Miss Fishers mysteriöse Mordfälle

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Fernsehserie
Deutscher TitelMiss Fishers mysteriöse Mordfälle
OriginaltitelMiss Fisher’s Murder Mysteries
ProduktionslandAustralien
OriginalspracheEnglisch
Jahr(e)2012–2015
Produktions-
unternehmen
Every Cloud Productions
Länge60 Minuten
Episoden34 in 3 Staffeln (Liste)
GenreKrimiserie, Drama
TitelmusikMiss Fisher’s Theme – Greg J. Walker
IdeeDeb Cox
Fiona Eagger
ProduktionDeb Cox
Fiona Eagger
Erstausstrahlung24. Februar 2012 (Australien) auf ABC
Deutschsprachige
Erstausstrahlung
7. Mai 2014 auf Sony Entertainment Television
Besetzung
Synchronisation

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (Originaltitel: Miss Fisher’s Murder Mysteries) ist eine australische Krimiserie, die auf der Romanreihe Phryne Fisher Mysteries von Kerry Greenwood basiert, und in den späten 1920er Jahren in Melbourne spielt. Alle Romane sind auch auf Deutsch erschienen. Mit Produktionskosten von durchschnittlich 650.000 € pro Episode gehört Miss Fisher zu den teuersten Fernsehproduktionen Australiens. Mittlerweile wurde die Serie in über 120 Länder verkauft und gewann international eine immer größere Fangemeinde. Die erste von insgesamt drei Staffeln umfasst 13 Episoden von jeweils 60 Minuten Länge und wurde vom australischen Sender ABC 1 erstmals ab 24. Februar 2012 ausgestrahlt.

Every Cloud Productions teilte 2018 mit, dass die Geschichten von Miss Fisher mit einem Film (Miss Fisher and the Crypt of Tears) ab Oktober 2018 weitererzählt werden. Finanziert wurde dieser Film unter anderem durch Crowdfunding und er kam im Februar 2020 in die australischen Kinos.[1]

Personen und Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phryne Fisher wurde ca. 1890 geboren und wuchs mit ihrer jüngeren Schwester Janey in Melbourne in einem eher ärmlichen Milieu auf. Während des Ersten Weltkriegs war sie als Krankenschwester im Kriegsdienst in Europa eingesetzt und blieb nach Kriegsende zunächst in Paris, wo sie als Modell in Künstlerkreisen lebte. Nachdem mehrere Verwandte ihres Vaters im Krieg gefallen waren, erbte dieser überraschend den britischen Adelstitel eines Baronets und ein großes Vermögen. Als Tochter eines Baronets trägt Phryne nun den Titel The Honourable (wörtlich übersetzt „Die Ehrenwerte“), und ein erheblicher Anteil des ererbten Vermögens gehört offensichtlich ihr persönlich.

Nachdem Phryne einige Zeit in Großbritannien gelebt hat, kommt sie 1928 zurück in ihre Heimatstadt Melbourne. Dort wird sie umgehend mit einem rätselhaften Mordfall konfrontiert und beschließt zum Missfallen der örtlichen Polizei, in die Ermittlungen einzugreifen. Da sie sich um keinerlei Konventionen kümmert, findet sie schnell Zugang zu entscheidenden Hinweisen, die den Behörden verschlossen bleiben. Sie ist tatkräftig, gescheit und unerschrocken und erringt auf diese Weise mit der Zeit den Respekt des fähigen Inspektors Jack Robinson, der sie in den weiteren Episoden an seinen Ermittlungen teilhaben lässt. Zwischen der Detektivin und dem Inspektor entsteht eine andauernde erotische Spannung, die Phryne aber nicht daran hindert, in einigen Episoden andere Liebhaber zu finden.

Parallel zu den Hauptpersonen agieren als zweites Paar Phrynes Gesellschafterin und Assistentin Dorothy und der Polizist Hugh, die konventioneller und zurückhaltender angelegt sind und von ihrer ersten Begegnung in der ersten Episode der ersten Staffel bis zu ihrer Hochzeit in der letzten Episode der letzten Staffel gezeigt werden. Mit ihnen werden auch konservative Moralvorstellungen und konfessionelle Gegensätze thematisiert.

Zu den wiederkehrenden Figuren gehören die Ärztin Dr. Elizabeth MacMillan, die als alte Freundin Phrynes – teils offiziell, teils privat – medizinisches Fachwissen in die Ermittlungen einbringt und verschiedene Mordopfer obduziert, sowie Phrynes ebenfalls wohlhabende Tante mütterlicherseits, die verwitwete Mrs. Prudence Stanley, deren Anwesen mehrfach Schauplatz der Handlung ist, und deren komplexe Familienverhältnisse in mehreren Fällen eine Rolle spielen. Bert und Cec, zwei Kriegsveteranen, die ihren schmalen Lebensunterhalt mit einem gemeinsamen Taxi verdienen, kreuzen Phrynes Wege in der allerersten Episode und werden ihr zu zuverlässigen Helfern, obwohl die beiden als überzeugte Kommunisten loyale Beziehungen zu einer Aristokratin und einem Polizeiinspektor eigentlich als Widerspruch empfinden.

Ein episodenübergreifender Handlungsstrang der ersten Staffel ist die zunächst noch ungeklärte, für Phryne traumatische Entführung bzw. Ermordung ihrer jüngeren Schwester Janey im Kindesalter. Viele Indizien führen zu Murdoch Foyle als mutmaßlichem Täter, doch erst im Staffelfinale entdecken Phryne und Jack Foyles Motiv für den damaligen Ritualmord und die Beseitigung mehrerer Zeugen.

In der dritten Staffel erscheint Phrynes Vater, zu dem Tochter und Schwägerin (Tante Prudence) ein angespanntes Verhältnis haben. Im Bemühen, seine Probleme allein zu bewältigen ohne Phryne damit zu belasten, behindert er die Ermittlungen in zwei Fällen. Im Staffelfinale kommt sie hinter seine Geheimnisse und kann mit einem Mordfall auch seine Schwierigkeiten lösen. Am Schluss fliegt Phryne mit ihm – nachdem er sein Schiff verpasst hat – in einem zweisitzigen Flugzeug davon, damit er rechtzeitig wieder nach Großbritannien kommt und dadurch die Ehe ihrer Eltern gerettet wird. Obwohl gegen Ende der Staffel Phrynes Beziehung zu Jack in ein neues, stabileres Stadium einzutreten scheint, bleibt das Ende für die beiden mit dem Abflug offen.

Phryne Fishers Besonderheit ist, dass sie einen selbst für heutige Zeiten modernen Charakter darstellt. Sie entscheidet frei über ihre Beziehungen, besitzt ein Telefon, kann mit Autos und Flugzeugen umgehen und setzt gekonnt mitgeführte Waffen wie Revolver oder Wurfmesser ein. Als in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Angehörige der britischen Aristokratie findet sie Zugang zu den Angehörigen unterschiedlichster sozialer Schichten – von der (stark auf britische Leitkultur bezogenen und damit adelsaffinen) gesellschaftlichen Elite bis hin zu illegalen Einwanderern, alkoholkranken Arbeitslosen oder verzweifelten jungen Mädchen in einem Erziehungsheim.

Typologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phryne Fisher gehört zum Typus der „gentleman detectives“, mit dem britische Autoren seit den 1890er Jahren auf das Problem reagierten, dass die Polizei ihre Mitarbeiter ausschließlich aus dem Mittelstand rekrutierte, denen aufgrund der starken sozialen Schichtung der Gesellschaft effektive Ermittlungsarbeit in der adeligen Oberschicht unmöglich war, während sie auf die Unterschicht genügend Druck ausüben konnten.[2] Die Oberschicht (in den USA statt durch Adel ausschließlich durch Vermögen definiert) war jedoch ein offensichtlich für die Leserschaft besonders interessantes Milieu für Kriminalgeschichten. Der „gentleman detective“ hat Zugang zur Oberschicht und genaue Kenntnis ihrer Konventionen und sozialen Verflechtungen, gleichzeitig hat er keine eigenen finanziellen Interessen und folgt nur seinem Gerechtigkeitsideal. Typischerweise kooperiert er meistens erfolgreich mit der Polizei, obwohl in vielen Fällen auch Interessenkonflikte auftreten.

Während in den ersten Episoden Parallelen zu Agatha Christies Figur Miss Marple erkennbar werden, die als Frau von der Polizei zunächst prinzipiell nicht ernst genommen wird, sich aber misstrauischen Zeugen oder Verdächtigen besser nähern kann, sind insgesamt die Ähnlichkeiten mit Dorothy L. Sayers' Helden Lord Peter Wimsey deutlich größer: Der Sohn einer britischen Herzogsfamilie ist äußerst wohlhabend und dadurch in hohem Maße unabhängig, er fährt ein teures Auto und hat einen Butler mit für die Ermittlungsarbeit wichtigen Zusatzqualifikationen, er baut eine enge, in Freundschaft und schließlich sogar familiäre Verbindung übergehende Beziehung mit dem ermittelnden Polizeiinspektor auf. Auch die gelegentliche Bezugnahme auf den Ersten Weltkrieg ist eine Gemeinsamkeit, in Phryne Fishers Fällen sind die Bezüge zu den Kriminalfällen aber direkter. Während die Geschichten um Lord Peter (elf Romane und etliche Kurzgeschichten) zwischen ca. 1922 und dem Zweiten Weltkrieg spielen und in den Hauptfiguren langfristige Entwicklungen zeigen, löst Phryne Fisher ihre 34 Fälle in den beiden Jahren 1928 und 1929.

Zu den von Greenwood im Vergleich beider Figuren neu eingebrachten Komponenten gehören der stark emanzipatorische Charakter Phrynes (samt der in Dorothys Entwicklung angelegten „Versöhnung“ mit streng konservativen Standpunkten) und die durch ihre bindungsscheue sexuelle Freizügigkeit sowie die sozialen Unterschiede ausgebremste Liebesbeziehung mit Jack. In verschiedenen Interviews mit Greenwood, Cox und Eagger wird die Intention deutlich, die Figur Phryne Fisher zur Vorreiterin einer individualistischen Emanzipation und zu einer Art frühen Actionheldin auszugestalten.[3]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus Wardlow in Parkville, Melbourne, in der Serie das Haus von Phryne Fisher und normalerweise mit seiner hier im Schatten liegenden Eingangsseite gezeigt

Die hohen Produktionskosten resultieren auch aus der Sorgfalt, die auf die zeitbezogene Authentizität von Drehorten, Kleidung und anderen Einzelheiten der Ausstattung verwandt wurde. Als Phryne Fishers Haus in Melbourne fungiert das 1888 erbaute Haus Wardlow in Melbournes Vorstadt Parkville, die Hausnummer (zu sehen z. B. in Episode I-9, Sendeminute 8) ist in der Serie 221B – eine Anspielung auf Sherlock Holmes' Wohnsitz, 221B Baker Street in London. Tante Prudences großzügiges Anwesen ist das Rippon Lea Estate in Elsternwick. Beide Objekte stehen unter Denkmalschutz. Zu den wertvollsten Requisiten gehört auch Phrynes in vielen Episoden gezeigtes exklusives Auto, ein 1923 gebauter Hispano-Suiza H 6 mit Tourenwagen-Karosserie aus dem Privatbesitz eines australischen Sammlers.

Als eine zusätzliche Parallele zu den Lord-Peter-Wimsey-Geschichten erscheint es, dass einige davon in den frühen 1970er Jahren ähnlich aufwändig und in die zeitgenössischen Details verliebt – sowie mit vergleichbar großem Publikumserfolg – von der BBC verfilmt wurden.

Besetzung und Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Synchronisation der Serie erfolgt durch die SDI Media Germany GmbH (Berlin) unter Dialogregie von Bernhard Völger.[4]

Rollenname (Funktion) Schauspieler/in Synchronsprecher/in[5]
Hon. Phryne Fisher Essie Davis Daniela Hoffmann
Detective Inspector John Robinson, genannt „Jack“ Nathan Page Gerrit Hamann
Dorothy Williams, genannt „Dot“ oder „Dotty“ (Gesellschafterin und Assistentin Phrynes) Ashleigh Cummings Maria Hönig
Constable Hugh Collins (Assistent von Jack) Hugo Johnstone-Burt Konrad Bösherz
Tobias Butler (Butler) Richard Bligh Till Hagen
Bert (Kriegsveteran, Taxifahrer, Kommunist, treuer Helfer Phrynes) Travis McMahon Rainer Doering
Cec (Kriegsveteran, Taxifahrer, Kommunist, treuer Helfer Phrynes) Anthony Sharpe Bernhard Völger
Dr. Elizabeth MacMillan, genannt „Mac“ (Ärztin, Freundin von Phryne) Tammy MacIntosh Heide Domanowski
Jane (Phrynes Mündel) Ruby Rees-Wemyss Sarah Tkotsch
Prudence Stanley (Phrynes Tante) Miriam Margolyes Margot Rothweiler
Murdoch Foyle (Serienmörder) Nicholas Bell Eberhard Haar[6]
Henry George Fisher, Baronet of Richmond (Phrynes Vater) Pip Miller Eberhard Haar[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Award Kategorie Nominierte Ergebnis
2012
Australian Production Design Guild Awards[7] Bestes Kostüm Marian Boyce nominiert
Bestes Design Robert Perkins nominiert
Screen Music Awards[8] Beste Musik (Serie) Greg J. Walker nominiert
Beste Titelmusik nominiert
2013 AACTA Awards[9] Beste Hauptdarstellerin Essie Davis nominiert
Logie Awards[10] Beliebteste Schauspielerin Ashleigh Cummings nominiert
Equity Awards[11] Outstanding Performance by an Ensemble in a Drama Series Series 1 cast nominiert
2014 AACTA Awards[12][13] Beste Kostüme Marion Boyce gewonnen
Logie Awards[14] Most Popular Actress Essie Davis nominiert
Beliebteste Serie (Drama) Miss Fisher’s Murder Mysteries nominiert
Beliebteste Schauspielerin Essie Davis nominiert
Equity Awards[15] Outstanding Performance by an Ensemble in a Drama Series Series 2 cast nominiert

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Miss Fisher & the Crypt of Tears. Abgerufen am 1. Mai 2020.
  2. Martha Hailey Dubose: Women of Mystery. The Lives and Works of Notable Women Crime Novelists. Thomas Dunne Books, New York 2011, ISBN 9780312276553, S. 215.
  3. vgl. Interview-Sequenzen im Bonus-Material der DVD-Ausgaben
  4. Deutsche Synchronkartei | Serien | Miss Fishers mysteriöse Mordfälle. Abgerufen am 4. Juni 2020.
  5. Miss Fishers mysteriöse Mordfälle. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 3. Juli 2014.
  6. a b Haar synchronisierte in der ersten Staffel den in mehreren Episoden vorkommenden Serienmörder Foyle, in einer Episode der zweiten Staffel einen Polizisten und in drei Episoden der dritten Staffel Phrynes Vater.
  7. APDG awards shortlist announced. Mumbrella. Abgerufen am 25. Oktober 2012.
  8. Nominations. In: Screen Music Awards. Australasian Performing Right Association. Abgerufen am 25. Oktober 2012.
  9. Brian Ward: Essie in line for award double. In: The Mercury, News Limited, 27. Januar 2013. Abgerufen am 30. Januar 2013. 
  10. Holly Byrnes: Comic duo Hamish Blake and Andy Lee to battle each other for Gold Logie. In: The Daily Telegraph, News Limited, 11. März 2013. Abgerufen am 2. April 2013. 
  11. 3rd Equity Ensemble Awards – Winners announced!, Equity Foundation (Media, Entertainment and Arts Alliance). 3. Mai 2013. Abgerufen am 3. Juni 2014. 
  12. David Knox: AACTA Awards 2014: nominations. TV Tonight. 4. Dezember 2013. Abgerufen am 3. Dezember 2013.
  13. Gatsby dominates 1st round of AACTA awards. In: Nine News. 28. Januar 2014. Archiviert vom Original am 1. Februar 2014. Abgerufen am 30. Januar 2014.
  14. 2014 Logie Awards: full list of nominees. In: The Sydney Morning Herald, 31. März 2014. 
  15. Equity Ensemble Awards 2014 – Voting Now Open!, Equity Foundation (Media, Entertainment and Arts Alliance). 1. April 2014. Archiviert vom Original am 15. April 2014. Abgerufen am 3. Juni 2014.