Richard Berndl

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Richard Berndl (* 8. Februar 1875 in München-Au; † 26. Januar 1955 in München) war ein deutscher Architekt und Kunstgewerbler. Sein Werk lässt sich stilistisch in Historismus, Jugendstil und Reformstil einordnen.

Mozarteum in Salzburg (um 1936)
Schnittzeichnung des Mozarteums
Großer Saal des Mozarteums

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richard Berndl war der Sohn des Tischlermeisters Michael Berndl und der Privatierstochter Maria Adler aus München.[1] Er erhielt seine Ausbildung als Architekt und Gestalter in Berlin und am Polytechnikum München, wo er bei Friedrich von Thiersch studierte. Am 18. Mai 1903 wohnte er am Kreuzplätzchen 4 in München und heiratete die Schullehrerstochter Anna Genovefa Wind (* 1876) aus Augsburg. Ebenfalls im Jahre 1903 entwarf er ein Mausoleum für Dionýz Andrássy in Krászno-Hôrka Varalja im Komitat Gömör, das ihn mit einem Schlag bekannt machte[2] und eine Position als Lehrer an der Königlichen Kunstgewerbeschule München einbrachte. Als Nachfolger von Leonhard Romeis wurde er dort 1905 zum Professor berufen.[3] Neben seiner Tätigkeit als Professor gelangte Berndl auch als freier Architekt, Innenraumgestalter und städtischer Baurat in den Jahren von 1903 bis 1937 zu Bekanntheit. Er entwarf Jugendstilgebäude, Villen und Denkmäler[4] in Deutschland und Österreich. Um 1907 entwarf er die Fassade des Hotel Union und das katholische Casino in München, einige Kirchen samt Innenausstattungen, wie in Memmingen, Aichach und Starnberg, und 1910 den Neubau der Abtei São Bento in São Paulo. Zudem gewann er einige Architekturwettbewerbe, unter anderem für das Mozarteum in Salzburg[5], das nach seinen Entwürfen von 1910 bis 1914 im Münchner Jugendstil erbaut wurde. Durch den König von Bayern wurde Berndl 1917 mit dem Verdienstorden vom Heiligen Michael III. Klasse ausgezeichnet.[6]

Auch in den 1920er-Jahren blieb er Professor an der Münchner Staatsschule für angewandte Kunst (der Nachfolgerin der Kunstgewerbeschule). Vor 1922 war er bereits vier Jahre lang als städtischer Baumeister am Stadtbauamt München unter Stadtbaurat Hans Grässel tätig gewesen.[7] Um 1928 hatte er die Oberleitung für den Bau der GEWOFAG-Siedlung Neuramersdorf inne. Als 1931 der Turm der Neuhauser Winthirkirche einstürzte, erstellte Berndl unentgeltlich Pläne für den Wiederaufbau, der im Jahr 1933 erfolgte.[8] Um 1935 führte er den Ehrentitel Geheimer Regierungsrat.[9]

Noch 1946 unterrichtete er nach der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs an der Akademie für angewandte Kunst in der Abteilung Architektur mit den Fächern Hochbau und Innenraumgestaltung. Ab November 1946 wurde die Akademie aufgelöst und zur Abteilung für angewandte Kunst der Hochschule der bildenden Künste, wo Berndl bis zum Übertritt in den Ruhestand am 22. Februar 1947 als Professor lehrte.[10] Seine Nachfolger waren bis 1953 Harald Roth (1910–1991) und danach bis 1972 Sep Ruf (1908–1982). Als emeritierter Professor war Berndl um 1953 Ehrenmitglied der Akademie.[11]

Grabstein von Richard Berndl

Richard Berndl lebte bis 1955 mit seiner Familie in München-Neuhausen im Haus Orffstraße 15. Auf dem Friedhof der Neuhauser Winthirkirche[8] befindet sich seine Grabstätte, zusammen mit einer Gedenkinschrift für seinen in Russland als Pionier-Leutnant (Stab/Pi.Batl. 47) gefallenen Sohn Otto Berndl (* 5. Dezember 1910; † 10. Mai 1942), der seit Februar 1940 mit Lilo Ramdohr verheiratet war. Richard Berndls ältere Tochter Anna-Fay lebte von 1913 bis 1983 in der Orffstraße und war Schneiderin, seine jüngere Tochter Hilde war mit dem Volkswirtschaftler Willi Zentz (* 27. März 1907) verheiratet.[12]

Richard Berndls Nachlass wird im Architekturmuseum der Technischen Universität München aufbewahrt. In Salzburg wurde im Stadtteil Gneis mit Beschluss vom 28. Februar 1973 die Richard-Berndl-Straße nach ihm benannt.

Kollegen und Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berndls Atelier befand sich lange in der Städtischen Gewerbeschule an der Luisenstraße in München, wo er mit einigen bekannten Kollegen zusammenwirkte, wie etwa dem Maler Karl Friedrich Roth, dem Bühnenbildner Emil Preetorius und dem Medailleur Maximilian Dasio, der um 1914 ein Medaillenporträt von ihm im Rahmen einer Bildnisreihe des Münchner Kulturlebens schuf.[13] Andere Kollegen waren Jakob Bradl, der Maler Gustav G. Klemm (1858–1938), der Bildhauer Joseph Wackerle, der Bauingenieur Constantine Frick, Max Frick, Karoll Throll[14], Adolf Mayerhofer, Eduard Schmucker[15], Hans Willich, Paul Pfann[16], Bernhard Ingwersen, Oscar Delisle[17], Heinrich Waderé (Figuren an der Fassade von São Bento in São Paulo) u. v. a.

Zu den Schülern von Berndl zählten Josef Aicher[18], Karl Blocherer, Hans Junghanns, Karl Joseph Kuolt,[19] Cäsar Pinnau[20], Christian Ritter von Popp[21], Heinrich Scherrer[22], und andere, jedoch nicht sein eigener Sohn, der Architekt Otto Berndl.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitlebens war Richard Berndl in Vereinen und Verbänden ehrenamtlich engagiert, so z. B.:

Konzertflügel von Richard Berndl, 1908

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen seiner vielseitigen gestalterischen Aktivitäten entwarf Berndl außer Gebäuden und Innenräumen auch Altäre, Statuen, Orgeln (1907)[25], Konzertflügel (1908)[26], Ofen- und Ventilationsgitter, Leuchter (1920)[27] und sonstige Ausstattungsstücke für Wohnhäuser, Konzertsäle und Kirchen.

Bauten und Entwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunstgewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Buchschmuck / Bildschmuck zur Publikation:
    Akademischer Architektenverein München (Hrsg.): Festgabe zur Feier des 25jährigen Bestehens. Der königlich technischen Hochschule zu München gewidmet. Vorwort von Friedrich von Thiersch. 1. Teil: Das letzte Vierteljahrhundert der Münchener Baukunst. (Bearbeitet von Hans Willich, mit Bildschmuck von Paul Pfann und Richard Berndl) München 1904.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Richard Berndl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Taufregister der kath. Pfarrkirche Mariahilf in München-Au, Jahrgang 1875, S. 387, Nr. 75.
  2. Philipp Maria Halm: Richard Berndl. In: Moderne Bauformen. 4. Jahrgang. J. Hoffmann, Stuttgart 1907, S. 436 (Textarchiv – Internet Archive).
  3. Barbara Six: Der Architekt Leonhard Romeis (1854-1904) LMU-Publikationen / Geschichts- und Kunstwissenschaften, Nr. 14 (2005)
  4. Die Kunst: Monatsheft für freie und angewandte Kunst. F. Bruckmann, München (archive.org).
  5. Großer Saal (Memento vom 14. August 2010 im Internet Archive) In: salzburgbiennale.at
  6. Zentralblatt der Bauverwaltung. 37. Jg., Nr. 5, vom 18. Januar 1917, S. 22 (Bayern, linke Spalte digital.zlb.de).
  7. Berndl, Richard. In: Hans Wolfgang Singer (Hrsg.): Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Band 6: Zweiter Nachtrag mit Berichtigungen. Literarische Anstalt, Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 1922, S. 22 (Textarchiv – Internet Archive).
  8. a b Winthirkirche. In: monacomedia.de. 20. Dezember 2014, abgerufen am 5. Januar 2015.
  9. Architektenregister Bern – Bezold – archthek – Ulrich Bücholdt, Bau- und Architekturhistoriker. In: kmkbuecholdt.de. Abgerufen am 5. Januar 2015.
  10. Architektur im Kreis der Künste – 200 Jahre Kunstakademie München
  11. PROFESSOREN DER AKADEMIE DER BILDENDEN KÜNSTE MÜNCHEN
  12. Klaus Zentz: Vergleichende Darstellung der Kostenrechnung und Kalkulation bei Kreditbanken in Deutschland und Frankreich. Dissertation München 1969, S. 155 (Lebenslauf).
  13. Galerie Saxonia Muenchen, Frank C. Kempe. In: saxonia.com. Abgerufen am 5. Januar 2015.
  14. Jugendstil v štýle Krásnohorského Podhradia. In: archiv.station.zoznam.sk. Abgerufen am 5. Januar 2015.
  15. SNM-MB – Mauzóleum Andrássyovcov Krásnohorské Podhradie. (Nicht mehr online verfügbar.) In: muzeum.sk. Archiviert vom Original am 13. Dezember 2014; abgerufen am 10. April 2020.
  16. Festgabe zur Feier des 25jahrigen Bestehens. Der königlich technischen Hochschule zu München gewidmet. Vorwort von Vorwort von Friedrich von Thiersch. Druck Wolf & S., München ohne Jahr (um 1904).
  17. Felix Billeter: Münchner Moderne. Deutscher Kunstverlag, 2002, ISBN 978-3-422-06340-2.
  18. Die Pfarrkirche St. Martin in Thundorf. In: pfarrei-thundorf.de. Abgerufen am 5. Januar 2015.
  19. Kuolt, Karl Joseph. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 22: Krügner–Leitch. E. A. Seemann, Leipzig 1928, S. 121.
  20. Christine Plambeck: Ein biegsamer Handwerker (Memento vom 19. Juli 2012 im Webarchiv archive.today) In: architekturarchiv-web.de
  21. Wer ist wer in Bayreuth. In: barnick.de. Abgerufen am 5. Januar 2015.
  22. Architektenregister Scheben – Schittenhelm – archthek – Ulrich Bücholdt, Bau- und Architekturhistoriker. In: kmkbuecholdt.de. 1. Juli 1900, abgerufen am 5. Januar 2015.
  23. Die Christliche Kunst; Monatsschrift für alle Gebiete der christlichen Kunst und Kunstwissenschaft. Gesellschaft für Christliche Kunst, München (archive.org).
  24. Mitgliederverzeichnis und Satzungen 1912 (Memento vom 19. April 2009 im Internet Archive)
  25. Bedeutende historische Orgelprospekte im Bistum Augsburg (Memento vom 14. Juli 2010 im Internet Archive) In: bistum-augsburg.de
  26. Das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts... In: historische-daten.de. Abgerufen am 5. Januar 2015.
  27. Richard Berndl (deutsch, 1875 – 1955). Abgerufen am 5. Januar 2015. In: artnet.de
  28. Münchner Volkshochschule – Information und Beratung (Memento vom 6. Dezember 2006 im Internet Archive)
  29. Administrator: mariahilf-muenchen – Katholische Männergemeinschaft Casino München-Au. (Nicht mehr online verfügbar.) In: mariahilf-muenchen.de. 22. September 1968, archiviert vom Original am 29. Dezember 2014; abgerufen am 10. April 2020.
  30. Max Schmid (Hrsg.): Hundert Entwürfe aus dem Wettbewerb für das Bismarck-National-Denkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück-Bingen. Düsseldorfer Verlagsanstalt, Düsseldorf 1911. (n. pag.)
  31. Vila Paula Albrechta Weinkauffa. (Nicht mehr online verfügbar.) In: slavnevily.cz. Archiviert vom Original am 17. September 2012; abgerufen am 5. Januar 2015.
  32. Die Christliche Kunst, Band 27 (1930), S. 14. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  33. Die Christliche Kunst, Band 27 (1930), S. 16. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  34. GEWOFAG, 2003, S. 26.
  35. Gastein im Bild – Menschenwerke/F. X. Franzmair. In: gastein-im-bild.info. Abgerufen am 5. Januar 2015.