Max Baur (Fotograf)

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Deutsches Bundesarchiv: «Moses, gestützt von Aaron und Hur, im Gebet für sein Volk im Kampf gegen die Amalekiter. Entwurf: Christian Daniel Rauch nach einer Skizze von Friedrich Wilhelm IV., 1848–1857. Ausführung: Albert Wolff, 1857–1863.» Foto von Max Baur (vor 1944) vor der Friedenskirche in Potsdam.

Max Baur (* 4. Februar 1898 in Günzburg; † 16. Dezember 1988 in Aschau im Chiemgau) war ein deutscher Fotograf und Verleger von Ansichtskarten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1914 bis 1916 absolvierte Baur eine Ausbildung als Buchhändler, bevor er 1917 die Einberufung zum Ersten Weltkrieg erhielt, aus dem er 1918 nach einer Verwundung eine Woche vor Ausbruch der Novemberrevolution zurückkehrte.

Erste fotografische Tätigkeiten folgten ab 1924. 1928 gründete er ein Atelier und einen Ansichtskartenverlag in Wernigerode. 1930 absolvierte er die Gesellen- und Meisterprüfung und wurde in die Gesellschaft Deutscher Lichtbildner berufen. Ab 1933 machte er Bekanntschaft mit Hermann Hesse, der ein Sammler seiner Fotografien wurde, und bat ihn in ihrer Korrespondenz, für ihn einige Dinge in Berlin zu erledigen. 1934 zog Baur nach Potsdam, wo er bis 1953 lebte und arbeitete. 1944 entzog er sich als Gegner von Nazis und Krieg dem Einzug zur Wehrmacht durch Desertion nach Süddeutschland.

Nach dem Krieg gründete er 1946 erneut einen Ansichtskartenverlag. Es entstanden Architektur-, Industrie-, Sach-, Landschafts-, Porträt- und Werbeaufnahmen. Während dieser Zeit machte er auch die Bekanntschaft des Potsdamer Philosophen Otfried Eberz und der Schriftsteller Hermann Kasack und Werner Wilk sowie des Musikers Wilhelm Kempff. 1953 zog Baur mit der Familie von Potsdam nach Aschau im Chiemgau, verbunden mit einem wirtschaftlichen Neubeginn. 1954 gründete er dort einen Laden für Fotografie und betrieb ihn bis zu seinem Tod am 16. Dezember 1988. Fotografische Schwerpunkte dieser Zeit waren Aufnahmen bayerischer Landschaften und Barockkirchen, die Arbeiten der historischen Bildhauer Tilman Riemenschneider und Ignaz Günther sowie die Publikation von Kalendern und Büchern.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit seiner eigenwilligen künstlerischen Arbeit wie auch mit seiner Auftragsfotografie für Werbeindustrie und Industrie etablierte Baur neue, eigene Sichtweisen. In seiner Architektur- und Industriefotografie nimmt Max Baur die formalen Ausdrucksmittel heutiger, zeitgenössischer Fotografen voraus. Teile von Baurs Werk erinnern an die Stilrichtung der „Neue Sachlichkeit“. Als einer der wenigen europäischen Landschaftsfotografen aber blieb Baur bis heute weitgehend unentdeckt, obwohl sie an die große Zeit der amerikanischen Landschaftsfotografie erinnern. Seine Stillleben erinnern an die für das Bauhaus prägende Sachfotografie. Es waren für die damalige Zeit provokante, formatfüllende Abbildungen einzelner Objekte von Schlichtheit und Eleganz, dargestellt in Lichtführung und Perspektive. Da die Fotografie die grafischen Künste in den 1920er Jahren zunehmend aus dem Bereich der Bildwerbung verdrängte, entwickelte sich die Werbeindustrie zu einem lukrativen Auftraggeber vieler Fotografen. Max Baur arbeitete u.a. für Kodak, Siemens und zahlreiche andere Firmen sowie für verschiedene namhafte Architekturbüros.

William A. Ewing, Direktor des Musée de l´Elysée Lausanne, schreibt: „Mit Licht zu „schreiben“ erforderte Gewandtheit und Geschick; dass Baur Kalligrafie liebte und als Hobby betrieb, sagt viel über ihn aus. Sorgfalt, größte Aufmerksamkeit für Details und schwungvolle Linien waren Kennzeichen seiner Fotografie.[1]

Weiße Rose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abbildung einer weißen Rose aus dem Verlag Max Baurs inspirierte im Oktober 1941 den Soldaten Fritz Rook zu einem Text über das, was eine weiße Rose für ihn ausdrückt. Dieser Text wiederum gefiel Alexander Schmorell so gut, dass er die Adressatin, Lilo Ramdohr, bat, diesen abschreiben zu dürfen, um ihn seinem Freund Hans Scholl zu zeigen. So geht die Namensgebung der gleichnamigen antifaschistischen Widerstandsgruppe Weiße Rose auf ein Foto Max Baurs zurück.[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mappenwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Potsdam / Sanssouci
  • Das alte Potsdam
  • Potsdam wie es war
  • Die Garnisonkirche zu Potsdam
  • Schöne deutsche Städte
  • Schönheit der Landschaft
  • Das schöne Deutschland
  • Gruß aus Deutschland
  • Architekturbüro von Estorff und Winkler Bauten
  • Röntgeninstitut Dr. Joachim Hintze, Berlin
  • Berlin
  • Dresden
  • Wernigerode
  • Die Insel Rügen
  • Hiddensee
  • Rothenburg o.T.
  • Kirchen
  • Riemenschneider
  • Kunst im Chiemgau
  • Die Wartburg
  • Blumen und Blüten
  • Kleiner Querschnitt

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1928 Postkarten-Verlag Max Baur, Wernigerode
  • 1932 Die schöne Welt, Vorwort Manfred Hausmann, Plant Verlag, Wuppertal
  • 1934 Erster Max Baur Kalender
  • 1937 Erster großer Bildband, Potsdam, Ein Bilderwerk, Carl Specht Verlag, Berlin
  • 1937 Mandi – Ein Kinderleben in Bildern
  • 1940 Potsdam, Verkehrsverein Potsdam, Verlag Rütten & Loenig
  • 1954 Sanssouci, Ernst Gall, Verlag Karl Robert Langewiesche, Königstein/Ts.
  • 1957 Berlin Unvergessene Stadt, Kalender, W. Flechsig Verlag, Darmstadt
  • 1960 Tilman Riemenschneider, Flechsig-Verlag, München
  • 1963 Potsdam wie es war, Rembrandt-Verlag, Berlin
  • 1967 Der Chiemgau – Kunst und Landschaft, Ulrich Häussermann, Verlag DuMont, Köln
  • 1970 Ignatz Günther, Wolfgang Steinitz, Pannonia-Verlag, Freilassing
  • 1981 Potsdam/Sanssouci – Bilder der Erinnerung 1934–1939, Rembrandt Verlag Berlin
  • 1985 Die Schwäbische Alb – Bilder einer Landschaft, ISBN 3-921580-53-8
  • 1991 Das alte Potsdam, Dr. Klaus Arlt, Potsdamer Verlagsbuchhandlung Potsdam
  • 2001 max baur – fotografien 1925–1960 – im geist des bauhaus, Stephan Steins (Herausgeber), Essay von William A. Ewing, Stemmle Publishers, Zürich / New York, ISBN 3-908163-22-6

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1929 Das Deutsche Lichtbild, Jahresschau 1930, Verlag Robert & Bruno Schultz, Berlin, S. 36.
  • 1932 Das Deutsche Kind, Verlag der Eiserne Hammer, Karl Robert Langewische, Königstein und Leipzig, S. 28.
  • 1933 Licht ist dein Kleid, M. Feesche Verlag, Hannover, S. 9, 19.
  • 1933 Werkbund "Die Form", Wilhelm Lotz, Verlag W.u.S.Loewenthal, Berlin, 1. Ausg.
  • 1937 Das Deutsche Lichtbild, Bruno Schultz Verlag Berlin, S. 8.
  • 1938 Der Autotourist, Verlag Gebr. Jänecke Hannover, S. 155, 279.
  • 1938 Einweihung des Neubaues der Reichskanzlei Berlin, 3 Abb.
  • 1939 Architektur und Bauplastik der Gegenwart von Werner Rittich, Rembrandt-Verlag, Berlin, S. 68, 75.
  • 1941 Photo-Illustrierte, Berlin, 6. Jhrg. Nr. 11, S. 2.
  • 1948 Die Photographie, Nr. 1, Verlag Wilhelm Knapp, Halle/Saale, S. 14.
  • 1951 Die Photographie, Febr.-Ausgabe, Verl. Wilh. Knapp, Halle/Saale, S. 43.
  • 1957 Die schöne Heimat, Verlag Karl Robert Langewiesche, Königstein/Ts.,S. 126, 137, 174, Deutsche Burgen, Verlag Karl Robert Langewiesche, Königstein/Ts., S. 87
  • 1961 Barocke Kunst um Ulm, Adolf Herrmann, S. 29, 30, 32, 33, Oberammergau, Vorwort Hans Obergethmann, Verlag Ludwig Simon, München, S. 56, 57, 63, 66, 67.
  • 1995 Freundschaften in der Weißen Rose, Lilo Fürst-Ramdohr, Verlag Geschichtswerkstatt Neuhausen, S. 13.
  • 1998 100 Jahre Kunst im Aufbruch, Berlinische Galerie zu Gast in Bonn, Katalog S. 158, 159.
  • 2001 Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Mitteilungen 1/2001, Mit dem Jahrhundert – Ausstellung zum 100. Geburtstag von Werner Wilk, S. 1, 6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Max Baur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Max Baur. Fotografien 1925–1960 Im Geist des Bauhaus. Stephan Steins (Herausgeber). Essay von William A. Ewing, Stemmle 2001
  2. Quelle: Lilo Fürst-Ramdohr „Freundschaften in der Weißen Rose“, Verlag Geschichtswerkstatt Neuhausen, München 1995, ISBN 3-931231-00-3