Marie Marvingt

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Marvingt (1912)

Marie Félicie Elisabeth Marvingt (* 20. Februar 1875 in Aurillac; † 14. Dezember 1963 in Laxou) war eine französische Pilotin, Krankenschwester und Sportlerin. Sie war die zweite Frau, die in Frankreich ihre Flugprüfung ablegte. Von ihr stammt der Einfall, Flugzeuge für die Rettung und medizinische Versorgung Verwundeter und Kranker aus der Luft einzusetzen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marvingt nahm bereits als Elfjährige an Radrennen teil. 1900 war sie französische Schießmeisterin. 1908 wollte sie die Tour de France mitfahren. Da ihr dies wegen ihres Geschlechts verwehrt wurde, fuhr sie die ganze Strecke hinter dem Feld her. Da nur ein Drittel der Fahrer die ganze Tour überhaupt geschafft hatte, wäre sie im ersten Drittel angekommen.[1] 1961, mit 86 Jahren, fuhr sie noch mit dem Rad an einem Tag von Nancy nach Paris (281 km). Sie war die erste Frau, die die höchsten Gipfel der Alpen bestieg.[2] 1909 machte sie die Prüfung als Ballonführerin. Von Beruf war sie Krankenschwester, und neben der Fliegerei und dem Schießen fuhr sie Ski, spielte Golf, betrieb Eislaufen und Bergsteigen. Sie profilierte sich in all diesen Sportarten und 1910 erhielt sie – als einziger Mensch jemals – von der französischen Académie des Sports eine Medaille pour tous les sports (für alle Sportarten).

Am 26. Oktober 1909 fuhr sie als erste Frau mit einem Ballon über die Nordsee nach England.

1910 machte sie als dritte Frau die Pilotenlizenz des Aéro Club de France. Im selben Jahr wandte sie sich erstmals an die französischen Behörden mit ihrer Idee einer „Luftambulanz“. 1911 gewann sie den Coupe Fémina in Turin und stellte bei der Gelegenheit den Damenweltrekord im Weitfliegen auf (40 km).

Da die französische Armeeleitung nichts von ihrem Vorschlag hielt, Verletzte und Kranke aus der Luft zu versorgen, ließ sie 1912 in der Flugzeugfabrik Deperdussin eine Maschine nach ihren Plänen bauen und ausrüsten – der Betrieb ging jedoch Konkurs, bevor das Projekt abgeschlossen war.

Zeitgenössische Darstellung ihrer Idee

1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs, meldete sie sich freiwillig bei der französischen Armee als Krankenschwester. Wieder legte sie ihre Idee einer Luftambulanz dar und stieß damit erneut auf taube Ohren. 1915 flog sie als Pilotin in der französischen Luftwaffe Bombenangriffe auf Deutschland.

Nach dem Krieg arbeitete sie als fliegende Kriegsreporterin in Nordafrika. Mit anderen gründete sie gemeinsam die Organisation Les Amies de l'Aviation Sanitaire (Freundinnen der Luftsanität). Sie hielt über 6000 Vorträge über ihre Idee. 1929 organisierte sie den ersten internationalen Kongress über Medizinische Aviatik. Die Organisation bildete Krankenschwestern, Ärzte und Piloten für Rettungseinsätze aus der Luft aus.

Im Jahr 1934 ging die französische Regierung dann schließlich auf ihren Vorschlag ein. Marvingt wurde beauftragt, in Marokko einen zivilen Flugrettungsdienst einzurichten. Für diese Arbeit wurde sie später von der marokkanischen Regierung mit der Friedensmedaille geehrt. Während ihres Aufenthalts in Marokko drehte sie zwei Dokumentarfilme.

Außerdem erfand Marvingt den Metallski.

Für ihre Verdienste als Pilotin wurde Marie Marvingt 1934 in die französische Ehrenlegion aufgenommen und mit einem Ritterkreuz ausgezeichnet. 1949 erhielt sie das Offizierskreuz der Ehrenlegion.[3]

1955 flog sie als Achtzigjährige in einem amerikanischen Militärdüsenjäger mit. Im selben Jahr lernte sie, einen Hubschrauber zu fliegen.

Marvingt starb 1963 im Alter von 88 Jahren in einem Krankenhaus in Laxou.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rosalie Maggio: Marie Marvingt, Fiancée of Danger. First Female Bomber Pilot, World-Class Athlete and Inventor of the Air Ambulance. McFarland & Company, Jefferson (North Carolina) 2019, ISBN 978-1-4766-7550-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mari Evelyne Combeau, Valérie Boulain: A la recherche des limites. Marie Marvingt (1875-1963), pionnière et recordwoman. Angela Teja, Arnd Krüger et al. (Hrsg.): Corpo e senso del limite - Sport and a sense of the Body’s limits. Hannover: NISH 2014, S. 150–157. ISBN 978-3-932423-38-3
  2. John H. Lienhard: No. 2504. Marie Marvingt. In: The Engines of Our Ingenuity. Abgerufen am 26. Oktober 2019.
  3. Dossier über Marie Marvingt in der Datenbank der französischen Ehrenlegion, abgerufen am 10. Mai 2020.
  4. Rosalie Maggio: Marie Marvingt, Fiancée of Danger (siehe Literatur), S. 210–211.