Masyr

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Masyr | Mosyr
Мазыр | Мозырь
(weißrus.) | (russisch)
Wappen
Wappen
Staat: Weißrussland Weißrussland
Woblasz: Flag of Homyel Voblast.svg Homel
Koordinaten: 52° 3′ N, 29° 14′ OKoordinaten: 52° 3′ N, 29° 14′ O
Fläche: 36,74 km²
 
Einwohner: 111.801 (2017 [1])
Bevölkerungsdichte: 3.043 Einwohner je km²
Zeitzone: Moskauer Zeit (UTC+3)
Telefonvorwahl: (+375) 2351
Postleitzahl: 247760
Kfz-Kennzeichen: 3
Masyr (Weißrussland)
Masyr
Masyr

Masyr bzw. Mosyr (weißrussisch Мазыр/Masyr; russisch Мозырь/Mosyr; polnisch Mozyrz) ist eine Stadt mit 111.600 Einwohnern (2006) in der Homelskaja Woblasz im Südosten Weißrusslands, 133 km nordwestlich von Homel und 320 km südlich von Minsk. Masyr liegt am Fluss Prypjat (Pripjet) nahe dem Sperrgebiet, das infolge des Reaktorunglücks von Tschernobyl eingerichtet wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung von Masyr, einer der ältesten weißrussischen Städte, ist für das Jahr 1155 belegt, als sie der Kiever Fürst Jurij Dolgorukij dem Tschernigower Fürsten Swjatosloaw Olgowitsch übergab. Im Laufe der Jahrhunderte gehörte Masyr mehreren Herrschaftsbereichen an (Kiewer, Tschernigower, Turower Fürstentum). Seit Mitte der 1560er Jahre war es als ein Handelszentrum des Landkreises (Pawet) Kiew Teil des Großfürstentums Litauen, 1569 gehörte es infolge der Lubliner Union zur Rzeczpospolita, als Stadt in der Mensker (Minsker) Wojewodschaft. Das Magdeburger Stadtrecht erhielt Masyr 1577, ein Stadtwappen erst später; die entsprechenden Dokumente werden heute im nationalen historischen Archiv von Weißrussland in Minsk aufbewahrt.

Infolge eines großen Stadtbrandes zu Beginn des 17. Jahrhunderts sind das Schloss von Masyr und ein Teil der Stadt bis auf die Grundmauern niedergebrannt. In diesem Zusammenhang wurden 1609–1613 Maßnahmen zum Wiederaufbau ergriffen, nach denen an die Einwohner der Befehl erging, das Schloss sowie die Plätze der Stadt wieder aufzubauen.

Im 17. Jahrhundert fand in Masyr ein Aufstand gegen die adeligen Großgrundbesitzer statt.

Nach der zweiten polnischen Teilung 1793 fiel die Stadt an Russland wurde Kreisstadt im Gouvernement Minsk. Der Bau einer eigenen Eisenbahnstrecke in der Region Palessia, heute südliches Weißrussland, in den 1880er Jahren trug entscheidend zum wirtschaftlichen Wachstum von Stadt und Region bei. 1885 entstand in der Stadt die Streichholzfabrik Molnija (‚Blitz‘).

1917 wurde in Masyr die Sowjetmacht errichtet. Von Februar bis Dezember 1918 befand sich die Stadt unter deutscher Okkupation, vom 5. März bis 29. Juni 1920 wurde sie von den Polen besetzt. Ab 1924 war Masyr in der noch jungen Sowjetunion Kreisstadt, d. h. Zentrum eines Rajon, 1926/27 gehörte es dem Rajon Slabada an, 1924–1930 und 1935–1938 war es Zentrum des Kreises Masyr, 1938–1954 Hauptstadt des Gebietes (Woblasz) Palessia. Seit 1954 gehört die Stadt dem Gebiet Homel an.

Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Masyr 6.300 Juden, ungefähr ein Fünftel der Bevölkerung, es gab jiddische Schulen und eine Kammer des Gerichts verhandelte in jiddischer Sprache. Sofort nach der deutschen Eroberung der Stadt am 22. August 1941 kam es zu ersten Massakern. Ende 1941 errichteten die Deutschen ein Zwangsghetto. Am 7. Januar 1942 wurden 1.150 oder 1.500 Juden ermordet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1552 1.500[2] 1970 48.000
1576 2.000[2] 1973 58.000[3]
1724 1.500[4] 1991 103.000
1795 2.000 1997 108.000[5]
1825 3.000 2004 111.500
1850 6.500 2009 108.792[6]
1878 7.834[7] 2016 112.003[8]
1897 8.067[9] 2017 111.801[10]
1907 9.976[11]
1927 14.300
1939 17.500

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Masyr
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
41
 
-2
-7
 
 
38
 
-1
-7
 
 
42
 
5
-3
 
 
43
 
14
3
 
 
59
 
21
8
 
 
87
 
23
12
 
 
102
 
25
14
 
 
64
 
24
13
 
 
60
 
18
8
 
 
52
 
12
3
 
 
49
 
4
-1
 
 
47
 
-1
-6
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Masyr
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) -1,7 -0,7 4,7 14,0 20,6 23,0 25,0 24,1 18,3 11,5 3,7 -0,8 Ø 11,9
Min. Temperatur (°C) −6,8 −7,0 -2,8 2,8 8,3 11,9 13,8 12,6 8,1 3,4 -1,4 −5,5 Ø 3,2
Niederschlag (mm) 41,0 38,0 42,0 43,0 59,0 87,0 102,0 64,0 60,0 52,0 49,0 47,0 Σ 684
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
-1,7
−6,8
-0,7
−7,0
4,7
-2,8
14,0
2,8
20,6
8,3
23,0
11,9
25,0
13,8
24,1
12,6
18,3
8,1
11,5
3,4
3,7
-1,4
-0,8
−5,5
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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c
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l
a
g
41,0
38,0
42,0
43,0
59,0
87,0
102,0
64,0
60,0
52,0
49,0
47,0
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: fehlt

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Blau ein goldbewehrter schwarzer Adler.

Dieses geht zurück auf eine Darstellung aus dem 17. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Verleihung der Privilegien des Magdeburger Rechts.

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Masyr ist zusammen mit Nawapolazk Zentrum der Erdölindustrie von Weißrussland. Weitere in der Stadt ansässige Wirtschaftszweige sind der Maschinenbau, die Metall- und holzverarbeitende Industrie, die chemische Industrie, die Leichtindustrie (so z. B. die Textilfabrik Nadex[12]) sowie die Nahrungsmittelindustrie; so stellt z. B. die Firma Mosyrsol Küchensalz her. Das pharmazeutische Unternehmen Etanol, welches neben medizinischen Produkten auch alkoholhaltige Substanzen produziert, war zu Sowjetzeiten nach eigenen Angaben das größte in der Mikrobiologie tätige Unternehmen des Landes[13].

Die staatlichen Hotels sind das Dynama, die Elada sowie die Hotelanlagen Prypjat.

An Touristenattraktionen bietet Masyr eine Sommerrodelbahn und im Winter einen kostenlosen Skilift. Zudem befindet sich im Zentrum ein sehr sehenswertes Schloss.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Masyr verkehrt neben Bussen auch seit 1. August 1988 eine Straßenbahnlinie, deren Streckenverlauf 20 km Länge beträgt[14]. Damit ist Masyr neben Minsk, Wizebsk und Nawapolazk eine von vier Städten in Weißrussland mit Straßenbahnverkehr.

Die Eisenbahnstrecke KalinkawitschyOwrutsch (Ukraine) verläuft in sieben km Entfernung an Masyr vorbei. Durch Fernstraßen ist die Stadt mit Homel, Babrujsk und Owrutsch verbunden.

Obwohl die Stadt über den größten Hafen des Landes verfügt, ist weder die die industrielle noch die touristische Schifffahrt besonders entwickelt. Masyr verfügt über einen – inzwischen stillgelegten – Flughafen.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Skulptur in Masyr

In Masyr sind das Iwan-Melesch-Theater, die Philharmonie sowie das Landeskunde- und Kulturmuseum der Region Palessie, ein Museum für angewandte Kunst und eine städtische Ausstellungshalle ansässig. 1990 wurde der Kulturpalast des Erdölverarbeitungswerkes Masyr eröffnet, in dem ab und an auch bekanntere Künstler auftreten.

Das einzige Lichtspieltheater der Stadt ist das Kino Mir (‚Frieden‘), es sind mehr als 50 öffentliche Bibliotheken vorhanden.

Bildung und Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stadt befinden sich 15 Mittelschulen, vier Musikschulen, 35 Kindergärten sowie jeweils eine Berufsschule (Technikum) für Bauwesen, Geologie, Sport, medizinische Berufe.

  • Мозырский государственный педагогический университет имени И.П. Шамякина:[15]

Die pädagogische Hochschule wurde 1944 gegründet und die ersten Absolventen verließen 1946 die Hochschule. Nach Ministerratsbeschluss der BSSR ist ihr 1964 der Name N(adeschda) K. Krupskaja verliehen worden. In den 1990er Jahren in die Staatliche pädagogische Nadeschda-Krupskaja-Universität Masyr umgewandelt und somit aufgewertet worden, ist sie letztlich 2006 nach präsidialen Erlass nach dem Schriftsteller Iwan Pjatrowitsch Schamjakin benannt worden. Die Universität trägt nunmehr den offiziellen Namen Staatliche pädagogische I.P. Schamjakin-Universität Masyr.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben zahlreichen Schwimmbädern, Turnhallen und Stadien verfügt Masyr über Wintersportanlagen, die das touristische Standbein der Region bilden.

Der Fußballklub Slawija Masyr spielte in der Saison 2017 in der ersten weißrussischen Liga[16].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die orthodoxe Kirche des Hlg. Michail einschließlich Kloster
  • Die katholische Michaelskirche einschließlich Minoritenkloster

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mozyr, in: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Jerusalem : Yad Vashem, 2009 ISBN 978-965-308-345-5, S. 501

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mazyr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nationales Statistisches Komitet Weißrussland: Bevölkerung zum 1. Januar 2017 und die durchschnittliche jährliche Zahl der Bevölkerung im Jahr 2016 in der Republik Belarus nach Regionen, Bezirke, Städte und Gemeinden. 27. März 2017, abgerufen am 1. Oktober 2017 (russisch).
  2. a b Genads Pjatrowitsch Paschkou et al.: Вялікае Княства Літоўскае. Кадэцкі корпус — Яцкевіч. Hrsg.: Беларуская энцыклапедыя імя Петруся Броўкі. Band 2. Minsk 2005, ISBN 985-11-0378-0, S. 258 (weißrussisch).
  3. Alexander Michailowitsch Prochorow: Große sowjetische Enzyklopädie. 3. Auflage. (russisch: Большая советская энциклопедия.).
  4. Genads Pjatrowitsch Paschkou et al.: Вялікае Княства Літоўскае. Кадэцкі корпус — Яцкевіч. Hrsg.: БелЭн імя П. Броўкі. Band 2. Minsk 2005, ISBN 985-11-0378-0, S. 259.
  5. Genads Pjatrowitsch Paschkou: Enzyklopädie der weißrussischen Geschichte. М — Пуд. Minsk 1999, ISBN 985-11-0141-9, S. 36 (weißrussisch: Энцыклапедыя гісторыі Беларусі.).
  6. Nationales Statistisches Komitet der Republik Weißrussland: Volkszählung der Republik Weißrussland 2009. Abgerufen am 1. Oktober 2017 (PDF, russisch).
  7. Alexander Jelski: Geographisches Lexikon des Königreiches Polen. Malczyce — Netreba. Band 6. Warschau 1885, S. 754.
  8. Nationales Statistisches Komitet der Republik Weißrussland: Bevölkerung zum 1. Januar 2016 und die durchschnittliche jährliche Zahl der Bevölkerung im Jahr 2015 in der Republik Belarus nach Regionen, Bezirke, Städte und Gemeinden. 30. März 2016, abgerufen am 1. Oktober 2017 (russisch).
  9. Genads Pjatrowitsch Paschkou: Enzyklopädie der weißrussischen Geschichte. М — Пуд. Band 5. Minsk 1999, ISBN 985-11-0141-9, S. 37 (weißrussisch: Энцыклапедыя гісторыі Беларусі.).
  10. Nationales Statistisches Komitet Weißrussland: Bevölkerung zum 1. Januar 2017 und die durchschnittliche jährliche Zahl der Bevölkerung im Jahr 2016 in der Republik Belarus nach Regionen, Bezirke, Städte und Gemeinden. 27. März 2017, abgerufen am 1. Oktober 2017 (russisch).
  11. S. W. Marzleu: Städte und Dörfer in Weißrussland: Enzyklopädie in 15 Bänden. Гомельская вобласць. Hrsg.: БелЭн. Band 2, Nr. 2. Minsk 2005, ISBN 985-11-0330-6, S. 83 (weißrussisch: Гарады і вёскі Беларусі.).
  12. http://nadex.by/ (auf Russisch)
  13. http://www.mozyr-etanol.com/ (auf Russisch)
  14. http://mozyr.tut.by/city/tramway/ (auf Russisch)
  15. Bildungseinrichtung "Staatliche pädagogische I.P. Schamjakin-Universität Masyr": Geschichte und Gegenwart. "Staatliche pädagogische I.P. Schamjakin-Universität Masyr, abgerufen am 1. Oktober 2017 (2012-2016).
  16. http://de.soccerway.com/national/belarus/premier-league/2017/regular-season/r39607/