Aufforstung

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Aufforstung in den USA
Wiederaufforstung in der Nähe von Saint-Omer, Nord-Frankreich
In Kanada
Aufforstung im Senegal

Aufforstung bedeutet in der Forstwirtschaft das Anpflanzen von Bäumen oder die Aussaat von Samen mit dem Ziel einer Bewaldung, oft als Wiederherstellung einer früheren, durch Abholzung oder Sturmschäden verschwundenen Bewaldung. War die aufzuforstende Fläche bereits vorher mit Wald bestockt, spricht man von einer Wiederaufforstung, ansonsten von einer Erstaufforstung.

Aufforstung und Naturverjüngung sind wesentliche Kerngedanken der forstlichen Nachhaltigkeit. Die verschiedenen Aufforstungstechniken sind Gegenstand der forstwissenschaftlichen Waldbau­lehre.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maschinelle Aufforstung (1987)

Die erste geschichtlich belegte erfolgreiche Methode zur Aufforstung mit Nadelholz­saaten in großem Stil entwickelte 1368 der Nürnberger Rats- und Handelsherr Peter Stromer (um 1315–1388) im Nürnberger Reichswald. Damit wurde dieses Waldgebiet zum ersten Kunstforst der Welt und Stromer zum „Vater der Forstkultur“. In Deutschland ist die Wiederaufforstung abgeholzter oder geschädigter Waldflächen nach § 11 Bundeswaldgesetz Pflicht.

In den Philippinen wurde 2019 ein Gesetz erlassen, das jeden Grundschüler, Sekundarschüler und Studenten dazu verpflichtet, vor dem Abschluss zehn Bäume zu pflanzen.[1]

Am 14. September 2019 wurde auf TV 2 eine Wohltätigkeitssendung zur Wiederaufforstung ausgestrahlt. Dabei sind Spenden für 914.233 Bäume eingegangen. Nach Angaben der Veranstalter war dies die erste Sendung dieser Art weltweit für den Klimaschutz.[2]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiederaufforstung in Osttimor (2019)

Die durch die Aufforstung erhoffte Wirkung ist regional und zeitlich unterschiedlich. In der Regel sollen durch Aufforstungstätigkeiten alle diese Waldfunktionen erreicht werden.

Umsetzung und Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer ökologischen Aufforstung wird zwischen den Methoden der Waldsaat und der Waldpflanzung unterschieden. Während bei einer Waldsaat die Sämlinge von Anfang an meist gut durchwurzelt sind, kommt es bei einer mit groben technischen Hilfsmitteln durchgeführten Waldpflanzung oft zu Beschädigungen und Deformierungen des Wurzelwerks, die dem Baum weniger Halt verleihen und auch das Wachstum beeinträchtigen. Zwölf Jahre Wurzelforschung der Bayrischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) zeigten, dass nur 19 % aller untersuchten Pflanzbäume keine Wurzeldeformationen aufwiesen, während die verjüngten und gesäten Bäume zu 69 % ein perfektes Wurzelwerk besaßen. Auch Pflanzschocks, die aus Unterschieden der Bodenbeschaffenheit der Baumschule und des Auspflanzungsgebietes resultieren, können einen kleinen Baum oder Steckling schließlich eingehen lassen. Bekannte Pflanzdichten liegen zwischen 400 Bäumen pro Hektar für einen Baumgarten und 1.000 Bäumen pro Hektar für einen Nutzforst. In den Kiefernforsten der DDR waren auch Pflanzdichten von 10.000 Bäumen pro Hektar üblich.

Jungbäume können von einem älteren Baum oder älteren Baumbestand durch Verschattung und Mikroorganismen im Wurzelgeflecht profitieren. So werden für Eichen schnellwachsende Erlen als sogenannte Ammenbäume verwendet.[3]

Bambusforste in Monokultur bilden oft für größere Lebewesen undurchdringliche Mauern und bieten dementsprechend wenig Lebensraum für Flora und Fauna. Zweckmäßig ist, von Anfang an Feuerschneisen zur Brand- und Schädlingsbekämpfung anzulegen. Diese Schneisen dienen auch der Bewässerung bei Trockenheit oder als Transportweg bei der Holzernte.

In Trockengebieten wird das Anschwemmen der Jungbäume nicht nur mit der Gießkanne, sondern auch mit komplexen Schlauchbewässerungssystemen oder alternativ dem Einsatz von Gelwürsten durchgeführt. Diese Würste bestehen zu 98 % aus Wasser, das mit Hilfe von Cellulose und Aluminiumsulfat in eine an der Oberfläche trockene Gelkonsistenz überführt wird und eine kontrollierte, verdunstungsarme Bewässerung der Jungbäume ermöglicht, wobei dem in Bodenbakterien vorkommenden Enzym Cellulase bei der Zersetzung der Trockenwasser-Gelwurst eine Schlüsselrolle zukommt.

Schnell wachsende Bäume haben einen höheren Wasserbedarf als langsam wachsende, und so kann es passieren, dass ein neu gepflanzter Wald mit durstigen Bäumen umgrenzendes Ackerland einfach trockenlegt. Durch eine geschickte Baumauswahl und gegebenenfalls eine reduzierte Pflanzdichte lässt sich dieses gravierende Problem jedoch mildern oder sogar vermeiden.

Die am Primärwald orientierte Aufforstung von tropischen Regenwäldern geschieht praktischerweise durch eine Rekombination von in gesammeltem Tierkot vorgefundenen Baum- und Strauchsamen. Besonders gefragt sind hierbei der Kot von Affen und Fledermäusen, da sie für ihren intensiven Konsum an Waldfrüchten allgemein bekannt sind.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwaldete Regionen wieder aufzuforsten kann sich als schwierig erweisen. Teilweise überleben lediglich ein 0,5 % der gesetzten Bäume. Ihnen fehlen Nährstoffe und im Waldboden vorhandene Mikroben. In und auf den Wurzeln wachsende Mykorrhiza versorgen den jungen Baum mit Wasser und Nährstoffen. Verschiedene Bakteriengruppen erweisen sich beim Wachsen der Baumwurzeln als hilfreich, da einige den Wachstumshormonen der Bäume ähnliche Stoffe absondern, sowie Phosphat lösen und Stickstoff fixieren. Diese Umgebung findet ein junger Baum in bestehendem Wald vor. Dünger und Pestizide mit den Mikroben zu kombinieren scheitert, da Phosphatdünger gegen einige Bakterien und Fungizide gegen Mykorrhiza wirken. Ein Versuch die Mikroben an Obstbäumen einzusetzen führte neben schnellerem Wachstum zu einem früheren sowie kleinerem und schmackhafter ausfallendem Fruchtertrag.[4]

Es sind Versuche gestartet worden, Bäume durch Drohnen pflanzen zu lassen, um so die Entwaldung zu bekämpfen.[5]

Aufforstung und Klimawandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufforstung kann die Nutzung fossiler Brennstoffe nur dann kompensieren, wenn der dabei gebundene Kohlenstoff nicht als CO2 zurück in die Atmosphäre gelangt, weder durch Feuer noch durch Fäulnis. Abscheidung erfordert Endlager für ähnliche Mengen von Kohlenstoff, wie aus der Erde geholt werden, in beliebiger Modifikation oder chemischen Verbindung.

Zwei kanadische Wissenschaftler publizierten 2011 eine Studie über die Effekte von Wiederaufforstung auf den CO2-Gehalt der Atmosphäre. In ihrer Studie kamen sie zum Ergebnis, dass eine Aufforstung der globalen Erwärmung des Klimas nur wenig entgegenwirken würde, da dunkle Wälder ein relativ geringes Reflexionsvermögen (Albedo) hätten, sie also nur wenig Sonnenstrahlung zurückwerfen würden. In den Tropen sei eine Aufforstung dreimal effektiver als in den gemäßigten und hohen Breiten, da Pflanzen dort schnell wachsen und daher besonders viel CO2 fixieren würden.[6]

Seit Jahren sind massive Verluste von Waldflächen zu beobachten, vor allem in den tropischen Wäldern von Südamerika, Afrika und Südostasien.[7] Dies geschieht beispielsweise in Indonesien v. a. durch den Ersatz des ursprünglichen Walds durch Ölpalmen-Plantagen.[8] 2011 wurden durch Änderungen der Landnutzung wie z. B. das Roden von Wäldern gemäß IPCC ca. 0,9 ± 0,8 Mrd. Tonnen reiner Kohlenstoff freigesetzt, was etwa 10 % der gesamten anthropogenen („total anthropogenic“) Kohlenstofffreisetzung entspricht.[9] (Zu Waldverlusten siehe auch den Artikel Entwaldung sowie die Artikel zu Waldbränden 2019 in den borealen Wäldern der Nordhalbkugel und im Amazonas-Regenwald.)

Forschungen zufolge sind ältere Wälder resilienter gegenüber dem Klimawandel als jüngere Wälder es sind.[10]

Kontroverse zum Klimaschutzpotential der Aufforstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2019 wurde eine Studie der ETH Zürich veröffentlicht, nach der die Erde Wälder mit 4,4 Milliarden Hektar Kronenfläche hervorbringen könne, was 1,6 Milliarden Hektar mehr sei, als heute existiere. Wenn man davon ausgehe, dass 0,7 Milliarden Hektar für die zusätzliche Entwicklung von Städten und landwirtschaftlichen Flächen benötigt werden, sei somit weltweit eine Neubepflanzung von zusätzlichen 900 Millionen Hektar möglich.[11][12] Die Studie erlangte erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit, während Wissenschaftler den Autoren bereits direkt nach der Publikation große inhaltliche Fehler und methodische Mängel vorwarfen. Insbesondere die These der Überlegenheit gegenüber anderen Klimaschutzmaßnahmen rief unter Klimaforschern starke Kritik hervor. So verwiesen andere Klimaforscher wie Stefan Rahmstorf, Pep Canadell (Leiter des Global Carbon Project) und Myles Allen darauf, dass diese Aussage auf einem Rechenfehler in der Studie beruhe, da nicht berücksichtigt werde, dass durch die Ozeane wieder Kohlendioxid – das zuvor gepuffert wurde – freigesetzt wird, was den Nettoeffekt deutlich reduziere.[13][14]

Anschließend publizierte Science binnen weniger Monate mehrere kritische Kommentare zur Studie, die auf methodische Fehler und optimistische Annahmen hinwiesen und die Ergebnisse der Studie explizit bestritten. So wiederholte ein Kommentar, in dem Pep Canadell mitarbeitete, seine zuvor geäußerte Kritik und verwies unter anderem auf falsche Annahmen im Hinblick auf das Kohlenstoffspeicherpotential als auch den Kohlenstoffzyklus hin. Zudem könnte Aufforstung unabhängig vom Speicherpotential die Erderwärmung ohnehin nur temporär verzögern, da der einzige Weg, mit dem die Erdtemperatur langfristig auf einem vorgegebenen Niveau stabilisiert werden könne, die Reduzierung der menschlichen Kohlendioxidemissionen auf Null sei. Die Studie überschätze stark das Potential von Waldaufforstungen und liefere keinen einzigen Beleg für die Aussage, dass die Wiederherstellung von Ökosystemen der effektivste Klimaschutzlösung sei. Diese Schlussfolgerung sei "wissenschaftlich einfach falsch und gefährlich irreführend".[15] Eine weitere im Herbst 2019 veröffentlichte Replik kam zum Ergebnis, dass Schlüsselprämissen und -daten der ETH-Studie falsch seien und die Autoren infolgedessen das Potential der Aufforstung für das Binden von Kohlendioxid um Faktor 5 überschätzt hätten. Unter anderem hätten die Autoren fälschlich angenommen, dass in nicht von Bäumen bedeckten Ökosystemen die Böden keinen organischen Kohlenstoff enthielten, obwohl in diesen Ökosystemen erhebliche Mengen organischen Kohlenstoffs zu finden sind und beispielsweise bestimmte amerikanische Graslandschaften pro ha. so viel Kohlenstoff im Boden speicherten wie tropische Wälder in der Biomasse.[16] Eine im November erschienene Replik kam zum Ergebnis, dass die in der Studie geschätzte Kohlenstoffbindung von Wäldern von 7,6 Tonnen pro Jahr und ha aufgrund Nichtberücksichtigung verschiedener Faktoren um mindestens Faktor 3,2 zu hoch sei und der Flächenbedarf für den Plan demnach nicht bei 900 Mio. ha läge, sondern bei 2,88 Mrd. ha. Zudem sei in der Studie u. a. das verbleibende Kohlenstoff-Budget genauso überschätzt worden wie die für die Aufforstung überhaupt zur Verfügung stehende Fläche. Schließlich hielten die Autoren fest, dass, so sehr sie auch zentrale Schlussfolgerung der Studie begrüßen möchten, dass die Wiederherstellung von Ökosystemen eine der effektivsten Klimaschutzlösungen sei, sie schlussfolgern müssten, dass die Aufforstung kein Allheilmittel für den Klimawandel sei und eine unrealistisch große Fläche benötige. Aufforstung sei zu begrüßen, aber Schlüsselfaktor für den Schutz des Klimas sei die Reduzierung der Emissionen.[17] Bastin et al. verteidigten ihre Studie.[18]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aufforstung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. House passes bill requiring graduating students to plant 10 trees on final reading. In: CNN Philippines. 15. Mai 2019, abgerufen am 3. August 2019 (englisch).
  2. «Dänemark pflanzt Bäume» - TV-Show sammelt Millionen für die Aufforstung. In: srf.ch. 16. September 2019, abgerufen am 16. September 2019.
  3. Schleswig-Holsteinische Landesforsten: Erstaufforstungen für eine optimale Entwicklung. Ausgabe 20, Jahrgang 2016, abgerufen am 22. Juli 2019 (PDF).
  4. Katrin Zöfel: WIEDERAUFFORSTUNG – Erfolg durch Bodenbakterien und Pilze, Deutschlandfunk – „Forschung aktuell“ von 7. März 2014
  5. These Drones Help Fight Deforestation by Planting 100,000 Trees per Day. In: interestingengineering.com. 28. Juni 2017, abgerufen am 3. August 2019 (englisch).
  6. Vivek Arora von der Universität Victoria in Kanada und sein Kollege Alvaro Montenegro berechneten, wie sich die Temperatur zwischen 2081 und 2100 entwickelt, wenn in den nächsten Jahrzehnten landwirtschaftliche Flächen in Wald umgewandelt werden. Im weltweiten Durchschnitt wäre der Temperaturanstieg um 0,25 Grad geringer, wenn die Hälfte aller Äcker und Wiesen aufgeforstet würde, berichten sie in 'Nature Geoscience'. zeit.de
  7. Schwindende Wälder: WWF-Bericht: Waldzerstörung schreitet voran. 2,4 Millionen Quadratkilometer globaler Waldverlust seit 1990. WWF, 20. März 2018, abgerufen am 3. August 2019.
  8. Palm Oil Was Supposed to Help Save the Planet. Instead It Unleashed a Catastrophe., www.nytimes.com, 20. November 2018
  9. IPCC, 2013: Carbon and Other Biogeochemical Cycles. In: Climate Change 2013: The Physical Science Basis. Contribution of Working Group I to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Stocker, T.F., D. Qin, G.-K. Plattner, M. Tignor, S.K. Allen, J. Boschung, A. Nauels, Y. Xia, V. Bex and P.M. Midgley (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA, S. 467.
  10. Loukia Papadopoulos: Older Forests Resist Climate Change Better. In: interestingengineering.com. 9. Juni 2019, abgerufen am 3. August 2019 (englisch).
  11. Nadja Podbregar: Neue Wälder als Klimaretter? Aufforstung von 900 Millionen Hektar Wald könnte zwei Drittel der CO2-Emissionen schlucken. In: scinexx. 5. Juli 2019, abgerufen am 5. Juli 2019.
  12. Jean-Francois Bastin et al.: The global tree restoration potential. In: Science. Band 365, Nr. 6448, 2019, S. 76–79, doi:10.1126/science.aax0848.
  13. Klimawandel: "Zu schön, um wahr zu sein" www.sueddeutsche.de, 10. Juli 2019
  14. Können Bäume das Klima retten? scilogs.spektrum.de, Blog-Beitrag von Stefan Rahmstorf
  15. Pierre Friedlingstein et al.: Comment on “The global tree restoration potential”. In: Science. Band 366, Nr. 6463, 2019, doi:10.1126/science.aay8060.
  16. Joseph W. Veldman et al.: Comment on “The global tree restoration potential”. In: Science. Band 366, Nr. 6463, 2019, doi:10.1126/science.aay7976.
  17. Andrew K. Skidmore: Comment on “The global tree restoration potential”. In: Science. Band 366, Nr. 6469, 2019, doi:10.1126/science.aaz0111.
  18. Jean-Francois Bastin: Response to Comment on “The global tree restoration potential”. In: Science. Band 366, Nr. 6469, 2019, doi:10.1126/science.aaz0493.