Menschen für Menschen

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Karlheinz Böhm (2008)

Menschen für Menschen ist eine von Karlheinz Böhm gegründete Organisation. Es gibt eine deutsche bzw. Schweizer Stiftung. In Österreich wurde ein unabhängiger Verein mit dem gleichen Namen gegründet. Alle Landesorganisationen sammeln eigenständig Spenden für die Projektarbeit in Äthiopien. Die Organisation führt in neun Regionen Äthiopiens langfristig angelegte Hilfsprojekte (Hilfe zur Selbsthilfe) durch. Die Stiftung fördert Projekte zur Versorgung mit Wasser und Nahrung, die schulische Bildung und die medizinische Versorgung. Die Finanzen werden jährlich dem Stiftungsrat vorgelegt. In einer Untersuchung der Stiftung Warentest zu Spendenorganisationen vom November 2014 wurde 'Menschen für Menschen' wegen seiner hohen Transparenz und niedrigen Verwaltungs- und Werbekosten positiv erwähnt. [1] Der Sitz der deutschen Stiftung befindet sich in München. Am 29. Mai 2014 verstarb Karlheinz Böhm in seinem Wohnort in der Nähe von Salzburg. Sein Lebenswerk 'Menschen für Menschen' wird konsequent von den Vorständen und Mitarbeitern der Stiftung weitergeführt.

Die Stiftung ist Unterzeichnerin der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Almaz Böhm

Angesichts der Hungersnot in der Sahelzone wettete Karlheinz Böhm am 16. Mai 1981 in der Fernsehshow Wetten, dass..? mit dem Publikum,[3][4]

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„… dass nicht einmal ein Drittel der Zuschauer, die uns jetzt in Österreich, der Schweiz und der Bundesrepublik Deutschland zusehen, bereit ist, nur eine Mark für die hungernden Menschen in der Sahelzone zu spenden. Und diese Wette möchte ich gern verlieren.“

Das Spendenziel wurde nicht erreicht, Böhm gewann somit seine Wette, aber es kamen rund 1,2 Millionen DM zusammen.

Böhm bot daraufhin den Ländern Tschad, Sudan und Äthiopien seine Hilfe an.[5] Von diesen reagierte Äthiopien als erstes auf dieses Hilfsangebot. Im Oktober 1981 flog Böhm erstmals nach Äthiopien und gründete am 13. November 1981 den Verein Stiftung Menschen für Menschen e.V. in München, 1983 den Verein Menschen für Menschen in Österreich, 1989 die Stiftung Menschen für Menschen in der Schweiz, 1994 den Verein ohne Erwerbszweck Menschen für Menschen in Belgien und 1995 den Deutschen Förderverein der Stiftung Menschen für Menschen e.V. Im Jahr 2004 wurde die Äthiopienhilfe in eine Stiftung des bürgerlichen Rechts mit dem Namen Stiftung Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe umgewandelt.

Das erste Hilfsprojekt widmete sich 1982 der Ansiedlung von etwa 1.500 Halbnomaden des Stammes der Hauiwa in Babile, Ost-Äthiopien. Gemeinsam mit diesen Menschen wurden im Erer-Tal vier neue Dörfer erbaut.[6]

Im Dezember 1984 erklärte sich Böhm bereit, für die Verteilung der in Deutschland eingegangenen Spenden für Bob Geldofs Band Aid-Projekt zu sorgen.

1999 wurde seine engste Beraterin und Ehefrau, die Agrarexpertin Almaz Böhm, einstimmig zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Seit 2008 war sie als geschäftsführender Vorstand tätig und von 2011 bis 2013 war Almaz Böhm Vorsitzende der Stiftung.[7]

Die Stiftung Menschen für Menschen wird heute vom Vorstand und den Geschäftsführern Dr. Peter Schaumberger und Peter Renner geführt. Almaz Böhm konzentriert sich als Schirmherrin der Stiftung auf repräsentative Aufgaben.

Den stellvertretenden Vorsitz des österreichischen Vereins hat Otto W. Beuchert inne, weitere Vorstandsmitglieder sind Renate Horak, Michael Kerbler und Univ.-Prof. Dr. Bernd Lötsch.

2006 gingen anlässlich des 25. Jahrestages und in Anlehnung an die Entstehungsgeschichte von Menschen für Menschen 21 Städte, vertreten durch ihre Oberbürgermeister, mit Karlheinz Böhm folgende Wette ein: „Ich wette, dass mindestens jeder dritte Einwohner meiner Stadt zwischen dem 1. April und 11. Mai 2006 für Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe Menschen für Menschen einen Euro spendet.“ Die Städte Passau, Pfaffenhofen, Friedrichshafen, Koblenz, Mannheim, Darmstadt, Offenburg, Weimar, Neuburg, Wolfsburg, Heidelberg, Radolfzell, Karlsruhe, Augsburg, Mainz, Nürnberg, München, Bremen und Wiesbaden haben die Wette gewonnen. Von dem Erlös aus 2.072.780 Euro konnten zehn Schulen in Äthiopien gebaut werden.[8]

Insgesamt über 7,4 Millionen Euro spendeten die Fernsehzuschauer bei der TV-Gala Alles Gute Karlheinz Böhm – Ein Leben für Afrika (ZDF, 2008).[9] Das Geld fließt direkt in die bestehenden Hilfsprojekte und in das neue Bildungsprogramm ABC-2015.

Germany’s next Topmodel Sara Nuru und die Band Killerpilze engagieren sich als Jugendbotschafter für die Kampagne Generation ABC-2015.[10]

Projektschwerpunkte / Bilanz[Bearbeiten]

Menschen für Menschen hat in 30 Jahren aus den vier Geberländern Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien rund 415 Millionen Euro erhalten,[11] u.a. für:

Wasser[Bearbeiten]

  • 1.972 Wasserstellen
  • 84 Bewässerungsanlagen
  • 82 Wasserreservoire

Bildung[Bearbeiten]

  • 363 Schulen
  • 4 Trainingszentren
  • 5 Berufsbildungszentren
  • 1 Agro-Technisches Berufscollege
  • 4 Wohnheime für Schülerinnen und Schüler
  • Alphabetisierungsprogramme für 279.777 Menschen

Infrastruktur[Bearbeiten]

  • 15 Brücken
  • 2.942 km Straßen- und Zufahrtswege

Agrarökologie[Bearbeiten]

  • Produktion und Verteilung von 150 Millionen Baumsetzlingen zur Aufforstung
  • Landwirtschaftstrainings für 102.117 Teilnehmer
  • Insgesamt 46.702  km Terrassen, Stein- und Erdwälle zum Schutz vor Bodenerosion
  • Wiederaufforstung von 7.618 Hektar großen Landflächen
  • Anpflanzungen zur Bodenkonservierung auf 4.068  km²

Gesundheit[Bearbeiten]

  • 86 Gesundheitsstationen
  • 14 Polikliniken
  • 3 Krankenhäuser
  • 39 Krankenwagen
  • 52.847 Augenoperationen (Trachom)
  • Anti-HIV-Kampagnen

Frauen[Bearbeiten]

Soziales[Bearbeiten]

  • 2 Kinder- und Jugendheime
  • 9 Kindergärten
  • 8 Ausbildungszentren

„ABC-2015“[Bearbeiten]

Ziele bis 2015:

  • Drastische Erhöhung der Alphabetisierungsrate
  • Lese- und Schreibprogramme für Erwachsene
  • Bau von Grund- und Hauptschulen sowie Gymnasien und Einrichtung von Bibliotheken

(Projektstand: September 2010)[12]

Transparenz[Bearbeiten]

Menschen für Menschen[13] verfügt in Äthiopien über unabhängige externe Buchprüfer sowie interne Prüfer. Die externen Prüfer gehen die Belege der Stiftung monatlich durch, untersuchen, ob die nationalen Gesetze eingehalten wurden und ob die Preise für die Waren und Dienstleistungen marktüblich sind. Sie berichten direkt an Almaz und Karlheinz Böhm. Die internen Prüfer gehen in die Projektgebiete und untersuchen, ob jede Ausgabe plausibel ist und mit dem Projektplan übereinstimmt.

Für jede Ware, die mehr als 1000 Birr (ca. 40 Euro) kostet, müssen die Einkäufer drei verschiedene Angebote einholen. Die Rechnung wird immer bargeldlos, und zwar per Scheck bezahlt. Jeder Scheck wird sowohl vom Verwaltungschef der Stiftung in Addis Abeba als auch vom äthiopischen Landesrepräsentanten oder dessen Stellvertreter unterschrieben.

Der Geldbedarf der Organisation in Äthiopien schwankt je nach Arbeitsanfall. Daher werden immer nur die tatsächlich benötigten Summen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien auf das Konto von Menschen für Menschen in Addis Abeba transferiert. Pro Geberland unterhält die Organisation ein einziges Konto.

Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Die Bundesrepublik Deutschland zeichnete Karlheinz Böhm 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz (Großkreuz mit Stern) aus. Michail Gorbatschow überreichte ihm 2002 den World Social Award. In Österreich erhielt er 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.[14] Die äthiopischen Universitäten in Jimma und Alemaya verliehen ihm 2003 zwei Ehrendoktorwürden. Der äthiopische Premierminister Meles Zenawi würdigte den Einsatz von Böhm im Oktober 2003 mit der Verleihung der ersten Ehrenstaatsbürgerschaft seines Landes. Für seine Verdienste auf den Gebieten „Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern“ wurde ihm 2007 der Balzan-Friedenspreis zuerkannt.[15] Für das Engagement von Menschen für Menschen bei der Versorgung Äthiopiens mit Trinkwasser wurde Böhm mit dem Internationalen Hundertwasserpreis 2008 geehrt. Zudem erhielt er 2008 die Berlinale Kamera sowie den Bayerischen Verdienstorden. 2009 wurde Böhm für sein soziales Engagement mit dem UNESCO-Ehrenpreis geehrt.[16] 2009 erhielt er den Save the World Award im Kernkraftwerk Zwentendorf verliehen.[17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Swantje Strieder, Jürgen Strauss: Karlheinz Böhm – Was Menschen für Menschen geschaffen haben. 20 Jahre für Äthiopien. Hugendubel, Kreuzlingen/ München 2001, ISBN 3-7205-2261-X.
  • Beate Wedekind: Nagaya heißt Frieden: Karlheinz Böhm und seine Äthiopienhilfe. 2. Auflage. Rütten & Loening, Berlin 2006, ISBN 3-352-00659-8.
  • Frauke Wolter: Karlheinz Böhm. Wie ein Star zum Helfer wurde. Herder, Freiburg 1997, ISBN 3-451-04521-4.
  • Karlheinz Böhm: Mein Leben. Suchen – Werden – Finden. Heyne, 2008, ISBN 978-3-89910-383-0.
  • Andre Glucksmann, Thierry Wolton: Politik des Schweigens. DVA, 1987, ISBN 3-421-06360-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spendenorganisationen von Prominenten: Mit Herz und Verstand; Stiftung Warentest, online abgerufen am 29. Oktober 2014
  2. www.transparency.de, abgerufen am 6. März 2014
  3. 1981: ZEIT onlineWetten, daß….
  4. 2008: Süddeutsche ZeitungDie Rolle seines Lebens
  5. 2006: DeutschlandfunkFrauenrechte stärken im Kampf gegen Armut Interview mit Karlheinz Böhm
  6. 1982: ZEIT onlineUnd sie bauen einen Brunnen
  7. Märkische Allgemeine, 14. November 2011, S. 12.
  8. 2006: Der TagesspiegelDie Früchte des Ruhms
  9. Menschen für Menschen – Große ZDF-Spendengala. Abgerufen am 9. Oktober 2010.
  10. 2009: „Los geht’s – Generation ABC-2015 ist gestartet“
  11. Peter-Philipp Schmitt: Almaz und Karlheinz Böhm im Gespräch: „Die Habgier in den Industrienationen macht mich zornig“. FAZ.NET, 11. November 2011, abgerufen am 13. November 2011.
  12. Menschen für Menschen – Projekte. Abgerufen am 30. September 2010.
  13. Alle Angaben in diesem Abschnitt gemäß Transparent und effizient. In: Stiftung Menschen für Menschen – Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe (Hrsg.): Nagaya Magazin, Nr. 3.12 (Oktober 2012), S. 8.
  14. Goldenes Ehrenzeichen für Karlheinz Böhm am 2. Dezember 2002 abgerufen am 8. Februar 2013
  15. 2007: Balzan Preis 2007 für Humanität, Frieden und Brüderlichkeit unter den Völkern
  16. UNESCO Charity-Gala 2009 – Glanzvoller Abend im Zeichen der guten Sache. Stiftung UNESCO, 19. November 2009, abgerufen am 29. März 2010.
  17. Karlheinz Böhm erhält "Save the World Award" auf OTS vom 21. Juli 2009 abgerufen am 8. Februar 2013