Metapedia

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Metapedia
Motto „Die alternative Enzyklopädie“
Beschreibung rechtsextremes Online-Lexikon
Registrierung Ja
Sprachen 18
Eigentümer „NFSE Media AB, Sweden“
Erschienen 2006

Metapedia ist ein rechtsextremes[1] Online-Lexikon, das als Wikiprojekt in 18 verschiedensprachigen Sektionen von seinen Benutzern erstellt wird. Das Projekt startete 2006 in Schweden.

Projekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste online gestellte Sektion war die schwedische Metapedia am 26. Oktober 2006. Das Projekt wurde vom ehemaligen rechtsradikalen Skinhead Anders Lagerblöm und dessen Nordiska förbundet (Nordischer Bund) ins Leben gerufen. Der förbundet hatte enge Beziehungen zum Nordiska förlaget (Nordischer Verlag), den der zuvor arbeitslose Lagerblöm 2002 nach einer Weiterbildungsmaßnahme in Betriebswirtschaft mit Zuschüssen der schwedischen Arbeitsagentur gründete und über den Nazi-Propaganda und White Power-Musik vertrieben wurden. Neben Online-Aktivitäten veranstalte der förbundet auch Treffen internationaler Neonazis unter anderem mit Beteiligung von David Duke und Frank Rennicke.[2]

Die deutschsprachige Sektion ging im Mai 2007 online und enthält ca. 59.000 Artikel. Die mit Abstand größte Sprachsektion ist die ungarische mit ca. 150.000 Einträgen; inzwischen existieren über ein Dutzend Sprachversionen.

Das Projekt benutzt die MediaWiki-Software. Das Schreiben von Artikeln ist nur nach Anmeldung möglich. Die Inhalte sind durch Geschichtsrevisionismus geprägt. In Bezug auf das NS-Regime treten deutlich verharmlosende bis befürwortende Züge auf (vgl. Rechtsextremismus im Internet).[1] Die deutschsprachige Metapedia bezeichnet sich selbst als „national gesinnt“ und „Weltnetz-Enzyklopädie“.

2010 endeten die Aktivitäten des Nordiska förbundet, das Projekt Metapedia wurde jedoch fortgeführt.[2] Laut Impressum zeichnet heute die Firma „NFSE Media AB, Sweden“ mit Sitz in Linköping für die Internetpräsenz von Metapedia verantwortlich.[3] Die Firma wird von Lennart Berg betrieben.[4]

Deutschsprachige Version[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhalte und Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Metapedia beansprucht in der Projektbeschreibung, „über Wahrheiten und Fakten [zu] schreiben und nicht über das, was die politisch korrekte Mehrheit von Schreibern dafür hält und ihren Leser oktroyiert“. Zwar sei politische Agitation und weltanschauliche Missionierung nach dem Selbstverständnis der Metapedia unerwünscht, dennoch trägt sie eindeutige geschichtsrevisionistische und das NS-Regime verharmlosende Züge, urteilte der Verfassungsschutz NRW in seinem Bericht von 2008.[1]

Über den Metapedia-Artikel Holocaust urteilte 2008 der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen, mit den Formulierungen werde versucht, „den Holocaust auf subtile Art in Zweifel [zu] ziehen, indem sie suggerieren, eine wirkliche wissenschaftliche Nachforschung sei aufgrund der geltenden Strafrechtsnormen nicht möglich“. Es solle „der Eindruck erweckt werden, es habe in Wahrheit keine systematische Judenvernichtung gegeben“, es werde „die Deportation zudem in euphemistischer Weise umschrieben“. In dem Artikel über die Reichspogromnacht im Jahr 1938 werde „bestritten, dass die Übergriffe auf Juden und jüdische Einrichtungen auf offizielle Anordnung geschehen seien“ und es würden „die Folgen der Pogrome verharmlosend dargestellt“.[1]

Der Sozialwissenschaftler Thomas Pfeiffer sieht die Metapedia ebenso wie die ähnliche Encyclopædia Germanica als „Versuch, rechtsextremistisches Gedankengut im seriösen Gewand zu präsentieren“.[5] Dabei seien sie „eher dem Anspruch nach breitenwirksam, faktisch erscheinen sie als Projekte unter Gleichgesinnten.“[6]

Die Vorsilbe „Meta“ bezieht sich auf den Begriff „Metapolitik“. Damit ist gemeint, dass die Eroberung der Gesellschaft vor der Politik in der Erlangung der intellektuellen Meinungsführerschaft beginnt. Die Begründer dieses Politikansatzes sind in der „Neuen Rechten“ zu finden.[7] Die „verbale Tarnung“ des Projektes mit Hilfe dieser Begrifflichkeiten mit dem Ziel einer großen Breitenwirkung „gelingt auf Metapedia nur eingeschränkt“.[5] Auf der Seite werden weitere Ideen der neuen Rechten, darunter Ethnopluralismus und Euro-Nationalismus vertreten, die Seite sei „dem pro-europäischen Kulturkampf gewidmet“. Des Weiteren finden sich Fußnoten zu neurechten Organisationen wie dem Thule-Seminar und der Gesellschaft für freie Publizistik (GfP).[8]

Volker Schmidt bezeichnete Metapedia in der Frankfurter Rundschau als „Alternative […] für sehr rechts denkende Menschen, die ihre Weltanschauung vor lästigem Faktenwissen schützen wollen“.[9]

Juristische Ermittlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der rechtsextremistischen Inhalte unterrichtete das Bundesamt für Verfassungsschutz die zuständigen Strafverfolgungsbehörden. Hinsichtlich einer Verlinkung zum Herunterladen des NS-Propagandafilms Der ewige Jude, dessen Rechte der Bundesrepublik Deutschland zustehen, ermittelte das Landeskriminalamt Berlin wegen Urheberrechtsverletzung. Darüber hinaus wurde im Jahr 2008 bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ein Indizierungsverfahren eingeleitet.[10]

Der schwedische Justizkanzler nahm 2009 Ermittlungen wegen des Verdachts rassistischer Hetze im Artikel zu Adolf Hitler auf. Ein Verfahren wurde nicht eröffnet, da zwar keine Distanzierung von antisemitischen Positionen Hitlers erkennbar und auch eine eher positive Einstellung zu dessen Ansichten anzunehmen sei, dies jedoch keine kriminelle Hetze im Sinne des Gesetzes darstelle.[2]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thomas Pfeifer[11] befindet, dass auf Metapedia „Schwülstige Sprache und der Begriff der Metapolitik – mit dem das Ziel der kulturellen Hegemonie durch gezieltes Einwirken auf gesellschaftliche Diskurse verbunden ist – erinnert auch hier an den Duktus und strategischen Ansatz der Neuen Rechten.“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henrik Arnstad: Ikea Fascism: Metapedia and the Internationalization of Swedish Generic Fascism. Fascism – Journal of Comparative Fascist Studies, Heft 4, 2015, S. 194–208 (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d „Metapedia“ als nationales Pendant zu „Wikipedia“. In: Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen: Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2008. S. 88 f. (PDF; 1,4 MB (Memento vom 15. Oktober 2013 im Internet Archive)).
  2. a b c Henrik Arnstad: Ikea Fascism: Metapedia and the Internationalization of Swedish Generic Fascism. Fascism – Journal of Comparative Fascist Studies, Heft 4, 2015, S. 194–208
  3. Whois Record for MetaPedia.org (engl.)
  4. Extremisternas „uppslagsverk“ kan vara olagligt (Memento vom 15. Juli 2014 im Internet Archive) auf corren.se (schwedisch)
  5. a b Thomas Pfeiffer: Virtuelle Gegenöffentlichkeit und Ausweg aus dem „rechten Ghetto“. Strategische Funktionen des Internets für den deutschen Rechtsextremismus. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15911-9, S. 290–309, hier S. 302 (online).
  6. Thomas Pfeiffer: Virtuelle Gegenöffentlichkeit und Ausweg aus dem „rechten Ghetto“. Strategische Funktionen des Internets für den deutschen Rechtsextremismus. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15911-9, S. 290–309, hier S. 307 (online).
  7. Peter Nowak: „Rechte Wikipediakopie zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Telepolis, 10. Februar 2008.
  8. Wikipedia-Verschnitt: Das rechte Online-Nachschlagewerk Metapedia, abgerufen am 26. März 2012.
  9. Volker Schmidt: Lexikon für Ignoranten. „Metapedia“ wäre gern ein Nachschlagwerk für die rechte Szene. Frankfurter Rundschau, 4. März 2008.
  10. Bundestags-Drucksache 16/10215 vom 12. September 2008, S. 6f.: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Monika Lazar (PDF; 460 kB)
  11. Thomas Pfeiffer: Gegenöffentlichkeit und Aufbruch im Netz. Welche Funktion erfüllen Websites und Angebote im Web 2.0 für den deutschen Rechtsextremismus? In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. Springer: 2015, S. 274