Matthias Hentze

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Matthias Hentze

Matthias Werner Hentze (* 25. Januar 1960 in Wiedenbrück, heute Rheda-Wiedenbrück) ist ein deutscher Wissenschaftler und Arzt. Er ist gegenwärtig Direktor des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie (EMBL)[1] und Professor für Molekulare Medizin[2] an der Universität Heidelberg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hentze legte 1978 die Abiturprüfung am Ratsgymnasium in Rheda-Wiedenbrück ab und studierte anschließend Humanmedizin an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, sowie an den medizinischen Hochschulen von Southampton,[3] Oxford,[4] Glasgow[5] und Cambridge[6] im Vereinigten Königreich.[7] Im Jahre 1984 erlangte er die Approbation als Arzt und promovierte zum Dr. med. an der Universität Münster über die Biogenese, Reifung und den Transport lysosomaler Enzyme bei Kurt von Figura[8]. Gefördert durch ein Postdoktorandenstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) schloss sich Hentze 1985 nach kurzer ärztlicher Tätigkeit der Forschungsgruppe von Richard D. Klausner an den National Institutes of Health (Bethesda, Maryland, USA) an.[9] Im Jahre 1989 wechselte Hentze als wissenschaftlicher Gruppenleiter an das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie[1] in Heidelberg. Im Alter von 30 Jahren habilitierte er 1990 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und wurde 1996 zum Dekan des EMBL International PhD Programme berufen.[7]

Gemeinsam mit Andreas Kulozik[10] von der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg gründete er 2002 die „Molecular Medicine Partnership Unit (MMPU)“[11] und ist als deren Co-Director verantwortlich. Die MMPU stellt die erste institutionelle Partnerschaft zwischen dem EMBL und einer nationalen Forschungseinrichtung dar und widmet sich interdisziplinärer Forschung an der Schnittstelle zwischen Molekularbiologie und klinischer Medizin.

Im Jahre 2005 wurde Hentze zum Vizedirektor des EMBL sowie zum Professor für Molekulare Medizin der Universität Heidelberg ernannt.[7] Seit Juni 2013 berät und unterstützt er den Generaldirektor Iain Mattaj[7] als Direktor des EMBL.

Hentze ist verheiratet und hat drei Töchter. Er nimmt regelmäßig an den Marathons der World Marathon Majors-Serie teil.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1987 entdeckten Hentze und Kollegen mit dem Iron-responsive elements (IRE) das erste Beispiel für translationale Genregulation bei Säugern.[12]

Hentzes Forschungsteam hat grundlegende Arbeiten für das Verständnis der Translationskontrolle (RNA-bindende Proteine, microRNAs) geleistet, dessen Bedeutung für die Entwicklungsbiologie, Hirnfunktion, Krebsentstehung und andere Erkrankungen inzwischen weithin anerkannt ist. Außerdem gelangen ihm Schlüsselentdeckungen auf dem Gebiet des Eisenstoffwechsels und seiner Erkrankungen. Im Rahmen der MMPU untersucht er unter anderem Erkrankungen des RNA Stoffwechsels, vor allem des sogenannten nonsense-mediated decay (NMD) und der 3’Endbildung von mRNAs.

2010 schlug Hentze mit dem Konzept von REM Networks eine neue Verbindungsachse zwischen Stoffwechsel und der Genexpression auf Basis RNA-bindender Enzyme vor (Hentze und Preiss, 2010).[13] Das Forschungsprojekt wurde im Jahre 2011 mit einem ERC Advanced Investigator Grant des Europäischen Forschungsrats ausgezeichnet.[14] Diese Arbeiten führten zur Entwicklung der „RNA Interactome Capture“ Technik und der Entdeckung Hunderter neuer RNA-bindender Proteine in den Zellen von Säugern und Hefe, einschließlich über 50 Stoffwechselenzymen (Castello et al., 2012; Beckmann 2015). Jüngst beschrieben Hentze und Kollegen neuartige RNA-bindende Motive, die sie mit Hilfe der von ihnen entwickelten RBDmap Methode entdeckten (Castello et al., 2016).

Auszeichnungen und Preise (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hentze ist außerdem Mitglied diverser nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften wie der RNA Society, der BioIron Society (die er mitgründete) sowie der deutschen Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM).

Editorial Boards[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hentze ist gegenwärtig Mitglied der Editorial Boards verschiedener renommierter, internationaler Fachzeitschriften, einschließlich Wiley Interdisciplinary Reviews: RNA[25], EMBO Molecular Medicine[26], Molecular Cell[27], Journal of Molecular Medicine[28], BMC Molecular Biology[29], RNA[30] und Trends in Biochemical Sciences[31].

Sonstige Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hentze ist oder war Mitglied zahlreicher internationaler Beratungsgremien, einschließlich des wissenschaftlichen Ausschusses und Kuratoriums des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (Berlin, Deutschland), des wissenschaftlichen Beratungskomitees des Berlin Institute of Health (BIH/BIG),[32] des Istituto Nazionale Genetica Molecolare (INGM)[33] (Mailand, Italien), des Centenary Institutes[34] (Sydney, Australien) und der Cold Spring Harbor Conferences Asia.[35] Ferner ist Hentze wissenschaftlicher Mitgründer von Anadys Pharmaceuticals (San Diego, USA).[36]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hentze ist Mitautor von Lehrbüchern auf dem Gebiet der Molekularen Medizin und hat über 250 wissenschaftliche Originalbeiträge veröffentlicht.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b EMBL Leadership
  2. Fakultät am Uniklinikum Heidelberg
  3. Southampton Medical School. Abgerufen am 5. August 2015
  4. Oxford Medical School. Abgerufen am 5. August 2015
  5. Glasgow Medical School. Abgerufen am 5. August 2015
  6. Cambridge School of Clinical Medicine. Abgerufen am 5. August 2015
  7. a b c d Leopoldina CV
  8. CV Kurt von Figura. Georg-August-Universität Göttingen. Abgerufen am 5. August 2015
  9. TiBS Vol. 37, No. 12
  10. Universitätsklinikum Heidelberg. Prof. Dr. med. Andreas Kulozik. Abgerufen am 5. August 2015
  11. Molecular Medicine Partnership Unit. Universitätsklinikum Heidelberg. Abgerufen am 5. August 2015
  12. Journal of Molecular Biology (1997) 274
  13. Life Scientist: Enzymes with alter egos. Feb. 2014
  14. „REM Networks“. Website des European Research Council. Abgerufen am 2. Juni 2015
  15. Australian Academy of Science/News and events. Abgerufen am 5. April 2016
  16. RNA Society. Directors. Abgerufen am 4. April 2016
  17. 66. Mosbacher Kolloquium: Metals in Biology – Cellular Functions and Disease – Programm. In: gbm-online.de. Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie, abgerufen am 28. Februar 2017 (PDF; 2,3 MB).
  18. ERC Investigator Grant 2011
  19. Victor Chang Cardiac Research Institute. Homepage. Abgerufen am 4. April 2016
  20. Lautenschläger-Forschungspreis 2007 an Prof. Dr. Matthias Hentze und Prof. Dr. Andreas Kulozik
  21. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Matthias W. Hentze (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 14. Juli 2016.
  22. BioIron Society. Vorstand 2005-07. Abgerufen am 5. August 2015
  23. Gottfried Wilhelm Leibniz Programme 2000
  24. EMBO Website
  25. Wiley Online Library. Abgerufen am 5. August 2015
  26. EMBO Press – Editors & Advisory Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015
  27. Cell Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015
  28. Journal of Molecular Medicine Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015
  29. BMC Molecular Biology Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015
  30. RNA Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015
  31. TiBS Editorial Board. Abgerufen am 5. August 2015
  32. Pressemitteilung des BIG/BIH vom 12. März 2014. Abgerufen am 19. April 2017
  33. Comitato Tecnico Scientifico. INGM Homepage. Abgerufen am 19. April 2017
  34. Scientific Advisory Board. Centenary Homepage. Abgerufen am 19. April 2017
  35. CSH Asia Scientific Advisory Board (2013-2015) CSH Asia Homepage. Abgerufen am 19. April 2017
  36. Press Release. Anadys Pharmaceuticals Created. Abgerufen am 19. April 2017