Maria Beig

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Maria Beig, geb. Hund (* 8. Oktober 1920 in Senglingen, heute ein Ortsteil von Meckenbeuren) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria Beig entstammt einer bäuerlichen Großfamilie. Sie besuchte die Volksschule und die Frauenarbeitsschule. Ab 1936 absolvierte sie am Hauswirtschaftlichen Seminar des Pädagogischen Instituts in Kirchheim/Teck eine Ausbildung zur Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerin. Von 1941 an wirkte sie als Lehrerin in Schulen bei Heilbronn, auf der Schwäbischen Alb und in Friedrichshafen, wo sie lange Zeit lebte. 1954 heiratete sie; 1958 wurde ihre Tochter geboren. Im Jahre 1977 ging sie in den vorzeitigen Ruhestand und begann, sich ihren Traum vom Bücherschreiben zu erfüllen. Heute lebt sie in Immenstaad am Bodensee.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maria Beig ist die Verfasserin von Romanen und Erzählungen, die vorwiegend das Leben der bäuerlichen Bevölkerung in ihrer oberschwäbischen Heimat schildern. Mit ihrer durchweg nüchternen Darstellungsweise und ihrem absichtsvoll simplen Stil gilt sie seit ihrem Debüt, dem Familienroman Rabenkrächzen, als eine Art episches Naturtalent. Besonders gefördert wurde sie von Martin Walser, was auch dazu führte, dass einige ihrer Bücher in den 1980er-Jahren in Lizenz beim Suhrkamp Verlag erschienen, wodurch sie einem breiteren Publikum bekannt wurde. Für Walser ist sie der Mittelpunkt der „drei oberschwäbischen Marien-Heiligen der Literatur“ – gemeint sind neben Beig die Dichterin Maria Menz und die Schriftstellerin Maria Müller-Gögler.

Im Nachwort zu Rabenkrächzen schrieb Walser über Maria Beig: „Literarisch kommt mir das, was Maria Beig geschrieben hat, vor, wie etwas, was auf der Wiese gewachsen ist, während wir anderen Schreibenden alle im Garten wachsen müssen. Der Unterschied ist der zwischen Gartensalbei und Wiesensalbei, der zwischen Gartenakelei und Wiesenakelei. In Duft und Feuer.“[1]

Beigs Buch Ein Lebensweg wurde im Juni 2009 auf den ersten Platz der SWR2 Bestenliste gewählt.[2] Die Jury lobte das Buch als „eine Art Befreiungsliteratur“.[3]

In der Festschrift zu Beigs 90. Geburtstag schreibt Arnold Stadler: „aus der Heimat, das heißt, aus dem Inneren von etwas heraus, über das wir nicht verfügen, von dem wir nicht ohne weiters ‚mein‘ sagen können, da ist es her, was von Maria Beig kommt. Von weit her, geht es ganz nah.“[4]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rabenkrächzen. Sigmaringen 1982.
  • Hochzeitslose. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1983.
  • Hermine. Ein Tierleben. Sigmaringen 1984.
    • Hermine: An Animal Life. Übers. ins Amerikanische Jaimy Gordon 2005
  • Aus Oberschwaben. Freiburg im Breisgau 1985 (zusammen mit Rupert Leser)
  • Urgroßelternzeit. Sigmaringen 1985
  • Minder oder Zwei Schwestern. Sigmaringen 1986. Als Suhrkamp-Taschenbuch, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-518-38109-1
  • Die Ruferin. Bergen (Niederlande) 1987
  • Kuckucksruf. Sigmaringen 1988
  • Die Törichten. Sigmaringen 1990
  • Jahr und Tag. Sigmaringen 1993
  • Töchter und Söhne. Sigmaringen 1995
  • Annas Arbeit. Sigmaringen 1997
  • Treppengesang. Stuttgart 2000
  • Buntspechte. Stuttgart 2002
  • Ein Lebensweg. Tübingen: Klöpfer & Meyer 2009
  • Maria Beig. Das Gesamtwerk. Tübingen: Klöpfer & Meyer 2010 (hrsg. von Peter Blickle u. Franz Hoben)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oswald Burger (Hrsg.): Was zählt. Maria Beig zum 75. Geburtstag. Thorbecke, Sigmaringen 1995, ISBN 3-7995-1695-6
  • Peter Blickle: Maria Beig und die Kunst der scheinbaren Kunstlosigkeit. Edition Isele, Eggingen 1997, ISBN 3-86142-066-X
  • Peter Blickle und Hubert Klöpfer (Hrsg.): Maria Beig zu ehren. Eine kleine Festschrift. Klöpfer & Meyer Verlag, Tübingen 2010, ISBN 978-3-940086-92-1
  • Karin Kontny: Erzählen, um zu überleben. Erinnerung an eine Begegnung mit der Schriftstellerin Maria Beig, die im Oktober [2015] 95 Jahre alt wird. In: Literaturblatt für Baden-Württemberg, September/Oktober 2015, S. 9–11.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dokumentation einer TV-Sendung von 1997 im Landesarchiv Baden-Württemberg
  2. SWR2 Bestenliste Juni 2009 abgerufen am 26. Oktober 2009 (PDF; 22 kB)
  3. SWR2 aus dem Land: Musik und Literatur abgerufen am 19. Juni 2009
  4. Arnold Stadler in: Peter Blickle, Hubert Klöpfer: Maria Beig zu ehren, Klöpfer & Meyer Verlag, Tübingen 2010.
  5. Alemannischer Literaturpreis. Stadt Waldshut-Tiengen, archiviert vom Original am 4. Mai 2013; abgerufen am 14. Dezember 2010.
  6. Peter Blickle: Laudatio zur Verleihung des Hebelpreises an Frau Maria Beig