Mohn Media

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Mohn Media Mohndruck GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1. März 1946[1]
Sitz Gütersloh, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter ca. 2.000[3]
Umsatz ca. 500 Mio. Euro[3]
Branche Druckindustrie
Website www.mohnmedia.de
Stand: 31. Dezember 2015 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2015

Mohn Media (bis 1999 Mohndruck) ist ein deutsches Unternehmen der Druckindustrie mit Sitz in Gütersloh.[4] Es entstand 1946 durch Trennung der Buchherstellung vom Buchverlag Carl Bertelsmanns.[5] Mohn Media ist Marktführer im Offsetdruck und Teil der Bertelsmann Printing Group, Europas größter Druckereigruppe.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1835 gründete Carl Bertelsmann in Gütersloh den C. Bertelsmann Verlag.[7] Zum Unternehmen gehörten von Beginn an auch Druckereien.[8] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf Empfehlung der Militärregierung bei Bertelsmann der verlegerische Bereich von der technischen Herstellung getrennt, was unter anderem den Wiederaufbau erleichtern sollte.[5] 1966 wurde die offene Handelsgesellschaft unter der Firma „Mohn & Co.“ in „Mohndruck Reinhard Mohn“ umbenannt.[5] Das Unternehmen öffnete sich stärker für externe Auftraggeber und investierte außerdem in moderne Drucktechnologien.[9] Mohndruck legte den Grundstein für die Druck- und Industriegeschäfte des Bertelsmann-Konzerns.[10][11]

Nach Umwandlung des Bertelsmann-Konzerns in eine Aktiengesellschaft wurde auch Mohndruck zur Kapitalgesellschaft, einer GmbH, umgewandelt.[5] 1979 erfolgte die Eintragung der Firma „Mohndruck Graphische Betriebe“ ins Handelsregister.[12] 1980 erhielten Mohndruck und andere Bertelsmann-Unternehmen am Standort Gütersloh größere Aufmerksamkeit durch den Besuch des Bundeskanzlers Helmut Schmidt.[13][14] Im weiteren Verlauf der 1980er Jahre sorgte vor allem die Einführung der elektronischen Datenverarbeitung für größere Veränderungen in den Druckereien.[15] Mohndruck nahm die größte Bücherfertigungsstraße Europas in Betrieb und begann 1990 mit umfangreichen Umbaumaßnahmen zur Erweiterung seiner Produktions- und Distributionsbereiche.[9] Ein neu errichtetes Blockheizkraftwerk übernahm die Stromversorgung, außerdem bemühte man sich um die Verwendung mehr chlorfreien Papiers.[16] Mohndruck führte in dieser Zeit zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Umwelt ein.[17][18]

In den 1990er Jahren war Mohndruck eine der führenden Offsetdruckereien in Europa und gemessen an der Mitarbeiterzahl der größte Druckereibetrieb im Bertelsmann-Konzern.[19] Nach der deutschen Wiedervereinigung kaufte das Unternehmen zusätzlich den Graphischen Großbetrieb Pößneck, der heute als GGP Media formiert. Damit wurde die Expansion nach Osteuropa und Russland eingeleitet.[20] 1993 realisierte Mohndruck erstmals eine integrierte digitale Vorstufe.[21] Ungeachtet dieser Investitionen geriet Mohndruck 1995 in die roten Zahlen.[22] Das Unternehmen bekam insbesondere im Reproduktionsbereich den Wettbewerb zu spüren.[23] Um Kosten zu senken, waren Einschnitte bei der Belegschaft erforderlich, was jedoch zu Kritik der Arbeitnehmervertreter führte.[24][25]

1997 schloss das Unternehmen eine Kooperation mit dem größten japanischen Druckkonzern Dai Nippon Printing, um Kunden auch dort beliefern zu können.[26] Im selben Jahr legte man den Streit mit den Betriebsräten durch ein betriebliches Bündnis für Arbeit bei, das unter anderem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für mehrere Jahre vorsah.[27] Da sich Mohndruck immer stärker von der klassischen Druckerei zum Dienstleistungsunternehmen wandelte,[28] änderte das Unternehmen 1999 seinen Namen in Mohn Media.[29] Dadurch sollte deutlich werden, dass es eine breite Wertschöpfungskette abdeckt.[30] Zum Jahreswechsel 2004/2005 stieg Mohn Media beim Konkurrenten Vogel Druck aus Würzburg ein.[31] Das Gütersloher Unternehmen erwarb zunächst 49 % der Anteile.[32] Die Transaktion fand vor dem Hintergrund der Übernahme der Motor Presse Stuttgart durch Gruner + Jahr statt.[33] Ziel der Zusammenarbeit von Mohn Media und Vogel Druck war ein Ausbau des Angebots vor allem für Bestandskunden.[32]

Dieses Ziel erreichte Mohn Media unter anderem durch mehrere bei Manroland bestellte Lithomanen.[34][35] 2009 dehnte das Unternehmen seine Aktivitäten erstmals auf den Druck von Prospekten aus, wofür es Großaufträge der Handelsketten Netto und Real erhielt.[36] Weil Mohn Media dadurch fallende Auflagen bei Zeitschriften ausgleichen konnte, blieb das Geschäft im Vergleich zu anderen Druckereien Ende der 2000er Jahre und darüber hinaus stabil.[37][38] In den folgenden Jahren stockte das Unternehmen seine Kapazitäten für Prospekte mehrfach auf.[39][40] Außerdem erhielt das Unternehmen mehrere wichtige Großaufträge wie zum Beispiel für den Druck der „Asterix“-Hefte und des „Playboy“-Magazins.[41][42] Der Druck einer Teilauflage des „Spiegel“ seit Anfang 2015 wurde zum Prestigeprojekt für die Druckerei, weil das Nachrichtenmagazin damit vom Tief- in den Offsetdruck wechselte.[43][44]

In den vergangenen Jahren investierte Mohn Media vor allem in den Druck und die Postproduktion.[45] 2016 gab das Unternehmen bekannt, eine dritte Großrotation aufzustellen.[46] Bereits die bestehenden Maschinen konnten mehrere Millionen Seiten pro Stunde herstellen.[47] Zum 1. Januar 2016 wurde Mohn Media Teil der neu geschaffenen Bertelsmann Printing Group.[48] Die Unternehmensgruppe umfasst Offset- und Tiefdruckbetriebe sowie einige Dienstleistungsunternehmen im Bereich Marketing.[49]

Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mohn Media druckt Bücher, Kataloge, Prospekte, Telefonbücher und Zeitschriften sowie andere Werbematerialien, bei denen es auf Schnelligkeit und effektive Kundenansprache ankommt.[50] Zu den Leistungen zählen Konzeption, Gestaltung, Druck und Verarbeitung.[51] Das Unternehmen erschließt gesamte „Medienwelten“, was beispielsweise auch maßgeschneiderte Datenbanklösungen umfasst.[52] Einen besonderen Schwerpunkt bildet traditionell die Aufbereitung von Bildern und Texten zur Herstellung von Druckformen für die unterschiedlichen Druckverfahren. Bereits 2002 bündelte Mohn Media die Kompetenzen im Bereich der Reproduktionstechnik bei 4MAT Media in Hamburg.[53]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Festtagsstimmung bei Mohn Media. Großer Andrang beim Tag der offenen Tür. In: Neue Westfälische. 29. Mai 2006.
  2. a b c Management. Mohn Media, abgerufen am 1. April 2017.
  3. a b Profil. Mohn Media, abgerufen am 1. April 2017.
  4. Viola Krause, Meike Schachtsiek, Linda Zimmermeier: Vom Papier zum Buch. Einblicke in die Mohn Media Druckerei an der Carl-Bertelsmann-Straße. In: Neue Westfälische. 22. Juli 2006.
  5. a b c d 175 Jahre Bertelsmann: Eine Zukunftsgeschichte. C. Bertelsmann Verlag, München 2010, ISBN 978-3-570-10175-9, S. 340.
  6. Europas größte Druckereigruppe. In: Neue Westfälische. 6. November 2015, S. 11.
  7. 175 Jahre Bertelsmann. In: Börsen-Zeitung. 27. Januar 2010, S. 10.
  8. Thomas Schuler: Erst Drucker, dann Verleger. In: Berliner Zeitung. 18. Juni 2010, S. 30.
  9. a b Historie. Mohn Media, abgerufen am 1. April 2017.
  10. Bertelsmann Industrie: Neuer Name soll Wandel dokumentieren. In: Frankfurter Rundschau. 9. Juni 1999, S. 16.
  11. Thomas Lehning: Das Medienhaus: Geschichte und Gegenwart des Bertelsmann-Konzerns. In: Fink Verlag. Paderborn, München 2004, ISBN 3-7705-4035-2.
  12. Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 1. April 2017 (Amtsgericht Gütersloh, HRB 1554).
  13. Gunhild Freese: Manager und Märkte. In: Die Zeit. 15. Februar 1980, abgerufen am 1. April 2017.
  14. Friederike Ostermeyer: Deutschlands mächtigste Clans: Familie Mohn. In: World‘s Luxury Guide. Die Welt, 3. Januar 2015, abgerufen am 1. April 2017.
  15. Mohndruck verfolgt bei Rechnernutzung dreiteiliges Konzept. Vorrechner steuert Auftragsdurchläufe zeitnah. In: Computerwoche. 2. November 1984.
  16. Mohndruck: Eigenes Kraftwerk für Stromversorgung, mehr chlorfreies Papier. In: Handelsblatt. 22. April 1991, S. 14.
  17. Nachdruck erwünscht. In: Handelsblatt. 11. Oktober 1991, S. 11.
  18. „Ein ganzheitliches Umweltkonzept muss mit intensiver Kommunikation eingeleitet werden“. In: Handelsblatt. 1. November 1991, S. 1 (Teil „Karriere“).
  19. Strategien bei Mohndruck. Lösungen für den effizienten Übergang von konventionellen zu neuen Technologien. In: Deutscher Drucker. 27. April 1995, S. 130.
  20. Bertelsmann: Musterdruckerei für 10 Millionen Mark, Vertrag über Kooperation mit russischem Verlag. In: Handelsblatt. 5. März 1992, S. 25.
  21. Johannes Haas: Mohndruck realisiert die integrierte digitale Vorstufe. In: Deutscher Drucker. 9. Dezember 1993, S. 19.
  22. Bertelsmann-Industrie: Mohndruck geriet in rote Zahlen, Chancen werden im Bereich der Dienstleistungen gesehen. In: Handelsblatt. 31. Mai 1995, S. 14.
  23. Auch Reproabteilungen von Großdruckereien stehen mit Reprofirmen im Wettbewerb. In: Deutscher Drucker. 8. Juni 1995, S. 26.
  24. Streit um kostenlose Arbeit bei Mohndruck. In: Handelsblatt. 25. August 1995, S. 4.
  25. Alexander Kraft: IG Medien sieht einen „Skandal der Sonderklasse“. Arbeitnehmer „schenkten“ der Bertelsmann-Tochter Mohndruck unbezahlte Überstunden. In: Frankfurter Rundschau. 17. November 1995, S. 5.
  26. Mohndruck und DNP kooperieren. In: Deutscher Drucker. 4. Dezember 1997, S. 6.
  27. Bündnis für Arbeit: Lohnverzicht gegen Beschäftigungsgarantie. In: Deutscher Drucker. 19. Juni 1997, S. 4.
  28. Druckereien: Mohn Media Mohn Media auch künftig mit erfolgreicher Wachstumsstrategie. In: Deutscher Drucker. 13. April 2000, S. 4.
  29. Aus Mohndruck wird künftig Mohn Media. In: Deutscher Drucker. 18. November 1999, S. 5.
  30. Mohndruck wird Mohn Media. In: Handelsblatt. 18. Oktober 1999, S. 25.
  31. Mohn Media macht Druck in Würzburg. In: Neue Westfälische. 2. Dezember 2004.
  32. a b Mohndruck plant Beteiligung an Vogel. In: Deutscher Drucker. 13. Januar 2005, S. 7.
  33. Zeitschriftenriese Gruner + Jahr greift nach Motorpresse-Verlag. In: Handelsblatt. 1. Dezember 2004, S. 17.
  34. Manroland und Mohn Media entwickeln 96-Seiten-Lithoman. In: Deutscher Drucker. 12. Juni 2008, S. 12.
  35. Mohn Media kauft weitere Lithoman. In: Deutscher Drucker. 4. Februar 2010, S. 29.
  36. Großauftrag für Mohn Media. Gütersloher liefern Prospekte für Netto und Real. In: Neue Westfälische. 3. Dezember 2009.
  37. Gute Auftragslage bei Mohn Media. In: Deutscher Drucker. 24. Mai 2012, S. 4.
  38. Rainer Holzkamp: Mit Hochdruck aus der Krise. Mohn Media zieht Großaufträge an Land und steigt ins Prospektgeschäft ein. In: Neue Westfälische. 3. Dezember 2009.
  39. Mohn Media investiert gegen den Trend. Bertelsmann-Drucker setzen auf das Prospektgeschäft. In: Neue Westfälische. 1. März 2011.
  40. Mehr Kapazität für Prospektdruck. In: Deutscher Drucker. 10. Februar 2011, S. 7.
  41. Mohn Media druckt Asterix. In: Westfalen-Blatt. 25. Oktober 2013.
  42. Mohn Media druckt „Playboy“. In: Westfalen-Blatt. 11. Februar 2011.
  43. Prestigeprojekt für Mohn Media. In: Neue Westfälische. 10. Januar 2015.
  44. Mohn Media und Stark dürfen ab 2015 den „Spiegel“ drucken. In: Handelsblatt. 21. Mai 2014, S. 19.
  45. Mohn Media investiert in Druck und Postpress. In: Deutscher Drucker. 30. Juni 2016, S. 26.
  46. Mohn Media will dritte Großrotation aufstellen. In: Neue Westfälische. 2. August 2016, S. 23.
  47. Eike Horstmann: Fünf Millionen Seiten pro Stunde. In: Neue Westfälische. 15. Mai 2014, S. 13.
  48. Ein neuer Druckerei-Riese. In: Neue Westfälische. 6. November 2015, S. 6.
  49. Bertelsmann baut seinen Druckbereich um. In: Nürnberger Zeitung. 6. November 2015, S. 21.
  50. Produkte. Mohn Media, abgerufen am 1. April 2017.
  51. Leistungen. Mohn Media, abgerufen am 1. April 2017.
  52. Andrea Bötel: Die Produktioner erlebten ganz neue Medienwelten. In: Deutscher Drucker. 19. Februar 2004, S. 46.
  53. Mohn Media gründet Reprodienstleister. In: Deutscher Drucker. 11. April 2002, S. 4.

Koordinaten: 51° 54′ 23″ N, 8° 24′ 33″ O