Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change

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Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC)
Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC)
MCC am EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg
Träger: Stiftung Mercator und Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
Standort der Einrichtung: Berlin
Art der Forschung: Anwendungsorientierte Grundlagenforschung
Fächer: Wirtschaftswissenschaften, Sozialwissenschaften
Leitung: Ottmar Edenhofer; Brigitte Knopf (Generalsekretärin)
Mitarbeiter: ca. 50
Homepage: http://www.mcc-berlin.net/

Das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) forscht und berät zu der Frage, wie frei verfügbare und weltweit wichtige Naturressourcen (z. B. die Atmosphäre und die Meere) gemeinsam zu nutzen und trotzdem zu schützen sind. Ein Hauptthema ist dabei die Vereinbarkeit von Wirtschaftswachstum, nachhaltiger Entwicklung und Klimaschutz.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut mit Sitz auf dem EUREF-Campus in Berlin wurde 2012 von der Stiftung Mercator und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) gegründet. Das Forscherteam ist interdisziplinär aus den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zusammengesetzt. Derzeit sind beim MCC etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt.[1] Direktor ist der Klimaökonom Ottmar Edenhofer.

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit des MCC gliedert sich in zwei Bereiche: Forschung und Politik-Dialog. Ziel ist es, fächerübergreifend Einsichten zu gewinnen und als Grundlage für Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu vermitteln. Den Schwerpunkt hierfür bilden die globalen Gemeinschaftsgüter (d. h. natürliche Ressourcen wie z. B. Atmosphäre, Land, Meere und Wälder) und die Annahme, dass für deren nachhaltige Nutzung eine weltweite Zusammenarbeit unabdingbar ist.

Versteht man beispielsweise die Atmosphäre als globales Gemeinschaftsgut, so wird sie nicht einzig national, lokal oder regional verortet, sondern gehört allen. In diesem Fall benötigt man auch übergeordnete Regeln für alle, damit diese Ressource nicht übernutzt wird (vgl. Tragik der Allmende). Weitere Beispiele hierfür sind die Überfischung der Weltmeere oder die Plünderung von Wildtiervorkommen.

Auch die mangelnde Verfügbarkeit öffentlicher Güter, die Zugang bieten zu Gesundheitsversorgung, Bildung, sauberem Wasser uvm., sogenannte soziale Gemeinschaftsgüter, sind wesentliche Inhalte der Arbeit des MCC.

Basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen werden mögliche Lösungen identifiziert, evaluiert und bereitgestellt.

Im August 2020 wurde Birgitte Knopf in den Expertenrat für Klimafragen (Klimarat) berufen.[2][3]

MCC-Definition von Globalen Gemeinschaftsgütern

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschung des MCC ist in sieben Arbeitsgruppen und eine Task Force unterteilt:[4]

  1. Wirtschaftswachstum und menschliche Entwicklung: Analyse von Zusammenhängen zwischen Wirtschaftswachstum, Treibhausgasemissionen und Ressourcenverbrauch
  2. Räumliche Landnutzung und Urbanisierung: Untersuchung der Zusammenhänge von Urbanisierung und globalen Umweltveränderungen, speziell nachhaltige Entwicklung von Städten in sozialer und ökologischer Dimension.
  3. Nachhaltiges Ressourcenmanagement und globaler Wandel: Analyse von Lösungsansätzen für nachhaltiges Ressourcenmanagement und die Bereitstellung öffentlicher Güter
  4. Governance im Mehrebenensystem: Erforschung von institutionellen Voraussetzungen zum Erreichen des 2°C Ziels, u. a. mögliche Instrumente für einen zeitnahen Einstieg in nachhaltige Klimapolitik
  5. Wissenschaftliche Assessments, Ethik und Politik: Evaluation bezüglich der Behandlung von ethischen Aspekten und vielfältigen Interessen in integrierten, umweltbezogenen Politik-Assessments
  6. Geographische Muster von Erzeugung und Verbrauch: Analyse geographischer Erzeugungs- und Verbrauchsmuster sowie Abbau und Handel von Rohmaterialien in der Weltwirtschaft und deren Visualisierung
  7. Klimaschutz und Entwicklung: Bedeutung des Aufbaus von Industriestrukturen und Infrastruktur für ökonomische Entwicklung und resultierende klimarelevante Abhängigkeiten

Task Force "Finanzwissenschaftliche Strategien zur Steuerung globaler Gemeinschaftsgüter": Identifikation von politischen Maßnahmen für effizienten und fairen Zugang zu globalen Gemeinschaftsgütern, die zugleich praktisch umsetzbar sind

Neben der wissenschaftlichen Forschung steht die politische Beratung im Mittelpunkt der Arbeit des MCC. Ein methodisches Merkmal ist, dass beide Bereiche aufeinander aufbauen und eine Art Kreislauf bilden: Die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse bilden die Grundlage der Beratungsarbeit ("Politik-Dialog") und auch die Beratung selbst wird zum Forschungsgegenstand, indem sie kontinuierlich wissenschaftlich evaluiert wird.

Politik-Dialog[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung sind langfristige und komplex miteinander verwobene Themen. Nutzt man z. B. Biomasse zur Erzeugung "sauberer" Energie, um die Erderwärmung zu beschränken, kann dies unter Umständen zu einer zunehmenden Entwaldung, Verlust der Artenvielfalt oder steigenden Nahrungsmittelpreisen führen.

Eine Herausforderung der Klimapolitik: Im Boden sind noch große Mengen fossiler Rohstoffe vorhanden, die überwiegend dort verbleiben müssen, da der Deponieraum für CO2 in der Atmosphäre begrenzt ist.

Diese Komplexität möglicher Konsequenzen (klima-)politischen Handelns erfordert sowohl eine vorausschauende, als auch eine internationale Betrachtung. Hierbei kann es Aufgabe der Wissenschaft sein, fundierte Informationsgrundlagen bereitzustellen, ohne Politikentscheidungen vorzugeben. Die Zielgruppen der politischen Beratung des MCC sind z. B. Entscheidungsträger in internationalen Organisationen, Parlamenten und der öffentlichen Verwaltung sowie andere Interessenvertreter bei Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • F. Creutzig, N. H. Ravindranath, G. Berndes u. a.: Bioenergy and climate change mitigation: an assessment. In: GCB Bioenergy. Jg. 5, Nr. 7, 2015, S. 916–944. (PDF, 1,26 MB, englisch. doi:10.1111/gcbb.12205)
  • F. Creutzig, G. Baiocchi u. a.: A Global Typology of Urban Energy Use and Potentials for an Urbanization Mitigation Wedge. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Jg. 20, Nr. 112, 2015, S. 6283–6288. (PDF 954 kB, englisch. doi:10.1073/pnas.1315545112)
  • O. Edenhofer, C. Flachsland, M. Jakob, K. Lessmann: The atmosphere as a global commons: challenges for international cooperation and governance. In: The Oxford Handbook of the Macroeconomics of Global Warming. Oxford Univ. Press, Oxford u. a. 2015, ISBN 978-0-19-985697-8, S. 260–296.
  • O. Edenhofer, M. Jakob, F. Creutzig, C. Flachsland u. a.: Closing the emission price gap. In: Global Environmental Change. Nr. 31, 2015, S. 132–143. doi:10.1016/j.gloenvcha.2015.01.003 Überarbeitetes Manuskript (PDF 692 kB, englisch)
  • O. Edenhofer, M. Kowarsch: Cartography of pathways: A new model for environmental policy assessments. In: Environmental Science & Policy. Nr. 51, 2015, S. 56–64. doi:10.1016/j.envsci.2015.03.017 Zusammenfassung, englisch.
  • S. Fuss, J. G. Canadell, G. P. Peters, M. Tavoni u. a.: Betting on negative emissions. In: Nature Climate Change. Jg. 10, Nr. 4, 2014, S. 850–853. doi:10.1038/nclimate2392
  • M. Jakob, C. Chen, S. Fuss, A. Marxen, N. Rao, O. Edenhofer: Carbon Pricing Revenues Could Close Infrastructure Access Gaps. In: World Development. Nr. 84, August 2016, S. 254–265. doi:10.1016/j.worlddev.2016.03.001
  • M. Jakob, O. Edenhofer: Green growth, degrowth, and the commons. In: Oxford Review of Economic Policy. Nr. 30, 2014, S. 447–468. doi:10.1093/oxrep/gru026 Zusammenfassung englisch
  • D. Klenert, L. Mattauch, O. Edenhofer, K. Lessmann: Infrastructure and Inequality: Insights from Incorporating Key Economic Facts about Household Heterogeneity. Working Paper Version (PDF, 383 kB, englisch)
  • D. Klenert, L. Mattauch: How to make a carbon tax reform progressive: The role of subsistence consumption. In: Economics Letters. Nr. 138, Januar 2016, S. 100–103. (PDF; 341 kB, englisch)
  • Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change: MCC Evaluation Report. Berlin März 2016. Abgerufen am 3. Juni 2016 (PDF; 6 MB, englisch)
  • J. C. Steckel, O. Edenhofer, M. Jakob: Drivers for the renaissance of coal. In: Proceedings of the National Academy of Sciences.Vol. 29, Nr. 112, 6. Juli 2015, S. E3775–E3781. (PDF, 1,13MB, englisch) doi:10.1073/pnas.1422722112
  • C. Von Stechow, D. McCollum, K. Riahi, J. C. Minx u. a.: Integrating global climate change mitigation goals with other sustainability objectives: a synthesis. In: Annual Review of Environment and Resources. Nr. 40, 2015, S. 363–394. doi:10.1146/annurev-environ-021113-095626

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website des MCC. Abgerufen am 30. Mai 2016.
  2. Bundesregierung beruft Expertenrat für Klimafragen - BMU-Pressemitteilung. Abgerufen am 14. August 2020.
  3. Malte Kreutzfeldt: Klimaschutzziele in Deutschland: Regierung besetzt Klimarat. In: Die Tageszeitung: taz. 12. August 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. August 2020]).
  4. Website des MCC - Thema Arbeitsgruppen. Abgerufen am 6. Juni 2016.
  5. Evaluationsbericht. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) MCC, archiviert vom Original am 5. Juni 2016; abgerufen am 6. Juni 2016 (englisch).
  6. Deutsche Welle: Food for thought on hunger – Globalization – DW.COM – 26. Mai 2016. In: dw.com. 26. Mai 2016, abgerufen am 29. Mai 2016 (englisch).
  7. dpa: Pariser Hype: Was bleibt? In: handelsblatt.com. 21. April 2016, abgerufen am 29. Mai 2016.
  8. Benjamin von Brackel: Klimavertrag: CO2 sparen reicht nicht mehr. In: fr-online.de. 20. April 2016, abgerufen am 29. Mai 2016.
  9. UN-Entwicklungsziele: Klimapolitik darf nicht egoistisch sein. In: zeit.de. 30. März 2016, abgerufen am 29. Mai 2016.
  10. Importabhängig: Viele Entwicklungsländer riskieren Hunger. In: euractiv.de. 9. März 2016, abgerufen am 2. Juni 2016.
  11. Mehr Mut: Der Verkehr darf den Klimaschutz nicht länger aufhalten. In: wiwo.de. 29. Dezember 2015, abgerufen am 2. Juni 2016.
  12. CO2-Ausstoß: Verkehrs-Emissionen bis 2050 halbierbar. In: Spiegel Online. 20. November 2015, abgerufen am 2. Juni 2016.
  13. Joachim Müller-Jung: Is it time for reform at the IPCC? In: theguardian.com. 4. November 2015, abgerufen am 2. Juni 2016 (englisch).
  14. Rosie Scammell: Vatican enlists 'secular Jewish feminist' Naomi Klein in environmental fight. In: washingtonpost.com. 1. Juli 2015, abgerufen am 2. Juni 2016 (englisch).
  15. 3sat.online: Mediathek: Christian Flachsland zum Kyoto-Protokoll. In: 3sat.de. 16. Februar 2015, abgerufen am 2. Juni 2016.
  16. Low-energy urbanisation 'can help climate goals' - BBC News. In: bbc.com. 13. Januar 2015, abgerufen am 2. Juni 2016 (englisch).
  17. Christopher Schrader: Energieverbrauch – Der Hunger des Molochs. In: sueddeutsche.de. 16. Januar 2015, abgerufen am 2. Juni 2016.
  18. Damian Carrington: Leave fossil fuels buried to prevent climate change, study urges. In: theguardian.com. 8. Januar 2015, abgerufen am 2. Juni 2016 (englisch).
  19. Fixing Climate Change May Add No Costs, Report Says. In: nytimes.com. 16. September 2014, abgerufen am 2. Juni 2016 (englisch).