Mariä Himmelfahrt (Aichach)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kirche Mariä Himmelfahrt in Aichach

Die katholische Stadtpfarrkirche[1] Mariä Himmelfahrt ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Aichach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt vom 17. September 1153. Die Kirche zu Aichach wurde 1210 von Herzog Ludwig der Kelheimer an den deutschen Orden gegeben. Das Langhaus des ursprünglich romanischen Gebäudes endete wohl bei den Stufen des heutigen Chores. Vom Turm war nur das Untergeschoss erhalten. Etwa um 1450 wurde die Kirche in die heutige Form umgebaut, sechs Fenster in der Hochwand des Mittelschiffes wurden zugemauert, die Seitenschiffe und das Mittelschiff waren vorher um vieles niedriger. In den Jahren 1709 und 1777 wurden zwei kleine Kapellen an das südliche Seitenschiff angebaut. Ab 1771 wurde die Kirche barockisiert. Bei einer Restaurierung des Kircheninneren von 1861 bis 1863 wurden wieder gotische Bauformen präferiert. Etwa 40 Grabplatten, die bisher in der Kirche angebracht waren, wurden ausgelagert. Zwischen 1906 und 1908 wurde das Innengebäude nach den Vorstellungen des Münchner Architekten des Historismus Richard Berndl umgestaltet. Der Innenraum wurde violett gestrichen und es wurden elektrische Beleuchtungskörper angebracht. In den Jahren 1955 bis 1956 wurde die Jugendstilausmalung übertüncht und der Hochaltar wieder in seinen alten farblichen Zustand gebracht. Holzaufbauten an zwei Altären wurden entfernt. Eine erneute Renovierung wurde von 1976 bis in die Mitte der 80er Jahre vorgenommen. Die Mauern wurden aufwändig saniert. Der Chorraum wurde neu gestaltet, ein Volksaltar eingerichtet, sowie 1989 eine neue Orgel beschafft.[2][3] 2011 begann die Renovierung des Daches, der Außenwand, des Glockenturms mit dem Einbau von sechs neuen Bronzeglocken und eines Holzglockenstuhles, der seit anfangs 2017 abgeschlossen ist. Im Jahr 2017 wird als nächstes Großprojekt die Innenrenovierung angegangen, die über eine Million Euro kosten soll. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den Jugendstil-Kreuzweg von Georg Busch gelegt. Dieses herausragende Element der Kirche soll in seiner ursprünglichen Form, das heißt die 1955/56 übertünchten gemalten Rahmen, Nummern und Bezeichnungen der Stationen sollen wieder angebracht werden.[4] Im Jahr 2020 soll die Generalsanierung des Gebäudes abgeschlossen werden.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht des Chorraumes
  • Der Hochaltar im Stil des Rokoko wurde von dem Kirchenschreiner Johann Anton Wiest aus Schrobenhausen gebaut. Er ist eine vereinfachte Kopie des Hochaltars in Osterhofen des Egid Quirin Asam.

Geläut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geläut nach dem Ersten Weltkrieg bestand auf 5 Glocken, die teilweise den Krieg überstanden hatten oder danach gegossen wurden. Im Zweiten Weltkrieg mussten die Bronzeglocken 1942 für Kriegszwecke abgehängt und eingeschmolzen werden. Das Geläut von 1947 besteht aus fünf Stahlglocken, welche von Robert Haselberger gestiftet und vom Bochumer Verein in „Sekundschlagrippe“ gegossen wurden. Sie hingen alle mit gekröpften Jochen und Gegengewichtsklöppeln in einem Glockenstuhl aus Stahl.[5] Im Jahr 2016 wurden die neuen Bronzeglocken in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen und an zwei unterschiedlichen Terminen geweiht, da der erste Guss der Dreifaltigkeitsglocke misslungen ist. Offiziell läuten sie nun seit dem 24. Dezember 2016.

Das Geläut vor 1942
Name Ton Gewicht Gießer Jahr
nicht bekannt h′ 230 kg Joh.Hahn & Sohn, Landshut 1922
nicht bekannt a′ 370 kg Joh.Hahn & Sohn, Landshut-Reichenhall 1925
Apostelglocke fis′ 730 kg Leonhard Niederwieser, Augsburg 1863
St. Michaelsglocke d′ 1.700 kg Joh.Hahn & Sohn, Landshut-Reichenhall 1922
St. Konradsglocke h0 2.280 kg J. Hermann, Memmingen 1872

Das alte Klangstahlgeläut (1947–2016)

Name Ton Gewicht Anmerkung
Robertsglocke as′ 622 kg
Annaglocke ges′ 854 kg
Ignatiusglocke es′ 1.420 kg Angelusglocke
Josefsglocke des′ 2.060 kg Viertelstundenschlag
Marienglocke b0 3.380 kg Stundenschlag
Die neuen Bronzeglocken (ab 2016)
Name Ton Gewicht Gussdatum
St.-Michaels-Glocke b′ 537 kg 29. Juli
St.-Anna-Glocke as′ 783 kg 22. Juli
St.-Sebastians-Glocke f′ 1.026 kg 22. Juli
St.-Josefs-Glocke es′ 1.387 kg 22. Juli
Marienglocke des′ 1.975 kg 22. Juli
Dreifaltigkeitsglocke b0 3.260 kg 16. Nov.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klais-Orgel der Stadtpfarrkirche

In der Aichacher Stadtpfarrkirche gab es bisher mehrere Orgeln. Eine erste Erwähnung einer Kirchenorgel in der Aichacher Kirche gab es im Jahr 1643, als eine schon vorhandene Orgel von Andreas Menhofer wiederhergestellt wurde. Im Jahr 1751 wurde eine neue Orgel mit zwölf Registern in das alte Gehäuse gebaut, welche 1828 durch einen Neubau ersetzt wurde. Dafür musste die Orgelempore erweitert werden. Das ehemalige Orgelgehäuse ist seitdem in Willprechtszell aufzufinden. Im 19. und 20. Jahrhundert gab es dann mehrere Umbauten und Erweiterungen.

In den 1980er Jahren kam dann die Idee nach einer neuen Orgel auf. Sie sollte 42 Register und 2773 Pfeifen (2531 Zinn und 242 Holz) besitzen und von der Orgelbauwerkstatt Klais gebaut werden, wobei man aufgrund von Denkmalschutz das bestehende Gehäuse erhalten und erweitert hat. Im Jahr 2020 soll eine grundlegende Reinigung und Instandsetzung durch die Orgelbauwerkstatt Weishaupt erfolgen.

I Rückpositiv C–g3
Rohrflöte 08′
Quintade 08′
Principal 04′
Blockflöte 04′
Nasard 0223
Octave 02′
Traversflöte 02′
Terz 0135
Larigot 0113
Scharff IV 01′
Dulcian 16′
Cromorne 08′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Bourdon 16′
Principal 08′
Offenflöte 08′
Spitzgedackt 08′
Octave 04′
Rohrflöte 04′
Quinte 0223
Superoctave 02′
Cornet V (ab g0) 08′
Mixtur VI 0113
Trompete 16′
Trompete 08′
III Schwellwerk C–g3
Bordun 08′
Gamba 08′
Vox coelestis (ab c0) 08′
Traversflöte 04′
Salicet 04′
Piccolo 02′
Sesquialter II 0223
Oboe 08′
Vox humana 08′
Tremulant
II Pedalwerk C–f1
Principal 16′
Subbaß 16′
Quinte 1023
Octave 08′
Pommer 08′
Tenoroctave 04′
Rauschpfeife IV 0223
Posaune 16′
Trompete 08′
  • Koppeln: I/II, III/II, I/P, II/P, III/P
  • Spielhilfen: sechsfache mechanische Setzerkombination

Gottesdienstzeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag
8.30 Laudes 18.00

Hl.Messe

9.00

Hl.Messe

9.00

Hl. Messe

19.00 Vesper (nur am ersten Freitag im Monat) 18.00 Vorabendmesse / Jugendgottesdienst (nur einmal im Monat) 9.00

Sonntagshochamt

19.00 Taize-Gebet (unregelmäßig) 10.30 Heilige Messe / Familiengottesdienst
18.00 Hl. Messe (unregelmäßig)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reclams Kunstführer Bayern, Baudenkmäler, Band I, 1961
  • Georg Paula, Christian Bollacher: Landkreis Aichach-Friedberg (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band VII.87). Karl M. Lipp Verlag, München 2012, ISBN 978-3-87490-591-6, S. 51–55.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mariä Himmelfahrt (Aichach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bistum Augsburg
  2. Geschichte der Kirche
  3. Reclams Kunstführer Bayern, Baudenkmäler, Band I, 1961, S. 10 und 11
  4. Neuer Glanz für den alten Kreuzweg, Aichacher Nachrichten vom 13. April 2017
  5. Die alten und neuen Glocken

Koordinaten: 48° 27′ 32″ N, 11° 7′ 43″ O