der Westteil der Kirche weitgehend umgestaltet. Die gegen Ende des 19. Jahrhunderts angebrachten Blechrippen wurden während der Arbeiten von 1977–1988 durch hohle Stuckrippen ersetzt, die nur eine dekorative, nicht tragende Funktion haben.[8]

Mediascher Altar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Mediascher Altar
Chorraum und Hauptaltar; Werktagsseite mit Passionszyklus

Zu den künstlerisch wertvollsten Gegenständen der Kirche, wie auch der siebenbürgischen Kunst überhaupt, gehört der etwa zwischen 1490 und 1520 entstandene[9] spätgotische Flügelaltar. Der ehemals reiche Figurenschmuck des Altars ist verlorengegangen. Die leeren Nischen aus der Predella werden durch ein Abendmahlsgemälde (um 1515)[10] verdeckt, das nicht viel jünger ist als die Tafelmalereien des Altars. Dies zeigt, wie früh schon die Holzskulpturen des Altars verlorengegangen sind, möglicherweise schon 1545, als die sächsischen Pfarrer auf einer Synode den reformatorischen Bildersturm in den Kirchen Siebenbürgens beschlossen. Diese Synode fand ausgerechnet in der Margarethenkirche statt, deren Pfarrer, Bartholomäus Altemberger, als besonders eifriger Bilderstürmer hervortrat.

Die Werktagsseite des Altars zeigt auf acht Bildtafeln mit der Gefangennahme, Geißelung, Dornenkrönung, Verspottung, Kreuztragung, Christus in der Rast, Kreuzigung und Auferstehung einen Passionszyklus.

Der Maler des Passionszyklus, heute „Meister von Mediasch“ genannt, ist unbekannt geblieben. 1930 stellten Franz Juraschek[11] und Victor Roth[12] die stilistische Verwandtschaft der Kreuzigungstafel mit der entsprechenden Darstellung auf dem großen spätgotischen Flügelaltar des Wiener Schottenstifts heraus. Dort hatte im 15. Jahrhundert ein ebenfalls unbekannter Meister einen großen Flügelaltar geschaffen. Aus der gleichen Zeit in Siebenbürgen erhaltene Altäre wie der Birthälmer Altar in der Kirchenburg von Birthälm (1483) und die Bildtafeln des Altars von Großprobstdorf zeigen die gleichen künstlerischen Einflüsse der Schottenstiftschule[13] und weisen auf die Existenz einer Malerwerkstatt in diesem Landesteil Siebenbürgens hin.[14]

Weitere Altäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Umgestaltung der Kirchenräume nach der Reformation war in den Kirchen lediglich der Hauptaltar belassen worden. Heute befinden sich in der Margarethenkirche weitere Altäre, die seit den 1990er Jahren zum Schutz vor Verfall und Beschädigung in die Margarethenkirche verbracht worden sind. Hierzu gehören der Tobsdorfer Altar aus der Kirche von Tobsdorf (1470/80) mit seiner Predella (um 1520), der 1999 im Nordschiff aufgestellt wurde, der Altar der Kirche von Nimesch (um 1520) der heute zusammen mit dem Nimescher Taufbecken auf der Südempore („Schneiderempore“) verwahrt wird, sowie der Altar von Schorsten (Șoroștin, um 1520), heute in der Sakristei. Die Altäre wurden Ende der 1970er Jahre in der Werkstatt von Gisela Richter und erneut 2005 von Ferenc Mihály restauriert.[15]

Fresken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Renovierung in den siebziger Jahren wurden an den nördlichen Wänden Fresken freigelegt.[16][5] Die Fresken der Nordwand des Mittelschiffs wurden restauriert, jene des südlichen Seitenschiffs im Fundzustand belassen. Mindestens drei Meister haben bei ihrer Fertigung mitgewirkt. Datiert wurden sie zwischen 1385 und 1420. Durch ins Mauerwerk eindringende Feuchtigkeit haben die Fresken stark gelitten. Bei späteren Umbauten wurden sie teilweise zerstört, so ist beispielsweise die Darstellung der Anbetung der Könige vom heutigen Nordportal durchbrochen und von einem Pilaster zweigeteilt und teilweise verdeckt. Auf der Nordwand des Mittelschiffs fanden sich Darstellungen von Märtyrern. Weitere Fresken zeigen die alttestamentliche Szene aus (2 Mos 16 EU), als Manna vom Himmel fiel, eine Dornenkrönung, und das „Martyrium der Zehntausend“. Ein Schriftband unter diesen Fresken gibt als Datum ihrer Vollendung das Jahr 1420 an. Auf den Zwickeln der Arkaden zwischen Haupt- und nördlichem Seitenschiff befindet sich eine Darstellung der Wurzel Jesse. Neben dieser beginnt ein Passionszyklus, der sich bis zum Triumphbogen erstreckt; die Kreuzigungsszene fehlt heute. Aufgrund ihrer künstlerisch weniger geschickten Gestaltung werden die Fresken des Passionszyklus eher einem Schüler oder weniger begabten Maler zugeschrieben.[17]

Taufbecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bronzene Taufbecken in Form eines zweiteiligen Kelchs ist im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts entstanden, und somit das älteste Taufbecken der evangelischen Kirche in Rumänien. Eine Inschrift in gotischer Minuskel gibt das „Ave Maria“ wieder. Im Inneren der Kuppa befindet sich ein Bronzebecken, das diese annähernd ausfüllt und in dessen Rand eine Tughra-ähnliche Inschrift eingeprägt ist.

Teppiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Teppiche an den Wänden im Chorraum und im Hauptschiff der Kirche stammen aus der Zeitspanne zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Es sind anatolische Teppiche, so genannte „Siebenbürger Teppiche“, die der Kirche von Bürgern der Stadt gespendet worden sind. Neben der Teppichsammlung der Schwarzen Kirche von Kronstadt ist dies die bedeutendste Sammlung ihrer Art in Europa. Im 19. Jahrhundert erkannte der österreichische Kunsthistoriker Alois Riegl den geschichtlichen und künstlerischen Wert der in den Kirchen Siebenbürgens erhaltenen Teppiche. Das Interesse der Bevölkerung an diesen Kunstschätzen erwachte. Ernst Kühlbrandt beschrieb sie als erster.[18] Auf den Rat Riegls hin wurde eine erste Bestandsaufnahme der Teppiche erstellt; diese wurden gereinigt und wieder ausgestellt.[19] Lange Zeit war die Arbeit des Siebenbürgers Emil Schmutzler die umfangreichste Beschreibung.[20] Erst 2005 wurden sie erneut Gegenstand einer Veröffentlichung.[21] Seit Anfang des Jahrzehnts wurden auch „Kirchenteppiche“ aus kleineren Kirchen der Umgebung in die Sammlung der Margarethenkirche verbracht, wo sie besser erhalten und vor Diebstahl geschützt werden können.

Grabplatten und Epitaphe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grabplatten hinter dem Altar und weitere Grabplatten erinnern an Persönlichkeiten, die im Innenraum der Kirche begraben wurden. Der erste Grabstein links ist der Grabstein des Pfarrers und Schriftstellers Christian Schesaeus (Autor des Werkes „Ruinae pannonicae“). Es folgen die Grabplatten des Stadtpfarrers Simon Kirtscher (gest. 1621) und der Barbara Theilesius, geb. Schlemmer, der Ehefrau des Stadtpfarrers und späteren Bischofs Georg Theilesius (1576-1646). Dieser Grabstein wird dem Bildhauermeister Elias Nicolai aus Hermannstadt zugeschrieben. Weitere Grabplatten lassen sich dem Pfarrer Simon Kirtscher († 1621), und dem Bürgermeister Petrus Gotterbarmert († 1623) zuordnen. An der Nordwand des Chorraums befindet sich eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, an der Südseite ist eine Gedenktafel für die Opfer des Zweiten Weltkriegs, der Deportationen in die Sowjetunion, sowie der kommunistischen Internierungslager. An den Wänden der Kirchenschiffe befinden sich weitere holzgeschnitzte und bemalte Epitaphe Mediaşer Bürger.[22]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon im 17. Jahrhundert ist das Vorhandensein einer Orgel in der Margarethenkirche urkundlich belegt. Anfangs befand sie sich auf der Nordseite des Chorraums. Für das Jahr 1621 ist überliefert, dass Stadtpfarrer Simon Kirtscher, dessen Grabplatte sich heute im Chor befindet, die Orgel habe „durchaus verbesser[n]“ lassen. Der Notar Daniel Conrad von Heydendorff vermerkt in einem Stadtprotokoll aus dem Jahr 1732 eine Kirchenrenovierung. In diesem Zusammenhang sei die „große Orgel“ aus dem Chor ins Kirchenschiff verlegt und bei dieser Gelegenheit mit neuen Orgelwerken erweitert worden.

Heute befindet sich eine barocke Orgel des siebenbürgischen Orgelbauers Johannes Hahn von 1755 auf der westlichen Empore. Das Werk verfügt über zwei Manuale und ein Pedal, 24 klingende Register mit mehr als 1300 Orgelpfeifen.[7] 1873 baute Wilhelm Hörbiger die Orgel im Musikgeschmack seiner Zeit um (Magazinbalg, Ergänzen der kurzen Oktave, Umdisponieren des Positivs und des Pedals). 1983 erfolgte eine Reparatur durch die landeskirchliche Orgelwerkstatt (Hermann Binder). 2005 wurde der ursprüngliche Zustand der Orgel durch Hermann Binder wieder hergestellt: Der Spieltisch wurde wieder in die ursprüngliche Anordnung zurückgeführt, eine neue Pedalklaviatur wurde eingebaut.[23]

Heutige Disposition der Mediascher Hahn-Orgel:[23]
1. Manual: Bourdon 16’, Principal 8’, Spitzflöte 8’, Viola di Gamba 8’, Octav 4’, Spitzflöte 4’, Quinte 2 2/3’, Superoctav 2’, Waldflöte 2', Quint 1 1/3', Mixtur 5-6 fach.
2. Manual: Coppel 8’, Fugara 4’, Flöt 4’, Principal 2’, Sedecima 1’, Mixtur 3 fach, Regal 8’.
Pedal: Violon 16’, Subbass 16’, Octavbass 8’, Cello 8’, Flöte 4’, Posaune 8'.

Register- und Spieltraktur sind mechanisch.

Sitzbänke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sitzbänke im vorderen Teil des Kirchenschiffs besitzen in der Margarethenkirche (so wie in der Schwarzen Kirche von Kronstadt) entlang der Längsachse nach vorn und hinten klappbare Sitzlehnen. In jedem Gottesdienst und bei jedem Orgelkonzert können darum die Besucher mit dem Gesicht zur Kanzel bzw. Orgel sitzen.

Sakristei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sakristei der Margarethenkirche sind Inschriftenfresken erhalten. Von besonderer Bedeutung für die Datierung des Kirchenbaus ist ein Monogramm König Wladyslaw II. Jagiellos (reg. 1490–1516), welches die Angabe von Georgius Soterius in seinem Werk Historia Transilvaniae stützt, wonach die Kirche im Jahr 1488 umgebaut wurde. Neben lateinischen Inschriften (Nordwand: MARI/A MATER GRACI(A)E, M[A]/TER MI/ SERIC[O]R[DIAE]; Südwand: O SACRUM [C]O/NVIVUM IN QUO CRISTUS SU/MITUR RA[COLITUR]) findet sich eine Inschrift in slawischer Sprache: PANE BOZIE DAI SVOBODU CZITIEM R mit dem Christusmonogramm IHS. Sie gibt den Beginn einer Marienhymne der Böhmischen Brüder wieder, denen König Wladyslaw nahegestanden hatte.[5]

Turepitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „Turepitz“ auf dem Trompeterturm

Seit dem 17. Jahrhundert steht in einer Nische der südöstlichen Ecke des Trompeterturms auf der Höhe der Turmuhr eine hölzerne Figur, der „Turepitz“. Über einen einfachen Mechanismus läutet er mit einer kleinen Glocke die volle Stunde ein. Das stark verwitterte Original aus Eichenholz, auf dem die Jahreszahl 16[…]0 erkennbar ist, wurde 1927 durch eine Rolandsfigur mit Schwert ersetzt. 1982 fertigte Kurtfritz Handel ein dem Original nachempfundenes, farbig gefasstes „Glockenmännchen“ an, das seither als liebenswertes Detail auf dem Turm steht.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hansotto Drotloff & Günter E. Schuster (Hg.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel. Schiller, Sibiu (Hermannstadt)/Bonn 2009, ISBN 978-3-941271-15-9, S. 100–138.
  • Herrmann Fabini: Mediasch. In: Sakrale Baukunst in siebenbürgisch-sächsischen Städten. monuMenta Verlag & Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, Sibiu (Hermannstadt), Heidelberg 2013, ISBN 978-973-7969-15-6, S. 171–208.
  • Otto Folberth: Gotik in Siebenbürgen – Der Meister des Mediascher Altars und seine Zeit. Schroll, Wien, München 1973, ISBN 3-7031-0358-2.
  • Stefano Ionescu (Hrsg.): Die Margarethenkirche in Mediasch. Verduci Editore, Rom 2018, ISBN 978-88-7620-928-4.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Margarethenkirche (Mediaș) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Villages with Fortified Churches in Transylvania. UNESCO World Heritage Centre 1992–2010.
  2. a b Herrmann Fabini: Die Restaurierung der evangelischen Stadtpfarrkirche in Mediasch. In: Forschungen zur Volks und Landeskunde 20(1). 1977, S. 85–102.
  3. Otto Folberth: Gotik in Siebenbürgen – Der Meister des Mediascher Altars und seine Zeit. Schroll, Wien, München 1973, ISBN 3-7031-0358-2.
  4. Chronik der Stadtpfarrkirche nach: Hermann Fabini: Mediasch. In: Sakrale Baukunst in siebenbürgisch-sächsischen Städten. monuMenta Verlag & Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, Sibiu (Hermannstadt), Heidelberg 2013, ISBN 978-973-7969-15-6, S. 191–192.
  5. a b c Dana Jenei: Picturi murale din jurul anului 1500 la Mediaș (Murals from around the year 1500 in Mediaș). In: Ars Transilvaniae XXI. 2012, S. 49–62.
  6. Hansotto Drotloff: Der Mediascher Flügelaltar und sein Meister. In: Hansotto Drotloff & Günter E. Schuster (Hrsg.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel. Schiller, Sibiu (Hermannstadt)/Bonn 2009, ISBN 978-3-941271-15-9, S. 107.
  7. a b Dietmar Plajer: Ein Rundgang durch die Kirche. In: Hansotto Drotloff & Günter E. Schuster (Hrsg.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel. Schiller, Sibiu (Hermannstadt)/Bonn 2009, ISBN 978-3-941271-15-9, S. 111.
  8. Hermann Fabini: Mediasch. In: Sakrale Baukunst in siebenbürgisch-sächsischen Städten. monuMenta Verlag & Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, Sibiu (Hermannstadt), Heidelberg 2013, ISBN 978-973-7969-15-6, S. 192.
  9. Hansotto Drotloff: Der Mediascher Flügelaltar und sein Meister. In: Hansotto Drotloff & Günter E. Schuster (Hrsg.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel. Schiller, Sibiu (Hermannstadt)/Bonn 2009, ISBN 978-3-941271-15-9, S. 120.
  10. Hermann Fabini: Mediasch. In: Sakrale Baukunst in siebenbürgisch-sächsischen Städten. monuMenta Verlag & Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde, Sibiu (Hermannstadt), Heidelberg 2013, ISBN 978-973-7969-15-6, S. 199.
  11. Franz Juraschek: Das mittelalterliche Wien in einer unbekannten Ansicht. In: Kirchenkunst, Österreichische Zeitschrift für Pflege religiöser Kunst, 2. Jg., 2. Heft. Wien 1930, S. 45–46.
  12. Victor Roth: Das Kreuzigungsbild des Mediascher Flügelaltars. In: Korrespondenzblatt des Vereins für Siebenbürgische Landeskunde (53), No. 11-12. 1930, S. 280–281.
  13. Harald Krasser: Zur siebenbürgischen Nachfolge des Schottenmeisters. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege (27). 1963, S. 109–121.
  14. Hansotto Drotloff: Der Mediascher Flügelaltar und sein Meister. In: Hansotto Drotloff & Günter E. Schuster (Hrsg.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel. Schiller, Sibiu (Hermannstadt)/Bonn 2009, ISBN 978-3-941271-15-9, S. 117–126.
  15. Emese Sarkadi Nagy: Local Workshops - Foreign Connections: Late Medieval Altarpieces from Transylvania. In: Studia Jagellonica Lipsiensia, Band 9. Thorbecke, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7995-8410-4, S. 179–187.
  16. Vasile Drǎguț: Picturile murale de la Mediaş. O importantâ recuperare pentru istoria artei transilvânene. In: Revista muzeelor şi monumentelor. Monumente istorice si de artâ 45 (1976), Nr. 2, S. 11–22, zitiert nach Plajer, in Drotloff & Schuster, 2009
  17. Dietmar Plajer: Ein Rundgang durch die Kirche. In: Hansotto Drotloff & Günter E. Schuster (Hrsg.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel. Schiller, Sibiu (Hermannstadt)/Bonn 2009, ISBN 978-3-941271-15-9, S. 113–114.
  18. Ernst Kühlbrandt: Die alten orientalischen Teppiche der Kronstädter ev. Stadtpfarrkirche. In: Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische Landeskunde. 21, Nr. 8-9, 1898, S. 101–3.
  19. Ernst Kühlbrandt: Unsere alten orientalischen Teppiche. In: Die Karpathen. 1, Nr. 1, 1907, S. 40–43.
  20. Emil Schmutzler: Altorientalische Teppiche in Siebenbürgen. Anton Hiersemann (Neuauflage 2010), Leipzig 1933, ISBN 978-3-7772-1015-5.
  21. Stefano Ionescu: Antique Ottoman Rugs in Transylvania. 2. Auflage. Verduci Editore, Rom 2005.
  22. Dietmar Plajer: Ein Rundgang durch die Kirche. In: Hansotto Drotloff & Günter E. Schuster (Hrsg.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel. Schiller, Sibiu (Hermannstadt)/Bonn 2009, ISBN 978-3-941271-15-9, S. 107.
  23. a b Eintrag Mediasch in der Orgeldatei der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, abgerufen 27. Oktober 2017
  24. Hansotto Drotloff & Günter E. Schuster (Hg.): Mediasch. Ein historischer Streifzug durch die siebenbürgisch-sächsische Stadt an der Kokel. Schiller, Sibiu (Hermannstadt)/Bonn 2009, ISBN 978-3-941271-15-9, S. 76–77.

Koordinaten: 46° 9′ 54,7″ N, 24° 21′ 4,5″ O