Martinsdom (Bratislava)

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Martinsdom

Die Kathedrale des Heiligen Martin (slowakisch Katedrála svätého Martina), auch Martinsdom (slowakisch Dóm svätého Martina) genannt, ist die dem heiligen Martin von Tours geweihte Kathedrale in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Die im gotischen Stil errichtete Hallenkirche ist das größte Kirchengebäude der Stadt und befindet sich am westlichen Rand der Altstadt, am Fuß des Burghügels. Sie ist seit 2008 die Kathedrale des Erzbistums Bratislava.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Martinsdom entstand ab dem späten 13. Jahrhundert an der Stelle einer früheren romanischen Kirche und eines Friedhofs. Die Bauarbeiten am zentralen Kirchenschiff zogen sich über Jahrzehnte hin. 1452 fand schließlich die Kirchweihe statt. Danach folgten mehrere Erweiterungen der Kathedrale. 1461 bis 1497 wurde das vorhandene Presbyterium durch ein größeres ersetzt (vermutlich ein Werk von Hans Puchsbaum). Ebenfalls im 15. Jahrhundert kamen die St. Anna-Kapelle und die Kapelle der Königin Sophia hinzu.

Während der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Innenraum der Kathedrale zu einem großen Teil barockisiert. Der Wiener Bildhauer Georg Raphael Donner war von 1729 bis 1732 für den Bau der Elomosynariuskapelle verantwortlich, die dem Heiligen Johannes dem Almosengeber geweiht ist. 1735 schuf er die aus Blei gegossene Reiterstatue des Heiligen Martin von Tours. Sie bildete das Kernstück des neu entstandenen Hochaltars, heute steht sie im östlichen Seitenschiff.

Krönung von Leopold I. (1655)

1760 wurde der Turm von einem Blitz getroffen, weshalb er durch einen Neubau ersetzt werden musste. 1835 zerstörte ein Brand den Turm, der 1847 wieder aufgebaut wurde. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kathedrale zwischen 1869 und 1877, als man die barocken Elemente weitgehend entfernte und das Gebäude in den ursprünglichen Zustand im gotischen Stil zurückversetzte.

Ab 1563 war der Martinsdom die Krönungskirche der Monarchen des Königreichs Ungarn. Er trat an die Stelle der königlichen Basilika in Székesfehérvár, da diese Stadt zwanzig Jahre zuvor vom Osmanischen Reich erobert worden war. Am 8. September 1563 war Maximilian II. der erste ungarische König, der hier gekrönt wurde. Insgesamt fanden bis 1830 die Krönungen von elf Königen und acht Königinnen im Martinsdom statt (siehe unten).

Glasmalerei

1893 wurde knapp unterhalb der Kathedrale eine imposante, im maurischen Stil gehaltene Synagoge der jüdisch-neologischen Gemeinde errichtet. Diese wurde 1967 im Zusammenhang mit der Errichtung der Zufahrtsstraße zur Neuen Brücke abgerissen. Heute führt eine Stadtautobahn wenige Meter am Dom vorbei.

Seit 2002 ist das Gebäude als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft.

Im Jahr 2010 wurde eine neue Orgel, die Elisabethorgel, eingeweiht. An die Heilige Elisabeth und das Rosenwunder erinnern die Rosen an den Pfeifenfeldern. Gebaut wurde sie von dem deutschen Orgelbauer Gerald Woehl.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Kathedrale ist 69,37 m lang, 22,85 m breit und 16,02 m hoch. Sie besteht aus einem zentralen Kirchenschiff und zwei daran angebauten Seitenschiffen. Der Turm der Kathedrale hat eine Höhe von 85 m und bildete einst einen Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

An der Spitze des Kirchturms befindet sich seit 1847 anstelle eines Kreuzes ein vergoldetes Paradekissen mit einer Nachbildung der ungarischen Stephanskrone, um an die Rolle des Martinsdoms als Krönungskirche zu erinnern. Die ebenfalls vergoldete Krone hat einen Durchmesser von rund einem Meter und wiegt über 300 kg. Insgesamt wurden für das Kissen und die Krone rund 8 kg Gold verarbeitet.

Da die Kathedrale über einem alten Friedhof entstanden ist, existieren unterhalb der Annakapelle Katakomben bis zu einer Tiefe von sechs Metern. Sie enthalten die Gräber zahlreicher hochrangiger Persönlichkeiten wie kirchliche Würdenträger, Mitglieder der Familie Pálffy oder die Obergespane des Komitats Pressburg. Die letzte Beerdigung fand 1895 statt.

Gotisches Chorgestühl

Glocken[Bearbeiten]

Der Dom verfügt über neun Glocken. Die größte Glocke ist die sogenannte Wederin. Sie wurde von Balthasar Herold im Jahre 1674 aus dem Material alter Kanonen gegossen. Sie trägt Reliefs der Muttergottes, des heilgen Martin sowie ein Kruzifix. Ihre Inschrift lautet: VIRTVS DIVINA PELLAT FVLMINA (d. h. Möge die Kraft Gottes die Blitze vertreiben). Im Heilgen Jahr 2000 wurden die fünf seit dem Ersten Weltkrieg fehlenden Glocken neu gegossen. Diese waren die Zwölferin von 1807 (1.358 kg), die Viertlerin von 1821 (833 kg), eine namenlose Glocke (465 kg), die Josefin (262 kg) und die Feuerglocke von 1679 (133 kg); das Zügenglöcklein (25 kg) ist erhalten geblieben. Neu gegossen wurden auch zwei kleinere Glocken, die als Uhrschlagglocken dienen und in der Turmlaterne aufgehängt sind. Die sieben neuen Glocken wurden von der Glockengießerei Tomášková-Dytrychová in Brodek u Přerova gegossen und am Martinstag desselben Jahres eingeweiht.[2] Der hölzerne Glockenstuhl sowie die vorhandene Wederin wurden zuvor renoviert, wobei deren ursprüngliche händische Läutetechnik beibehalten wurde.

Das Geläut setzt sich aus folgenden Glocken zusammen:

  1. Wederin, Gewicht 2.513 kg, Durchmesser 1.557 mm, Schlagton cis1
  2. Maria-Theresa, Gewicht 2.200 kg, Durchmesser 1.504 mm, Schlagton d1
  3. Margaretha, Gewicht 850 kg, Durchmesser 1.140 mm, Schlagton eis1
  4. Johannes Paul II., Gewicht 500 kg, Durchmesser 940 mm, Schlagton a1
  5. Adalbert, Gewicht 340 kg, Durchmesser 840 mm, Schlagton h1
  6. Wladimir, Gewicht 290 kg, Durchmesser 630 mm, Schlagton cis2
  7. Zügenglöcklein, Gewicht 25 kg
  8. Josef (Stundenglocke, in der Laterne), Gewicht 100 kg, Durchmesser 560 mm, Schlagton fis2
  9. Sieben Schmerzen Mariä (Viertelstundenglocke, in der Laterne), Gewicht 75 kg, Durchmesser 520 mm, Schlagton gis2[3]

Krönungen[Bearbeiten]

Liste der hier gekrönten Könige und ihrer Gemahlinnen, mit Daten in Klammern:[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Martinsdom in Bratislava – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elisabeth-Orgel im Dom des hl. Martin in Bratislava auf Radio Slovakia International vom 12. Jänner 2011 abgerufen am 5. April 2011
  2. Klangprobe von den Glocken 2 bis 6
  3. Mária Poráziková: Die Glocken der Sankt Martins Kathedrale in Bratislava. Bratislava 2010.
  4. Uhorskí králi a královné korunované v Bratislave (In Bratislava gekrönte ungarische Königen und Königinnen, slow.)

48.14201388888917.104972222222Koordinaten: 48° 8′ 31″ N, 17° 6′ 18″ O